Die Methan-Verordnung erhöht ab 2027 die Hürden für Gasimporte in die EU. Katar und USA drohen bereits mit dem Lieferstopp. Kein Land der EU wird künftig so stark von Gasimporten abhängig sein wie Deutschland, das den realitätsfernen Übermut der EU-Bürokraten dennoch unterstützt.
picture alliance / Anadolu | Dursun Aydemir
Die politischen Fehlentscheidungen der Vergangenheit machen uns von ausländischen Energielieferungen immer abhängiger. Selbst wenn die EU die Hürden für den Gasimport noch höher legt, stimmen deutsche Politiker zu. Ideologie und Ahnungslosigkeit sind eine verheerende Kombination.
Die EU-Methanverordnung wurde 2024 unter der Nummer 2024/1787 beschlossen. Ziel ist, die Methanemissionen im Bereich der Energie entlang der Wertschöpfungskette in der Öl-, Gas- und Kohleindustrie zu senken. Unternehmen werden verpflichtet, ihre Anlagen auf Leckagen zu untersuchen und diese zu verringern. Weiterhin sind das Ablassen von Gas bei Überdruck und das Abfackeln verboten, außer in Notfällen. Die Maßnahmen müssen natürlich dokumentiert und kontrolliert werden entlang der Kette Förderung, Verarbeitung (Reinigung, Entwässerung, Entschwefelung usw.), Transport, Speicherung und Verteilung. Ebenso müssen stillgelegte Förderstätten überwacht werden und es gibt natürlich Melde- und Dokumentationspflichten und -fristen.
Das mag für Deutschland mit wenig eigener Öl- und Gasförderung und ohne Steinkohleförderung beherrschbar sein, diese Pflichten den Lieferländern aufdrücken zu wollen, scheint etwas überambitioniert. Die EU ist am globalen Öl- und Gasmarkt ein Bittsteller. Zwar werden zunehmend Förderstätten erschlossen und erweitert, jedoch gehen Lieferungen wie aus Katar nach den erheblichen Kriegsschäden mittelfristig deutlich zurück. Wenn Kunden wie die EU-Länder nun zusätzliche Forderungen stellen, können sich die Scheiche andere Kunden suchen. 2027 soll die Verordnung in Kraft treten.
Katar droht den Stopp von Gaslieferungen schon an, offenbar ohne Wirkung auf die Büros der Brüsseler Bürokraten. Nun gut, bisher kamen nur etwa vier Prozent der Importmenge von dort, nachdem Robert Habeck zwar den Bückling machte, aber keine langfristigen Verträge. Da sind die USA mit etwa 26 Prozent der EU-Gas-Importmenge und 58 Prozent der LNG-Menge eine andere Hausnummer. Der amtierende US-Botschafter in Deutschland bezeichnete die Forderungen der Verordnung als „nicht praktikabel“ und droht vorausschauend einen Lieferstopp ab 1. Januar 2027 an.
Selbstgemachter Lieferstopp
Die deutsche konventionelle Erdgasförderung liefert nur noch etwa fünf Prozent des Aufkommens, Tendenz fallend. Eine erhebliche Steigerung der Menge wäre sogar relativ zeitnah möglich durch moderne Fördermethoden wie das Fracking. Hier gäbe es dann die Möglichkeit, die Begleitemissionen bei der Förderung und dem Transport penibel nach der EU-Verordnung zu überwachen. Aber inzwischen ist der Begriff „Fracking“ zu einem Triggerwort geworden, das nur noch von „Kernenergie“ oder „Atomkraft“ getoppt wird. Gleich einem Pawlowschen Reflex folgt danach in einschlägigen Kreisen ein Sturm der Entrüstung, der jede Sachdiskussion von Anfang an unmöglich macht. Obwohl schon in den 1960er Jahren in Deutschland diese Technologie unter der Bezeichnung „hydraulische Stimulation“ angewendet wurde, ohne negative Folgen, gilt sie heute als Teufelszeug und ist seit 2017 verboten. Eine schon bisher mögliche deutliche Steigerung der Erdgasförderung hätte auch den Interessen von Gazprom widersprochen, weshalb Geld für den Widerstand floss. Und natürlich hätte mehr heimisches, preiswertes und nicht sanktionierbares Erdgas das tägliche Vaterunser der Energiewende unterminiert: „Wir brauchen mehr Erneuerbare“.
