Nicht nur in Polen wird empört auf die Vergabe des Ehrennamens „Helden der UPA“ für eine ukrainische Militäreinheit reagiert: Der Grund dafür sind Gräuel und Massenmorde der UPA im Zweiten Weltkrieg. Polens Präsident Nawrocki will Wolodymyr Selenskyj deshalb eine hohe Auszeichnung entziehen.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | PRESIDENT OF UKRAINE
Die Entscheidung Selenskyjs soll der „Wiederherstellung historischer Traditionen der nationalen Armee“ dienen: In der Ukraine wird die UPA vielfach als heldenhafter Verband von Widerstandskämpfern gegen die sowjetische Besatzung gefeiert. In Polen dagegen herrscht Entsetzen über diese Entscheidung: Die UPA – Ukrainska Povstanska Armiia (Українська повстанська армія) „Ukrainische Aufständische Armee“ – war verantwortlich für die schrecklichen Massaker von Wolhynien und Ostgalizien 1943 bis 1945 – einer der blutigsten ethnischen Massenmorde des II. Weltkriegs. Historiker schätzen die Zahl der ermordeten polnischen Zivilisten auf bis zu 100.000, darunter viele Frauen und Kinder, die mit Äxten, Sensen und Heugabeln getötet wurden. Besonders brutal war der „Blutsonntag“ am 11. Juli 1943, an dem Dutzende Dörfer gleichzeitig angegriffen wurden. Polen ordnet die Ereignisse als „Völkermord mit ethnischen Säuberungen“ ein.
Donald Tusk nannte die Ehrung nun „beunruhigend“ und „unnötig“: Sie verletze das historische Empfinden der Polen und bringe die zwischenstaatlichen Beziehungen auf ein „beunruhigendes Niveau“. „Jede Nation hat das Recht auf ihre eigenen Interpretationen“, sagte er, „aber Präsident Selenskyj und unsere ukrainischen Freunde müssen sich bewusst sein, was dieses düstere Erbe der UPA aus Sicht jeder Polin und jedes Polen bedeutet“. Das polnische Außenministerium verurteilte den Schritt ebenfalls als Verletzung des Gedenkens an die Opfer und Belastung des bilateralen Dialogs.
Präsident Nawrocki ging noch weiter. Er kündigte an, beim Kapitel des Ordens vom Weißen Adler am 8. Juni die Aberkennung der höchsten polnischen Auszeichnung für Selenskyj vorzuschlagen. Der Orden war ihm 2023 von Andrzej Duda verliehen worden. Nawrocki bezeichnete die Ehrung als „kritisch inakzeptabel“ und warf Kiew vor, russischer Propaganda Munition zu liefern. Tusk kritisierte zwar die Entscheidung Selenskyjs, distanzierte sich aber auch von Nawrockis scharfem Gegenvorschlag.
Staatsbegräbnis für umgebetteten NS-Verbündeten
Erst wenige Tage zuvor nahm Selenskyj persönlich an der feierlichen Wiederbeisetzung der sterblichen Überreste von Andrij Melnyk und seiner Frau in Kiew teil. Melnyk war Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und enger Weggefährte Stepan Banderas. Die OUN arbeitete zeitweise mit Hitler-Deutschland zusammen. Nicht nur in Polen gilt Melnyk als Kriegsverbrecher und Kollaborateur. Die Zeremonie mit militärischen Ehren am Nationalen Militärfriedhof sorgte nun für zusätzliche Kritik am ukrainischen Präsidenten.
Der Präsident in Kiew bestätigt mit seinen Ehrungen für Kriegsverbrecher und NS-Kollaborateure viele seiner Kritiker: Welcher Europäer will bei dieser gezeigten Geisteshaltung einen 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine tatsächlich noch positiv bewerten?

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