Winfried Kretschmann lässt sich als staatsmännischer Grüner verabschieden. Zurück bleibt ein einst blühender Industriestandort, dem grüne Politik Energie, Autoindustrie und Zukunftssicherheit ausgetrieben hat.
picture alliance/dpa | Marijan Murat
Als Winfried Kretschmann im Neuen Schloss in Stuttgart als Ministerpräsident verabschiedet wurde, war alles noch einmal so, wie er sich selbst gern inszenierte: würdig, kultiviert, staatsnah, mit Ballett, Oper, Bundespräsident a. D., Serenade und großem Dank sowie Lobeshymnen von fast allen Seiten. Sogar das Heeresmusikkorps aus Ulm spielte im Ehrenhof des Neuen Schlosses. Gut, Bundeswehr wird auch von Grünen nicht mehr so schräg angesehen. Damit wurde in Baden-Württemberg ein Ministerpräsident verabschiedet, der 15 Jahre lang regierte – länger als jeder andere vor ihm.
Kretschmann kam durch ein politisches Beben an die Macht. Die Landtagswahl 2011 fand wenige Tage nach Fukushima statt. Dazu kamen die jahrelangen Auseinandersetzungen um Stuttgart 21. Die CDU blieb damals mit 39,0 Prozent zwar stärkste Kraft, die Grünen erreichten 24,2 Prozent, die SPD 23,1 Prozent. Zusammen hatten Grüne und SPD 71 Sitze – genug, um die CDU nach Jahrzehnten aus der Villa Reitzenstein zu verdrängen. Am 12. Mai 2011 wurde Kretschmann Ministerpräsident. Ein Tsunami mit einem Unfall am anderen Ende der Welt hatte im deutschen Südwesten die Machtverhältnisse gedreht.
Der neue Regierungschef war kein junger Rebell mehr. Er war Lehrer, Biologe, Katholik, früherer Angehöriger der radikalen Politsekte KBW, später grüner Realpolitiker. Er verstand sehr schnell, dass man Baden-Württemberg nicht mit Berliner Öko-Parolen regieren kann. Also fuhr er zu Porsche, Mercedes, Bosch und in die Betriebe. Er gab der Autoindustrie das Signal: Keine Angst, ich bin nicht gekommen, die Kuh zu schlachten, die dieses Land fett gemacht hat. Doch sie wird geschlachtet.
Was bleibt? Eine zerstörte Autoindustrie, kilometerlang leere Fabrikhallen in den Tälern der Rems und Murr bis hinauf nach Göppingen, mit der Region mittlerer Neckarraum früher das Zentrum der deutschen Autoindustrie und ihren Zulieferunternehmen. Hier beschäftigten Mercedes, Bosch und Mahle mehr als eine Million Menschen, schufen Wohlstand und ein reiches Bundesland.
Baden-Württemberg war über Jahrzehnte das industrielle Herz der Bundesrepublik. Mercedes, Porsche, Bosch, Mahle, ZF, Heidelberger Druck, Festo, Trumpf, Voith, Kärcher, Stihl – Namen, die nicht nur Firmen bezeichnen, sondern eine ganze Wirtschaftsordnung. In den Tälern von Rems und Murr, im mittleren Neckarraum, rund um Stuttgart, Esslingen, Göppingen, Heilbronn, Reutlingen und Ulm standen nicht einfach Fabrikhallen. Dort stand ein Versprechen: Wer etwas kann, wer präzise arbeitet, wer ausbildet, konstruiert, exportiert, der schafft Wohlstand.
Die Autoindustrie ist der empfindlichste Punkt. Das Wirtschaftsministerium nennt für den Fahrzeugbau im Land mehr als 250 Betriebe, über 235.000 Beschäftigte und mehr als 1.000 Zulieferer. Das ist die offizielle, amtliche Beschreibung des Autolandes Nummer eins. Doch der Verbrenner wird auch in Baden-Württemberg von den Grünen politisch nach Kräften bekämpft und der sogenannte „Elektrohochlauf“ planwirtschaftlich überhöht. Wenn China technologisch stärker und Europa regulatorisch blockiert wird, trifft es Baden-Württemberg härter als andere Regionen.
Die Zahlen sprechen eine Sprache, die kein Festakt übertönen kann. Bosch will in den kommenden Jahren in der deutschen Zuliefersparte rund 22.000 Stellen abbauen. Betroffen sind Standorte wie Feuerbach, Schwieberdingen, Waiblingen und Bühl/Bühlertal. Der Konzern setzt auf Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestand, die sozialverträgliche Verpackung für einen massiven industriellen Rückzug. Mercedes meldete für das erste Quartal 2026 erneut Rückgänge: Gewinn, operatives Ergebnis und Umsatz sanken, China bleibt schwierig, der Absatz ging zurück. Porsche streicht Prämien, ZF kämpft mit Milliardenbelastungen aus der E-Mobilität, Mahle und andere Zulieferer fahren Kurzarbeit oder Sparprogramme. Das ist kein einzelner Unfall, sondern eine Kettenreaktion.