Mir ist kein Geologe bekannt, der sich gegen sachgemäß durchgeführtes Fracking ausspricht. Das Aufbrechen von Gestein durch hohen Druck und der Zugang zu großen Gasmengen ist in Europa und der Welt gängige Praxis, jedoch verhindert Lautstärke von selbsternannten Umweltschützern gemeinsam mit feiger Politik die Chance zu eigenen und sicheren Gaslieferungen. Übrigens wäre eine erfolgreiche Umsetzung des Geothermie-Beschleunigungsgesetzes auch abhängig vom Aufbrechen tiefer Gesteinsschichten mittels Fracking.
Die deutsche klimaideologisch und atompanisch motivierte Abschaltpolitik führt zur Verengung des Energiemixes (andere Länder verbreitern ihn) und dazu, dass Erdgas der letzte Rettungsring bleibt. Es wird nicht nur gebraucht, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, sondern auch, um die wegfallende Kohlekraftwerksleistung zu ersetzen. Die Illusion, ganz viele und noch viel mehr Windkraftanlagen würden konventionelle Kraftwerke ersetzen können, löst sich sichtbar in zunehmender Windschwäche auf. Trotz Zubaus von 14.000 Megawatt installierter Kapazität seit 2020 bewegte sich die Windstromproduktion 2025 wieder auf dem Niveau von 2020. Der Kapazitätsfaktor aller EE-Anlagen sank in den vergangenen fünf Jahren von 0,20 auf 0,13. Das sieht nicht gut aus für die gewünschte grüne Vollversorgung aus Licht, bewegter Luft, Kompost, Müll und ein wenig Fließwasser. Selbst Kanzler Merz umwehte ein Hauch von Erkenntnis auf dem diesjährigen politischen Aschermittwoch in Trier:
„Diese Energiewende, wenn wir sie jetzt nicht korrigieren, bringt uns um. Sie ist zu teuer geworden. Es ist der falsche Weg, man kann nicht alles nur mit Licht und Sonne und Wind machen.“
Da aber Reden und Handeln bei ihm grundverschieden sind, wird diese Erkenntnis keine Folgen haben.
Die EU setzt mit der Methan-Verordnung nicht nur die Mengen des nötigen Gasimports aufs Spiel, sie ignoriert offenbar auch die Speicherstände. In Deutschland, dem Land mit den größten Aufbewahrungskapazitäten, betrug der Füllstand Anfang Juni nur etwas über 30 Prozent, knapp zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Marktpreise geben den Betreibern keinen Anreiz zum Einspeichern. Im Gegenteil, mit Wolfersberg und Breitbrunn sollen zwei Speicher in Bayern wegen fehlender Wirtschaftlichkeit stillgelegt werden. Auch hier ist der Staatseingriff absehbar und folgerichtig. Wenn der Staat kleinteilig in ein System wie das der Energieversorgung eingreift, muss er es immer wieder, umfangreicher und kleinteiliger tun. Am Ende steht ein staatswirtschaftliches System, in dem die Regeln des Marktes nicht mehr gelten.
„Feuer aus“
Ungeachtet der unübersichtlichen Versorgungslage beim Gas sollen die Abschaltungen nach Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) fortgeführt werden. 5.230 Megawatt Braunkohle-Kraftwerksleistung gehen danach bis 2030 vom Netz, ohne jeden Ersatz. 2020 trat das KVBG in Kraft, die äußeren Bedingungen im Energiesystem waren deutlich andere. Es gab keinen Krieg in der Ukraine, russische Gaslieferungen waren sicher, Nordstream 2 sollte in Betrieb gehen, Kernkraftwerke stützten die Stromversorgung, ein drastischer steigender Stromverbrauch von Rechenzentren war noch nicht zu erkennen. Die exorbitante Bürokratisierung durch eine Ampelregierung war noch nicht absehbar, man glaubte an die „Erneuerbaren“ und einen wachsenden, realistisch aber nicht möglichen Beitrag zur Sicherung der Versorgung durch diese. Grüner Wasserstoff war das flüchtige Zukunftsversprechen, bis heute gibt es keine Liefertermine und Preisangaben. Im Gesetz stehen nur Abschalt-, aber keine Einschalttermine gesicherter Kraftwerksleistung.
Da es von der Ampel wie von Schwarz-Rot offenbar zu viel verlangt war und ist, das KVBG zu aktualisieren, wird am Gesetz um seiner selbst willen festgehalten. Auch das in ihm verpflichtend vorgeschriebene Monitoring (§54) wird ignoriert. Die vorgesehenen Gaskraftwerke nach dem „Gesetz zur Sicherung der Versorgungssicherheit Strom und zur Bereitstellung neuer Kapazitäten – StromVKG“, umgangssprachlich Ersatzkraftwerkegesetz genannt, sind noch nicht zu sehen, auch am Horizont nicht. Für dieses Gesetz existiert gegenwärtig nur ein Referentenentwurf, der nach Einschätzung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sehr komplex ist und von hoher Regelungstiefe. Satte 85 Paragrafen enthält dieses hochbürokratische Werk, dem von den sogenannten Qualitätsmedien schon das Prädikat „umstritten“ verliehen wurde. Allein der Paragraf 2 – Begriffsbestimmungen – beansprucht mehr als drei Seiten. Dazu kommt der politische Streit um den „Südbonus“, der Bieter für den süddeutschen Raum bevorzugt beziehungsweise solche für den Norden und Nordosten benachteiligt.
