Für viele Bürger inzwischen eine Egalwahl

Im bevölkerungsreichsten Bundesland wird am 15. Mai gewählt. Noch liegt die CDU in Umfragen knapp vor der SPD, doch Demoskopen rechnen schon mit einem Regierungswechsel an Rhein und Ruhr. Nach dem Saarland könnte Parteichef Friedrich Merz den nächsten Regierungsverlust kassieren.

IMAGO / Rüdiger Wölk

Allgemein gelten Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen auch richtungsweisend für die Bundespolitik. Am 15. Mai ist es im größten Bundesland nach fünf Jahren Wahlpause wieder soweit. Doch ist die Wahl noch so wichtig wie früher? Für einen jedenfalls schon: Friedrich Merz, CDU-Chef und Oppositionsführer im Deutschen Bundestag. Verliert sein amtierender Kurzzeit-Regierungschef Hendrik Wüst die Wahl, flöge der zweite CDU-Ministerpräsident in diesem Jahr aus seinem Amt.

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Aus Sicht der Bundesparteizentrale geht es in gut einer Woche also um sehr viel. Schließlich regiert der 46-jährige Wüst erst knapp sieben Monate seit seiner Amtsübernahme vom gescheiterten Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) das größte Bundesland. Zuvor leitete er seit Juni 2017 das Verkehrsressort im Düsseldorfer Kabinett.

Doch, ob nun CDU oder SPD an der Regierungsspitze stehen, spätestens seit der Bundestagswahl wird das immer mehr Bundesbürgern egal. Große Koalition unter Dr. Angela Dorothea Merkel oder Ampel unter Olaf Scholz macht für viele kaum einen Unterschied mehr.

Groß Profil gewinnen konnte CDU-Mann Wüst aus Rhede in Westfalen im Regierungssessel nicht. Wohl auch deswegen führt er im Rennen um die Macht nur knapp vor seinem ebenfalls kaum bekannten Herausforderer, dem 53-jährigen SPD-Bundesvize Thomas Kutschaty. Der SPD-Mann aus Essen ist wie Wüst Rechtsanwalt und fiel als Justizminister (2010 bis 2017) im Kabinett von SPD-Regierungschefin Hannelore Kraft kaum auf.

Warum Profil mit Corona-Panik gewinnen?

Wüst hingegen fiel in jüngster Zeit auf. Der 46-jährige Westfale, der gegen Angela Merkels Pandemie-Politik keinen Widerstand leistete, setzte selbst im März 2022 weiter auf Corona-Panik, wo rund um Deutschland die Masken fielen und europaweit Lockerungen Regierungspraxis waren. Nicht so der NRW-Ministerpräsident und frühere Rechtsanwalt. Wüst glaubte weiter an Strenge in Unfreiheit. Er hielt das in Berlin beschlossene neue Infektionsschutzgesetz mit seinen Lockerungen sogar für einen großen Fehler. „Es läuft alles aus, mit dem man Menschen schützen könnte,“ verbreitete er weiter Angst, wo andernorts Fußballfans in Stadien wieder feiern konnten.

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Seine von CSU-Chef Markus Söder kopierte Corona-Panik bezeichnen wohlwollende CDU-Politiker „als einzigen großen Fehler“. Ansonsten hätte er selbst politische Krisen wie die Mallorca-Affäre seiner Umweltministerin Ursula Heinen-Esser clever gemeistert. Nach dem Wechsel von Laschet zu Wüst sei NRW ziemlich geräuschlos regiert worden. CDU-Politiker verweisen hier auf die jüngste Umfrage, wonach fast jeder Zweite mit der jetzigen schwarz-gelben Regierung zufrieden sei.

Obendrein sei Wüst kein Merkel-Mann, betont der frühere Regierungssprecher Otto Hauser (CDU). „Mit der Wahl von Wüst würden wir den Abschied von der Merkel-Politik vorantreiben.“ Das wäre auch im Sinne von Friedrich Merz, der in Berlin Brücken zum Merkel-Lager abbaut.

