Das Land des Gustav Klimt und des genialen Wolfgang Amadeus Mozart präsentiert sich auf der aktuellen Biennale in Venedig mit einem Urin-Schwimmbecken. Österreichs Bundesregierung subventioniert das künstlerische Baden in den Ausscheidungen der Ausstellungsbesucher mit 600.000 Euro.
IMAGO / Uwe Erensmann
Die nicht wirklich geringe Summe an Steuergeld fließt in das Projekt der österreichischen Choreografin und Performerin Florentina Holzinger. Zahlreiche Kritiker auf den Social-Media-Plattformen sprechen von einer durchaus problematischen Verwendung von öffentlichen Mitteln und von einem Kunstverständnis, das sich zunehmend von der breiten Öffentlichkeit entfernt.
Ein Konzept der Provokation
Der österreichische Beitrag trägt den Titel „Seaworld Venice“ und soll den Pavillon in den Giardini in eine hybride Erlebniswelt verwandeln. Der Urin-Badetag sei eine Mischung aus Unterwasserpark und „sakralem Raum“. Inhaltlich kreise das Projekt laut offizieller Ankündigung um Themen wie Verschmutzung, Körperlichkeit und Transformation.
Der für Normalbürger wohl etwas ungustiöse experimentelle Zugang zur Umwelt- und Gesellschaftskritik sorgt durch konkrete Details für Irritationen: Laut Medienberichten sollen menschliche Ausscheidungen – konkret in WC-Anlagen gesammelter Urin von Biennale-Besuchern – Teil der Inszenierung werden. Mobile Toiletten vor Ort und Tanks im Inneren des Pavillons seien demnach zentrale Elemente der Performance.
In der nun damit provozierten öffentlichen Diskussion im Fokus: Wo endet die künstlerische Freiheit – und wo beginnt die Zumutung, insbesondere wenn diese Performance öffentlich finanziert wird?
Öffentliche Mittel, private Irritation
Die Finanzierung durch den österreichischen Staat ist nämlich der eigentliche Zündstoff der Debatte: Kulturförderung gehört zwar traditionell zum staatlichen Auftrag, insbesondere bei international bedeutenden Veranstaltungen wie der Biennale. Doch die Höhe der Summe und die inhaltliche Ausrichtung des Projekts sorgen für Kopfschütteln: 600.000 Euro – das entspricht in etwa den Jahresbudgets kleinerer Kulturinstitutionen oder Förderprogramme für Nachwuchskünstler.
Und in Zeiten angespannter öffentlicher Haushalte, steigender Lebenshaltungskosten und Einsparungen in sozialen Bereichen erscheine eine derart kostspielige Kunstproduktion als schwer vermittelbar. Der Vorwurf: Eine kulturelle Elite entscheide über Projekte, die von der Allgemeinheit finanziert, aber nur von einem kleinen Kreis verstanden oder geschätzt werden.
Zeitgleich kürzt die österreichische Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS etwa die Unterstützung gehandicapter Mitmenschen, die für die weitere Ausübung ihres Berufes auf das Auto angewiesen sind, um fast 50 Prozent auf einen Jahresbetrag von 335 Euro.
Kein Einzelfall
Die aktuelle Kontroverse reiht sich ein in eine Serie von Diskussionen über die Arbeiten von Florentina Holzinger: Die Künstlerin gilt als eine der radikalsten Stimmen der europäischen Performance-Szene. Ihre Werke setzen häufig auf körperliche Grenzerfahrungen, explizite Darstellungen und bewusste Tabubrüche.
Auch ihre Produktion „Sancta“ im Mai 2024 sorgte international für Schlagzeilen: Berichte über drastische Szenen, körperliche Eingriffe und extreme Bühnenbilder führten zu heftigen Reaktionen im Publikum. In einigen Fällen mussten Zuschauer medizinisch betreut werden, Aufführungen der radikalen feministischen Opern-Performance wurden vorzeitig verlassen – aufgrund der kalkulierten Schockeffekte.
Kulturwissenschaftler weisen darauf hin, dass Provokation seit jeher ein Bestandteil avantgardistischer Kunst ist. Doch während frühere Generationen gesellschaftliche Missstände sichtbar machen wollten, stehe heute oft allein die Grenzüberschreitung selbst im Mittelpunkt.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Ähem, alle diese Kommentare und Reaktionen sind genau das, was die „Künstlerin“ mit ihrer „Arbeit“ bezweckt. Insofern ist ihr schon alleine hier auf TE einiges geglückt.
