Verunsicherte Nation, verachtete Führungsmacht – aber wehe, die Ära der USA ginge bald zu Ende. Es liegt unverändert im Interesse Europas, dass das amerikanische Zeitalter noch lange nicht vorbei ist. Selbst dann nicht, wenn ein ungehobelter Präsident im Weißen Haus irritiert.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Matt Kaminsky
Während am Samstag die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der USA ihren Höhepunkt erreichen, scheint das Land trotz all dem demonstrativen Patriotismus dieser Tage so zerrissen und verunsichert zu sein wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Vertrauen in US-Präsident Donald Trump sinkt bei Umfragen auf immer neue Tiefststände; immer weniger US-Bürger wünschen sich, dass sich die wirtschaftliche und militärische Supermacht als „Weltpolizist“ in ferne Konflikte und Kriege einmischt.
Der Anteil der Menschen, die sich mit Stolz bekennen, Bürger in „Gottes eigenes Land“ („God’s own country“) zu sein, ist laut Gallup-Institut mit 53 Prozent aktuell so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bezeichnend dabei ist, dass 70 Prozent der Republikaner ihren Nationalstolz betonen, aber nur 14 Prozent der Demokraten; Männer bekennen sich deutlich mehr als Frauen zum Patriotismus.
Viele Amerikaner scheinen inzwischen am „American Exceptionalism“, der amerikanischen Außergewöhnlichkeit und Einzigartigkeit zu zweifeln. Die Stimmung in den USA ist angespannt und wenig optimistisch, die meisten der als besonders gelassen und entspannt geltenden Amerikaner irritiert der raue, aggressive Ton, der nicht nur in der Politik immer mehr Raum einnimmt. Viele spüren mit Unbehagen, dass der Einfluss Amerikas in der Welt nachlässt.
Entwicklungen in den USA beunruhigen Europäer zu Recht
Die Vereinigten Staaten sind vermutlich, wie schon so oft in der Geschichte zuvor, wieder einmal in der Entwicklung der anderen westlichen Demokratien voraus: In fast allen Bereichen der Gesellschaft, selbst innerhalb vieler Familien, ist eine tiefe Spaltung der Gesellschaft zwischen links und rechts spürbar. Dabei beschreiben „links“ und „rechts“ nur sehr vereinfachend die Lager, die sich aber sichtlich bei fast allen Themen – angefangen vom Menschenbild und Sexualmoral bis hin zu Klima, Migration, Islam oder Israel – immer unversöhnlicher gegenüberstehen.
Trotz aller Krisen und Herausforderungen will Präsident Trump erklärtermaßen, dass die USA auch in diesem Jahrhundert die einzig wirkliche Supermacht weltweit bleibt. Das 20. Jahrhundert gilt Historikern wenig bestritten als „American Century“ – nun aber wird die Führungsmacht des Westens mehr denn je herausgefordert, ihre militärische und wirtschaftliche Dominanz, die Spitzenposition in Technologie und Wissenschaft in Frage gestellt.
Europäer sollten für den wohlwollenden Hegemon beten
Für Deutschland und Europa, vielleicht sogar für die ganze Welt, wäre es allerdings ein Segen, die USA könnten ihre Sonderstellung bewahren – auch wenn dieser These viele widersprechen, angefangen von linken Wissenschaftlern in Amerika selbst bis hin zu wirklich allen Feinden des Westens, der Demokratie und abendländischer Werte weltweit.
Aber jeder Blick in die Geschichte früherer Reiche und Eroberer belegt, dass es wohl noch nie einen imperialen Hegemon gab, der so wohlwollend, friedfertig und tolerant, so selbstkritisch und gelassen mit anderen Nationen und Mächten umging wie die USA in den vergangenen 80 Jahren. Die USA seien zwar überwiegend ein „Empire in denial“ (ein Imperium, das sich selbst nicht so sieht), aber es habe Demokratie und Freiheit, freie Märkte und Rechtsstaatlichkeit exportiert, wo immer es konnte, schrieb einmal der renommierte britische Historiker Niall Ferguson.
