Warum Friedrich Merz viel schlechter ist als McDonald’s

Politik ist immer Grenzmoral: Sie ist dazu da, das jeweils Schlimmere zu verhüten. Genau in dieser Hinsicht versagt der amtierende Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende komplett. Mit ihm wird die Partei untergehen.

picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

McDonald’s ist das erfolgreichste Restaurant der Welt. Nicht, weil es so gut wäre. Sondern, weil es wirklich gut darin ist, nie richtig schlecht zu sein. Die Leute gehen nicht zu McDonald’s, weil sie erwarten würden, begeistert zu werden. Sie gehen dorthin, weil sie erwarten, nicht maßlos enttäuscht zu werden.

Und McDonald’s erfüllt diese Erwartung. Konstant, regelmäßig, verlässlich.

Unsere Parteien erfüllen diese Erwartung nicht. Politik funktioniert nach genau denselben Regeln: Die Leute gehen dorthin, wo sie am wenigsten befürchten müssen, fürchterlich enttäuscht zu werden.

Angela Merkel hatte das begriffen. Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde, dass die Dame eine entsetzliche Politik gemacht hat. Aber bei aller berechtigten Kritik an ihrem fürchterlichen Vermächtnis: Angela Merkel hat peinlich genau darauf geachtet, niemals etwas zu versprechen, was sie dann nicht halten konnte.

Deshalb hat sie praktisch niemals irgendetwas versprochen. Dafür hat sie die Leute auch nicht kontinuierlich enttäuscht. Wer sie gewählt hat, bekam zumindest nicht das Gegenteil dessen, was er erwartet hatte und was ihm versprochen wurde.

Friedrich Merz – und mit ihm fast ausnahmslos die gesamte aktuelle Berufspolitiker-Kaste in CDU und CSU und SPD und Grünen und „Linkspartei“ – verspricht eigentlich dauernd irgendetwas. Kurze Zeit später bricht er das Versprechen. Dafür verspricht er dann etwas anderes – was er wenig später auch wieder nicht hält.

Mit anderen Worten: Friedrich Merz hat die Leute daran gewöhnt, dass sie bei ihm andauernd, also wirklich ständig, befürchten müssen, fürchterlich enttäuscht zu werden.

Würden die Leute dasselbe von McDonald’s denken, würden sie da nie mehr hingehen. Das wäre auch unumkehrbar: Wenn die Leute erst einmal chronische Angst vor dem Enttäuscht-Werden haben, wenden sie sich dauerhaft ab. Wozu ein Risiko eingehen? Nebenan hat Burger King geöffnet.

Friedrich Merz hat zu oft gelogen und zu oft das genaue Gegenteil dessen getan, was er versprochen hatte. Jetzt haben die Menschen chronisch Angst davor, enttäuscht zu werden. Zu so einem gehen die Menschen nicht mehr. Nie mehr.

Das Problem Merz kann die Union – wenn überhaupt – nur lösen, indem sie es loswird.

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Kommentare ( 3 )

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Talleyrand
25 Minuten her

Und: Merz hatte zwar einen Drive in, aber er hat keinen Drive out. Schlecht.

Sohn
25 Minuten her

„Das Problem Merz kann die Union – wenn überhaupt – nur lösen, indem sie es loswird.“
Ja. Und das weiß die CDU auch. Ihr Problem und Merz Glück: da ist weit und breit niemand mit genug Charakter und Mumm in Sicht, der in der Lage wäre, Merz so abzusägen wie weiland Merkel Kohl.

Guzzi_Cali_2
36 Minuten her

Ich freue mich schon heute auf den Tag, an dem Pinocchio gehen muß. Das Zittern der Hände, wie einem Alkoholiker, der auf Entzug ist, sein Gesicht, das so lang ist, das es bis zu den Knien reicht, das Gestammel im Sinne von „Ich liebe doch alle Menschen“… Oder er wird wahnsinnig, kreischt herum „Ich WILL ABER Kanzler bleiben!“ Wer erinnert sich an die Comics von Jean Tabary, wo der Großwesir Isnogud herumkeift „Ich will Kalif werden anstelle des Kalifen!“ und sein Diener ihm sagt „Herr, man beobachtet Euch.“ Die ganze CDU wird betreten dreinschauen, zum einen, weil sie das Schauspiel… Mehr