Während Bürger bei Steuern, Abgaben, Energie und Krankenkassen immer härter zur Kasse gebeten werden, lässt Angela Merkel Friseur und Make-up aus dem Bundeshaushalt bezahlen. Das muss sofort enden.
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Der Bundestag liefert Zahlen, die man zweimal lesen muss, weil sie so dreist wirken. Für Friseur- und Visagistenleistungen zugunsten der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel sind seit Juli 2024 bis März 2026 insgesamt 64.677 Euro aus öffentlichen Mitteln angefallen. Nicht für eine amtierende Regierungschefin im täglichen Staatsbetrieb, sondern für eine Altkanzlerin, die längst nicht mehr regiert. Die Tabelle steht in der Drucksache 21/5364, Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage.
Monat für Monat tauchen dort Beträge auf, die für viele Bürger inzwischen der blanke Hohn sind: 4.141 Euro im Juli 2024, 4.094 Euro im August, 3.594 Euro im Oktober, 3.725 Euro im November, 4.724 Euro im April 2025, 4.427 Euro im November 2025. Selbst in Monaten mit niedrigeren Summen werden noch Beträge abgerechnet, bei denen normale Arbeitnehmer überlegen müssten, ob sie dafür Miete, Strom, Auto oder Lebensmittel bezahlen.
Das Land ächzt unter steigenden Beiträgen, höheren Krankenkassenkosten, teurer Energie, kalter Progression, neuen Abgaben und einer Politik, die den Bürger als endlos belastbare Einnahmequelle behandelt. Viele Menschen schieben den eigenen Friseurbesuch auf, weil am Monatsende nichts mehr übrig bleibt. Rentner rechnen beim Einkauf nach. Familien streichen Ausgaben, die früher selbstverständlich waren. Und ausgerechnet jene politische Kaste, die dieses Land über Jahre mit in die Lage geführt hat, lässt Haut, Haar und Auftritt weiterhin auf Kosten der Allgemeinheit pflegen.
In welcher Welt soll das noch vermittelbar sein? Der Staat nimmt dem Bürger jeden Euro mit wachsender Selbstverständlichkeit ab und bezahlt daraus Dienstleistungen, die jeder normale Mensch privat begleicht. Wer nach der Kanzlerschaft Termine wahrnimmt, Bücher verkauft, Reden hält, Preise entgegennimmt oder Einladungen folgt, soll seine Frisur selbst bezahlen. Das ist keine Frage des Neids, sondern des politischen Anstands. Öffentliche Mittel sind keine Komfortkasse für ehemalige Spitzenpolitiker.
Die Drucksache zeigt zudem, dass es nicht bei Friseur und Make-up bleibt. Merkels eigene Reisen zulasten des Bundeshaushalts werden seit Juli 2024 mit neun Posten aufgeführt: Paris auf Einladung von Präsident Macron für 1.223,47 Euro, Düsseldorf zum Neujahrsempfang der CDU NRW für 928,76 Euro, Hannover zum Deutschen Evangelischen Kirchentag für 603,66 Euro, Augsburg zu einem Termin mit der Augsburger Allgemeinen für 533,37 Euro, Düsseldorf zur Veranstaltung der Handelsblatt Media Group für 1.224,92 Euro, Tel Aviv zur Preisverleihung des Weizmann-Instituts für 3.075,64 Euro, Stuttgart zur Verleihung der Staufermedaille in Gold für 1.229,61 Euro, Stuttgart zum CDU-Parteitag für 532,96 Euro und Maria Laach zur Fastenpredigt in der Benediktinerabtei für 1.205,78 Euro.
Hinzu kommen Reisekosten der Mitarbeiter der Altkanzlerbüros. Die Bundesregierung listet dafür von Juli 2024 bis März 2026 monatliche Beträge auf, darunter 5.064,80 Euro im Juli 2024, 4.910 Euro im August 2024, 4.737,58 Euro im Oktober 2024, 9.764,93 Euro im August 2025 und 10.423,70 Euro im Februar 2026. Bis Juni 2025 werden diese Reisekosten laut Drucksache allein dem Büro Merkels zugerechnet.
Die Amtsausstattung selbst schlägt ebenfalls massiv zu Buche. Für die Bundeskanzler a. D. nennt die Bundesregierung Personalkosten von 473.289 Euro ab Juli 2024, 1.443.212 Euro im Jahr 2025 und 408.174 Euro bis Ende März 2026. Zur Büroausstattung Merkels gehörten zum Stichtag 31. März 2026 unter anderem zwei B6-Stellen, eine A15-Stelle, E14, E12, E11, A9m und zwei E5-Stellen.
Natürlich verweist die Bundesregierung auf nachamtliche Aufgaben, fortwirkende Verpflichtungen und Tätigkeiten im Auftrag oder Interesse der Bundesrepublik. Das mag in engen Grenzen gelten. Aber Friseur- und Make-up-Kosten in dieser Größenordnung sind kein staatspolitischer Auftrag, sondern ein Symbol für eine abgehobene Selbstbedienungsmentalität. Wer dem Bürger Sparsamkeit predigt, darf sich nicht die eigene Außenwirkung aus dessen Tasche finanzieren lassen.