Auch die frühere NRW-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel aus Düsseldorf sieht in einer CDU-Regierung einen Hoffnungsschimmer. Positiv sei immerhin die Sicherheitspolitik des Innenressorts mit dem Ziel, gegen Clan-Kriminalität nachhaltig vorzugehen. „NRW hat dem Ankauf ganzer Steile und Geldwäsche durch arabische Clans den Kampf ansagt“, erinnert Pantel. Außerdem müssten im Gegensatz zur Randgruppenpolitik Berlins, jetzt Familien und Arbeitnehmer entlastet und nicht belastet werden. Die Anerkennung ihrer Leistungen stünde auf dem Plan.

Schwarz-Gelb verliert in NRW wohl seine Mehrheit

Dennoch liegt die CDU in mehreren Umfragen nur knapp vor der SPD. Sie ist jedoch, noch schlimmer als ihr Regierungspartner FDP, klar von den Ergebnissen vor fünf Jahren entfernt. Auch die SPD liegt hinter ihrem früheren Ergebnis von 31,2 Prozent deutlich zurück. Nur die Grünen konnten sich von einst 6,4 Prozent heute in Umfragen fast verdreifachen.

Die Linken alias PDS alias SED kommen aufgrund von Personalquerelen, Rücktritten sowie einer aus der Zeit gefallenen Randgruppenpolitik für linke Eliten in allen Umfragen nur noch auf drei Prozent und mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in den Düsseldorfer Landtag.

Aktueller Umfragetrend in Prozent

Umfragen vom 5./6.Mai 2022 (Linke jeweils nur bei 3 % und Sonstige 7 %)

Bei der NRW-Wahl im Mai 2017 konnte Armin Laschet – viele haben ihn schon vergessen – noch 33 Prozent für die CDU erringen und mit der FDP, die heute von ihren einst 12,6 Prozent meilenweit entfernt ist, eine schwarz-gelbe Regierung in der sonst rot-grünen Hochburg bilden.

Nach der Einwanderungswelle ins deutsche Sozialsystem mit Millionen Asylanträgen wollten damals wohl viele Wähler nicht noch mehr Neubürger in ihr Bundesland bekommen. Im Nachhinein stellte sich dies als Trugschluss heraus, denn auch die zuvor bremsende CSU fiel mit Bundesinnenminister Horst Seehofer trotz anhaltender Asyleinwanderung komplett um und ergab sich Merkels Politik offener Grenzen für jedermann.

Hells Angels vs. türkisch-arabischen Clan
Clan-Schießerei in Duisburg ist Wahlkampfballast für die nordrhein-westfälische CDU
Bei einer möglichen Direktwahl läge der amtierende CDU-Ministerpräsident Wüst nach der jüngsten Infratest-Umfrage jedoch mit 39 Prozent vor seinem SPD-Herausforderer. 33 Prozent würden Thomas Kutschaty bevorzugen. Ein Riesenvorsprung ist das nicht, vor allem deswegen, weil die SPD nur einen blassen Gegenkandidaten aufgeboten hat, und dieser von einem schwächelnden Kanzler Scholz im Bund nicht profitieren kann.

Denn mehr als ein Viertel der Befragten würde sich mit 28 Prozent für keinen der beiden Kandidaten entscheiden. Die Unsicherheit ist groß, weil die Wahl zwischen schwarz oder rot nach 16 Jahren Dr. Merkel (CDU) im Kanzleramt in Tateinheit mit ihrem Vizekanzler Scholz (SPD) für viele inzwischen eine Wahl zwischen Skylla und Charybdis ist.

Fortsetzung von Merkels Politik mit anderen Mitteln

Schließlich setze die Ampel-Regierung unter SPD-Kanzler Scholz im Wesentlichen die Politik mit etwas anderen Mitteln vom Kabinett Merkel fort, betont ein erfahrener CDU-Bundespolitiker. Obendrein gehört NRW zu den Ländern, wo der CDU unter dem Regime von Parteichefin Merkel die meisten Mitglieder davongelaufen sind.

