Wer Gauweilers Vorschlag hört, denkt an den Beschluss der CSU von 1976, ihre Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Deutschen Bundestag aufzukündigen.
Screenshot Otto von Habsburg Stiftung
Nach dem Muster von „Bündnis 90/Die Grünen“ empfiehlt CSU-Urgestein Peter Gauweiler, ein „Bündnis Freie Wähler/CSU“ zu erwägen. Ermögliche die CSU das, wäre die Überwindung der Fünf-Prozent-Hürde der Freien Wähler außerhalb Bayerns vielerorts möglich. Gauweiler sieht Mitte-Rechts ein „Stimmungslager“ mit einem Potential von zwei Drittel aller Wählerstimmen. Ziel sei, „dem Missstand ein Ende zu setzen, dass die Deutschen, auch wenn sie rechts wählen, links regiert werden“. Alternativ zu einem Bündnis mit den Freien Wählern könne die CSU auch erwägen, selbst außerhalb Bayerns anzutreten.
Der Beobachter fragt sich, ob er möglicherweise mit „schuld“ an diesem Vorschlag sein könnte. Er hat nämlich im Oktober 2025 bei der Konferenz der Otto von Habsburg Stiftung zum 110. Geburtstag von Franz Josef Strauß in Budapest erzählt, wie Strauß vom damaligen FDP-Bundesgeschäftsführer Fritz Fliszar 1982 wissen wollte, ob die nach dem Koalitionsende mit der SPD vom Nichtwiedereinzug in den Bundestag bedrohte FDP unter einem Vorsitzenden Ralf Dahrendorf nach Hans-Dietrich Genscher für ein Zusammenwirken mit der CSU zu haben wäre. Was Peter Gauweiler bei dieser Konferenz zu sagen hatte über die vielen richtigen Einschätzungen von Strauß, traf sich mit meiner Beobachtung. Die üblichen Medien hörten nicht auf Strauß, weil sie gegen ihn waren. Das war den Haltungsmedien schon damals wichtiger als die Frage, womit er recht hat. Das ist einem heute sehr vertraut.
Kreuther Trennungsbeschluss
Wer Gauweilers Vorschlag hört und die Zeit kennt, denkt sofort an Kreuth am 19. November 1976, als die CSU-Landesgruppe im Bundestag (die bayerischen CSU-Abgeordneten) auf einer Klausurtagung im Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth nach einer langen, stürmischen Debatte von fast 12 Stunden beschloss (30 zu 18 Stimmen bei einer Enthaltung), die seit 1949 bestehende Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Deutschen Bundestag aufzukündigen. Daraus wurde nichts, vergessen haben es weder Strauß noch Gauweiler.
Gauweilers Vorschlag wäre mindestens ein interessanter Test, wie sich ein „Bündnis Freie Wähler/CSU“ auf die Mengenverteilung diesseits der Brandmauer auswirkte. Eine Rückversicherung für die CSU wäre es auch gegen das abstruse Wahl“recht“, wonach alle direkt gewählten Kandidaten in Bayern nicht in den Bundestag kommen könnten, bliebe die CSU-Liste bundesweit unter fünf Prozent.
Freie-Wähler-Vormann Hubert Aiwanger hat positiv reagiert: „Wir brauchen in Deutschland wie in Bayern ein politisches Angebot für liberal-wertkonservative Wähler, die konstruktive Politik wollen (MediengruppeBayern)“, und erklärt, über die konkrete Ausgestaltung müsse noch gesprochen werden: „Der Wähler könnte sich darunter durchaus etwas vorstellen, aber die jeweiligen Parteien hätten Probleme bei der Umsetzung.“ Das mit den „jeweiligen Parteien“ sieht Aiwanger sicher richtig. Er zeigte sich zugleich zuversichtlich, mit seiner Partei bei einer stärkeren strategischen Zusammenarbeit mit der Union auch bundesweit erfolgreich sein zu können. Die Freien Wähler könnten dann in allen Bundesländern die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Bislang habe die Union seiner Partei jedoch „eher die kalte Schulter gezeigt.“ – „Schaun mer mal, dann sehn mer scho.“ (Franz Beckenbauer)
Käme es zum Gauweiler-Vorschlag, wäre das wie bei der Wahl von Wolfgang Kubicki zum FDP-Vorsitzenden zumindest der zweite Teil der nächsten Bundestagswahl, der wenigstens sportlich interessant werden könnte. Denn an der Reihenfolge bei einer solchen gibt’s keinen Zweifel: AfD, CDU, SED-Die Linke, Grüne, SPD. Die Rosaroten und Grünen vor den Roten, fragen Sie vielleicht? Ja, SED-Die Linke ist dabei, der SPD noch mehr Prozentpunkte abzunehmen, den Grünen auch. Wie weit dann Grüne und SPD unter 10 Prozent landen, ist offen und am Ende egal, denn im Ernstfall reichen auch Union 18, SED-Die Linke 17, Grüne 7 und SPD 6 für eine Brandmauer-Mehrheit. Notfalls kommt vielleicht noch eine Kubicki-FDP mit 6 dazu.
