Kabale und Grüne im EU-Parlament: Bas Eickhout tritt zurück

Turbulenzen bei den Grünen im EU-Parlament: Der niederländische Grüne Bas Eickhout legte alle Ämter nieder – acht Tage zuvor wurde seine Liebe zur österreichischen Grünen-Abgeordneten Lena Schilling öffentlich.

IMAGO / Panama Pictures
Bas Eickhout (GroenLinks) bei einer Pressekonferenz im Euröpäischen Parlament, Straßburg, 08.10.2024

Bas Eickhout (49) begründete seinen Schritt in einer Stellungnahme damit, er habe in der Vergangenheit „nicht immer das Richtige getan“. Er habe Beziehungen geführt, die „nicht zu meiner Rolle passten“, und er übernahm dafür die Verantwortung. Seine Partei PRO (aus der Fusion von GroenLinks und Sozialdemokraten hervorgegangen) betonte, der Rücktritt sei auch darauf zurückzuführen, dass frühere Arbeitsplatz-Beziehungen nicht gemeldet worden seien. Ein professionelles und offenes Arbeitsumfeld sei zentral für den Verhaltenskodex. Dennoch stellte Eickhout klar: Der Rücktritt habe „nichts mit der Beziehung zu Lena zu tun“.

Die Grünen-Fraktion im EU-Parlament respektierte den Schritt und unterstrich die Bedeutung eines professionellen Umfelds. Politisch kommt der Abgang zu einem sensiblen Zeitpunkt: In wenigen Monaten stehen Neuwahlen wichtiger Führungspositionen im Parlament an, und in den Niederlanden steht die Fusion von Eickhouts Partei kurz bevor.

Schilling: „Hasse alle Grünen“

Lena Schilling ist mit 25 Jahren eines der jüngsten Mitglieder des EU-Parlaments. Die ehemalige Klimaaktivistin wurde im Januar 2024 von den österreichischen Grünen als Spitzenkandidatin für die EU-Wahl nominiert – trotz ihrer fehlenden politischen Erfahrung. Sie zog nach der Wahl 2024 gemeinsam mit Thomas Waitz ins EU-Parlament ein. Ihr Wahlkampf wurde jedoch massiv von Skandalen überschattet.

Im Mai 2024 veröffentlichte Der Standard umfangreiche Recherchen mit Vorwürfen gegen Schilling: Mehrere ehemalige Mitstreiterinnen und Bekannte warfen ihr ein „problematisches Verhältnis zur Wahrheit“ vor. Konkret soll sie falsche Gerüchte verbreitet haben, wonach der Partner einer ehemaligen Freundin durch häusliche Gewalt eine Fehlgeburt seiner Frau verursacht habe. Schilling unterzeichnete eine Unterlassungserklärung, wurde jedoch im Juli 2024 zu einer Strafe von 4.000 Euro verurteilt, weil sie dagegen verstoßen haben soll. Später einigte sie sich außergerichtlich mit dem Paar auf einen Vergleich und widerrief die Aussagen persönlich.

Weitere Vorwürfe betrafen die Erfindung einer Liebesbeziehung zu einem namentlich bekannten ORF-Journalisten, dem sie zudem Affären mit anderen Grünen-Politikerinnen andichtete. Schilling soll sich später notariell dafür entschuldigt haben. Ebenso warf sie einem Journalisten eine Belästigung vor; eine interne Untersuchung des Medienunternehmens fand jedoch kein relevantes Fehlverhalten. Ehemalige Aktivistinnen beschrieben Schilling als manipulativ, besonders im Umgang mit jüngeren Mitstreitern. Dies soll auch zum Bruch mit Teilen der Klimabewegung beigetragen haben.

Zusätzlich kam in diesem Kontext der Vorwürfe auch der Rücktritt eines grünen Nationalratsabgeordneten zur Sprache: Dieser Grüne hätte alkoholisiert einen Journalisten gewürgt, der einer jungen Frau zu Hilfe kam – bei der Frau handelte es sich um Lena Schilling. Die Grünen-Klubspitze soll versucht haben, ihren Namen aus der Affäre herauszuhalten.

Besonders peinlich für Schilling war dann das Auffliegen von WhatsApp-Nachrichten, die sie noch vor ihrem Beitritt zu den Grünen verschickt hatte. Etwa (Zitat): „Ich habe niemanden so sehr gehasst wie die Grünen – mein Leben lang.“

Trotz all der Skandale hielten die Grünen an Schilling fest. Die Partei verteidigte sie und sprach von einer „Kampagne“. Österreichs Medien verglichen hingegen das Theater um die junge Politikerin bereits mit „Kabale und Liebe“, dem bekannten Trauerspiel von Friedrich Schiller. Lena Schilling selbst räumte nur in einigen Einzelfällen Fehler ein. Dennoch belasteten die Affären den EU-Wahlkampf der Grünen schwer: Die Partei verlor Stimmen und landete bei nur 11 Prozent.

