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„Tichys Einblick“ – so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
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So, 12. Apr 2026
Bundesregierung hebt Arbeitsschutzverordnung zu Corona auf IMAGO / Bildgehege
Ende der Pandemie
Bundesregierung hebt Arbeitsschutzverordnung zu Corona auf

Die Pandemie endet. Die Bundesregierung hat nun die „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung“ aufgehoben. Ab dem kommenden Donnerstag, 2. Februar, sollen die Betriebe nur noch freiwillig Maßnahmen umsetzen.

VON Redaktion | 26. Januar 2023
Brokstedt, Essen, Algeciras: Messertaten erschüttern Deutschland und Europa IMAGO / U. J. Alexander
nicht die einzige Messertat an einem Tag
Brokstedt, Essen, Algeciras: Messertaten erschüttern Deutschland und Europa

Die Messertat eines angeblich verwirrten Arabers aus dem Gazastreifen ist das bislang schwerste Gewaltverbrechen in einem Zug in Schleswig-Holstein. Die Politik gibt sich alarmiert und bleibt doch eigentlich sprachlos über Ursachen und Schlüsse, die für viele Bürger auf der Hand liegen.

VON Matthias Nikolaidis | 26. Januar 2023
Warum Insekten im Bier? Supermarktketten zur neuen EU-Ekel-Ess-Verordnung IMAGO / Pixsell
Tichys Einblick hat nachgefragt
Warum Insekten im Bier? Supermarktketten zur neuen EU-Ekel-Ess-Verordnung

Viele Lebensmittel dürfen künftig bis zu 10 Prozent Insekten als Beimischung enthalten. Viele Konsumenten ekeln sich davor. Was sagen die Händler dazu? Und die Konsumenten? EDEKA jedenfalls lässt die Würmer krabbeln – Hauptsache, gegendert.

VON Roland Tichy | 26. Januar 2023
Kliniken warnen vor zunehmender Gewalt in Notaufnahmen – Lange Wartezeiten wegen Personalmangel IMAGO / BildFunkMV
„Spirale des Stresses“
Kliniken warnen vor zunehmender Gewalt in Notaufnahmen – Lange Wartezeiten wegen Personalmangel

Nicht nur auf der Straße nimmt die Gewalt gegen Rettungskräfte zu. Auch in den Kliniken kommt es immer häufiger zu Handgreiflichkeiten. Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Krankenhausgesellschaft hat bereits knapp jede zweite Klinik einen Sicherheitsdienst engagiert.

VON Redaktion | 26. Januar 2023
Ukraine: Warum viele das lange Zaudern von Kanzler Scholz gut finden IMAGO / Political-Moments
Deutschland als große Schweiz
Ukraine: Warum viele das lange Zaudern von Kanzler Scholz gut finden

Nicht nur viele TE-Leser bewerten das lange Zaudern von Kanzler Scholz in der Leopard-Frage positiv. Das zur langfristigen Entwicklung der Bundesrepublik – schon in der Bonner und erst recht in der Berliner Republik.

VON Fritz Goergen | 26. Januar 2023
Ukraine: 14 Leopard-2-Panzer aus Deutschland – TE-Wecker am 26. Januar 2023
DER PODCAST AM MORGEN
Ukraine: 14 Leopard-2-Panzer aus Deutschland – TE-Wecker am 26. Januar 2023

Der TE-Wecker erscheint montags bis freitags – und bietet Ihnen einen gut informierten Start in den Tag. Ideal für den Frühstückstisch – wir freuen uns, wenn Sie regelmäßig einschalten. An Wochenenden und Feiertagen erscheint der Wecker mit einer Schwerpunktsendung.

