Will die EU keinen Frieden in der Ukraine?

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas lehnt Gerhard Schröder als Vermittler ab und demonstriert dabei erschreckende Ahnungslosigkeit über Diplomatie. Diese EU-Führung ist nach wie vor ein Hindernis für Frieden in der Ukraine.

IMAGO / Anadolu Agency

Der russische Präsident Putin will den Ukraine-Krieg offensichtlich beenden. „Ich glaube, dass sich die Angelegenheit dem Ende zuneigt“, sagte Putin mit Blick auf den Ukrainekrieg am Samstag in Moskau. Er fügte hinzu, der slowakische Ministerpräsident Robert Fico habe ihm gesagt, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu einem persönlichen Treffen bereit sei.

Den Krieg in der Ukraine, von dem die Russen eigentlich nichts mitbekommen sollten, scheint Putin nicht als Erfolg für sich reklamieren zu können. Die Bevölkerung hatte letztendlich offenbar doch mehr mitbekommen, als es sich die russische Führung erhofft hatte. Zu hoch sind die Opfer, die jetzt bereits offensichtlich auch die russische Mittelschicht treffen. Zu offensichtlich auch die Angriffe auf russisches Territorium. Von tausend Toten pro Tag auf Seiten der Russen ist die Rede. Auf ukrainischer Seite werden es nicht weniger sein. Auch die Gebietsgewinne der russischen Armee sind nach vier Jahren Krieg überschaubar.

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Putin hat nun Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Vermittler ins Gespräch gebracht. Das ist keine schlechte Wahl, denn ein Vermittler muss von beiden Seiten anerkannt werden können. Für die sich als Außenministerin der fiktiven Vereinigten Staaten von Europa gerierende Kaja Kallas ist das jedoch, wie sie erklärt, ein No-Go. Kallas, demokratisch mangelhaft legitimiert, maßt sich an, für die ganze EU sprechen zu können. Kallas, die in letzter Zeit häufig mangelnde Erfahrung, fehlendes Geschick und auch deutliche Grenzen im Erkennen durch übertrieben scharfe Rhetorik auszugleichen suchte, macht dabei einmal mehr deutlich, dass die EU-Führung an einem Frieden in der Ukraine nicht interessiert zu sein scheint.

In ihrer Absage an den Vorschlag von Putin werden aber besonders ihre eigenen Defizite im Verständnis von Verfahren besonders deutlich. Grundsätzlich, so Kallas, halte sie es für „wenig ratsam“, Russland die Auswahl eines Vermittlers „in unserem Namen“ zu überlassen. Schröder, so Kallas weiter, säße dann „auf beiden Seiten des Verhandlungstisches“.

Zunächst hat Putin Schröder nicht im Namen der EU, sondern in seinem Namen vorgeschlagen. Und weiter sind Kallas’ Vorstellungen, ein Vermittler säße an der Seite einer Partei in den Verhandlungen, vollkommen absurd. Ein Vermittler ist selbstverständlich nie Partei in Verhandlungen, aber er muss selbstverständlich von beiden Seiten als Vermittler akzeptiert werden. Kallas’ Vorstellungen darüber sind nicht nur erschreckend naiv, sie sind, bedenkt man die militärische, wirtschaftliche und politische Schwäche der EU, geradezu gefährlich. Sollte die EU ernst genommen werden wollen, wäre es spätestens jetzt an der Zeit, die Außenbeauftragte der EU zu entlassen und durch jemanden Kompetenten zu ersetzen.

Der Krieg in der Ukraine dauert inzwischen bereits länger als vier Jahre. Hunderttausende Menschen wurden und werden weiterhin getötet. Der Konflikt gilt als der blutigste Europas seit dem Zweiten Weltkrieg. Bisher hat die EU-Nomenklatura nichts unversucht gelassen, um die Versuche Donald Trumps, in der Ukraine zu einer friedlichen Lösung zu kommen, zu torpedieren. Was sie sich davon erhofft, ist vermutlich noch nicht einmal ihr selbst klar.

In den letzten Jahren hat die EU jegliche Verhandlungen mit der russischen Seite kategorisch ausgeschlossen. Die normative Kraft des Faktischen zwang die EU diese, schon damals absurde, Haltung aufzugeben. Dennoch glaubt man in der EU-Führung aber weiter, mit realitätsfernen Bedingungen so etwas wie Stärke simulieren zu können. Putins Vorschlag zwingt die EU und Deutschland nun zur Unzeit zu einer sehr unangenehmen Debatte. Einer Debatte, in der die Nähe vieler in der EU, besonders der SPD, zu Russland und Putin zur Sprache kommen wird. Die Russlandpolitik der letzten Jahrzehnte dieser Kreise, ihre politischen Loyalitäten und die jahrzehntelange Nähe zum Kreml und zu Putin.

Mit der extrem bellizistischen Sprache versuchen EU-Vertreter und ganz besonders deutsche Politiker, diese frühere Nähe zu Putin vergessen zu machen. Reinhard Bingener und Markus Wehner haben die Nähe der damaligen Politik in ihrem Buch „Die Moskau-Connection“ beschrieben. Viele, die damals Teil dieser Connection waren, zumindest aber von ihr profitiert haben, sind heute noch aktiv politisch tätig.