Diese Praxis gehört beendet, sofort und ohne Ausflüchte. Altkanzler haben Anspruch auf Sicherheit, auf klar begründete Amtsunterstützung und auf eng begrenzte Kostenübernahme für echte Staatsaufgaben. Sie haben keinen Anspruch darauf, dass Bürger, die selbst kaum noch über die Runden kommen, ihnen den öffentlichen Auftritt verschönern. Der Bundeshaushalt ist keine Visagistenkasse.

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Helmut Schmidt, den ich für den letzten grundehrlichen ‚Inhaber‘ des dt. Kanzlersessels halte, aber auch der ihm nachfolgende Helmut Kohl hätten jeden, der ihnen mit einem solchen Ansinnen auf die Pelle gerückt wäre, ‚achtkantig‘ vor die Türe befördert – und das unter verbaler ‚Begleitmusik‘, über deren Wortwahl ich hier nicht spekulieren möchte, die aber wohl ohnehin nicht öffentlich zitierfähig gewesen wäre. Was uns hier im speziellen Fall vor Augen kommt, ist die ganze hypertrophe Maßlosigkeit (und Gier!) einer ansonsten völlig schambefreiten ‚classe politique‘, die – um es mit Liselotte von der Pfalz zu sagen – selbst ihren ‚Dr##k vor Weihrauch… Mehr
Warum gibt man das Geld nicht für die Gefängniszelle aus, in die Frau Merkel zweifellos gehört? (Ich kann auch differenzierter, aber bei Frau Merkel habe ich dazu einfach keine Lust.)
Welcher Bundeshaushalt?
Der Haushalt für 2026 ist schon im April verbraucht.
Und das Sondermögen?
Blöd, wer daran glaubt.
Die SPD will schon jetzt neue Schulden.
Bin immer wieder erstaunt, wie frech sich einige Politiker, die Visage, auf unsere Kosten, verschönern lassen wollen, wobei das sowieso ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Ich will meine Steuern zurück
Es ist eben eine unverschämte ,abgehobene und den Bürger verachtende Politikerkaste entstanden denen jegliches Ehrgefühl jeglicher Anstand verloren geht. Und die Frau Merkel ist eine der Allerschlimmsten in dieser Aufzählung . An Arroganz ,Überheblichkeit nicht zu überbieten . Jeder anständige Mensch würde sich schämen derartige Abrechnungen sich von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen . Wer anders handelt hat einfach seine Anständigkeit verloren . Das sind Anwandlungen die feudalen Fürsten zugerechnet worden wären . Undenkbar das eine ehemalige „ Vertreterin des Volkes „ eine derartige widerliche und blamable Handlungsweise nötig hat . Aber das zeigt nur welche Verachtung diese Person für… Mehr
Und wieder so ein „linker“ neid artikel. Auch bei Tichy kann man merken das die kritik sich langsam von unten nach oben verschiebt. Vor 1 jahr wäre hier ganz sicher auch der faule bürgergeldempfänger erwähnt worden.
mit den Grünen begann das vermutlich. Wie teuer ist denn der Haarschnitt von Ex-BUK. Scholz?
Aber wenn viele Bürger den Bundestagsabgeordneten schreiben würden, wäre eine Wende möglich.
Wie kann jemand ernsthaft bezweifeln, daß der Königin und ihren Hofnarren das alles zusteht? Und wer nicht bezeiten versucht, in diese Kreise zu gelangen, um ebensolche Privilegien zu ergattern, der steht halt auf der Verliererseite und hat dafür zu berappen! Sehr schön zu sehen an der derzeitigen Berliner Bürgermeister-Kandidatin von der Linken (formerly known as SED), Elif Eralp (WELT Artikel „VOR ABGEORDNETENHAUSWAHL „Wir werden die Eigentumsfrage stellen“ – Linke-Kandidatin macht drastische Ansage für Berlin“Die können den alten OPEL Slogan aufsagen: „Wir haben verstanden“, was die NRWSPD ja auch probiert, genau wie damals Opel, Der Opel-Werbeslogan „Wir haben verstanden“ wurde von 1994 bis… Mehr
Wie in einem Unternehmen, dessen griesgrämiger Spesenbuchhalter jeder Rechnung der Angestellten missmutig prüft, bräuchten wir einen Bundesbuchhalter, der nur dem Bürger Rechenschaft schuldet.
So jemand hätte dann das Recht und die Pflicht, Frisör-, Visagisten-, Reisekosten u.ä. von Politikern, gleich welchen Ranges, zu kontrollieren und gegebenfalls zurückzuweisen. Schicke Frisusen würden von ihm nur genehmigt, wenn die Bürger damit einverstanden wären.
Zustände wie früher beim Adel und seinen Untertanen. Zeiten wie vor 1789. Es wird zusammengerafft was das Zeugs hält und noch dazu für angemessen gehalten. Die Schlimmen sind diejenigen die dieses Geld für erfolglose Restaurationsarbeiten genehmigen und auch anweisen. Man bekommt ja den Eindruck dass jedes mal ein Gerüst errichtet werden mußte bevor man mit den Putzarbeiten begann. Dieser Logik folgend sollte jeder Selbständige diese Kosten steuerlich geltend machen dürfen. Er erwirtschaftet jedenfalls diese Abgaben die dieser Bürgerin in den Hintern geschoben werden.