Der Exportmotor wird abgewürgt. 2024 exportierte Baden-Württemberg Waren im Wert von 241,1 Milliarden Euro. Das klingt gewaltig, war aber ein Rückgang um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bereits der zweite Rückgang in Folge. Besonders brisant: Die Exporte nach China brachen 2024 um 16,1 Prozent ein. Ausgerechnet China, einst Hoffnungsmarkt der deutschen Premiumindustrie, wird zum Wettbewerber und Problemfall zugleich.
Und dann die Energie. Baden-Württemberg war früher Industrieland auch deshalb, weil Energie verfügbar, berechenbar und vergleichsweise günstig war. Diese Grundlage ist unter grüner Schirmherrschaft systematisch zerlegt worden. Philippsburg: abgeschaltet, Kühltürme gesprengt, Rückbau. Neckarwestheim: abgeschaltet, Rückbau. EnBW schreibt selbst, dass Neckarwestheim I seit 2017 und Neckarwestheim II seit 2023 im Rückbau sind; beide Blöcke zusammen produzierten einst mehr als 576 Milliarden Kilowattstunden Strom. Philippsburg 1 und Neckarwestheim I waren bereits 2011 nach Fukushima vom Netz genommen worden; später folgten Stilllegung und Abbau.
Die sichersten und leistungsfähigsten Kernkraftwerke der Welt: Kretschmann und seine grünen Genossen zerfledderten sie mit Begeisterung. Bereits kurz nach dem grünen Amtsantritt eroberten die grünen Gefolgsleute Kretschmanns die Zentralen der Kernkraftwerke, damit keiner der alten Mitarbeiter die Abschaltung und sofortige Zerstörung durch Aussitzen sabotieren konnte. Da kam er wieder heraus, der alte Kaderpolitiker. Während in den USA alte Kernkraftwerke einfach eingemottet wurden und jetzt teilweise wieder reaktiviert werden, hinterlassen Kretschmann und Co verbrannte Erde. Folge: War früher Baden-Württemberg vor allem nach Frankreich stromexportierendes Land, so gingen heute ohne Stromimporte über den Rhein die Lichter aus.
Auf dem Papier steigt der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung. In der Wirklichkeit sinkt die eigene Stromerzeugung, während Wärmepumpen, E-Autos, Rechenzentren, Wasserstoffpläne und Industrieelektrifizierung künftig mehr Strom brauchen sollen. Das Land will „elektrischer“ werden, während seine robuste Energiebasis mutwillig zerstört wurde.
Kretschmanns und seine Grünen traktieren in trauter Eintracht mit der CDU Baden-Württemberg zugleich mit neuen Zwängen: Photovoltaikpflicht für Neubauten, Pflicht bei grundlegenden Dachsanierungen seit 2023, Klimaneutralität bis 2040. Die Landesregierung verkauft das als Fortschritt. Für viele Bürger, Handwerker, Kommunen und Betriebe bedeutet es: mehr Vorschriften, mehr Kosten, mehr Genehmigungen, mehr Bürokratie. Selbst ehrenamtliche Vereine sind von der Photovoltaikpflicht nicht grundsätzlich ausgenommen.
Dabei sind nicht einmal die eigenen Klimaziele sicher. Der Klima-Sachverständigenrat stellte der Landesregierung 2025 ein miserables Zeugnis aus. Kretschmann konterte, er könne nicht alles zur Chefsache machen; sonst müsse er seine Minister nach Hause schicken. Baden-Württemberg will bis 2030 die Emissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 senken und bis 2040 netto-treibhausgasneutral werden. Doch der Expertenrat warnte, das Land sei nicht auf dem Zielpfad. Das ist die Ironie: Die Grünen belasten das Land mit immer neuen Klimapflichten, verfehlen aber ihre eigenen Ziele.
Ausgerechnet der „Naturschützer“ Kretschmann empfindet nichts dabei, wenn jetzt zum Entsetzen der Anwohner ganze Wälder in Baden-Württemberg Windrädern geopfert werden. Justament in dem Schwachwindland sollen wacklige Windräder gesicherte Leistung für Industrie und künftige Rechenzentren liefern.