Inzwischen allerdings wissen auch alle Amerikaner, dass die Vision der US-Neokonservativen von der Verbreitung von Demokratie und Rechtsstaat nach siegreichen Waffengängen der USA und des Westens zumindest im Nahen und Mittleren Osten kläglich gescheitert ist. Was nichts daran ändert, dass die USA grundsätzlich die Apologeten für Demokratie und freien Handel bleiben.
Deutsche und Japaner – Zeugen amerikanischer Menschlichkeit
Marxisten und andere freiheitsfeindliche Ideologen versuchen seit jeher, vor allem die Propagierung und Verbreitung freier Märkte als eine geschickte Variante brutaler Herrschaft, Ausbeutung und Fremdbestimmung darzustellen. Aber niemand müsste das besser widerlegen können als die Japaner und die Deutschen im 20. Jahrhundert.
Die Verantwortlichen für grauenvolle Menschheitsverbrechen und wahnwitzige Kriege zumindest in Deutschland haben am eigenen Leib erfahren dürfen, was es bedeutet, von einer modernen, jüdisch-christlich geprägten und demokratischen Großmacht besiegt worden zu sein. Japan, wo die USA zwei verheerende Atombomben einsetzten, kam deutlich schlechter weg als Nazi-Deutschland.
Schon im letzten Kriegsjahr in Deutschland, als das Hitler-Regime trotz der offensichtlichen Niederlage vor Augen erbarmungslos und sinnfrei Bevölkerung und Städte dem nationalsozialistischen Kriegswahn opferten, wussten die Deutschen, wofür Amerikaner stehen. Auch ohne moderne Medien war den Menschen selbst in der tiefsten Provinz bewusst, dass sie nur beten konnten, von Amerikanern und nicht von Russen befreit zu werden. Schließlich belegten auch die Gründung der Bundesrepublik ebenso wie die Errichtung der DDR-Diktatur, wes Geistes Kind die Machthaber in Washington und die in Moskau waren.
Amerika hat kaum etwas von seiner Leuchtkraft verloren
Amerika ist auch heute noch ein Leuchtturm der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, eine Bastion persönlicher und wirtschaftlicher Freiheiten, eine Hochburg von Wissenschaft, Technologie und Pioniergeist. Die USA sind nach wie vor Sehnsuchtsort von Millionen und Abermillionen in der ganzen Welt, die aus den unterschiedlichsten Gründen von einem neuen Leben in Amerika träumen – so wie das schon vor Jahrhunderten allerorten die Verfolgten und Unterdrückten, die Besitzlosen und Hungernden getan haben.
Schon vor der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika am 4. Juli 1776 lockte die „neue Welt“ mit dem Versprechen des Neuanfangs für jeden, gleich welcher Herkunft, Religion oder Gesinnung. Von Alaska bis Feuerland gab es keinen Staat, der den Einwanderern aus Europa aber stärker und überzeugender die Chance zu einem neuen Leben eröffnete als diese Union in Nordamerika mit ihren damals 13 Bundesstaaten. Auch deshalb meint man mit „Amerika“ meist die USA.
Der „amerikanische Traum“ mag zwar etwas gelitten haben, die Aufstiegsmöglichkeiten sind etwas mühsamer, die Mittelschichten etwas ärmer geworden. Aber noch immer ist Amerika ein kleines Paradies für Pioniere, Visionäre und andere Macher. Aber möglich ist hier nicht nur die Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär, sondern auch der Aufstieg vom Verfolgten zum gleichberechtigten Mitbürger, vom rechtlosen Untertan zum Souverän im Staat.
Die Vereinigten Staaten von Amerika mit ihren 50 Bundesstaaten und mehreren Außengebieten wie Guam oder Puerto Rico sind auch heute noch eine Verkörperung des „American Dream“, einer wirklich „neuen Welt“ und der Idee eines Landes „der unbegrenzten Möglichkeiten“. Traum und Wirklichkeit scheinen hier seit jeher näher beieinander zu liegen als anderswo. Auch wenn heute unter Trump – wie zuvor unter Ex-Präsident Barack Obama – mit größter Härte gegen illegale Migration vorgegangen wird, bleiben die USA ein begehrtes Auswanderungsland.
