Immer wieder Merkel

Die Frau, die Deutschland ruinierte, will es jetzt retten. Merkels Versprechen, die AfD zu stoppen, ist der dreisteste Witz ihrer langen traurigen Karriere.

„Ich werde alles tun, was in meiner Macht noch steht, dass das nicht passiert“, versprach Angela Merkel jetzt auf die Frage nach einer möglichen AfD-Kanzlerin in zehn Jahren. Das ist wirklich ein Gag. Angela Merkel ist die eigentliche Kraft, die die AfD groß gemacht hat. Ihr müsste, hätte diese Partei so etwas wie Humor, die lebenslange Ehrenmitgliedschaft angetragen werden. Merkel hätte sie verdient – im Gegensatz zum neuen EU-Verdienstorden, den sie wirklich bekommen hat. Das ist auch ein Witz. Aber ein schlechter.

I.

Die euroskeptische Professorenpartei, die die AfD ursprünglich gewesen war, war ja bereits wieder eine Randerscheinung. Dann kam die Kanzlerin, traf verheerend falsche Entscheidungen und erklärte sie für „alternativlos“. „Alternative für Deutschland“ passte also plötzlich wie die Faust aufs Auge. Statt die Grenzen zu schließen, propagierte Merkel eine verhängnisvolle „Willkommenskultur“, die Einwanderung in den Sozialstaat, nahm Schulen ruinierende und Kriminalität anfachende Parallelgesellschaften in Kauf, die das Land nachhaltig überfordern. Von einem Tag auf den anderen ließ Merkel so grund- wie sinnlos aus der Kernenergie aussteigen. Die dümmste Energiepolitik der Weltgeschichte geht weitgehend auf ihre Kosten. Am deutschen Wesen sollte nicht bloß die Welt, sondern auch gleich noch das Klima genesen. Ausgerechnet die Verächterin allen Nationalen wandelte energie- und migrationspolitisch auf absurden Sonderwegen. Den Verfall der Wirtschaft, der Infrastruktur, des Bildungssystems, des Sozialstaats, nahm sie hin. Verging sich in der Corona-Zeit an der Freiheit der Bürger. Warf sich dem woken Zeitgeist an den Hals. Dass sich dagegen kein nennenswerter Widerstand erhob, weder im Parlament noch im Bürgertum, gar nicht zu reden von der opportunistischen Wirtschaft, ließ die einzige „Alternative“ erstarken. Das ist vielleicht das Schlimmste an Merkels Herrschaft: Dass es ihr gelang, mittels „asymmetrischer Demobilisierung“ die demokratische Diskurskultur des Landes auszuhebeln, es zu entpolitisieren und ersatzweise mit einer obskuren Herrschaft der Moral zu überziehen.

II.

Die Partei Adenauers und Erhard ließ sich von ihr im doppelten Sinne entmannen und von der einstigen DDR-Genossin ihre Identität rauben Dass Merkel die Rache des Ostens an der Wiedervereinigung war, ist natürlich üble Nachrede. Nirgendwo war Merkel unbeliebter als im Osten. Vielleicht gerade deshalb. Nur hat es die CDU nicht kapiert, die Partei, die sie fälschlich für eine der ihren hielt. Sie wollte in ihr die Vollendung der Einheit auf zwei Beinen sehen. Ihre Kanzlerschaft verdankt Merkel letztlich dem Umstand, dass ihr Vorgänger Gerhard Schröder mit seiner Reformpolitik am reformresistenten linken Gewerkschaftsflügel scheiterte. In dieser Hinsicht hat sich die SPD nicht geändert. Die Herablassung, mit der die SPD die arbeitende Bevölkerung behandelt, war und ist der zweite Booster für die AfD.

III.

Erst zerstörte Merkel ihr Partei, dann ihr Land – und am Ende hat sie auch noch einen gehörigen Anteil an der Zerstörung des europäischen Projekts. Die gegenwärtige EU vernichtet mutwillig ihre eigene Vision. Insofern ist es nur konsequent, dass Ursula von der Leyen – Merkels Geschöpf – ihr die höchste Stufe des neu geschaffenen europäischen Verdienstordens um dem Hals hängte. Die Kommissionspräsidentin wiederum ist Mühlstein am Hals der EU. Die Monsterbürokratie eines Übernationalstaats ist das Gegenteil dessen, was die europäische Gemeinschaft sein sollte, aber genau das, was Frau von der Leyen darunter versteht. Alle Reformbemühungen der EU prallen an ihr ab. Der Green Deal erledigt den Rest, ganz im Sinne Angela Merkels. Und jetzt, es ist kaum zu glauben, soll Merkel im Auftrag der EU auch noch mit Putin verhandeln. Nur weil sie einst in Moskau studieren durfte – oder warum? Als Putinflüsterer hat sie sich jedenfalls nicht bewährt – ganz im Gegenteil.

IV.

Die Schwäche ihrer beiden Nachfolger lässt die heilig gesprochene Angela heute in mildem Licht erscheinen. Scholz wollte nicht, Merz schafft es nicht aus dem Sumpf heraus, in den Merkel den Karren gefahren hat. Nicht wenige haben sie rechtzeitig durchschaut. Aber sie wurden delegitimiert, als rechts abgetan. Der überwiegende Teil der Medien – vor allem die staatsnahen Gebührensender – rutschten auf Knien vor ihr. Peinlich, es zuzugeben, also rutschen sie weiter. Deliberalisierung und Deindustrialisierung: Beides gehört zu ihrer Bilanz. Für ihren Job fehlten ihr alle Voraussetzungen, außer einer: ein untrügliches Gespür für Macht. Sie nannte das Freiheitsbedürfnis – ausschließlich bezogen auf sich selbst. Angela Merkel hat sich um Angela Merkel verdient gemacht. Um sonst nichts.