Zur schrecklichen Bilanz gehört auch die Rheintalbahn. Gewiss: Die großen Schienenwege sind Bundesaufgabe, gebaut wird von der Deutschen Bahn beziehungsweise DB InfraGO, finanziert im Kern aus Berlin. Doch diese Erklärung reicht nicht. Ein Land, das sich Verkehrswende, Klimaschutz und Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene auf die Fahnen schreibt, kann sich nicht einfach hinter Zuständigkeitsschildern verstecken. Baden-Württemberg hat eigene Planungs-, Genehmigungs- und Naturschutzbehörden, es sitzt in Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren, es kann Kommunen zusammenführen, Prioritäten setzen, Planungskapazitäten stärken, Zusatzlösungen mitfinanzieren, Lärmschutzkonflikte politisch moderieren und gegenüber Bund und Bahn erheblich mehr Druck machen. Gerade bei einem Jahrhundertprojekt wie der Rheintalbahn hätte eine Landesregierung, die überall von Transformation redet, zum Antreiber werden müssen.
Stattdessen bleibt die Rheintalbahn ein Dauerbeleg deutscher Infrastrukturunfähigkeit. Die Strecke Karlsruhe–Basel ist eine der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Achsen und Hauptzulauf zur Schweizer Alpentransversale. Auf dem Papier sollte sie schon längst viergleisig ausgebaut sein, mehr Güterverkehr aufnehmen, Fern- und Nahverkehr entflechten und die Bahn endlich leistungsfähig machen.
So sieht die grüne Wende im Südwesten aus: Kernkraftwerke werden abgeschaltet und abgerissen, Autofahrer soll zu Radfahrern erzogen werden, Betriebe mit Klimazielen und Berichtspflichten überzogen – aber die Bahn, die all das angeblich auffangen soll, fährt auf einer der wichtigsten europäischen Magistralen noch immer nicht so, wie sie längst fahren müsste.
Kretschmann konnte die Rheintalbahn nicht allein bauen. Aber er hätte sie zur Chefsache machen können. Genau das ist der Punkt: Wer ein ganzes Land umbauen will, darf sich bei den zentralen Voraussetzungen nicht mit dem Hinweis herausreden, ein anderer sei zuständig.
So endet die Ära Kretschmann. Er war beim städtischen Publikum beliebt, weil er nicht wie ein klassischer grüner Funktionär auftrat. Er sprach Dialekt, zitierte Philosophen, und lobte den Maßstab des bürgerlichen Anstands.
Noch ist Baden-Württemberg nicht Detroit. Noch stehen die Werke, noch arbeiten Hunderttausende, noch gibt es Ingenieure, Patente, Weltmarktführer, Familienunternehmen und einen Mittelstand, den andere Länder beneiden. Doch durch viele leere Hallen in einstigen Industriegebieten pfeift bereits der Wind. Hallen allerdings werden nicht über Nacht leer, sondern erst werden Schichten gestrichen, dann Investitionen verschoben, dann Abteilungen zusammengelegt, dann Standorte verkleinert. Deindustrialisierung beginnt selten mit einem Knall.
Unter Lothar Späth stand Baden-Württemberg für Tüftlergeist, Hightech, Export und industrielle Zuversicht. Unter Kretschmann wurde daraus ein Land, das sich noch immer reich gibt, aber immer stärker von der Substanz lebt. Der Waschlappen war am Ende mehr als ein missglückter Spartipp. Er war ein Symbol für eine Politik, die den Bürgern Verzicht erklärt, während sie den Wohlstandsmotor des Landes in die Werkstatt schiebt, keiner weiß, ob er danach noch anspringt.






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Um nur auf das Tilelfoto einzugehen.
Da sitzt das Übelste aus dem Westen und dem Osten dicht beisammen, was man sich überhaupt vorstellen kann !
Meine Güte, was „hockt“ denn hier alles „herum“?!
Jetzt, zusammen mit der linken Nasenbohrerpartei, wird BW den Rest bekommen. Islamisiert und pleite geht es dann in den Abgrund. Die ganzen Häuslebauer sitzen nun da. Dass die CDU noch rechtzeitig den Dreh bekommt, kann man wohl ausschließen.
Die Bürger fanden den Untergang gut: Deswegen geht es nun auch so weiter!
Unter Kommunisten sind Ordensverleihungen und Staatsakte üblicher
Selbstbeweihräucherungs-Standard….
Erst der Staatsbankrott wird dann in kleinerem Rahmen abgewickelt.
Es war von Anfang an klar. Ungebildete Grüne haben keine Vorstellung von dem, was technisch machbar ist. Im letzten Jahrtausend hatten die Grünen Sinn, da die Umwelt wirklich lange recht kaputt war. Aber inzwischen ist diese Partei nur noch zerstörerisch und nichts anderes mehr.