Amerikanische Begriffe dringen in alle Sprachen ein
Kein Staat der Welt hat – zumindest in den vergangenen 80 Jahren – eine größere Strahlkraft auf die Welt gehabt als die USA. Allein schon das Vordringen amerikanischer Begriffe in fast alle Sprachen belegt die amerikanische Vormachtstellung in der Welt.
Auch im deutschen Wortschatz finden sich zahllose Anglizismen aus Amerika: Computer, Software, Internet und Browser, Manager, Marketing und Trend, Hit, Star, Show und Party. Worte wie okay oder cool gehören zum Alltagsdeutsch. Das Amerikanische habe die deutsche Sprache stärker verändert als jede andere Fremdsprache zuvor, meinte der Germanist und Sprachkritiker Wolf Schneider.
Englisch ist insbesondere Dank der Bedeutung der USA die moderne „lingua franca“, die weltweit dominierende Sprache. Insbesondere gilt sie heute unbestritten als die einzig weltweit akzeptierte Wissenschaftssprache, viele Wissenschaftler auch in Deutschland publizieren ihre Forschungsergebnisse von vorneherein auf Englisch.
Amerikanisches dringt in die letzten Winkel der Erde: Coca Cola und Hamburger, Hollywood-Filme und Netflix, iPhone und Internet, Facebook und Amazon, Google und KI. US-Konzerne dominieren auf vielen Feldern die Weltwirtschaft. Die USA sind nach wie vor führend in der Hightech-Branche, der Waffen-, Luft- und Raumfahrtindustrie sowie im Finanzwesen und Energiebereich.
Amerikanische Dominanz in der Weltwirtschaft
Seit Jahrzehnten ist der US-Markt für die deutsche Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Für etwa 80 Staaten, darunter Mexiko, Großbritannien, Japan und die Schweiz, sind die USA der wichtigste Absatzmarkt ihrer jeweiligen Produkte und Dienstleistungen.
Die USA sind politisch, militärisch, wirtschaftlich und kulturell die Supermacht in der Welt – aber sie sind noch weniger beliebt als der Klassenbeste in der Schule. Das liegt auch daran, dass Amerika eine Kriegsnation ist wie jede Großmacht in der Geschichte und die USA sehr forsch und fordernd ihren globalen Führungsanspruch formulieren.
Die stärksten Streitkräfte der Welt, mit Stützpunkten auf allen Kontinenten, belegen mit Interventionen und Kriegen seit langem die Ernsthaftigkeit dieses Anspruchs. Auch das traditionelle Selbstbild der Amerikaner, in „Gods own country“ (im Land Gottes), dem „Land der Freien“ und „bestem Land der Welt“ zu leben, hat nicht dazu beigetragen, die Sympathien für die USA zu steigern – in weiten Teilen der Welt ist Amerika sogar verhasst.
Gleichzeitig träumen immer wieder die Menschen in Diktaturen – so geschehen in Libyen, Syrien, Venezuela, Myanmar, Afghanistan oder Iran – davon, dass die USA sie von ihren despotischen und korrupten Regimen befreien könnten, so, wie sie einst die Weltherrschaft der Deutschen und der Japaner verhindert haben.
Amerikanisches Militär – herbeigesehnt und verhasst
In der Praxis allerdings lösten US-Interventionen – wie im Irak, Afghanistan oder Iran – in der jeweiligen Bevölkerung keineswegs immer ein Gefühl der Befreiung aus. Das hatte viele Ursachen – hatte aber auch mit manchen, teilweise gravierenden Irrtümern und zuweilen auch krassem Fehlverhalten der amerikanischen Invasoren zu tun.
Verhasst und bewundert, herbeigesehnt und angefeindet – das Image Amerikas weltweit ist vermutlich nicht völlig anders als das Ansehen früherer imperialer Großmächte wie der Römer, Chinesen oder Briten zu ihrer Zeit. Aber die USA waren von Anfang an eine Provokation für die übrigen Welt.
Europa steckte noch in manch feudalen Strukturen des Mittelalters, als sich auf dem neuen, teilweise brutal und grausam eroberten Kontinent eine moderne Demokratie entfaltete, eine Großmacht in allen Belangen, ein ethnischer Schmelztiegel, eine Multikulti-Nation und eine „Ruhmeshalle des Kapitalismus“, so die Medienplattform „Free Press“.
