Immer mehr Länder führen assistierten Suizid und Tötung auf Verlangen ein. Befürworter argumentieren mit Autonomie, übersehen dabei jedoch, dass die rechtliche Verankerung gerade die Selbstbestimmung auszuhebeln droht. Auch soziale und gesellschaftliche Implikationen kommen im Diskurs zu kurz.
Es war ein zähes Ringen um ein emotionales Anliegen: Dreimal stimmte die französische Nationalversammlung einem Gesetzentwurf zu assistiertem Suizid und Tötung auf Verlangen zu. Dreimal lehnte der französische Senat ihn ab, ein Vermittlungsausschuss scheiterte.
Im Zuge der dritten Abstimmung nahm der Senat mit knapper Mehrheit von 169 zu 164 Stimmen sogar eine motion préalable de rejet ein, einen Vorab-Antrag, mit dem das Gesetz ohne Debatte abgelehnt wird.
Politkrimi um assistierten Suizid
Dennoch wurde das Gesetz am 15. Juli verabschiedet. Denn Premierminister Lecornu verwies das Gesetz trotz der Aufforderung des Senats, das Gesetzgebungsverfahren zu beenden, zum vierten Mal zurück an die Nationalversammlung – gemäß der französischen Verfassung kann die Regierung zuletzt der direkt gewählten Kammer den Vorrang einräumen.
Hier wurde das Gesetz nun mit 291 zu 241 Stimmen angenommen, noch kann allerdings der Verfassungsrat angerufen werden.
Tritt das Gesetz in Kraft, würde sich Frankreich zu den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Spanien gesellen – zu jenen europäischen Ländern, in denen neben assistiertem Suizid auch Tötung auf Verlangen gesetzlich verankert ist; ersterer ist auch in der Schweiz und in Österreich möglich.
Selbsttötung und Tötung auf Verlangen
Im Unterschied zum assistierten Suizid wird dem Betroffenen bei der Tötung auf Verlangen das tödliche Mittel verabreicht, er nimmt es nicht selbst ein. Außerhalb des deutschsprachigen Raums wird daher auch von Euthanasie gesprochen, ein Begriff, der aufgrund der nationalsozialistischen Tötungsprogramme in Deutschland als besonders brisant empfunden und gemieden wird.
In Frankreich soll der Mensch mit Sterbewunsch das tödliche Mittel zwar selbst einnehmen, ist er dazu nicht mehr in der Lage, soll medizinisches Personal die Tötung vornehmen.
Befürworter dieser Praktiken stellen die Selbstbestimmung des Menschen in den Mittelpunkt und fordern im Hinblick auf den eigenen Tod Autonomie. Ängste vor Handlungsunfähigkeit, vor dem Dahinsiechen, vor Schmerzen und davor, anderen hilflos ausgeliefert zu sein, spielen dabei eine Rolle.
Die Frage nach weitgehender Kontrolle über den eigenen Tod gewinnt auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Vereinzelung an Bedeutung: Viele Alte und Kranke werden nicht mehr durch familiären Zusammenhalt getragen, können sich nicht in einem familiären Gefüge als gewollt, geliebt und wertvoll empfinden. Wenn Menschen nicht mehr sozial eingebunden sind und dem eigenen Sterben allein gegenüberstehen, ist nachvollziehbar, dass der Sterbezeitpunkt zur individuellen Entscheidung werden soll.
Druck und Fremdbestimmung statt Autonomie
Allerdings bringen gesetzliche Verankerung und Normalisierung von ärztlich begleiteter oder induzierter Selbsttötung gravierende Probleme mit sich. Das zeigt sich nicht nur in den Niederlanden, die mittlerweile über zwanzig Jahre Erfahrung mit entsprechender Gesetzgebung vorweisen können, sondern auch etwa in Kanada, wo assistierter Suizid und Tötung auf Verlangen 2016 legalisiert wurden. Hier gehen bereits über 5 Prozent der Tode auf das staatliche Programm MAiD (Medical Assistance in Dying) zurück.