Lieber Herr Tichy
Sagen Sie mir das das nicht wahr ist.
Sofort auf der Stelle . Wenn Sie mir nicht antworten gehe ich davon aus das es wahr ist .
Und wenn es stimmt bitte sagen Sie mir bitte wie ich damit leben soll.
Vielen Dank im voraus.
P.S.:
Kein Zynismus, keine Ironie, kein Sarkasmus.
Eher ein Hilferuf.
Nicht vergessen: Siegmund Freud war Österreicher. Der hat den Unfug mit der analen Phase erfunden!
Ein Witz auf dem Niveau der Biennale:
Patient zum Arzt: „Kann ich mit Durchfall baden?“
Arzt: „Wenn Sie die Wanne voll kriegen …“
„Kunst“, einfach nur Unsinn oder doch schon Satanismus?
> Österreichs Bundesregierung subventioniert das künstlerische Baden in den Ausscheidungen der Ausstellungsbesucher mit 600.000 Euro.
Ungefähr die gleiche Summe wie für die Berliner Restauration „nur für PoC“. Das eine Michelstan genauso dekadent wie das andere.
Und jetzt bitte noch mal erklären, wieso sämtliche nichtwestliche Länder unterlegene Kulturen sein sollen?
Also wenn die „Künstlerin“ das Becken wenigstens mit den eigenen (goldenen) Ausscheidungen vollgemacht hätte, dann könnte man es eine „Performance“ nennen. Aber den Besuchern ihren eigenen Urin zu präsentieren, ist weder eine Performance noch Kunst.
Hier soll das Publikum wie üblich bei moralisch erhobenem Zeigefinger mit seinem eigenen Schmutz konfrontiert werden. Hätte man auf diese „Kunstausstellung“ verzichtet, gäbe es weder Publikum noch den Schmutz. Also weg damit.
„….Kulturförderung gehört zwar traditionell zum staatlichen Auftrag“ Was hat das denn mit Kultur zu tun? Das könnte man höchstens unter „Kunst“ fassen, aber nur unter den Teil, der nie zur Kultur werden wird, weil er den anderen Teilen der Kultur, also z.B. Werten, Bräuchen oder Traditionen, eklatant widerspricht. „Kulturwissenschaftler weisen darauf hin, dass Provokation seit jeher ein Bestandteil avantgardistischer Kunst ist.“ Das mag sein, aber wohl zum ersten mal in der Zivilisationsgeschichte des Menschen zwingt der Staat die Bevölkerung, diese „Provokation“ zu bezahlen, anstatt das dem Bürger selbst oder reichen Mäzenen zu überlassen. Wenn ich so kurz überlege, fallen mir… Mehr
Das grenzt eindeutig an spätrömische Dekadenz. Ich würde vorschlagen, dass Veranstalter und Regierung das Becken zum Schluss aussaufen, dass denen ein für allemal der Appetit vergeht. Wie weit kann man eigentlich noch sinken?
Ich wäre in der deutschen Kulturszene gern Mäuschen bei den Diskussionen darüber, warum den Deutschen so etwas künstlerisch feines nicht eingefallen ist 🙂
Haben wir doch schon längst. Herr Merz nennt das StadtBILD.
Zur Erinnerung an Berlin, 2011: „Die „Soma“-Schau im Hamburger Bahnhof kommt ganz ohne Samen aus. Sie ist wie ein Doppelblindversuch angeordnet, wobei ungewiss bleibt, ob der nach dem Genuss des rot-weißen Pilzes halluzinogene Urin der zwölf Rene, welcher von Carsten Höllers Assistenten in Urinbehältern gesammelt wird (um der Kunst dienlich zu sein, dürfen heute manche Leute wahrlich vor nichts zurück schrecken!), den Kanarienvögeln, Mäusen und Fliegen verabreicht wird. Der Künstler erklärt: „Unklarheit ist das Wichtigste in dieser Ausstellung.“ https://www.kunstdunst.com/der-halluzinogene-urin-der-rene-oder-wie-carsten-hoeller-in-eine-andere-sphaere-eintaucht/ Übersicht mit KI: Katja Ebstein hat in der Vergangenheit offen über die Anwendung von Eigenurin zur Hautpflege und als Gesundheitsmittel berichtet.… Mehr