Von Anfang an war das amerikanische Projekt im Inneren von enormen Widersprüchen und Konflikten geprägt, wurde von außen mit massiver Kritik und Missgunst begleitet. Dank der umstrittenen Persönlichkeit von Donald Trump und seiner ehrgeizigen Politik erklimmt der Antiamerikanismus weltweit derzeit wieder neue Höhen – aber der Widerwillen gegen das bislang modernste Zivilisationsprojekt der Geschichte reicht weit zurück bis in die Gründerjahre der USA.
Image des „primitiven“ und „materialistischen“ Amerikaners
In Europas Eliten gelten die USA vielfach noch immer als Land ohne Kultur, Stil und Werte, das von Materialismus, Profitgier und zivilisatorischer Primitivität geprägt werde. Etwas schizophren wird ausgeblendet, dass die Amerikaner wohl sehr vieles richtig gemacht haben müssen, um zur führenden Technologie-, Wirtschafts- und Militärmacht in der Welt zu werden.
Für viele Linke und Konservative verkörpert heute Trump anschaulich den „hässlichen Amerikaner“; der Milliardär im Weißen Haus liebt schließlich goldene Innenarchitektur und schöne Frauen, provoziert mit dem Gebaren eines eitlen Aufschneiders und dem Auftreten eines politischen „Bully“.
Den Amerikanern wird seit langem mehr als jeder anderen Nation vorgeworfen, von Anfang an brutale Imperialisten gewesen zu sein – dabei prägen Eroberungen seit Menschengedenken die Geschichte. Aber tatsächlich gibt es die USA – wie alle anderen amerikanischen Nationen – nur aufgrund der Vertreibung der jeweiligen indigenen Bevölkerung.
Auch beim Thema Sklaverei stehen gedanklich wohl vor allem die USA am moralischen Pranger der Welt. Dabei war die Sklavenzeit in den USA relativ kurz (1619 bis 1865), etwa 400.000 Menschen wurden aus Afrika grausam nach Nordamerika verschleppt. Vergleicht man das allerdings mit der Sklaverei in der arabischen Welt, dann relativiert sich das Bild.
Vom siebten Jahrhundert bis weit in das 20. Jahrhundert hinein gab es in dieser überwiegend islamischen Welt offiziell Sklaverei, der Millionen von Menschen – besonders viele aus ganz Europa bis nach Island – zum Opfer fielen. Schon im alten Ägypten, im chinesischen Kaiserreich und auch in Afrika selbst gab es jahrtausendelang Sklaven.
Antiamerikanismus als „intellektuelle Ersatzreligion“
Diese Fakten ändern nichts an der menschenverachtenden Sklaverei in den USA. Dass aber bei diesem Thema vor allem auf Amerika geblickt wird, zeigt wohl vor allem die linksradikale Deutungshoheit in der Wissenschaft, die westliche Selbstanklagen maßlos für die Fundamentalkritik am kapitalistischen Westen zu nutzen weiß.
Ähnliches gilt für die Rassenkonflikte in den USA. Es gibt sie bis heute; aber kein anderer bevölkerungsreicher Staat hat aus ethnischer und kultureller Vielfalt so erfolgreich eine funktionierende Gesellschaft geschaffen wie die USA.
In Europa gehört Amerika-Kritik vor allem unter Intellektuellen traditionell fast schon zum guten Ton. Der französische Philosoph Jean-François Revel (1924 – 2006) bezeichnete den modernen Antiamerikanismus sogar als eine „intellektuelle Ersatzreligion“, in der Amerika für alles verantwortlich gemacht wird, was an der Moderne verhasst ist.
Hier zeigt sich eine Parallele zwischen Antiamerikanismus und Antisemitismus – zumal viele in den USA die moderne Heimat des Raubtierkapitalismus sehen, in dem nur das Recht des Stärkeren gilt und in dem eine „jüdische Lobby“ die Fäden der Macht in den Händen halten soll.