Hier muss vermutlich das Motiv für die harsche Ablehnung Schröders von Seiten der Bundesregierung und der EU-Kommission gesehen werden. An diese Zeiten will niemand erinnert werden, ganz besonders nicht in Verhandlungen mit Russland und Putin von Schröder.

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Kommentare ( 28 )

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jansobieski
26 Minuten her

Warum wähnt sich die EU betreffs Verhandlungen überhaupt in einer Entscheidungsposition ? Die Ukraine ist ein fremder Staat, der sich in einer kriegerischen Auseinandersetzung befindet. Sie sollte selbst mit Russland verhandeln und den Weg der Diplomatie gehen.
Alle Geldleistungen von europäischer Seite sind umgehend zu stoppen und das korrupte Land in keinem Fall in die EU aufnehmen.

Landgraf Hermann
37 Minuten her

Die abgebildeten Gestalten sind wohl die Hauptkriegstreiber der EU. Die müssen weg.

Rene 1962
48 Minuten her

Die EU wollte und will keinen Frieden. Warum auch immer?

Privat
10 Minuten her

Das Steuergeld der arbeitenden Bevölkerung verschenken, vernichten und viele Tote in fremden Kriegen produzieren – mhr haben die nicht in der Birne.

Damon71
16 Minuten her

Ausnahmsweise muss ich der Kallas mal zustimmen, Schröder ist ein Vasall und Duz-Freund von Putin, da dürfte klar sein das der bestenfalls die bedingungslose Kapitulation der Ukraine vermitteln will, schlimmstenfalls fordert er gleich noch die baltischen Staaten und Finnland für Ruzzland ein, als Bedingung für den Frieden.

eschenbach
16 Minuten her

Ich nehme an, die EU und Rheinmetall bewegen sich in die gleiche Richtung. Die Cash- Kuh Ukraine ist noch lange nicht zu Ende gemolken.

Kraichgau
17 Minuten her

Kaja Kallas ist eine Kriegshetzerin aus dem Osten
wer die ernst nimmt,ist selber schuld

Schmidtrotluff
19 Minuten her

Die EU braucht sich gar nicht an den Tisch setzen. Sie hat mit dieser Ablehnung Schröders bereits verloren. Sie haben außerdem kein Mandat. Von niemandem. Verhandeln wird die Ukraine und Russland. Ein weiteres Zeichen für das Ende der EU. Je schneller, je besser.

johnsmith
21 Minuten her

Die Außenbeauftragte ist für diesen Posten von den Eliten ausgewählt worden weil sie bekennende Russland-Hasserin ist und weil sie über finanzielle Belohnungen leicht zu steuern ist. Bestimmte Kreise wollen, dass der Krieg weiter geht – weil Finanzinvestoren hohe Kredite an die Ukraine gegeben haben, weil Konzerne wie Blackrock bereits große Mengen an Land in der Ukraine erworben haben und bereits Wiederaufbauverträge haben und weil man auch als Endziel die russische Regierung stürzen, dort „Unsere Demokratie“ (in von den Eliten gelenkter Form) installieren und die russischen Rohstoffe plündern und sich die Agrarflächen einverleiben möchte. Ob dabei dann dumme deutsche Wehrpflichtige sterben… Mehr

Koepenicker
23 Minuten her

Ich finde ,es spreche nichts dagegen das Schröder erstmal einen Kontakt nach Moskau wieder aufbaut. Ich mag zwar seine Verbindungen zur russischen Regierung und vor allem Putin nicht. Aber wir müssen irgendwie wieder anfangen mit Moskau zu reden. Das bedeutet leider kein direktes Ende dieses Krieges da Putin ,dass eigentlich nicht wirklich in Aussicht gestellt hat. Stunden vor seiner Äußerung über ein nahendes Ende des Krieges ,hatte er nochmal darauf hingewiesen das Russland immer siegreich sein würde. Und so könnte man Putin ein Ablenkungsmanöver vorwerfen ,aber auch das einbindet uns nicht von unserer Pflicht eine Lösung zu suchen. Weder wird… Mehr

Peter Pascht
24 Minuten her

Will die EU keinen Frieden in der Ukraine?Hören sie doch endlich auf mit diesem wahrheitswidrigen Unsinn.
Die EU kann nichts wollen, weil sie eine rechtliche Fiktion ist.
Die EU ist icht Europa. dann imer die Täter Opfer Umkehr im Ukraine Krieg.
Das einzige Hindernis ist der Stalinist Putin, der alte stalinistische Zeiten wieder beleben will. Diesen Preis möchte Europa nicht zahlen, weil es ihn nicht zahlen darf, vor dem Hintergund der Geschichte.
Europa möchte schon den Frieden, aber nicht zu den Erpressung Konditionen von Putin.
Genauso könnten sie fragen: Will Trump keinen Friden im Iran?

M.E.S.
25 Minuten her

Schröder kann doch froh sein, nicht schon von Kallas mit Plazet des Rates im Verbund mit Jacques Baud u.a. sanktioniert worden zu sein.

Dorn
29 Minuten her

Natürlich nicht. Es darf nie wieder passieren das der Russe als Feindbild verlustig geht. Das war doch die die größte Katastrophe von den in den 90er ihre Karriere als lebenzeit Politiker gestartet haben. Das sind jene welche die am heute am lautesten „Der Russe ist die Gefahr!!!“ schreien und diesen Konflikt mit immer noch mehr Geld und Waffen am laufen halten.