Kasachstan kann für Deutschland in der Frage der Sicherung von Rohstoffen nützlich sein. Wie leichtfertig der Kanzler und sein Außenminister darüber hinwegsehen, ist sträflich. Keiner von beiden hat das Land bislang besucht. Offensichtlich hat Friedrich Merz die Bedeutung, die Kasachstan für Deutschland haben könnte, nicht einmal ansatzweise begriffen.
IMAGO / Political-Moments
Der eigentliche Regierungschef Lars Klingbeil warnte zwar, dass die Krise, verschärft durch einen Mangel an Erdöl und Erdgas, „größer und hartnäckiger ist, als viele glauben“, doch dürfte er darüber beim Staatsbesuch des Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Friedrich Merz, beim Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland in Walsrode nicht gesprochen haben. Obwohl die Krise „größer und hartnäckiger ist, als viele glauben“, haben Klingbeil und Merz offensichtlich genügend Zeit für eine lustige Landpartie zu einem Forellenhof, anstatt Zeit und dem Steuerzahler Geld zu sparen, und sich in Berlin zu treffen, wo Kanzleramt und Finanzministerium nur 2,9 Kilometer auseinanderliegen und nicht 330 Kilometer, wie das Bundeskanzleramt und Walsrode.
Dass Friedrich Merz dann noch den Weg nach Salzwedel in der Altmark falsch einschätzte, überrascht bei der allgemeinen Orientierungslosigkeit des Bundeskanzlers nicht. Denn die Krise, die „größer und hartnäckiger ist, als viele glauben“, ist in erster Linie durch die Bundesregierung verursacht worden und wird durch die Unfähigkeit zur Geopolitik noch verschärft. Nicht Geopolitik, sondern Forellenessen in Walsrode lauten die Prioritäten der Bundesregierung.
Seit gestern blockiert Russland den Transit des kasachischen Erdöls nach Deutschland zur wichtigen Raffinerie von Schwedt. Wie bereits vermutet, was aus Wirtschaftskreisen bestätigt wird, verhängte Putin den Stopp aus zwei Gründen: aus Merzens Freude daran, mit Selenskyj Drohnen zu bauen, die weit ins russische Hinterland reichen, und aus Merzens Passion, keine Gelegenheit auszulassen, Putin verbal anzugreifen. Wie aus Wirtschaftskreisen zu vernehmen ist, sollen genau darin die Bedingungen Russlands bestehen für die Wiederaufnahme des Transits des kasachischen Erdöls durch die Drushba: erstens, Abstand von der gemeinsamen Drohnenproduktion zu nehmen, und zweitens, die Verbalattacken nicht weiter zu steigern.
Kasachstan, das an einer vertieften Zusammenarbeit mit Deutschland interessiert ist, kann für Deutschland in der Frage der Sicherung von Rohstoffen sehr nützlich und hilfreich sein. Wie leichtfertig der Kanzler und sein durch die Welt stolpernder Außenminister darüber hinwegsehen, ist sträflich, denn Kasachstan ist reich an Rohstoffen, von Erdöl, Erdgas, Eisenerz bis zu Seltenen Erden.
Wann besuchte Johann Wadephul Kasachstan? Als Außenminister noch nie! Wann war Friedrich Merz auf Besuch in Kasachstan? Die Antwort lautet: als Kanzler noch nie. Offensichtlich hat Friedrich Merz die Bedeutung, die Kasachstan für Deutschland haben könnte, nicht einmal ansatzweise begriffen. Wer allerdings als Bundeskanzler Kasachstan besuchte, war Olaf Scholz im September 2024, der übrigens im Gegensatz zu Merz tunlichst alles unterließ, die Auseinandersetzung mit Russland zu eskalieren.
Die Aussichten in Astana stehen für Berlin insofern gut, weil die Kasachen an stabilen Wirtschaftsbeziehungen zur EU und zu Deutschland schon aus Gründen der unangenehmen Einkreisung durch Russland und China interessiert sind. Sie möchten sich weder von den Chinesen noch von den Russen zu Tode umarmen lassen.
Eine strategische Rohstoffpartnerschaft Deutschlands mit Kasachstan wäre für Putin wesentlich unangenehmer, als es Merzens ständige Ausfälle Richtung Moskau sind. Aber um das zu begreifen, müsste in Berlin geopolitisch gedacht, ja überhaupt gedacht, anstatt nur gefühlt werden. Deutsche Außenpolitik muss endlich von Atavismen befreit wieder rational betrieben werden. Eine deutsche Politik, die sowohl deutsche Interessen im Blick hat und wenigstens das kleine Einmaleins der Geopolitik beherrscht, würde diese Chance nutzen.