Da ist zum einen die sozialpolitische Dimension, die von Befürwortern ausgeblendet wird: Wo das Töten kostengünstiger ist als Palliativversorgung, findet angesichts klammer Kassen zwangsläufig eine Verschiebung statt. Etabliert sich Tötung als Gesundheitsleistung, bietet sich ein morbider Ausweg aus der Misere, angesichts steigender Lebenserwartung in einer alternden Gesellschaft Mittel für angemessene Versorgung zur Verfügung stellen zu müssen. Dieser Mechanismus hat in Kanada innerhalb von nur zehn Jahren eine ganze Reihe skandalöser Fälle hervorgebracht, die nicht mehr als Einzelfälle gelten können.
Zudem wird Druck aufgebaut, assistierten Suizid in Anspruch zu nehmen, um niemandem zur Last zu fallen. Zwar gilt Beeinflussung von außen als Ausschlusskriterium, doch lässt sich subtiler Druck schwerlich nachweisen.
So erleichtert eine Legalisierung potenziell, dass sich Menschen ihrer pflegebedürftigen Angehörigen entledigen. 2021 starben in den Niederlanden 517 Menschen, ohne explizit nach Euthanasierung verlangt zu haben. Jüngere belastbare Daten liegen noch nicht vor, da die Jahresberichte diese Kategorie nicht erfassen. Auch demente Patienten werden auf diese Weise getötet.
Damit wird das ursprüngliche Anliegen der Befürworter des assistierten Suizids in sein Gegenteil verkehrt: Statt Selbstbestimmung droht Fremdbestimmung.
Wie umgehen mit dem Leiden?
Damit verbunden ist eine grundsätzliche gesellschaftliche Frage, nämlich, ob das Leben eines Menschen unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit und unabhängig von dem Leid, das damit einhergeht, als lebenswert betrachtet wird – sollen und dürfen Menschen aussortiert werden?
Wo immer assistierter Suizid rechtlich verankert wird, geschieht dies mit der Implikation, dass er dem Extrem- und Einzelfall gerecht werden soll. Stets ist der Anwendungsbereich zunächst eng. Und stets fallen in den folgenden Jahren die Hürden, werden Bestimmungen erweitert: Altersgrenzen sinken oder werden abgeschafft; der ursprünglich nur für unheilbare Krankheiten im Endstadium vorgesehene Prozess wird teils sogar auf psychische Erkrankungen ausgeweitet.
Dies ist in Frankreich vorerst explizit ausgeschlossen. Allerdings legen die dort vorgesehenen Bestimmungen die Problematik der Individualität von Leid offen: So sollen unheilbar Kranke auf assistierten Suizid zurückgreifen dürfen, deren Leiden „für die betroffene Person unerträglich“ ist. Was aber gilt als „unerträglich“? Dieser Aspekt lässt sich, ebenso wie die Einschränkung von Entscheidungsfreiheit und -fähigkeit durch Leidensdruck, Schmerzen und andere Faktoren, kaum objektivieren.
Eine Gretchenfrage
Vor dem Hintergrund dieser komplexen Probleme ist besorgniserregend, dass das Gesetz nun beschlossen wurde, obwohl sowohl die parlamentarische als auch die öffentliche Auseinandersetzung nur den Schluss zulässt, dass kein ausreichender Konsens besteht, um eine derart weitreichende Entscheidung zu treffen.
Das Gesetzgebungsverfahren in Frankreich wurde schließlich auch von öffentlichen Protesten und einer gesellschaftlichen Debatte begleitet, die, insbesondere im Zusammenhang mit der dreimaligen Ablehnung durch den Senat, ein Fragezeichen an die nun erfolgte Annahme des Gesetzentwurfs setzt: Wenn die Gesellschaft derart gespalten ist – warum solange abstimmen, bis eine Regelung durchgesetzt ist, die gravierende Implikationen birgt, zumal, wenn sie nicht auf dem Fundament breiter Zustimmung steht? Hier verliert die Legislative ihre Verantwortung aus den Augen.
Zuletzt sollte man nicht vergessen, dass die Legalisierung des assistierten Suizids einen zivilisatorischen Bruch darstellt.
Seit der Antike ist das ärztliche Selbstverständnis, das sich im hippokratischen Eid ausdrückt, in der kulturellen Tradition Europas verankert: Denjenigen, die Heilberufe ausüben, wird eine besondere ethische Verantwortung zugesprochen, die sich auch darin äußert, keine Substanzen zum Zweck der Tötung abzugeben oder zu verabreichen – auch nicht auf Verlangen. „Zuerst nicht schaden“, ist ein jahrtausendealtes Prinzip, das, so ausgehöhlt es bereits sein mag, weiterhin grundsätzlich als bedeutsam empfunden wird.