Berlin ist ja auf allen Feldern das Versuchslabor der BRD von morgen insgesamt, ginge es so weiter wie bisher. In Berlin könnte es am 20. September so ausgehen.

Sie finden, das wäre eine trostlose Perspektive? Der Beobachter auch.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Darauf kann ich verzichten, markige Sprüche kommen von den Freien Wählern nur kurz vor der Wahl im Bierzelt. Wie bei der CSU eben. Darum geht’s. Halten was man versprochen hat, nicht sich irgendwie mit Wählermärchen in die nächste Legislatur tricksen, damit man wieder an den Tischen der Schönen und Wichtigen das gleiche Lied singen kann. Die „Geldigen“ begreifen das nicht, schon klar. Diese Taktik erlebe ich jetzt seit ich wählen darf. Und wenn wenn zwei auf der Bühne stehen und lehre Versprechen machen, ist das definitiv nicht besser als wenn sie das auf zwei vershiedenen Bühnen machen. Nein danke. Ich… Mehr
Mich wundert die Selbstverständlichkeit, mit der davon ausgegangen wird, dass CDU und AfD noch die gleichen Ziele vertreten.
Did CDU spielt mit falschen Karten – zumindest deren Vormänner. Die Parteimitglieder haben das noch nicht realisiert.
Sollen sie ruhig ein Bündnis „Freie Wähler/CSU“ gründen und auf 8-10% kommen. Wenn dann die Kubicki-FDP ebenfalls über 5% erreicht wäre eine Regierung unter Führung der AfD (30%+) möglich.
Die CDU kann dann mit SPD, Grünen und Linken ein Bündnis gründen, das die linke Opposition darstellt. Merz und Klingbeil fühlen sich bestimmt wohl in einem Boot.
Ein schöner Anfang wäre es schon mal statt immer „Grüne“ zu schreiben, konsequent von „Bündnis 90“ zu sprechen. Aber das ist so was von Osten, ich weiß …
Da hat der Herr Gauweilers natürlich recht wenn er feststellt, dass derjenige, der bisher in Deutschland rechts wählte, im Regierungsergebnis dann aber eher rot-grün als konservativ erhielt. Das hat Tradition und wurde wie so vieles höchst fragliche in der Ära Merkel etabliert. Ob das mit seiner „freie Wähler/ CSU – Liste“ dann so anders wäre, darf sich jeder fragen, der sich bei Herrn Aiwanger gelegentlich schon mal die Augen rieb; und das werden so wenige nicht sein. Insgesamt mutet sein Vorschlag eher wie der Versuch an, mit den vorhandenen Politikern irgdenwie weiter regieren zu können. Also weiter mit der Politik… Mehr
Natürlich ändert sich in dem vor sich hin gärenden Land viel! Die Linken, ich bin mir sicher(!), sind der Kaiser, u. a. alias Reichinneck, dessen Kleidung nur Blendwerk ist. Der Linken Blendwerk ist der ständig bemühte Begriff „Gerechtigkeit“, der für Schwabs „Alle gleich arm und alle glücklich“ steht. Das wird zwangsläufig wie die Kleidung des Kaisers enttarnt werden, denn der Sozialismus war niemals erfolgreich, immer aber verheerend. Bei fortschreitender Deindustrialisierung tritt das Elend sehr bald zutage, trotz aller Jubelmeldungen, s. DDR, zu angeblichem Wirtschaftswachstum, das höchstens in Kriegsmaterial begründet ist. Die Wirklichkeit kommt ans Licht, in allen Narrativen der Grünroten.… Mehr
Warum sollte ein Bündnis CSU/FW auch nur einen AfD-Wäher anlocken? Wenn ich CSU oder FW will, kann ich die auch so wählen. Aber warum sollte ich?
Es ist doch ziemlich egal wer in Berlin regiert solange Bayern zahlt 😉
Das Wahlrecht sollte nicht von den Fröschen bestimmt werden, um deren Teich es geht.
Das jetzige Wahlrecht mit den vielen Parteien im Parlament, der Notwendigkeit zu Koalitionen, dazu noch der Bundesrat, ist das reinste Blockadesystem.
Seit wann sind CSU und FW mitte-rechts? Seit Abgang von Strauß ist das Geschichte. Die FW unter Aiwanger sind ebensolche Opportunisten und Falschspieler, wie Söder. Herr, verschone uns.