Die Kasachen bemühen sich indes, über andere Routen Erdöl nach Deutschland zu liefern, einmal über den russischen Ölhafen von Ust-Luga, denn von Kasachstan führt ein Pipelinesystem nach Ust-Luga und nach Primorskje an der Ostsee, wo das Erdöl in Tanker verladen werden kann. Doch ausgerechnet Ust-Luga wird von Selenskyjs Drohnen angegriffen, von denen Friedrich Merz so aus tiefster Seele schwärmt. Da die wachsende Unterstützung Selenskyjs durch die deutsche Regierung nicht einmal der Angriff auf Deutschlands kritische Infrastruktur, auf NordStream II, bremste, wird Friedrich Merz sicher gern Drohnen mitproduzieren, die Ust-Luga angreifen, wo Erdöl aus Kasachstan für Deutschland auf Schiffe verladen werden könnte.
Ein zweiter Weg, an dem die Kasachen arbeiten, verläuft über das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC), nämlich vom Kaspischen Meer zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk. Von dort aus würde es via Tanker weitergehen. Dritte Möglichkeit wäre die Route über das Kaspische Meer nach Aserbaidschan und weiter durch Georgien und die Türkei nach Europa. Der dritte Weg ist der einzige, der an russischer Infrastruktur vorbeiführt.
Doch alle drei Wege haben einen Pferdefuß, sie führen durch ein Nadelöhr, nämlich durch den Danziger Erdölhafen, was die deutsche Belieferung von Polen abhängig macht. Sich von Polen abhängig zu machen, diesen Kardinalfehler hatte schon Habeck begangen. Im Frühjahr 2023 haben die Polen eben nicht alle Tanker für Deutschland gelöscht. Das hat auch rationale Gründe, denn die Pipeline, die vom Danziger Hafen auf die Drushba führt, beliefert die polnische Raffinerie von Plock. Und Plock hat für Polen die Bedeutung wie das PCK und Leuna für Ostdeutschland.
Es liegt also im deutschen Interesse, dass die Regierung klug und rational in ihrem außenpolitischen Handeln vorgeht und es hätte im deutschen Interesse gelegen, wenn die Regierung Merz rechtzeitig und wesentlich früher eng mit der kasachischen Regierung zusammengearbeitet hätte, sowohl, was Erdöl, als auch, was Erdgas betrifft. Die Folgen des Iran-Kriegs hätten Deutschland nicht tangiert. Aber wann hat diese Regierung schon einmal im Interesse Deutschlands, im Interesse der deutschen Bürger gehandelt?
Diversifizierung im Bereich Erdöl und Erdgas bedeutet die Förderung deutschen Fracking-Gases, die Zusammenarbeit mit Kasachstan, mit Norwegen, mit den USA, mit Saudi-Arabien und den Emiraten und auch mit Russland – und zwar in dieser Reihenfolge.

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Hab neulich Post bekommen:
„Lieber Stromkunde,
hier hast Du die Rechnung für den Stromverbrauch der letzten 12 Monaten.
Bitte überweise die drei Godzilliarden auf unser Konto.
Mit freundlichen Grüßen
Sonne und Wind“
Die letzte sinnvolle deutsche Außenpolitik war Bismarcks Außenpolitik.
Alle seine Nachfolger haben Deutschland international und erst recht europäisch nur in Hinterhand gebracht.
Vielleicht nicht ganz korrekt, denn Bismarks Beziehungen zu Russland prägten das spätere Kaiserreich und die „Nachfolger“ empfanden diese Beziehungen so stabil u. vertraut, dass sie keine neuen Verträge planten.
Die neuen Verträge zwischen Frankreich und Russland schufen eine Instabilität, die nicht mehr ausgeglichen werden konnte und als „Ursache des 1.WK,s zu berücksichtigen sind.
Die „Entenne“ entstand…
Ich verweise dabei auf Christopher Clarks Buch über die Ursachen des 1.WK,s.
Kann man jemanden wegen Unfähigkeit und die dadurch verursachte Schäden vor Gericht stellen? Offenbar nicht einmal wegen Vorsatz, wie die Ordensflut von Merkel zeigt.
In Deutschland wird einem Regierungsmitglied „Immunität“ zugeschrieben und damit verhindert für Schäden (fahrlässig o. Vorsatz“ verantwortlich gemacht zu werden.
Israel ist daher ein demokratisches Vorbild!
Ich habe den Artikel gelesen und merke, dass mich diese sehr klare Schuldzuweisung erst mal anspricht – weil sie eine einfache Erklärung anbietet. Gleichzeitig habe ich aber Zweifel, ob es wirklich so einfach ist. Für mich greift die Darstellung zu kurz. Ja, politische Entscheidungen in Deutschland spielen eine Rolle, das kann man nicht wegdiskutieren. Aber die Energiekrise nur als „hausgemacht“ darzustellen, blendet aus, wie stark globale Faktoren wirken – allen voran der Ukrainekrieg, die Abhängigkeit von Russland über viele Jahre und die Dynamik der internationalen Energiemärkte. Was mich besonders stört, sind Aussagen, die sehr eindeutig klingen, aber nicht wirklich belegt… Mehr
Wer so fest a den klimapolitischen Garten Eden mit Solar- und Windenergie glaubt wie ein Märtyrer a die ihn erwartenden Jungfrauen im Paradies, sollte nicht in Astana nach Öl fragen.
