Turbulenzen bei den Grünen im EU-Parlament: Der niederländische Grüne Bas Eickhout (49) legte alle Ämter nieder - acht Tage zuvor wurde seine Liebe zur österreichischen Grünen-Abgeordneten Lena Schilling(25) öffentlich.
Screenshot X / Marcel Vink
Eickhout begründete seinen Schritt in einer Stellungnahme damit, er habe in der Vergangenheit „nicht immer das Richtige getan“. Er habe Beziehungen geführt, die „nicht zu meiner Rolle passten“, und er übernahm dafür die Verantwortung. Seine Partei PRO (aus der Fusion von GroenLinks und Sozialdemokraten hervorgegangen) betonte, der Rücktritt sei auch darauf zurückzuführen, dass frühere Arbeitsplatz-Beziehungen nicht gemeldet worden seien. Ein professionelles und offenes Arbeitsumfeld sei zentral für den Verhaltenskodex. Dennoch stellte Eickhout klar: Der Rücktritt habe „nichts mit der Beziehung zu Lena zu tun“.
Die Grünen-Fraktion im EU-Parlament respektierte den Schritt und unterstrich die Bedeutung eines professionellen Umfelds. Politisch kommt der Abgang zu einem sensiblen Zeitpunkt: In wenigen Monaten stehen Neuwahlen wichtiger Führungspositionen im Parlament an, und in den Niederlanden steht die Fusion von Eickhouts Partei kurz bevor.
Schilling: „Hasse alle Grünen“
Lena Schilling ist mit 25 Jahren eines der jüngsten Mitglieder des EU-Parlaments. Die ehemalige Klimaaktivistin wurde im Jänner 2024 von den österreichischen Grünen als Spitzenkandidatin für die EU-Wahl nominiert – trotz ihrer fehlenden politischen Erfahrung. Sie zog nach der Wahl 2024 gemeinsam mit Thomas Waitz ins EU-Parlament ein. Ihr Wahlkampf wurde jedoch massiv von Skandalen überschattet.
Im Mai 2024 veröffentlichte Der Standard umfangreiche Recherchen mit Vorwürfen gegen Schilling: Mehrere ehemalige Mitstreiterinnen und Bekannte warfen ihr ein „problematisches Verhältnis zur Wahrheit“ vor. Konkret soll sie falsche Gerüchte verbreitet haben, wonach der Partner einer ehemaligen Freundin durch häusliche Gewalt eine Fehlgeburt seiner Frau verursacht habe. Schilling unterzeichnete eine Unterlassungserklärung, wurde jedoch im Juli 2024 zu einer Strafe von 4.000 Euro verurteilt, weil sie dagegen verstoßen haben soll. Später einigte sie sich außergerichtlich mit dem Paar auf einen Vergleich und widerrief die Aussagen persönlich.
Weitere Vorwürfe betrafen die Erfindung einer Liebesbeziehung zu einem namentlich bekannten ORF-Journalisten, dem sie zudem Affären mit anderen Grünen-Politikerinnen andichtete. Schilling soll sich später notariell dafür entschuldigt haben. Ebenso warf sie einem Journalisten eine Belästigung vor; eine interne Untersuchung des Medienunternehmens fand jedoch kein relevantes Fehlverhalten. Ehemalige Aktivistinnen beschrieben Schilling als manipulativ, besonders im Umgang mit jüngeren Mitstreitern. Dies soll auch zum Bruch mit Teilen der Klimabewegung beigetragen haben.
Zusätzlich kam in diesem Kontext der Vorwürfe auch der Rücktritt eines grünen Nationalratsabgeordneten zur Sprache: Dieser Grüne hätte alkoholisiert einen Journalisten gewürgt, der einer jungen Frau zu Hilfe kam – bei der Frau handelte es sich um Lena Schilling. Die Grünen-Klubspitze soll versucht haben, ihren Namen aus der Affäre herauszuhalten.
Besonders peinlich für Schilling war dann das Auffliegen von WhatsApp-Nachrichten, die sie noch vor ihrem Beitritt zu den Grünen verschickt hatte. Etwa (Zitat): „Ich habe niemanden so sehr gehasst wie die Grünen – mein Leben lang.“
Trotz all der Skandale hielten die Grünen an Schilling fest. Die Partei verteidigte sie und sprach von einer „Kampagne“. Österreichs Medien verglichen hingegen das Theater um die junge Politikerin bereits mit „Kabale und Liebe“, dem bekannten Trauerspiel von Friedrich Schiller. Lena Schilling selbst räumte nur in einigen Einzelfällen Fehler ein. Dennoch belasteten die Affären den EU-Wahlkampf der Grünen schwer: Die Partei verlor Stimmen und landete bei nur 11 Prozent.

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