In Wirklichkeit haben die USA teilweise strengere Regeln bei Kartellabsprachen oder im Finanzsektor als viele Staaten Europas; zudem gibt es ein funktionierendes soziales Netz einschließlich medizinischer Versorgung für Bedürftige. Der Einfluss der Juden ist maßlos übertrieben, zumal die sieben Millionen Juden in den USA über vieles – wie beispielsweise Trump – tief zerstritten sind.
Die Verachtung republikanischer Präsidenten
Auch die Verachtung amerikanischer Präsidenten, insbesondere aus der republikanischen Partei, hat eine lange Tradition. Der für die Geschichte der Freiheit so verdienstvolle Ronald Reagan wurde immer wieder als „B-Filmstar aus Hollywood“ verunglimpft, der aufrichtige und selbstkritische George W. Bush als dümmlich-religiöses Gemüt aus Texas verächtlich gemacht. Kein US-Präsident der Moderne war allerdings so verhasst wie Trump, der angeblich Demokratie und das westliche Bündnis gefährde.
Beim weltweiten populären Trump-Bashing wird gerne übersehen, dass seine Agenda vom Anspruch geprägt ist, gerade die Freiheitswerte der Demokratie, die kulturellen und religiösen Grundlagen des Abendlandes zu bewahren, die aggressiven Machtansprüche der Feinde des Westens abzuwehren, egal ob es sich um den finsteren Islamismus oder die Weltmachtambitionen der chinesischen Diktatur handelt.
In Europa gibt es manche Hoffnung auf eine „multipolare“ Welt ohne die Führungsrolle der Supermacht USA. Manche Politiker auch in Deutschland wären über einen Bedeutungsverlust Amerikas nicht unglücklich, wenngleich natürlich die USA – vielleicht als so etwas wie ein „Primus inter Pares“ – eine wichtige Rolle im westlichen Bündnis behalten sollten.
Hinter einer solchen Amerika-kritischen Haltung und der Sehnsucht nach einer mehr gleichberechtigten und „regelbasierten“ Weltordnung steckt viel realitätsfernes und gefährliches Wunschdenken. Zum einen ist die militärische und technologische Dominanz der USA dermaßen groß, der amerikanische Markt für Europas Wirtschaft so enorm bedeutsam, dass auch ein einiges Europa auf absehbare Zeit keineswegs die Rolle der USA als ökonomische Lokomotive und globale Militärmacht übernehmen könnte.
China und Russland haben andere Prioritäten
Zum anderen zeigen Russland in der Ukraine und mit hybriden Aggressionen in Europa sowie China mit aggressiver Wirtschaftsexpansion sowie Ansprüchen auf Taiwan, auf Inseln und Meerstraßen, wie viele Sympathien diese Großmächte für eine „regelbasierte“ Weltordnung hegen.
Ganz abgesehen von den Gefahren durch den radikalen Islam: Dessen deutlichem Ehrgeiz auf weltweite Dominanz stehen die Europäer bisher ohnehin weitgehend sprach- und ratlos gegenüber. Dieses Europa also soll die Freiheitswerte und den Wohlstand des Westens ohne die Supermacht USA an der Seite bewahren können? Zweifel sind berechtigt.
Die Vorstellung, die USA würden ihre globale Vormachtstellung verlieren, an den inneren Konflikten scheitern und im Chaos versinken, müsste Europäern die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Von einer Welt ohne amerikanische Führung träumen Autokraten und Finsterlinge aller Art. Allein schon die brutal interessengesteuerte Bündnispolitik von Moskau und Peking sollte jedem vor Augen führen, welchen Stellenwert Demokratie und Freiheit ohne die USA als Führungsmacht international hätten.
Die Verbundenheit mit den USA, denen Europa den längsten inneren Frieden in seiner blutigen Geschichte verdankt, sollte keineswegs nur ein Ausdruck von Dankbarkeit für den vermutlich humansten Imperialisten der Geschichte sein. Es liegt unverändert im tiefsten Interesse Europas, dass die „amerikanische Ära“ noch lange nicht vorbei ist. Selbst dann nicht, wenn ein sehr ungewöhnlicher, zuweilen ungehobelter Präsident im Weißen Haus irritiert.


Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein