Etappensieg gegen EU-Chatkontrolle: Ausschuss stimmt gegen Verlängerung

Im Ringen um den Erhalt normaler Grundrechte in der EU gibt es einen neuen Etappensieg. Im LIBE-Ausschuss für bürgerliche Freiheiten stimmte eine Mehrheit gegen eine Verlängerung der Einschränkung des digitalen Briefgeheimnisses.

picture alliance / CHROMORANGE | Li Bro.photo

Am Montag gab es einen unerwarteten Etappensieg für die Freiheit der EU-Bürger von unsinniger Chatkontrolle und gegen Eingriffe in ihre Grundrechte. Im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) gab es keine Mehrheit für die Verlängerung jener Verordnung, die die Chatkontrolle im Jahr 2021 eingeführt hatte.

Auch bei der Chatkontrolle 1.0 werden je nach Plattform anlasslos alle Chats gescannt, angeblich um Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern (Child Sexual Abuse Material, CSAM) zu finden und an die Behörden zu melden. Vor allem Facebook hat seine Messenger-Chats so kontrolliert und die gefundenen Daten „freiwillig“ gemeldet. Für die Facebook-Nutzer waren die Scans allerdings keineswegs freiwillig.

Auch die Chatkontrolle 1.0 war dabei immer eine problematische Gesetzesregelung, da für sie Grundrechte zunächst vorübergehend, dann immer dauerhafter eingeschränkt wurden. Der vorübergehende Charakter der Regelungen führte dann auch zu dem Druck in den Verhandlungen zur Chatkontrolle 2.0, die den letzten Sommer und Herbst einnahmen. Von den Befürwortern wurde argumentiert, dass es keine „Regelungslücke“ geben dürfe, was den Druck für eine Einigung erhöhte, die letztlich nur teilweise in immer weiter reduzierter Form zustande kam.

Nun wurde also die Grundlage des ganzen Verfahrens im zuständigen EU-Parlamentsausschuss abgelehnt, unter anderem mit den Stimmen der AfD (ESN), der EVP, der Linken, der Grünen, der meisten Renew-Abgeordneten und von Martin Sonneborn, der ebenfalls im LIBE-Ausschuss sitzt. Dafür stimmten hingegen sämtliche Sozialdemokraten (S&D) sowie die Patrioten (PfE) und Konservativen und Reformisten (EKR) bei wenigen Enthaltungen. So bilden sich einmal mehr erstaunliche Allianzen, wiederum unter Missachtung jeder Brandmauer.

In jedem Fall war der Montag damit ein guter Tag für die Freiheit der Bürger. Denn jeder Schritt, den die Chatkontrolle ihnen ferner rückt, ist ein guter Schritt, der auch in Zukunft Meinungs- und Redefreiheit im Internet unterstützt.

Hatte die AfD, die sogar Anträge im Bundestag zu dem Thema gestellt hatte, ihr Engagement für die Meinungsfreiheit im Netz zeitweise vergessen? Das behauptete der Ex-EU-Abgeordnete Patrick Breyer (Piraten) in mehreren Tweets. Die Abstimmung im LIBE-Ausschuss hat nun für Klarheit gesorgt: Die AfD lehnt auch die für die Plattformen „freiwillige“ Chatkontrolle 1.0 ab und damit die Grundlage der weitaus umstritteneren Chatkontrolle 2.0.

Es dürfte die Versuchung sein, etwas für Kinderschutz zu tun, die auch Patrioten und Konservative zur Zustimmung für diesen schwächeren Chatkontrolle-Vorschlag – der schon Praxis ist – brachte. Letztlich ist das Instrument aber unscharf und sorgt vor allem für viele falsch positive und falsch negative Meldungen: Es werden also Chats gemeldet, die unproblematisch sind, andererseits aber nicht einmal alle problematischen realen CSAM-Chats gefunden. Fachleute und Forscher haben wiederholt vor dem Verfahren gewarnt.

Als nächstes geht es um die Entscheidung im Plenum, wo es nun um ähnliche Mehrheiten wie im Ausschuss geht, damit die EU-Chatkontrolle endgültig der Vergangenheit angehört.

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Kommentare ( 8 )

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Fralarovi
9 Tage her

Der Kampf gegen Totalitarismus braucht auch die Aufklärung darüber, was Demokratie überhaupt ist. Eine Opposition in einer Demokratie MUSS die Regierung kritisieren und die Rechte der Bürger verteidigen.  Sie muss Missstände aufzeigen und Tendenzen aufdecken, die gegen Freiheit, Demokratie, gegen Grundrechte und Menschenwürde gerichtet sind.   Das alles macht die AfD. Man könnte es tausendfach belegen.   Sie verteidigt die Demokratie, während die Blockparteien im Dienst des digital-finanziellen Komplexes funktionieren, dessen Vertretung sich z.B. beim WEF zeigt.   https://www.youtube.com/watch?v=Q5NTsaaP8LM Krisen-Tsunami – Plünderung der Welt durch Digital-finanziellen Komplex – E.Wolff    Was ist eigentlich Demokratie, die wir Bürger ja alle verteidigen… Mehr

bfwied
9 Tage her

Die haben nur leider nicht allzu viel Macht, ausschlaggebende gar nicht!

Wilhelm Roepke
9 Tage her

Das ist nicht die Lösung aller Bedrohungen der Meinungsfreiheit, aber ein wichtiger Mosaikstein. Richtige Aktion sowohl von Grünen als auch von AFD. Hoffentlich lernen die deutschen Linken endlich mal von den europäischen Nachbarn, den Quatsch mit der Brandmauer zu beenden.

CasusKnaxus
9 Tage her

Ein Etappensieg -schon gut, aber mehr auch nicht. Schaun mer mal, was der Uschi, Sonnenkönigin der EUdSSR, noch so alles einfällt, um diesen Beschluß zu hintertreiben…

Talleyrand
9 Tage her

Solche Mehrheiten sind dieser Kommisionsmafia doch völlig gleichgültig, wie man aktuell am Verhalten der Präsidentin hinsichtlich der Mercosurabstimmung sieht. Hier hilft wirklich nur noch ein Verlassen dieser Organisation.

Haba Orwell
9 Tage her

> Die AfD lehnt auch die für die Plattformen „freiwillige“ Chatkontrolle 1.0 ab und damit die Grundlage der weitaus umstritteneren Chatkontrolle 2.0.

Schön zu lesen, was die AfD will – statt darüber, was Kartellparteien-Heinis in irgend so einer ÖRR-Talkrunde erzählen.

Alf
9 Tage her

Es besteht noch Hoffnung, daß das Königreich Europa grundlegend reformiert wird, die Kommission eingehegt wird.
Weiter so.

humerd
9 Tage her

den Optimismus kann ich nicht teilen. Wie sehr sich Euer Gnaden Ursula von der Leyen an Abstimmungen „gebunden“ sieht, zeigte sie letzte Woche:
„Während juristischer PrüfungEU-Kommission will Mercosur-Abkommen vorläufig anwenden“https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-mercosur-abkommen-anwendung-100.html
so geht die normative Kraft des Faktischen. Nun ist es halt schon da …