Ich habe heute im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erfahren, dass es Batteriespeicher gibt, die drei Millionen Haushalte für einen Tag versorgen könnten. Na dann, auf in die Zukunft.
Alle drei Wege haben nicht nur das Problem nicht mehr vorhandener weiterer Kapazitäten der Pipeline von Danzig, sondern primär das Problem, das alle drei Verladeterminals regelmäßig von der Ukraine angegriffen werden. Die Ukraine handelt damit gegen die deutschen Interessen und bewußt oder unbewußt im Interesse der USA, damit Deutschland seine Lieferanten bei Öl gerade nicht diversifizieren kann und gerad kein eigenes Standbein in Innerasien aufbauen kann.
Man erkennt, viele Wege führen zu immer der gleichen Erkenntnis, zumindest wenn man sein Gehirn anschaltet: die USA führen Krieg gegen beide Enden der NS2 Pipeline.
Seit einiger Zeit lese ich solche Dinge und habe den Eindruck, dass viele einfach „vergessen“, dass die Ukraine gegen ein faschistisches Land kämpft, das sie überfallen hat und dreimal so groß ist wie sie selbst, um ihre Freiheit zu bewahren.
Das erinnert an dieselbe Dummheit, die Israel zu einer verhältnismäßigen Reaktion auf den Überfall der Hamas aufforderte.
Ja, ein Terroranschlag mit tausend Toten, darunter Kleinkindern die in Backöfen getötet wurden, das ist natürlich kein Grund für eine „Dummheit“…
Der Krieg in der Ukraine hätte seit Jahren beendet sein können. Aber die linken Faschisten in Frankreich, London und Berlin wollten das damals nicht. Trump juckt das ganze jetzt nicht mehr und Merz setzt alles daran, das eigene Land im Auftrag der „NeoNSDAP“ SPDGrüneLinke zu zerstören.
Wer hat nochmal unsere Gasleitung gesprengt? Genau, der kleine Diktator in Kiew
Ja, das ist sicherlich richtig. Aber Ukraine ist ja auch keine Unschuld in Person und glänzte auch vor dem widerrechtlichen Angriff nicht grade als Musterschüler in Sachen Demokratie und vor allem Korruption. Und da wohl immer klarer wird, dass die Sprengung von NS2 direkt oder indirekt durch die Ukraine erfolgt und somit auch Deutschland in diesen Krieg verwickelt wurde, weil Sachgüter beschädigt wurden, hält sich mein Mitleid in Grenzen. Das wäre so als wenn Deutschland mit Polen Krieg führt und weil Polen Waren aus den Niederlanden bekommt von uns eienr der Häfen in den Niederlanden gesprengt wird. Das fände wohl… Mehr
Ich auch dies nur wiederholen:
Solange der Amtseid wertlos ist – können die „Vereidigten“ nach Herzenslust für alles mögliche eifrig akiv sein.
Nur eben nicht für Deutschland.
Schließlich muss ja auch der gerichtlichen Bestrafung für die Aussage „Alles für …“ Rechnung getragen werden:
Damit ist zudem der Amtseid defacto außer Kraft gesetzt.
Da lässt sich Deutschland die Energieversorgung inform existentiell wichtiger Pipelines ungestraft wegsprengen – angeblich von der Ukraine (was immer noch nichts über die Auftraggeber aussagt) – und obendrauf schenkt man diesem Korruptionsparadies noch ein Gaskraftwerk.
Im übrigen bin ich dafür, dass für mögliche Wiederaufbauhilfen für die Ukraine vorher die Milliardensummen, die durch Korruption und kriminelle Energie ukrainischer Politiker in dunklen und privaten Kanälen verschwunden sind, gegengerechnet und der Ukraine als vorher zu leistende Eigenleistung verklickert werden.
Vorher keinen Cent !.
Russland hält signifikante Beteiligungen an Kasachstans wichtigsten Öl- und Gasfeldern, vor allem durch den Privatkonzern Lukoil. Während westliche Firmen (Chevron, ExxonMobil, Shell) die größten Anteile an den lukrativsten Projekten besitzen, sichert sich Russland durch Kooperationen und die Kontrolle der Exportwege den strategischen Einfluss. Wie der Autor selbst schreibt, ist Kasachstan umgeben von Russland und China. Russische Häfen als Weitertransport von kasachischem Öl und Gas zu benennen finde ich blauäugig. Das kommt hier niemals an, solange westliche Drohnen mit ukrainischem Hoheitsabzeichen Russland bombardieren. Ich will die drei Blüten nicht in Schutz nehmen, aber das begreifen sogar März, Klingbeutel und Wadepudel. Denn… Mehr
Kann es sein, daß der Kanzler und seine Combo die Anforderungen, einer Regierung für Deutschland, nicht einmal ansatzweise erfüllt?
Seine lustige Landpartie zu einem Forellenhof erfüllt die unsägliche Politik mit Leben.
Aber wann hat diese Regierung schon einmal im Interesse Deutschlands, im Interesse der deutschen Bürger gehandelt?
Antwort: Nie. Und sie wird es niemals tun.