Auch bei der Wähler-Stimmung sieht es an Rhein und Ruhr nicht rosig aus für die Union. Nur ein gutes Drittel wünscht sich laut Infratest-Umfrage erneut ein Regierungsbündnis unter CDU-Führung. 41 Prozent sprechen sich hingegen für eine von der SPD geführte Koalition aus.

Daher rechnet INSA-Chef Hermann Binkert derweil mit einem Regierungswechsel. Sein Umfrageinstitut gehe davon aus, „dass die schwarz-gelbe Regierung ihre parlamentarische Mehrheit verliert und die Linken weiterhin nicht dem Landtag angehören werden“. Die Entscheidung werde seiner Ansicht nach womöglich zwischen einer Ampel oder einer Jamaika-Koalition fallen.

Aber weil ein Bündnis von CDU, Grünen und FDP im größten Bundesland die Ampel-Regierung von Olaf Scholz, Robert Habeck und Christian Lindner gefährden kann, spricht vieles für eine weitere Regierung von SPD, FDP und Grünen. Im Bundesrat gäbe es dann mit NRW und Rheinland-Pfalz schon zwei Ampel-Bundesländer mit 10 Stimmen.

Wenn es jedoch ganz düster für CDU und FDP kommt, wäre laut jüngster Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen sogar eine rot-grüne Regierung möglich mit derzeit 46 Prozent gegen 44 Prozent des bürgerlichen Lagers (siehe Grafik). Nach der Landtagswahl am 15. Mai im größten Bundesland könnte die Botschaft lauten – das bürgerliche Lager verliert weiter.


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Kommentare ( 25 )

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Waehler 21
9 Tage her

Die CDU bewirbt sich selbst als clevere Energie-Partei ( teuerster Strom in der EU nebst Zukunftsschulden, die man sich zu bilanzieren weigert ) , als Law und Order Partei (Augenwischerei hoch drei, z.B Schießerei kurz vor der Wahl und eine unüberschaubare Anzahl von Klageeinstellugen von anhängigen Strafverfahren, weil das Personal fehlt) , Flutkatastrophe in niederträchtigerweise „Ausgesessen“ und um nur ein par Merkmale zu nennen. Ach ja! Dabei zugesehen wie ein Untersuchungsausschuss belogen wird. Was den Charakter ganz gut beschreibt. Es geht nicht um die Partei CDU, es geht um die Leute an der Spitze die unserem Land, und der Demokratie… Mehr

Richy
9 Tage her

Ich komme nicht NRW, deshalb ist es mir auch egal, ob eine Regierung unter SPD- oder CDU-Führung entsteht. Beide sind gleich schlecht. Und Wüst mit seiner Corona-Politik ist mir mehr als unsympathisch. Aber noch schlechter sind die Grünen, die gerade dabei sind auf Bundes- und Landesebene Deutschland in den Ruin zu führen. Noch haben sie bei den Wahlen (ausser BW) keine Mehrheit. Da sich ihnen die beiden anderen „großen“ Parteien jedoch so devot anbiedern, haben sie faktisch die Macht bereits übernommen. Für mich gibt es derzeit leider KEINE Partei, die vom Inhalt oder von ihrer Größe imstande ist, das Ruder… Mehr

Sonny
9 Tage her

Es wäre ganz einfach, eine Zeitenwende in Deutschland einzuläuten und dieses Altparteienkartell hinweg zu fegen.
Eine Zeitenwende, in der endlich wieder Politik für die Menschen gemacht würde und nicht für die Parteien.
Machen Sie das Kreuz bei blau und zwar mit absoluter Mehrheit.
Wähler, die mit Absicht ihren eigenen Untergang mit schwarz, rot, grün wählen, muss man tatsächlich wohl als absolut verblendet und gehirngewaschen bezeichnen.