VON Holger Douglas | 26. Januar 2023
Thomas Mayer: „Der Euro wird zur Lira, die EZB zur Banca d’Italia“
WÄHRUNG
Thomas Mayer: „Der Euro wird zur Lira, die EZB zur Banca d’Italia“

Die Inflation grassiert, der Wechselkurs gegenüber dem Dollar geht in die Knie – Innen- und Außenwert des Euro weichen auf, doch der Europäischen Zentralbank sind aufgrund der hohen Verschuldung maßgeblicher Mitglieder die Hände gebunden. Ein Gespräch über die Zukunft unseres Geldes

VON Alexander Wendt | 25. Januar 2023
Waffenlieferungen an die Ukraine: „Wir müssen mehr tun“ IMAGO/Future Image
Aktuelle Stunde im Bundestag
Waffenlieferungen an die Ukraine: „Wir müssen mehr tun“

Deutschland liefert den Kampfpanzer Leopard an die Ukraine. Doch damit wird es nicht aufhören. Das hat eine Aktuelle Stunde im Bundestag gezeigt. Die SPD droht die Situation zu zerreißen.

VON Mario Thurnes | 25. Januar 2023
Merkel-Regierung lud Google und Facebook zu geheimem Treffen IMAGO / Rüdiger Wölk
Wegen unliebsamer Corona-Meinungen?
Merkel-Regierung lud Google und Facebook zu geheimem Treffen

Mit den Twitter Files wurde das Ausmaß politischer Einflussnahme auf soziale Medien offenbar. Nun wird bekannt, dass Angela Merkels Regierung in der Corona-Zeit mit Google und Facebook-Lobbyisten über "Fehl-, Falsch- und Desinformationen" konferierte.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
Messerattacke in Zug von Kiel nach Hamburg: Zwei Tote imago Images
Syrer festgenommen
Messerattacke in Zug von Kiel nach Hamburg: Zwei Tote

Bei einem Messerangriff wurden zwei Menschen getötet, mehrere verletzt. Der mutmaßliche Täter ist nach Pressemeldungen ein Migrant palästinensischer Herkunft und mehrfach polizeilich wegen Sexual- und Gewaltdelikten aufgefallen.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
Wielers verspätetes Eingeständnis: Schulschließungen waren unnötig IMAGO / Rainer Unkel
Wer wird zur Verantwortung gezogen?
Wielers verspätetes Eingeständnis: Schulschließungen waren unnötig

Kaum hat Lothar Wieler sein Ende als Präsident des Robert-Koch-Instituts eingeleitet, trifft er eine Aussage, für die man seinerzeit diskreditiert wurde: Die monatelange Schließung der Schulen war nicht notwendig. Millionen Schüler waren also umsonst Opfer der Politik.

VON Ferdinand Knauss | 25. Januar 2023
Quo vadis, Davos? – Der verblassende Stern des Weltwirtschaftsforums IMAGO
Nachfolgedebatte um Klaus Schwab
Quo vadis, Davos? – Der verblassende Stern des Weltwirtschaftsforums

Im Zuge der Corona-Pandemie und der Pläne Klaus Schwabs für einen „Great Reset“ (auch der Name seines Buchs) geriet das WEF in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit. Doch vielen Teilnehmern könnte die Aufmerksamkeit rund um den exzentrischen WEF-Chef langsam zu viel werden.

VON David Boos | 25. Januar 2023
Entlarvende Ehrlichkeit: Bundesnetzagentur erfreut über Frankreichs Atomstrom IMAGO / wolterfoto
Klaus Müller
Entlarvende Ehrlichkeit: Bundesnetzagentur erfreut über Frankreichs Atomstrom

Klaus Müller, grüner Chef der Bundesnetzagentur, entlarvt mit wenigen ehrlichen Sätzen die Verlogenheit der deutschen Energiepolitik: Atomstrom – im grün dominierten Deutschland als verwerflich gebrandmarkt – ist unverzichtbar und willkommen, wenn er importiert wird.

VON Ferdinand Knauss | 25. Januar 2023
Blond gefärbte Haare sind der neueste „Rassismus“ IMAGO/United Archives
Achtung Glosse!
Blond gefärbte Haare sind der neueste „Rassismus“

Tressie McMillan Cottom ist Soziologin und gekommen, um die Welt zu retten. Schritt eins: Frauen dürfen sich die Haare nicht mehr blond färben. Denn das sei rassistisch.