Nun jedoch werden auch in Frankreich Ärzte und medizinisches Personal dazu herangezogen, Kranke aktiv zu töten. Die Bedeutung eines solchen Paradigmenwechsels geht in emotionalen Diskussionen über „selbstbestimmtes“ Sterben regelmäßig unter.
Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen, kontaktieren Sie unbedingt die Telefonseelsorge. Unter der kostenfreien Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 bekommen Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Hilfe bei den nächsten Schritten anbieten können. Hilfsangebote gibt es außerdem bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Im Netz gibt es – Beispielsweise bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe – auch ein Forum, in dem sich Betroffene austauschen können.






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Wäre schön, wenn man sich an „zuerst nicht schaden“ auch in der Coronazeit erinnert hätte.
Seit dieser Zeit muss mir keiner mehr mit sowas wie medizinischer Ethik kommen – für mich seitdem Text ohne Inhalt!
Und ja, richtig: genau wie das GG !
2021 starben in den Niederlanden 517 Menschen, ohne explizit nach Euthanasierung verlangt zu haben: Das sollte eigentlich nicht möglich sein. Ich kenne jemanden, der Verwandschaft in den NL hat. Sie hat mir erzählt, dass Sterbehilfe nur solange möglich ist, wie derjenige im Augenblick der Sterbehilfe bewußt zustimmt.
Diese sog. Programme zum „assistierten Suizid“, bei gleichzeitig aufgebauter „Bestellkinderindustrie“ mittels sog. „Leihmüttern“ von, bzw. für Polit & Geld€liten wie Jens Spahn,“c“DU, & die „Abtreibungs-Organhandelsindustrie“, sind wohl eine Mélange aus „Brave New World“, „Eugenik“, „Aktion T4“ & „Handmaid´s Tale“, oder auch „Lebensborn“ & „Frankenstein“ Das ist nmbM. reiner & tödlicher ANTIHUMANISMUS, oder ANTICHRISTENTUM, verkleidet in „linksGRÜN progressiver Idologie“ Aber, wer hat´s erfunden & warum? Das „warum“ scheint klar. Es ist wohl eine selbsternannte €lite, die sich allmächtig & wissend wähnt & das natürliche Individuum mit seinen „Naturrechten“ minderwertig & bei politisch definierter „Unwertigkeit“ wird dieses Individuum natürlich nur zum „Wohle… Mehr
Was wollen Sie uns sagen?
Könnten Sie dies bitte in wenigen Sätzen, klar formuliert, zum Ausdruck bringen?
Jeder Mensch kann Selbstmord begehen, wenn er oder sie es wirklich will. Ausgenommen davon sind sehr kranke Menschen, die nicht mehr dazu in der Lage sind, diesen Schritt selbst zu gehen und das ist eine Form von Bevormundung, die zu weit geht. Die Schwester einer Freundin hatte letztes Jahr Krebs im Endstadium. Unglaubliche Schmerzen – immer, jede Minute. Trotz Medikamenten und regelmäßiger Besuche im Krankenhaus, wo man nicht wirklich helfen konnte (oder wollte). Die Freundin ist mit ihrer Schwester im Rollstuhl durch endlose Flure gerannt, während die Schwester vor Schmerzen gewimmert hat. Stundenlang gewartet. Nervlich zerfetzt von den Bitten, ihr… Mehr
Es gilt, genau wie in Kanada, dass solche Angebote nur und ausschließlich von der weißen Bevölkerung wahrgenommen werden.
Die Einen Legen sich 6 Fuss Tiefer..
Die Anderen Kinder..
Solange.. 6 Fuss Tiefer Legen..
KinderAnkauf / KinderVerkauf..
Ein TragFähiges GeschäftsModel ist..
Wenn Interessierts..:-)
Habe da noch was.. Aus der CoronaZeit.. QR PCR Code..
Einen Jungen Sportler im Angebot..:-)
Du Brauchst was..
Eine Niere..
Bei mir gibt es 2.. Für den Preis von Einer..
Arbeiten bis 70, mit 75 erfolgt dann der assistierte „Suizid“.
Es sei denn, man hat vorher widersprochen.
Und wenn man widersprochen hat, wird man „subtil unter Druck“ gesetzt.
Wieder eine Grenze, die man besser nie überschritten hätte.