NighthawkBoris
10 Tage her

NRW ist allerspätestens seit Merkel kein deutsches Bundesland mehr, sondern ein Kalifat. In Wirklichkeit regieren dort die Clans jeglicher Nationalität, wie das jüngste Beispiel in Duisburg-Hamborn belegt. Alle Libanesen sind wieder auf freiem Fuß. Noch Fragen? Deswegen ist es auch völlig egal, welche volltrottelige Altpartei in NRW gewählt wird. Es sind nur Erfüllungsgehilfen der kriminellen Clans, mitnichten Vertreter deutscher Ureinwohner. Kann alles weg. Ebenso die Polizei. Die kann nur Bußgelder gegen die arbeitende deutsche Bevölkerung verhängen und friedliche deutsche Demonstraten halb tot prügeln. Merkels Gäste bleiben wie immer verschont. Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Asylmissbrauch, Drogenhandel, Geldwäsche, Kinderehen, Genitalverstümmelungen, Vielweiberei, Sozialhifebetrug, Kindergeldbetrug… Mehr

Jatoh
10 Tage her

Mal unabhängig davon, dass es sich um Landtagswahlen handelt. Was soll denn in einem Land, welches WHO-, Nato- und EU- Mitglied ist, anders werden? Alle Parteien müssen sich nach diesen Randbedingungen ausrichten. Falls es jemals eine Partei in Deutschland gäbe, die, einmal an der Macht, entscheiden würde, dass Deutschland aus diesen Organisationen austräte, würde es für uns noch viel schlimmer kommen, als es so schon ist. Denn schon wären aus den Nachbarn und Verbündeten Feinde geworden, die die alten deutschen Schandtaten zum Vorwand nähmen, ihre eigene Situation zu verbessern. Es gibt zum Beispiel immer wieder Ideen, wie man das Thema… Mehr

Hannibal Murkle
10 Tage her
Antworten an  Jatoh

Auch ohne auszutreten kann man die Akzente verschieben – etwa beim Klimagedöns nicht voranpreschen und keine Waffen verschenken. Die meisten WHO-Mitglieder bieten mehr Freiheit als Deutschlands Corona-Panik – Schweden zum Beispiel.

Last edited 10 Tage her by Hannibal Murkle
Karl Schmidt
10 Tage her

Wer immer dieselben Parteien wählt, bekommt immer dieselbe Politik.

Durchblick
10 Tage her

Warum sollte ich überhaupt noch wählen gehen, wenn die Ergebnisse im Vorfeld schon feststehen? Wer immer noch an korrekte Wahlen glaubt, der hat nicht alle Tassen im Schrank. Seit der letzten Bundestagswahl gehe ich nicht mehr wählen. Stellt euch vor, es sind Wahlen und keiner geht hin.

89-erlebt
10 Tage her

Sie suggerieren, dass es nur die Wahl zwischen Pest und Cholera gebe. CDU und SPD haben nachweislich Land & Leuten massiv geschadet. Trotzdem wählt die Mehrheit genau diese Ruinisten. Ein NRW in Blau wäre alles andere als egal !!

NochNicht2022
10 Tage her

Im Westen nichts Neues. – Was allerdings schleierhaft bleibt ist der Begriff „bürgerliches Lager“. Was ist das überhaupt? Sind da die klassischen „Spießbürger“ aus Union alias Zentrum nach 16 Jahren Merkel gemeint oder was? Klingt so, als sollte man dieses „bürgerliche Lager „wählen. – Ist aber vollkommen ausgeschlossen.

Dr. Rehmstack
10 Tage her

Der gemeine Wähler:in bedankt sich also bei den Grünen für deren unermüdlichen Bemühens, die Lebenshaltungskosten konsequent in die Höhe zu treiben und bittet um ein Mehr an Verlust des eigenen Wohlstandes. Zum ersten Mal verstehe ich das Geschäftsmodell der Dominae, der Kunde wünscht die schlechte Behandlung, je härter, je teurer; bisher hielt ich den Kundenkreis für sehr überschaubar, siehste, so kann man irren!