VON Mario Thurnes | 25. Januar 2023
Bei Lanz nur Jubel über Panzer-Lieferung Screenprint: ZDF / Markus Lanz
neue Stufe der Talkshow-Kunst: Fühlen
Bei Lanz nur Jubel über Panzer-Lieferung

Neues Jahr, neuer Lanz, alte Masche. Nach der Winterpause dreht der Altmeister der abenteuerlichen Debatte immer kleinere Pirouetten. Jüngster Akt: nur Jubel über die Lieferung der Leoparden. Von Michael Plog

VON Gastautor | 25. Januar 2023
Ampel-Politiker lassen Steuerzahler für ihre Eitelkeit zahlen dts Nachrichtenagentur
mehr Geld für Fotografen und Visagisten
Ampel-Politiker lassen Steuerzahler für ihre Eitelkeit zahlen

Mehr als 136.000 Euro im Jahr kostet allein die Visagistin von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. Auch für Fotografen geben die Ampel-Koalitionäre mehr Steuerzahlergeld aus als ihre Vorgänger.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
Stellenabbau bei Ford – Standort Deutschland vor dem Auto-Exodus? IMAGO / Panama Pictures
Elektromobilität frisst ihre Kinder
Stellenabbau bei Ford – Standort Deutschland vor dem Auto-Exodus?

Die Fast-Halbierung der Belegschaft bei Ford innerhalb von nur fünf Jahren ist unter anderem Folge der Umstellung des Modellprogramms ausschließlich auf Elektroautos. Kosten- und Effizienzkriterien machen eine Verringerung der Beschäftigtenzahl notwendig.

VON Dr. Helmut Becker | 25. Januar 2023
Berlin: Keine Beobachtung durch die OSZE IMAGO / Political-Moments
Wahlwiederholung
Berlin: Keine Beobachtung durch die OSZE

Die OSZE ist laut ihrem Bericht zuversichtlich, dass die Fehler der Wahl von 2021 nicht neuerlich geschehen würden und die Wahl unabhängig verläuft. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass eine Wahlbeobachtung weder nötig noch förderlich wäre.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
Nordrhein-Westfalen beendet Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr IMAGO/Rene Traut
Ab 1. Februar 2023
Nordrhein-Westfalen beendet Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr

NRW schafft ab 1. Februar die Maskenpflicht im ÖPNV ab und folgt damit anderen Bundesländern. Auch endet die Isolationspflicht, bislang mussten positiv auf Corona Getestete für fünf Tage in häusliche Quarantäne. Schutzmaßnahmen sollen sich auf Einrichtungen mit „vulnerablen Personengruppen“ konzentrieren.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
SPD und CDU fordern das Ende des „Haltungsjournalismus“ IMAGO / Agentur 54 Grad
Revolution bei den Öffentlich-Rechtlichen?
SPD und CDU fordern das Ende des „Haltungsjournalismus“

Die Rundfunkkommission der Länder fordert ARD und ZDF zum Sparen und zu „faktenbasierter“ Berichterstattung auf. Das bedeutet: Die CDU positioniert sich gegen die Öffentlich-Rechtlichen – und die SPD spielt mit.

VON Mario Thurnes | 25. Januar 2023

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11. April 2026

Insa-Umfrage

Merz und Schwarz-Rot stürzen auf neue Tiefstwerte

Von
Redaktion

Mit Friedrich Merz im Kanzleramt ist nicht einmal ein Jahr vergangen, und schon steht die Regierung politisch da wie eine Koalition im Endstadium. Die neuen Insa-Zahlen sind für Merz und Schwarz-Rot ein vernichtendes Zeugnis. 70 Prozent der Wahlberechtigten sind mit der Arbeit des Kanzlers unzufrieden. Nur 21 Prozent sind zufrieden. Spötter fragen immer wieder, wer wohl diese 21% sind.

Schlechter waren Merz‘ Werte seit dem Amtsantritt im Mai des vergangenen Jahres nie.

