Zehntausende marschieren in Madrid gegen Sánchez: Spaniens Linke versinkt im Korruptionssumpf

In Madrid fordern zehntausende Demonstranten Sánchez' Rücktritt, während Korruptionsvorwürfe sein linkes Lager zerfressen. Spaniens Regierungschef nennt die Affären politisch motiviert. Die Straße nennt es sozialistische Mafia.

picture alliance / AP Photo/Manu Fernandez

In Madrid ist am Samstag sichtbar geworden, was in Europas linken Regierungsmilieus gern als „rechte Kampagne“ abgetan wird, sobald es zu nah an die eigene Macht geht: Zehntausende wütende Spanier zogen durch die Hauptstadt und forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Pedro Sánchez. Die Demonstration stand unter dem Namen „Marsch der Würde“, organisiert von der Vereinigung Spanish Civil Society. Auf Bannern wird der Rücktritt der sozialistischen Mafia gefordert. Reuters berichtet von mindestens sieben verletzten Polizisten, drei Festnahmen und einer ansonsten weitgehend friedlichen Demonstration.

— Muy.Mona/🇪🇸💚 (@Capitana_espana) May 23, 2026

Sánchez steht nicht wegen einer einzelnen peinlichen Randgeschichte unter Druck, sondern wegen einer ganzen Kette von Korruptionsaffären im Umfeld seiner politischen Familie. Die Protestierenden trugen spanische Flaggen, forderten den Rücktritt der Regierung und machten damit deutlich, dass es hier nicht mehr um parlamentarisches Geplänkel geht. Es geht um das Vertrauen in einen Machtapparat, der sich moralisch gern über seine Gegner erhebt und nun selbst bis zum Hals im Verdacht politischer Verkommenheit steckt.

Besonders bitter für Sánchez: Auch der frühere sozialistische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero geriet ins Visier der Justiz. Ein spanisches Gericht teilte laut Reuters am Dienstag mit, Zapatero werde wegen des Verdachts untersucht, ein Netzwerk für Einflussnahme und Geldwäsche angeführt zu haben. Zapatero bestreitet Fehlverhalten. Für Sánchez ist das trotzdem ein schwerer Schlag, weil Zapatero nicht irgendein Altsozialist ist, sondern ein wichtiger Verbündeter.

Dazu kommt der Fall seiner Ehefrau Begoña Gómez. Schon im April 2024 hatte Sánchez kurzzeitig mit dem Rücktritt geliebäugelt, nachdem ein Richter Ermittlungen gegen sie eröffnet hatte. Sánchez verteidigt seine Familie und spricht von politisch motivierten Verfahren, die von rechten Gegnern betrieben würden. Seine Frau weist Fehlverhalten zurück; ein spanischer Staatsanwalt beantragte laut Reuters im Vormonat, das Verfahren einzustellen.

Linke Regierungen kennen inzwischen ein festes Drehbuch. Solange sie über andere urteilen, führen sie die Begriffe Moral, Demokratie und Anstand im Mund. Sobald die Justiz in der Nähe des eigenen Milieus auftaucht, wird aus Rechtsstaat plötzlich Kampagne, aus Kritik Hetze, aus Opposition Gefahr für die Demokratie. Sánchez spielt diese Karte wie jemand, der politisch nichts mehr zu bieten hat als den Verdacht gegen seine Kritiker.

Dass führende Politiker der oppositionellen Volkspartei und von Vox an dem Marsch teilnahmen, wird in vielen Berichten sofort zum ideologischen Etikett. Es ist der übliche Reflex: Wenn Bürger gegen eine linke Regierung auf die Straße gehen, muss die Straße erst einmal politisch verdächtig gemacht werden. Doch die Zahlen sprechen für sich. Die Organisatoren nannten 80.000 Teilnehmer, der Regierungsvertreter in Madrid sprach von etwa 40.000. Selbst nach der kleineren Zahl ist das kein Randphänomen.

Sánchez regiert seit Jahren mit dem Anspruch, Spanien gegen „rechts“ zu verteidigen. Nun muss er erleben, dass sich die Anklage gegen ihn selbst richtet: gegen ein sozialistisches System, das Macht als Besitz betrachtet und jedwede Kritik als Zumutung. Der Ruf nach Rücktritt kommt von Bürgern, die genug haben von moralischer Überheblichkeit und politischer Selbstbedienung.

Die Szenen vor dem Moncloa-Palast, wo eine kleine Gruppe versuchte, Absperrungen zu durchbrechen, lieferten der Regierung sicher willkommenes Material für die eigene Erzählung. Doch sie ändern nichts am eigentlichen Befund. Wenn eine Regierung nur noch durch den Hinweis auf die angebliche Gefährlichkeit ihrer Gegner überlebt, während die Skandale im eigenen Lager wachsen, ist ihr politisches Kapital aufgebraucht.

Spanien zeigt, was in Europa immer häufiger zu sehen ist: Linke Machtapparate verteidigen sich nicht mehr durch Ergebnisse, sondern durch Gesinnungsrhetorik. Sie erklären sich selbst zur Demokratie und ihre Gegner zum Problem. Aber irgendwann reicht auch diese Methode nicht mehr. Dann stehen Zehntausende auf der Straße, schwenken die Nationalflagge und sagen dem Regierungschef, was Parlamente und Medien zu lange weichzeichnen: Es reicht.

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