Bettina Röhl direkt: 60 Geschlechter für die Wirtschaft

Vergewaltigung der Realität

Aber Gesetz oder gar Recht ist eben, was der juristische Mainstream für rechtens erachtet. Juristen kannten den Ausdruck „herrschende Meinung“ schon immer und das hatte schon immer den immanenten Haken, dass herrschende Meinungen kaum noch überprüfbar waren oder sind. Ein ganzes neues Rechtsgebiet, nämlich das Genderrecht, das seine Berechtigung aus den Ergebnissen der sogenannten Genderforschung zieht, die im Detail anzuschauen sich lohnt, um nämlich im Detail beurteilen zu können, wie viel heiße Luft dort umgewälzt wird. Eine Forschung, die aber des Mainstreams wegen nicht „sogenannte“ genannt werden darf, so wie auch nicht von einer Gender-Ideologie gesprochen werden darf trotz Vorliegens aller Vorrausetzungen, die zur Definition des Begriffes Ideologie gehören. Diese Genderforschung verfolgt das Ziel die evidente, seit Beginn der Menschheit anerkannte Tatsache, dass es Mann und Frau biologisch unterscheidbar gibt, abzuschaffen. Anders lässt sich die Sache kaum verstehen.

Kürzlich wurde bei der ersten Durchforstung bestehender Gesetze nach Gendergesichtspunkten in der Straßenverkehrsordnung der Begriff „Fußgänger“ in den Begriff „Zu Fuß gehende“ geändert. Die Kategorien „Mann“ und „Frau“ sollen auf möglichst allen Ebenen durch die, allerdings etwas entmenschlichte Größe Mensch ersetzt werden. Allerdings: Dass alle Menschen Menschen sind, ist keine 20 000 Jahre alte Erkenntnis, sondern eine 20 000 Jahre alte Definition der Menschen ihrer selbst. Für Menschen gibt es in der deutschen Sprache eben das Wort Menschen. Und in anderen Sprachen ein anderes Wort, zum Beispiel human being (englisch), essere umano ( italienisch) usw.

Die Menschen haben außerdem den biologischen Unterschied zwischen Mann oder Frau erkannt und mit den Begriffen „Mann“ und „Frau“ benannt. Den Unterschied von Mann und Frau weg zu definieren und beide Kategorien einfach durch den Begriff „Mensch“ unspezifisch zu ersetzen, ist keinen wissenschaftliche Leistung, sondern eine Vergewaltigung der Realität, die allerdings sehr durchsichtig dem alleinigen Zweck dient die erdrückende Mehrheit der Männer und Frauen, die sich eben selber als Mann oder Frau fühlen und begreifen, zu verunsichern und zu diskreditieren. Und das obwohl im Grundgesetz weiterhin von der Gleichberechtigung von Mann und Frau ganz selbstverständlich ausgegangen wird.

Der Hass gegen die Begriffe Mann und Frau

Wer sich die noch junge Genderforschung, die es an fast jeder Universität hochdotiert gibt, einmal in konkreto anschaut, wer also in die Quellen einsteigt, ist erschüttert über die Niveaulosigkeit und die heiße Luft, die dort umgewälzt wird. Man ist verwundert über den Hass, der dem menschlichen Sein von Mann und Frau entgegen schlägt. Es war immer so, dass die Begriffe Mann und Frau im Prinzip identisch sind mit dem maskulinen oder dem femininen Sexus oder auch dem männlichen oder weiblichen Geschlecht. Die gesetzliche Fiktion des Genderrechtes lautet dagegen, dass es nicht nur die beiden alt bekannten Geschlechter in Wahrheit gar nicht gäbe, sondern derlei Biologie reine Einbildung wäre. Die biologischen Merkmale, die jeder sieht, gäbe es tatsächlich nicht oder sie seien so unwichtig, als seien sie nichts, stattdessen gäbe es Dutzende sogenannte soziale Geschlechter, die die wahre Realität abbildeten. Damit gemeint ist, dass jeder Mensch kraft eigener autonomer Entscheidung oder kraft umweltbedingter Entscheidung sagt und gegebenenfalls lebt, welches Geschlecht (auf der monatlich länger werdenden Geschlechterliste) er denn gerade inne hat.

Unendlich viele Wörter machen die Genderforschung aus. Als Kampfbegriff fällt oft das recht einfältige Schlüsselwort „Vielfalt“, das wie ein Dauerfetisch repetiert wird. Auffällig in der Genderforschung ist, dass diese in geradezu unheimlicher Weise permanent gegen irgendeinen ominösen Gegner kämpft und diesen Gegner mit allen möglichen Schimpfwörtern belegt. Beliebtestes Schimpfwort ist wahrscheinlich homophob.

Was ist ein Geschlecht? Diese einfache Frage klammert das Genderrecht aus und liefert stattdessen Substitute, die sich bei genauerer Betrachtung einfach nur als Denkfiguren oder neu erfundene Wörter entpuppen, die man auch als Definitionen bezeichnen könnte. Wenn ein Mann heterosexuell lebt, war und ist er selbstverständlich (und bezeichnenderweise erst recht innerhalb der Genderideologie) ein Mann. Wenn ein Mann einen Mann oder Männer liebt, also homosexuell ist, war er in den letzten 20 000 Jahren ein Mann und ist auch heute noch ein Mann, der sich seiner Männlichkeit und der Männlichkeit der anderen Männer sehr wohl bewusst ist, in dem er nämlich explizit Männer liebt und genau unterscheidet. Nichts deutet darauf hin, dass ein Mann, der einen Mann liebt, seine Männlichkeit nicht mehr besäße und ein anderes Geschlecht annehmen müsste.

Genauso verhält es sich mit den sexuellen Präferenzen von Menschen, konkret, mit den sexuellen Präferenzen oder Geschlechtswünschen von Männern und Frauen.
Ein biologisch als Frau geborener Mensch, der den Fortschritt der Medizin nutzen möchte und sich in dem begrenzten Rahmen, in dem das möglich ist, in einen Mann verwandeln lassen möchte, soll diesen Entschluss frei von Diskriminierung fassen und umsetzen können. Und der neue Mann soll sich auch als Mann fühlen dürfen, wenn dies sein Wunsch ist. Die Operation ändert am Genom nichts und die Operation baut die primären Geschlechtsmerkmale nach, allerdings ohne deren Funktionen herzustellen, zum Beispiel Erektionsfähigkeit, Orgasmusfähigkeit, Zeugungs- oder Gebärfähigkeit. Das ändert nichts am Recht jedes Menschen sich selber als Mann oder Frau zu fühlen und von seiner Umwelt Respekt zu erwarten. Auch die sehr wenigen Fälle der biologischen Uneindeutigkeit des Geschlechtes verlangen nicht nach der Einrichtung von derzeit sechzig oder mehr unterschiedlichen Geschlechtern.

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