Noch härter fällt das Urteil über die gesamte Koalition aus. 73 Prozent der Befragten sind mit Schwarz-Rot unzufrieden, nur 20 Prozent zufrieden. Auch das ist ein neuer Negativrekord.

Damit ist die Lage klarer, als es jeder Regierungssprecher je einräumen würde. Diese Koalition ist nur noch eine Belastung. Sie hat in kürzester Zeit bestätigt, dass sie weder Richtung noch Kraft noch Bindung an die eigenen Wähler besitzt.

Ein besonderes Bonbon für Merz ist dabei nicht nur die Wucht der Ablehnung, sondern ihr Ort. Selbst dort, wo Loyalität eigentlich noch tragen müsste, bröckelt der Boden.

69 Prozent der SPD-Wähler sind mit der Arbeit der Koalition unzufrieden. Bei den Anhängern von CDU und CSU sind es 56 Prozent. Das ist mehr als ein Stimmungsproblem. Wenn selbst die eigenen Leute der Regierung nicht mehr über den Weg trauen, dann ist das politische Kapital aufgebraucht.

Auch der Kanzler selbst verliert sichtbar an Rückhalt im eigenen Lager. Nur noch 49 Prozent der Unions-Anhänger sind mit Merz zufrieden. Bei den SPD-Wählern kommt er gerade einmal auf 28 Prozent Zustimmung. Ein Kanzler, der nicht einmal mehr jeden zweiten Anhänger der eigenen Partei überzeugt, ist kein Machtpol, sondern ein Mann im Amt, dessen Autorität schon während der laufenden Amtszeit erodiert. Dabei hat Merz doch sämtliche Union-Positionen für die SPD schon über Bord geworfen. Vielleicht noch CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf den letzten Metern als Opfer in den Umfragevulkan werfen, in der Hoffnung, es wird noch ein paar Wochen nützen. Man wird sehen, wie tief die Verzweiflung diesen Mann noch treibt.

Besonders desaströs ist die Lage im Osten. Dort sind lediglich 12 Prozent mit der Politik von Merz einverstanden, 80 Prozent sind unzufrieden. Das ist kein regionaler Schönheitsfehler, sondern ein politischer Offenbarungseid. Ein Kanzler, der in einem großen Teil des Landes praktisch nicht mehr anschlussfähig ist, regiert zwar formal das ganze Land, politisch aber nur noch gegen weite Teile davon.

Insa-Chef Hermann Binkert trifft den Kern entsprechend nüchtern und gerade deshalb umso härter. Selbst die Wähler der Regierungsparteien seien mehrheitlich unzufrieden mit der Bundesregierung, und selbst der Kanzler überzeuge nur noch jeden zweiten Unionswähler. Dass es Merz und der Koalition gelinge, diesen Trend grundsätzlich zu drehen, sei unwahrscheinlich. Mehr muss man über den Zustand dieser Regierung kaum noch sagen.

Parallel dazu bleibt die Lage im Sonntagstrend für die Koalition ebenso unerfreulich. Die AfD liegt unverändert bei 26 Prozent und bleibt damit stärkste Kraft. Dahinter folgt die Union mit 25 Prozent. Die SPD kommt auf 14 Prozent, die Grünen auf 13. Die Linke liegt bei 10 Prozent, FDP bei 3, BSW bei 4, sonstige Parteien bei 5 Prozent. Die Verschiebungen im Einzelnen mögen klein sein. Die Gesamtlage ist es nicht. Die Regierung regiert in einem Klima wachsender Abstoßung, während die stärkste Oppositionskraft ihren Vorsprung behauptet.

Das eigentlich Verheerende an diesen Zahlen liegt jedoch tiefer. Merz war einmal mit dem Anspruch angetreten, die Union zu stabilisieren, den bürgerlichen Raum zurückzugewinnen und dem Land nach Jahren des Ampelverschleißes wieder Richtung zu geben – und die AfD zu halbieren. Übrig bleibt davon in dieser Umfrage gar nichts.

Diese Zahlen markieren den Punkt, an dem die Erzählung von der neuen Stabilität offen kollabiert. Schwarz-Rot ist für die Wähler nun Fortsetzung des politischen Verschleißes unter anderem Namen. Und Merz, der als Gegenfigur zum erschöpften Regierungsbetrieb auftreten wollte, wird nun selbst zum Gesicht genau dieser Erschöpfung.

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11. April 2026

Zwischen Aktenzeichen und Ausflüchten:

Wie die Bundesregierung das parlamentarische Fragerecht ins Leere laufen lässt

Von
Redaktion

Wer wissen will, was die Rückkehrpolitik der Bundesregierung den Steuerzahler wirklich kostet, braucht starke Nerven – und eine gehörige Portion detektivischen Spürsinn.

Die Antwort der Bundesregierung mit der Arbeitsnummer 3/321 durch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium Daniela Ludwig (CSU) der Bundesregierung auf MdB Peter Felsers (AfD) aktuelle parlamentarische Anfrage zu den Kosten freiwilliger Rückkehrer gleicht weniger einer Information als vielmehr einer digitalen Schnitzeljagd ins Nirgendwo.

Anstatt Fakten zu liefern, flüchtet sich die Exekutive in eine Verschleierung durch „Referenzkaskaden“ (Felser).

Die Methode: Das Informations-Labyrinth

Auf Felsers Frage nach den Gesamtkosten pro Rückkehrer – explizit inklusive Flugtickets, Dokumentenbeschaffung und finanzieller Förderung – verweigert die Regierung die direkte Auskunft. Stattdessen verweist sie auf ältere Drucksachen (21/4681 und 21/4448).

Diese Taktik der Verweigerung durch Verweisung ist systematisches Kalkül: Sie soll den Kontrollaufwand des Parlaments künstlich maximieren und brisante Zahlen im Nebel der Bürokratie versenken.

Der Daten-Skandal: Eine Zeitreise ins Jahr 2017

Wer den Verweisen der Regierung folgt, erlebt eine Überraschung der bizarren Art. In der Drucksache 21/4681 zieht sich die Bundesregierung bei der Frage nach der Effektivität und den Kosten der Rückkehrprogramme auf Daten aus dem Jahr 2017 zurück.

Wir schreiben das Jahr 2026. Eine Regierung, die auf aktuelle Fragen zur Migrationslage mit Statistiken antwortet, die fast ein Jahrzehnt alt sind, hat entweder die Kontrolle über ihre Daten verloren – oder sie verweigert dem Parlament bewusst den Blick auf die heutige Realität. Wer mit Zahlen aus der Mottenkiste von vor neun Jahren operiert, will die massiv gestiegenen Kosten der Gegenwart schlichtweg verheimlichen.

Die GIZ-Ausrede: Staatlich finanzierte Blackbox

Noch abenteuerlicher wird es beim Blick in die Drucksache 21/4448. Hier erklärt die Regierung dem Parlament, dass eine präzise Aufschlüsselung der Kosten pro Kopf aufgrund der „besonderen Rechnungslegung“ der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gar nicht möglich sei.

Damit erklärt das Ministerium die GIZ praktisch zu einem staatlich finanzierten Staat im Staat. Wenn eine Organisation Milliarden an Steuergeldern für Reintegrationsprogramme verwaltet, darf eine komplizierte Buchhaltung keine Ausrede für Intransparenz sein.

Hier wurde ein System geschaffen, das so undurchsichtig ist, dass selbst der Dienstherr nicht mehr sagen kann, wo der einzelne Euro bleibt.

Die bewusste Mogelpackung

Durch diese Vernebelungstaktik werden entscheidende Kostenfaktoren systematisch unterschlagen:

  • Die Ticket-Lücke: Flug- und Reisekosten laufen über separate Budgets (REAG/GARP) und werden in den zitierten Alt-Antworten nicht mit den Förderprämien zusammengerechnet.
  • Das Verschweigen der Dokumentenkosten: Gebühren für Passersatzpapiere, die oft bei den Kommunen hängen bleiben, tauchen in diesen Bundes-Statistiken überhaupt nicht auf.
Fazit: Ein Offenbarungseid der Intransparenz

Die Botschaft der Bundesregierung ist eine Ohrfeige für das Parlament: Entweder man serviert dem Abgeordneten Daten aus der Ära vor der Pandemie, oder man behauptet, die eigenen Organisationen seien zu kompliziert zum Nachrechnen.

Diese Form der aktiven Desinformation durch Ausflüchte ist ein Angriff auf die Kontrollfunktion des Bundestages. Wer Gesamtkosten abfragt und nur Fragmente aus alten Akten erhält, wird von der Exekutive gezielt in die Irre geführt. Der Bürger hat ein Recht auf Transparenz im Jahr 2026 – und nicht auf eine Geschichtsstunde über das Jahr 2017.

Dazu Peter Felser (AfD): „Die Bundesregierung betreibt mittlerweile eine systematische Desinformation gegenüber dem Parlament. Ihre Antwortpraxis ist eine strategische Mischung aus bürokratischer Schnitzeljagd, gezielten Lücken und strategischem Kontextentzug: Mal werden wir in endlose Referenzkaskaden und Jahre alte Daten-Labyrinthe geschickt, mal werden staatlich finanzierte Organisationen zur unkontrollierbaren Blackbox erklärt. Besonders dreist ist die Flucht in föderale Zuständigkeiten, um die Verantwortung für selbst geschaffene Milliarden-Lasten zu leugnen. Dieses systematische Mauern und Vernebeln ist ein gezielter Angriff auf die Kontrollfunktion des Bundestages.“

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11. April 2026

MEME

Knast für Tucholsky – Deutschland, schlaf weiter

Von
Gastautor

T. Krug entscheidet sich, für sein Vergehen ins Gefängnis zu gehen. Sein Verbrechen? Er kommentierte auf X unter einem Zeitungsbeitrag, der berichtete, dass in Zukunft vierzig Prozent der öffentlichen Stellen in Berlin mit Migranten besetzt werden sollen: „So geht Unterwanderung. Danach kommt die Übernahme. Deutschland erwache!!!!“.

Ein halbes Jahr später – Ende 2025 – erhält er eine Strafanzeige.

Krug bezieht sich in seiner Verteidigung auf seine langjährige Berufserfahrung als Integrationshelfer und – auf Kurt Tucholsky. Der linke Intellektuelle schrieb 1930 das Gedicht „Deutschland, erwache!“ und warnte damit vor dem Nationalsozialismus.

Die Richterin lässt das nicht gelten. Das habe er sich im Nachhinein als Verteidigung zurechtgelegt, eigentlich wollte er das verbotene Sturmlied der SA zitieren, ist sie sich sicher. Deutsche Richter können in die Köpfe von Sprachverbrechern hineinschauen. Nach der Verhandlung wird er zu 3.150 Euro verurteilt, er legt Widerspruch ein, dem wird nicht stattgegeben. Es bleibt beim Urteil von siebzig Tagessätzen zu je 45 Euro.

Krug ist Rentner und erhält eine Rente von rund 1.400 Euro pro Monat. Wie er Tichys Einblick mitteilte, entschied er sich, seine Strafe im Gefängnis abzusitzen. 35 Tage Haft für „Deutschland, erwache“, denn je zwei Tagessätze werden mit einem Tag Haft abgegolten. Seine Meinung und Kritik an der Politik will er sich trotzdem nicht verbieten lassen.

Marcel Hoffmann ergeht es ähnlich. Er kommentiert unter einem Post, der eine Bilanz von sechzehn Jahren CDU-Regierung zieht: Die Partei war 2015 für die Flüchtlingskrise verantwortlich, führte die CO2-Steuer ein, ließ Ursula von der Leyen trotz der Skandale als Spitzenkandidatin erneut antreten – wie könnten da noch Menschen an eine Veränderung durch die CDU glauben?

Hoffmann kommentierte dies auf X: „Deutschland, erwache! Bitte!“. Der Kommentar wird gemeldet. Wenig später erfolgt ein zweiter Post von ihm mit demselben Wortlaut; dieses Mal als Antwort auf eine X-Nutzerin, die über den CumEx-Skandal schreibt, und darüber, dass Scholz erst die Vertrauensfrage stellen ließ, nachdem ein Gesetz zur verkürzten Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen verabschiedet wurde.