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Kommentare ( 11 )

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Montesquieu
19 Tage her

Ochlokratie. Am Ende unvermeidlich wie die Schmeißfliegen.

Laurenz
19 Tage her

Lena Schilling wohl vor allem als intrigantes Poster-Girl talentiert.

Marcel Seiler
19 Tage her

Frage 1: Warum tritt hier jemand zurück? Eine Affäre unter Parlamentariern ist doch nicht verboten. Wenn ja, hätten wir viele, viele Rücktritte überall.

Frage 2: Warum tritt Bas Eickhout zurück und nicht Lena Schilling? Nach den hier wiedergegebenen Äußerungen ist doch Lena Schilling die problematische Person, nicht Bas Eickhout. Oder haben wir ein Gesetz, dass der Mann immer schuld ist, egal was passiert, und die Frau immer ein Engel?

Noch etwas: Wenn der Charakter der Frau Schilling dem entspricht, was hier über sie gesagt wird, so zeigt dies erneut, dass der Prozess der Politikerauswahl der eigentliche Skandal ist.

Last edited 19 Tage her by Marcel Seiler
Gerhard-66
19 Tage her

Würde sagen.. .. Lena Schilling .. Sollte eine Ehrwürdige Nachflgerin von Ursula von der Leyen sein..:-)
Dürfte Sollte in Brüssel noch ECHT Karrie machen..:-)

Sonny
20 Tage her

Keine Überraschung.
Für mich sind 99% der grünen Bewegung Blender, Lügner und Selbstdarsteller. Gegen jegliche Fakten.
Wer denen auch nur ein einziges Wort glaubt, ist selber schuld.

Sagen was ist
20 Tage her

In der europäischen Politik gilt bekanntlich: Transparenz ist wichtig – solange sie nicht zu konkret wird. Der jüngste Rücktritt wirkt daher wie ein seltenes Lehrstück in politischer Ehrlichkeit. „Nicht immer das Richtige getan“ zu haben, ist schließlich die eleganteste Umschreibung für alles, was man lieber nicht im Detail ausführt. Beziehungen, die „nicht zur Rolle passen“ – das klingt weniger nach Skandal als nach schlecht gecasteter Theateraufführung. Dass die Partei PRO – ein Name, der bereits vorsorglich Zustimmung suggeriert – den Rücktritt mit nicht gemeldeten Arbeitsplatz-Beziehungen begründet, wirkt fast rührend bürokratisch. Man möchte sich vorstellen, wie irgendwo ein Formular existiert: „Romantische… Mehr

verblichene Rose
20 Tage her

Das liegt nicht unbedingt nur an den Grünen (das natürlich auch!). Nein, das liegt daran, daß es sich um eine (junge) weiblich gelesene Person handelt und die sich auch noch so benimmt! Also wie Lena Schilling, die absolut jedes Klischee bedient, welche insbesondere die Grünen im Umkehrschluss ständig als Totschlagargument gegen ihre (politischen) Feinde ins Feld führen…

PaulKehl
20 Tage her

Bei der neuen Partei PRO wächst zusammen, was zusammen gehört. Holländische Spezialdemokraten und die grünen Khmer. Genauso so gefährlich wie in DE. Federführend bei dieser Vereinigung war Frans Timmermans. Das erklärt alles.

Ludwig von Gerlach
20 Tage her

„Mehrere ehemalige Mitstreiterinnen und Bekannte warfen ihr ein „problematisches Verhältnis zur Wahrheit“ vor. Konkret soll sie falsche Gerüchte verbreitet haben …“.

Seltsamer Vorwurf! In Deutschland qualifizieren derartige Eigenschaften erst für die Politik und für Ministerämter (Stichwort: „Es gibt keine Einwanderung in die Sozialsysteme“).

h.milde
20 Tage her

Das Konzil von Konstanz, Feudalismus in Versailles, WEF in Davos, Eppsteins L“Love-Island“ & das €UdSSR-Parlament in Brüssel,haben anscheinend EINES gemeinsam. Die absolute Kontrolle & enge Kontakte, zum Austausch von Informationen, Geld & Körpersekreten unter Teilnehmern & Strippenziehern.