Erst auf der Grundlage dieses Gesetzes kann ein Ausschreibungsverfahren eingeleitet werden. Die Angabe aus dem Wirtschaftsministerium, erste Anlagen würden 2031 in Betrieb gehen, darf angezweifelt werden.
Deutschland am Tropf
Kein Land der EU wird künftig so stark von Gasimporten abhängig sein wie Deutschland. Nach dem Atom- und Kohle-Aus bleibt als einziger in großen Dimensionen verfügbarer fossiler Brennstoff das Naturgas übrig. Andere Länder sind nicht in dieser Weise betroffen, sie haben zum Teil größere Ressourcen regelfähiger Naturenergie (Wasserkraft) oder nutzen die Kernkraft. Polen will ab 2045 keine Kohlekraftwerke mehr betreiben und ersetzt diese durch Kernkraft. Auch Tschechien wechselt von Kohle zu Kernkraft. Schweden ist schon kohlefrei, den Strommix dominieren Wasserkraft und Kernkraft, die ertüchtigt und ausgebaut wird. Die Schweiz wird absehbar ihren Atomausstieg canceln, Spanien hat nach dem Blackout vom 28. April 2025 den Wert rotierender Massen zu schätzen gelernt, achtet nun auf einen soliden Anteil auf diese Weise erzeugten Stroms im Netz und der Atomausstieg 2035 kann mit einem Fragezeichen versehen werden. Italien als stark strom-importabhängiges Land hat den Wiedereinstieg in die Kernkraft beschlossen.
In Deutschland drehen sich die Diskussionen weiter im gleichen einfältigen Kreis. Wenn Windkraftanlagen zeitweise wenig bis nichts liefern – wir brauchen mehr davon. In gleicher Logik könnte man andere Themen diskutieren: Die Regelung zur Spritpreiserhöhung um 12 Uhr bringt nichts? Dann eben 11 Uhr. Die Schildbürger konnten in Säcken und Eimern nicht genug Licht in das neue fensterlose Rathaus bringen? Die Säcke und Eimer waren halt zu klein. Wir fahren sehenden Auges vor die energiewirtschaftliche Wand, unterstützen aber den mit der Methanverordnung erkennbar realitätsfernen Übermut der EU-Bürokraten.
Kanzlerin Merkel sagte anlässlich der Eröffnung der Hannover-Messe 2019, Europa würden die Voraussetzungen fehlen, um weltweit mitzuspielen. Sieben Jahre später ist diese Aussage noch treffender. Die EU ist noch bedeutungsloser geworden, versteigt sich dennoch zu hohen Forderungen an die globalisierte Welt, während Deutschland zum Wurmfortsatz Chinas am Ende der Seidenstraße mutiert. Mit der EU-Methanverordnung geht das schneller.


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Die gesamte Raumfahrt-Industrie stellt im Ziel, Booster wiederzuverwenden, auf den Treibstoff Methan um, auch wenn dieser größere Tanks aufgrund geringerer Dichte (als zB Kerosin) braucht. Der Grund ist recht simpel. Methan verbrennt fast rückstandsfrei, was eine viel schnellere Wiederverwendung ermöglicht. Die mit Kerosin betriebenen Falcon9-Booster müssen aufwendig vom Ruß des Kerosins befreit werden, was Mio. kostet. Man stellt auch auf schwereren Edelstahl um, weg von Verbundmaterialien, weil dieser wesentlich billiger, leichter zu entsorgen & hitzebeständiger ist. Eine Modul aus Stahl braucht weniger Hitzeschilde. Die EU hat einen extremen Hang zum Steinzeit-Kommunismus des Schlächters Pol Pot.
Dumm, dümmer, Deutschland!
Was nützen alle Erkenntnisse, wenn morgens nur Bananen gefrühstückt werden?
Es muss erst richtig krachen, bevor die Mehrheiten geschaffen werden, die notwendig sind, grünversiffte Ministerien und Behörden zu reinigen und dem jenseits jeder demokratischer Eingriffsrechte agierendem Brüssel fortan den Stinkefinger zu zeigen.