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Kommentare ( 20 )

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rschmidgall
10 Minuten her

Immerhin hat Angela Merkel mit Ihrem Verein „Deutschland“ geschafft, was Uli Hoeneß mit dem FCB verwehrt blieb — von der Champions-League in die Niederungen der Klepperlesliga.
Gut, war ja auch alles Neuland, gelle.

RandolfderZweite
11 Minuten her

Herr Herles, das war mal ein richtiger Treffer, dennoch sollte man Eines nicht verkennen: Zur merkelschen Politik gehörte aber auch die Stimme des Volkes! Kaum jemand wusste, dass sie sich wöchentlich über die Stimmungslage per Umfragen informierte! Frau Merkel hat sich nie spontan zu einer Krisen-Situation geäußert, immer nur mit Wartezeit und der genannten Abfrage der Stimmungslage! Im Zusammenspiel mit dem ÖRR und den MS-Medien entschied sie beispielsweise den Ausstieg aus der Atomkraft – der ÖRR nahm die Opfer des Tsunamis und übertrug sie auf die Havarie der Atommeiler in Fukushima, also schon damals Fake News, die die breite Masse… Mehr

Hueckfried69
12 Minuten her

Den Satz über die „Herrschaft der Moral“ möchte ich korrigieren. Von „Moral“ war viel die Rede, aber in Wirklichkeit ging es um lifestylelinken, distinktionsgeladenen Moralismus, um das „Sich- dicke- tun“ mit der eigenen edlen Gesinnung, am besten noch „wissenschaftlich“ aufgeblasen. Wenn es auch sonst nicht kann: Dieses Fach beherrscht das westdeutsche“Bildungsbürgertum“ ganz hervorragend; ohne diese Attitüde gäbe es z.B. die Grünen gar nicht.

Werner Meier
13 Minuten her

Der Kommentar zu Merkel, dem Mühlstein am Hals des Landes, ist hinsichtlich ihres Zerstörungswerks richtig.

Das Auftreten der AfD als Volkspartei ist die Konsequenz daraus, jedoch nicht als Problem, wie in den Kommentaren von Herles seit Jahren verlautet, sondern die Lösung.

Daher, Gott sei Dank, hat sich die Professorenpartei zur mächtigen Opposition entwickelt und gute Leute im Bundestag aus allen Schichten des Landes in ihren Reihen versammelt.

Das nächste Mal, bitte die Wahlempfehlung der AfD, Herr Herles.

Haba Orwell
15 Minuten her

> Als Putinflüsterer hat sie sich jedenfalls nicht bewährt – ganz im Gegenteil.

Kürzlich habe ich mitgekriegt, wie psychopathisch Polen jenseits Oder und Neiße tickt – so wurde in einem Architekturforum einer gesperrt für das Widersprechen der Behauptungen, Putin würde allerhöchstselbst Gefangene mit Hunden vergewaltigen. Nicht für solche groteske Schauermärchen – für das HINTERFRAGEN des Murks, anscheinend in Polen weit verbreiteten. So wie der Michel jeder Klima-Idiotie glaubt (über Russland auch?), in Polen und Baltikum herrscht exzessivste Russenhysterie.

Da Öl, Gas und Kerosin ausgehen, wollte sich Westeuropa nicht mit Russland arrangieren?

Last edited 13 Minuten her by Haba Orwell
Peter Triller
16 Minuten her

Ausgezeichnete Analyse! Streng genommen ist sie eine Hochverräterin: Sie hat eine Politik gegen das Fundament des BRD-Staats begangen, gegen das deutsche Volk, den Souverän.

Spyderco
19 Minuten her

,,Die Frau, die Deutschland ruinierte“

Langsam wird es albern.

Gibt es tatsächlich jemanden der glaubt, Merkel oder auch Merz agierten im Alleingang ?
Der Rest der Unionspolitiker und deren Wähler, seien seit Jahren im Widerstand?!🙈

Die Union ist ein linksgrüner Verein.
Ob sie von Merkel,Merz oder Schiessmichtot angeführt wird,ist irrelevant!

Last edited 18 Minuten her by Spyderco
Digenis Akritas
20 Minuten her

Man kann einige Parallelen neben großen Unterschieden zu einem gebürtigen Österreicher anführen: Beide erlebten den Untergang eines geliebten Staates (Kaiserreich/DDR), beide beschlossen daraufhin, Politiker zu werden. Beide hatten ihre Anhänger/Parteien psychologisch über lange Zeit fest im Griff. Beide waren kinderlos und hüteten ihr mysteriöses Privatleben.
Klar: Der eine war ein psychopathischer wie charismatischer Massenmörder mit rhetorischem Talent, die andere war un-charismatisch, wortkarg, geisterhaft sowie passiv-aggressiv. Der eine hatte mit seinem epochalen Zerstörungswerk keinen bleibenden Erfolg, die andere hat friedlich, aber sehr erfolgreich zerstört. Und: Beide sagen etwas über die seltsame Mentalität der Deutschen (nicht aller freilich) aus!

Deutscher
22 Minuten her

Ach nee, is wahr? Nun, man hätte sie ja nicht gleich 16 Jahre lang zu wählen brauchen.

Ferdi Genuege
22 Minuten her

Gut und intelligent analysiert, lieber Herr Herles. Aber ohne den üblichen Seitenhieb (‚“hätte diese Partei so etwas wie Humor“) gegen die AfD geht es bei Ihnen halt ums Verrecken nicht. Was ist denn derzeit IHRE empfehlenswerte Alternative, Herr Theaterkritiker?