Meloni und Mattarella besuchen Opfer nach Auto-Attacke – Europas Verwundbarkeit erneut sichtbar

Nach der Auto-Attacke von Modena mit sieben Verletzten besuchen Giorgia Meloni und Sergio Mattarella die Opfer. Ermittler prüfen mögliche Bezüge zu früheren islamistischen Anschlägen. Der Fall zeigt erneut Europas Verwundbarkeit und offene Fragen zu Migration, Integration und Sicherheit.

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Alessandro Fiocchi

Die norditalienische Kleinmetropole Modena wurde an diesem Wochenende zum Symbol eines Europas, das seine eigene Verwundbarkeit längst kennt und dennoch immer wieder überrascht wirkt, wenn sie sichtbar wird.

Ein 31-Jähriger rast mit einem Auto in Passanten, verletzt sieben Menschen, zwei davon verlieren ihre Beine. Danach greift der Mann mit einem Messer ein weiteres Opfer an. Zeugen berichten, der Fahrer habe gewirkt, als wolle er „so viele Menschen wie möglich erfassen“. Viele Medien berichteten früh mit genauen Details zum Tathergang und zum mutmaßlichen Attentäter, darunter Il Giornale. Das sind Sätze, die Europa seit Jahren kennt. Und genau darin liegt das eigentliche Problem.

Das bekannte Muster

Die Bilder erinnern unweigerlich an die Anschläge von Nizza, an die Lkw-Attacke auf den Berliner Weihnachtsmarkt oder an die Attentate auf den Ramblas von Barcelona. Ein Auto. Die ruhige Fußgängerzone als Ziel. Maximaler Schrecken. Die italienischen Ermittler prüfen ausdrücklich, ob der Täter frühere islamistische Anschläge nachahmen wollte. Noch ist das Motiv offiziell unklar. Doch schon jetzt zeigt sich erneut das europäische Dilemma: Man versucht mit aller Kraft, die Tat individuell zu erklären, obwohl sich die Muster längst ähneln.

Der mutmaßliche Täter, Salim El Koudri, wurde in Seriate geboren, ist Sohn marokkanischer Eltern und wohnt in der Provinz Modena. Er hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften, keine Vorstrafen, lebte zurückgezogen und war arbeitslos. Bekannt wurde außerdem, dass er wegen einer Persönlichkeitsstörung in psychiatrischer Behandlung gewesen sein soll. Das alles liefert Erklärungsfragmente. Aber eben noch keine Erklärung. Denn psychische Probleme allein erklären nicht die Wahl der Tatmethode. Sie erklären nicht die Symbolik solcher Angriffe. Und sie erklären auch nicht, warum sich bestimmte Gewaltformen in Europa auffällig wiederholen.

„Ich lebe in einem Land voller Rassisten“

Besonders brisant ist eine Aussage, die der Täter laut italienischen Medien gegenüber Ermittlern gemacht haben soll: Er sei „gemobbt“ und „ausgegrenzt“ worden und lebe „in einem Land voller Rassisten“. Das sind Entschuldigungs-Textbausteine für die linke Blase. Eine ist nur noch eine Frage von Stunden bis zur Täter-Opfer-Umkehr.

Damit beginnt unverzüglich jene Debatte, die Europa inzwischen reflexhaft führt: Ist der Täter ausschließlich verantwortlich oder auch die Gesellschaft? Natürlich existieren in Teilen Diskriminierung und soziale Ausgrenzung, und zwar in den unterschiedlichsten Milieus. Natürlich können Isolation und psychische Instabilität gefährliche Dynamiken verstärken. Aber nicht jede Gewalt darf automatisch als Folge gesellschaftlicher Schuld umgedeutet werden. Wer gezielt in Menschen rast, trifft eine bewusste Entscheidung.

Auffällig ist seit Jahren, wie vorsichtig europäische Gesellschaften geworden sind, bestimmte Zusammenhänge überhaupt noch offen zu benennen. Migration, Integrationsprobleme, Radikalisierung, psychische Erkrankungen und soziale Entwurzelung existieren oft gleichzeitig. Politisch werden sie jedoch meist getrennt behandelt. Das hat Gründe: Wer Zusammenhänge anspricht, gerät schnell unter Generalverdacht. Wer sie verschweigt, verliert allerdings Glaubwürdigkeit. Genau zwischen diesen beiden Polen bewegt sich inzwischen fast jede Debatte im Anschluss an solche Taten.

Meloni und Mattarella in Modena

Bemerkenswert ist, dass nicht Sicherheitskräfte den Täter zuerst stoppten, sondern mutige und entschlossene Passanten. Mehrere Bürger versuchten einzugreifen, einer wurde dabei niedergestochen. Das Messer war demnach griffbereit. Das ist mehr als eine Randnotiz. Es zeigt, wie sehr moderne Gesellschaften auf spontane Zivilcourage angewiesen bleiben, obwohl der Staat zugleich immer umfassendere Sicherheit verspricht. Auch in Italien. Der öffentliche Raum wirkt dadurch paradoxerweise gleichzeitig kontrollierter und unsicherer.

Premierministerin Giorgia Meloni brach sofort ihre Reise nach Zypern ab, um gemeinsam mit Staatspräsident Sergio Mattarella nach Modena zu reisen. Die Botschaft ist eindeutig: Der Staat zeigt Präsenz, Anteilnahme und Handlungsfähigkeit. Solche Besuche sind wichtig. Aber sie zeigen auch etwas anderes: Europa hat inzwischen eine eingeübte Dramaturgie für solche Ereignisse entwickelt.

Die Tat, der Schock in der Gesellschaft, Krankenhausbesuche, Appelle an den Zusammenhalt, Warnungen vor Instrumentalisierung. Andererseits war Meloni stets eine der Ersten, die schon vor Jahren gemeinsam mit Matteo Salvini auf migrantische Gewalttäter hingewiesen hat. Und dann wartet man fast tatenlos auf die nächste Tat.

Der tiefere Schaden solcher Angriffe liegt nicht nur in den Verletzungen der Opfer. Er liegt im schleichenden Verlust gesellschaftlicher Selbstverständlichkeit. Innenstädte werden anders wahrgenommen. Menschen beobachten ihre Umgebung misstrauischer. Sicherheitsbarrieren, Polizeipräsenz und Betonpoller gehören längst zum europäischen Alltag. Und dann will die EU den Bürgern weismachen, die Integration sei ein wichtiges und gelungenes Projekt? Hört man von solchen Fällen in Ungarn? Der neue ungarische Präsident Magyar müsste nun gewarnt sein. Möchte Ungarn künftig solche Szenen?

Europa verändert sich nicht plötzlich. Es verändert sich besonders seit 2015, und zwar scheibchenweise. Und vielleicht erklärt genau das die besondere Erschöpfung vieler Bürger: Nicht die einzelne Tat allein verunsichert, sondern das Gefühl, dass jede neue Tat nur noch wie eine weitere Variation eines längst bekannten Musters wirkt.

Meloni wird handeln müssen.

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Kommentare ( 19 )

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19 Comments
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mediainfo
27 Tage her

Meloni und Mattarella besuchen Opfer nach Auto-Attacke

Immerhin. Hierzulande beschleicht einen regelmäßig das Gefühl, die Opfer solcher Gewalttaten verschwinden blitzschnell in einer Art Zeugenschutzprogramm: Keine Namen, keine Biografien, keine Familienangehörigen, keine Besuche bekannter Politiker.

Or
28 Tage her

„Meloni und Mattarella besuchen Opfer nach Auto-Attacke“

Etwas, was unsere „Eliten“ nie machen würden. Die Größe haben die nicht.

Manfred_Hbg
28 Tage her

Zitat: „Die Bilder erinnern unweigerlich an die Anschläge von Nizza, an die Lkw-Attacke auf den Berliner Weihnachtsmarkt oder an die Attentate auf den Ramblas von Barcelona. Ein Auto. Die ruhige Fußgängerzone als Ziel.“ > …..und nicht auch zu vergessen, die Bilder aus Frankreich von einer belebten Küstenstraße wo der amok-fahrende LKW-Fahrer nur Dank schießender Polizisten gestoppt wurde. Das Schlimme ist doch auch, dass es seit 2015 durch die ins Land geflutete -vor allem islamischen und afrikanischen- „Bereicherung“ mittlerweile so viele Taten gibt, dass man diese schon nicht mehr zählen kann und völlig den Überblick am verlieren ist. All die Messermänner,… Mehr

Kassandra
28 Tage her
Antworten an  Manfred_Hbg

Tja. Wie man sieht, passen sich auch in unsere Gesellschaften geborene Muslime nicht an – dürfen sich nicht integrieren und beklagen sich deshalb gleichzeitig bitterlich: „The perpetrator of yesterday’s car-ramming and stabbing attack in Modena, Salim El Koudri, has told investigators why he carried out the attack: “I’m harassed, marginalized and I live in a racist country”   https://x.com/visegrad24/status/2056167189342720374 Sie genieren sich als beständige Opfer – und nun ist ihm, dem hier nie angedockten, nicht mal gelungen, das erklärte Ziel, die 72 ewigen Jungfrauen als „Märtyrer“ zu erreichen. . Klar, dass die mit solcher Ausstattung psychisch geschädigt sein müssen – einerseits den… Mehr

Last edited 28 Tage her by Kassandra
Manfred_Hbg
28 Tage her
Antworten an  Kassandra

Zitat: „passen sich auch in unsere Gesellschaften geborene Muslime nicht an“ > Was einen dann auch auf den Gedanke und die Frage bringen könnte, wie dann wohl -auch- bei diesen hier geborenen und aufgewachsenen Moslem in dessen Elternhaus seine sogenannte Sozialisierung stattgefunden hat und vollzogen wurde und das doch auch hier schon bei den Eltern selber anscheinend irgendwas falsch gelaufen sein muß. – – – Na ja, Sozialisierung hin, Integration her: Weil sich der Allahs Goldstück nicht Integrieren will oder nicht kann, macht er es sich eben einfach und fordert die Einführung der „Religion der Liebe“ und den Gottesstaat -….sollen… Mehr

Kassandra
27 Tage her
Antworten an  Manfred_Hbg

Er darf nicht. Weil dann holen ihn die Brüder.
Da ändert sich nichts. Seit 1448 Jahren zwischen die Buchdeckel des Koran gepresst – und die, die raus wollen, sind mit dem Tode bedroht?

Last edited 27 Tage her by Kassandra
Manfred_Hbg
27 Tage her
Antworten an  Kassandra

Mit Blick auf Ihre Worte gedacht: Die Erklärung und Antwort ist hier wohl darin zu finden, dass die in den islamischen Gefilden geborenen und die von muslimischen Eltern -wo auch immer- gezeugten und geborenen Goldstücke allesamt sofort ab Geburt Leibeigene Allahs sind. Hier gibt es dann kein religiöses weg und keine religiöse und islam-gesellschaftliche Veränderung mehr.
Man ist und bleibt dann eben Moslem -…und die anderen „Allah-Jünger“ sind dann schön am aufpassen das niemand aus Allahs Gemeinschaft am WEGlaufen ist.

Will Hunting
28 Tage her

Das ist leider Fakt den die Wähler nicht begreifen
Jeder Mensch durchläuft Phasen und Stufen der Sozialisierung in Abhängigkeit des jeweiligen Lebensumstandes.
Sein persönliches Lebensumfeld mit Fremden anzureichern dürfte von minderer Intelligenz getragen sein.

Last edited 28 Tage her by Will Hunting
rainer erich
29 Tage her

Beim Kardiotraining kann ich die ÖRR und nTV nicht vermeiden, ohne Ton. Es war demnach ein Auto , welches sich warum auch immer “ entschied“ , in die Menschen zu fahren. Mehr war nicht zu lesen. In der ARD aus Berlin gaben sich die roten Funktionäre, zum Schluss Miersch, die Klinke in die Hand und bei “ Euronews “ interviewte eine Dame die kanadische Aussenministerin mit migrantischen Wurzeln zur Aufnahme Kanadas in die EU u.a. “ Positionen“ des Regimes Kanadas als Mittelmacht gegen den bösen ,mächtigen Nachbarn. Im Grunde Bullshit, aber durchaus verräterisch und nicht überraschend. Neu ist, dass die… Mehr

Rob Roy
29 Tage her

Und Wadephul fährt nach Marokko, um für Nachschub zu sorgen … Es ist gar nicht möglich, dass unsere Politiker nicht erkennen, dass es massive Probleme mit dem Islam gibt. Dass man die Masseneinwanderung vor allem muslimischer Migranten ausdrücklich forciert, dass man bewusst und willentlich unser Land zerstören will.

Kassandra
29 Tage her
Antworten an  Rob Roy

550.000 sollen in Libyen waren, geshuttelt zu werden. Und ich hoffe immer noch, dass Danisch nicht recht hat – denn der spricht von Genozid – was plausibel erklärt werden kann. Der Blogger hat sich damals, als dieser Mounk mit seinem „historisch einzigartigen Experiment“ in den Tagesthemen im Februar 2018 auftauchte, schon etliche Fragen gestellt, die bis heute nicht beantwortet sind: https://www.danisch.de/blog/2018/02/23/ein-historisch-einzigartiges-experiment/ In „Diversität als Gesellschaftsvernichtungswaffe“ kam er später zu dem Schluss: „Das Experiment war also nicht, ob eine diverse Gesellschaft funktionieren kann, sondern umgekehrt, ob man mit Diversität eine weiße Gesellschaft ausrotten kann. Deshalb gab es da auch kein Abbruchkriterium.… Mehr

SPQR64
28 Tage her
Antworten an  Kassandra

Immer, wenn ich diese Sätze von Danisch lese, läuft es mir kalt über den Rücken. Ich war von Anfang an entsetzt über Merkels Grenzöffnung zur Aufnahme von zigtausend muslimischen Männern, vor allem im Hinblick auf die Zukunft meiner damals jugendlichen Töchter. Den perfiden Plan dahinter habe ich erst einige Zeit später -dank der unabhängigen Medien- erkannt und bin mittlerweile davon überzeugt. Anders ist das Handeln der Politik nicht erklärbar. Nach der Abwahl Orbans ist es um Meloni leider einsamer geworden. Sie sollte endlich konsequenter handeln, um das Einwanderungsproblem in den Griff zu bekommen. Hierfür wurde sie gewählt und dieses wunderbare… Mehr

U.S.
29 Tage her
Antworten an  Rob Roy

Katrin G-E: “ unser Land muss bunter werden, und ich freue mich darauf!!“

Waldschrat
29 Tage her

Hört man von solchen Fällen in Ungarn? Noch nicht, aber es bestehen gute Chancen, dass das bald auch in Ungarn ankommt bei der aktuell in Aussicht gestellten Politik. In Europa gibt es psychisch kranke oder auffällige Menschen, aber bei den autochthonen oder nichtafrikanischen/-kleinasiatischen/-maghrebinischen Bürgern sind solche Amoktaten eher selten. Das ist alles eine Frage der Mentalität, nicht zwingend einer kranken Psyche.

U.S.
28 Tage her
Antworten an  Waldschrat

Rot Grün und leider auch (CDU)- grün wollen/ können aus „Humanitären Gründen“ nicht die Masseneinschleusungen ( Asyl Industrie) nicht abweisen, ausweisen, sondern gewähren “ vorläufig“ Asyl, .. daraus wird lebenslange Versorgung und Familien Nachzug

roffmann
29 Tage her

Wie ? Auto-Attacke ? War das ein Selbstfahrgerät , wie es in den bedeutenden Medien , wenn überhaupt erwähnt , bezeichnet wird ? Autonomes fahren stelle ich mir anders vor .

WIING
29 Tage her

Ach, das Hamburger Abendblatt hat gerade ein Foto von den beiden Höchstrepräsentanten gepostet, wo sie froh und munter auf die Opfer schauen. Der Täter hatte ja schon eine entsprechende Diagnose. Und ja, kein Grund Hass und Hetze zu verbreiten.
Die Meloni ist genau so verlogen wie der Fritze.

Kaktus 61
28 Tage her
Antworten an  WIING

Die Frau hat wenigstens Eier in der Hose. Oder kennen Sie Besuchsbilder von Merkel nach dem Attentat vom Breitscheidplatz oder von Merz nach Leipzig?

Haba Orwell
28 Tage her
Antworten an  WIING

Frankreich lässt islamistische Terroristen in Mali für Uran kämpfen. Westliche Länder bedienen sich öfter des dschihadistischen Terrors, was die allermeisten Westler nicht die Bohne stört – erst wenn die entfesselten Dämonen hier erscheinen, wird gejault?