Bettina Röhl direkt: 60 Geschlechter für die Wirtschaft

Was soll die Wirtschaft tun?

Was soll also die Wirtschaft, die nun einmal das Geld der Gesellschaft zu verdienen hat, mit den ausufernden und blumigen Maßregelungen der Gendergesetzgebung anfangen, denen gemäß im konkreten Einzelfall nicht mehr die Qualifikation eines Mitarbeiters/ einer Mitarbeiterin zählt, sondern die Zufälligkeit der Genderlaunen. Was soll etwa ein mittelständischer Betrieb, bei dem es um den konkreten Arbeitsplatz, hinter dem eine konkrete Aufgabenstellung steht, tun?

Das gesamte öffentliche und wirtschaftliche Leben soll seit Jahren durchgegendert werden, ohne dass ein Ende definiert ist. In den Schulen und in den Universitäten sollen die Naturwissenschaften durchgegendert werden. Warum ist bisher, außer sehr Gerede und sehr viel Stress im Prinzip dort nichts passiert? Weil ein Integral oder eine Wurzel keine Geschlechtlichkeit besitzen und auch die Spezialmaschine, die ein mittelständischer Weltmarktführer nach Brasilien verkaufen möchte, hat kein Geschlecht.

Paradox: Wer geschlechtsspezifische Fähigkeiten, Eigenschaften, Intelligenzen gänzlich negiert, wie es die Gender Mainstreamer im Prinzip tun, kann eigentlich nicht sagen, Frauen verkauften, führten oder konstruierten besser oder hielten besser Buch oder umgekehrt. Die Probleme der Quotenregelungen sind bekannt, umgekehrt ist auch bekannt, dass nicht auf jede Ausschreibung eine quoten- oder gendertaugliche Resonanz auf der Nachfrageseite vorhanden ist. Auf viele Stellenangebote melden sich nur Frauen oder nur Männer. Und nicht auf jede Stellenausschreibung meldet sich jemand mit dem 47. oder 56. Geschlecht aus der Genderliste, siehe Facebook, das neuerdings 60 Geschlechter vorsieht.

Das Genderrecht enthält erklärtermaßen Unrecht, in dem es zur Herstellung irgendeiner höheren fiktiven Gerechtigkeit, die offenbar nie zu erreichen ist, eine für vorübergehend erklärte Benachteiligung von Jungs und Männern normiert mit dem erklärten Ziel den Mann zu domestizieren. So wird es ganz offen von den befassten Bundes-und Landesministerien propagiert. In dieser Benachteiligung der männlichen Seite der Menschheit geht zugleich ein Nachteil für die Wirtschaft einher, die sich nicht mehr nach den Besten umsehen kann, sondern nach Gendergesichtspunkten einstellen muss. Dies führt im Einzelfall dazu, dass der Laden mit weniger Qualifikation geschmissen werden muss. Oder es führt im Ergebnis dazu, dass die Wirtschaft leistungsstarke Fachkräfte aus dem Ausland anwirbt, die das Wort Gender in ihrem Leben noch nicht gehört haben.

Wem dies nun trotzallem als Nun-plus-Ultra der Zukunftsgestaltung erscheint, stößt automatisch auf das nächste unlösbare Problem, nämlich darauf, das Gender Mainstreaming durch und durch undemokratisch ist. Es werden nämlich nicht die legitimen Interessen verschwindender Minderheiten geschützt, sondern im Gegenteil, Gender Mainstreaming ist auf eine regelrechte Beherrschung der erdrückenden Mehrheit angelegt.

Seit einigen Jahren wird Gender Mainstreaming zwar immer übermächtiger, aber gleichzeitig auch substanzloser, weil die Sinnfrage immer offener zu Tage tritt. Und es gibt erste Proteste zum Beispiel in Baden Württemberg gegen den Bildungsplan 2015, der Gender Mainstreaming erstmals systematisch in die Schule und speziell in den Sexualkundeunterricht pressen soll. Immer mehr Menschen, die mit dem Genderrecht in Berührung kommen, fragen: Was soll das Ganze? Was bringt es in konkreto? Insofern gibt es für den Übereifer, den man in manchen Personalabteilungen beobachten kann, eigentlich keinen Anlass.

Dieser Text erschien in etwas anderer Form Ende des Jahres 2014 im Magazin „Faktor C“

Die sechzig Geschlechter die Facebook nun auch in Deutschland zur Auswahl anbietet:

• androgyner Mensch
• androgyn
• bigender
• weiblich
• Frau zu Mann (FzM)
• gender variabel
• genderqueer
• intersexuell (auch inter*)
• männlich
• Mann zu Frau (MzF)
• weder noch
• geschlechtslos
• nicht-binär
• weitere
• Pangender, Pangeschlecht
• trans
• transweiblich
• transmännlich
• Transmann
• Transmensch
• Transfrau
• trans*
• trans* weiblich
• trans* männlich
• Trans* Mann
• Trans* Mensch
• Trans* Frau
• transfeminin
• Transgender
• transgender weiblich
• transgender männlich
• Transgender Mann
• Transgender Mensch
• Transgender Frau
• transmaskulin
• transsexuell
• weiblich-transsexuell
• männlich-transsexuell
• transsexueller Mann
• transsexuelle Person
• transsexuelle Frau
• Inter*
• Inter* weiblich
• Inter* männlich
• Inter* Mann
• Inter* Frau
• Inter* Mensch
• intergender
• intergeschlechtlich
• zweigeschlechtlich
• Zwitter
• Hermaphrodit
• Two Spirit drittes Geschlecht
• Viertes Geschlecht
• XY-Frau
• Butch
• Femme
• Drag
• Transvestit
• Cross-Gender

 

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