Ungefähr so stelle ich mir das auch vor! Es ist ein zweiseitiges Schwert und die Gefahr ist, dass man sich bei schwerer Krankheit geradezu verpflichtet fühlt zu gehen! Man will (oder soll) ja keinem zur Last fallen!
Man kann an ihrem Post sehen, dass sie keine Ahnung haben und noch nie Menschen mit unvorstelbaren Schmerzen, die gehen wollen, nie erlebt haben.
Mein Vater erzählte mir von einem Mann in unserem Dorf, der eines Tages in den Wald ging und sich wegen seiner unerträglichen Schmerzen selbst erhängte.
Mir gehen die Berufsbedenkenträger einfach nur noch auf den Geist.
Auch in diesem Thread.
Vom Leben keine Ahnung, aber gerne das fette Erbe der Alten kassieren.
Gelle.
Hier im völlig geisteskranken ultra-woken Kanada gibt’s das schon seit Jahren. Sogar für Kinder und demnächst auch geistigbehinderte Menschen. Menschen mit Demenz wurden schon so umgebracht ohne, dass ihre Angehörigen davon wussten. Man kommt am nächsten Tag ins Pflegeheim und Opa war tot. Begründung des Personals: Ja wir haben ihn gefragt und er hat zugestimmt. Ein anderer spektakulärer Fall ereignet sich als ein zu dicker 22 jähriger nach Trennung von der Freundin eine Anfrage gemacht hat und die Klink hat sofort zugestimmt und für nächste Woche einen Termin zur Vollstreckung gebucht. Zum Glück hat die Mutter dies rechtzeitig mitbekommen und… Mehr
Ich habe mich wegen meiner schweren körperlich Leiden bereits erkundigt, wo man in Europa durch assistierten Suizid aus dem Leben scheiden kann.
Es gibt mehrere Länder in Europa, die diesen Erlösungsdienst anbieten.
Einfach mal googeln.
Die Kosten belaufen sich meistens auf 10.000 bis 12.000 Euro.
Einem Menschen diesen letzten Dienst zu verweigern, wenn er es wirklich möchte, ist für mich der Gipfel der Inhumanität. Deshalb ein klares Ja zu assistierter Sterbehilfe. Selbstredend haben so manche Politiker, die gegen Sterbehilfe bei schwerkranken Menschen sind, kein Problem damit, junge gesunde Männer zum Sterben auf Schlachtfelder zu schicken.
„KULTUR DES TODES“:
Sterbe“hilfe“, Organ“spende“, Kindsmord im Mutterleib = „Gesundheitsfürsorge“ usw..
Ich bin ein alter, kranker, weißer Mann.
Für mich ist der assistierte Suizid durchaus eine Perspektive.
Immer noch besser, als von einer hohen Autobahnbrücke herunterzuspringen oder beim Suizidversuch mit Tabletten kläglich zu scheitern und danach ein Schwerstpflegefall zu sein.
Für Sie aus dem Kommentar unter Ihnen:
„Die Realität sieht doch so aus: Eine jahrelange, kostenintensive Behandlung bringt diesen Profitgeiern miese Zahlen! Aber ein billiger, staatlich abgesegneter Selbstmord – der kostet fast gar nichts! Das ist der Punkt! Das ist eine perfide, ekelhafte, ökonomische Erpressung! Diese Institutionen werden die Patienten doch geradezu subtil dazu drängen und nötigen, sich gefälligst selbst umzubringen, um das Budget zu schonen!“…“Ich spucke auf diese Kultur des Todes! Ich scheiße auf eure Bilanzen! Eine Gesellschaft, die das Sterben industrialisiert und kommerzialisiert, ist im tiefsten Inneren verrottet!“. Mal darüber nachdenken, bitte.
Sie haben doch keine Ahnung.
Spucken Sie sich besser ins eigene Gesicht, falls Sie dazu noch in der Lage sind.
Sind Sie ein getriggerter aufgeklärter teutonischer Euthanasie-, Eugenikerfanboy des „Neuen Normal“ ???. Haben Sie nix aus der teutonischen Geschichte (g)elernt??. So wie, wehret den „Anfängen“ ?, ist wohl hohles teutonisches Gelaber?!. Ist nur das Böse hängengeblieben?. Den Booster bisher gut verkraftet?. Möge Ihnen Satan in Ewigkeit ins Angesicht speien.