Die Meldestelle REspect! meldet ihn im zweiten Fall. Es folgt ein inzwischen übliches Prozedere: Die Kriminalpolizei fragt bei X nach den Personalien des Angeklagten und bekommt Auskunft. Der Beschuldigte erhält eine Strafanzeige. Hoffmann lässt sich durch die Medienkanzlei Haintz vertreten. Trotzdem wird er zu 1.600 Euro verurteilt.

Auch T. Krüger wird zweimal für die Benutzung von „Deutschland, erwache!“ angezeigt. Es kommt zur Verhandlung. Nach der ersten Verhandlung legt er Einspruch ein. Die Staatsanwaltschaft reagiert negativ auf seine erste Stellungnahme, sein Anwalt rät ihm, auf Freispruch zu plädieren. Für diesen langwierigen Gerichtsprozess fehlt ihm das Geld. Also zieht er seinen Einspruch zurück und akzeptiert die Strafe von 1350 Euro.

Deutschland erwache – zwei gegensätzliche Verwendungen

Dietrich Eckart schrieb 1920 das sogenannte Sturmlied „Deutschland, erwache!“. Es wurde in den folgenden Jahren bei Parteiveranstaltungen der NSDAP vorgetragen. Später wurde es zu einer Art Hymne der SA, der Kampforganisation der NSDAP. Als Schriftzug prangte es auf ihren Fahnen.

Der Journalist und Lyriker Kurt Tucholsky warnte 1930 in seinem Gedicht „Deutschland, erwache!“ vor den Gefahren des erstarkenden Faschismus. Der gleiche Wortlaut in gänzlich unterschiedlichem Kontext. Während das SA-Sturmlied nur den wenigsten bekannt sein dürfte, ist Tucholskys Version verbreitet. Sein Werk wurde nach seinem Tod und dem Ende des Zweiten Weltkriegs vielfach rezipiert und im Westen und Osten Deutschlands gelesen. Schließlich ist es eine fortwährende Warnung, wachsam zu sein und sich dem Faschismus – in welchem Gewand er auch erscheinen mag – zu widersetzen.

Neue Härte bei Auslegung des Strafgesetzes

Auch im Fall Norbert Bolz war dieser Ausspruch Stein des Anstoßes. Bolz hatte sich ironisch zu einem Artikel der taz geäußert und meinte, dass man „woke“ mit „Deutschland, erwache!“ übersetzen könne. Wegen dieser Parole durchsuchte die Polizei frühmorgens das Haus des Medienwissenschaftlers und Publizisten. Die dafür verantwortliche Meldestelle war Hessen gegen Hetze. Weniger bekannte Bürger erhalten eine Anzeige und Geldstrafen von mehreren tausend Euro. Die Härte mit der bei diesen Äußerungen vorgegangen wird, ist neu: die taz selbst macht darauf aufmerksam, dass sie 1998 den Titel „Deutschland, erwache!“ verwendet hatt – ohne juristische Konsequenzen. Dabei ist – nebenbei bemerkt – die Formulierung der taz die einzige, die die an „Deutschland“ gerichtete Aufforderung mit einem Komma abtrennt, und damit tatsächlich exakt mit dem Titel von Eckarts Lied übereinstimmt.

Die Angezeigten geben selbst an, nicht gewusst zu haben, dass es sich bei „Deutschland, erwache!“ um eine strafbare Äußerung nach §86a Strafgesetzbuch handelt. Dieser verbietet das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Strafe müssen sie trotzdem zahlen. Die Grundsätze der Rechtsprechung im Zweifel für den Angeklagten und der Verhältnismäßigkeit scheinen hier meist nicht gegeben. In den Fällen wird – abgesehen von der Parole – offensichtlich die Regierung und deren Politik kritisiert.

Paragraf 86a ist bewusst politisiert

Die Rechtsprechung um den §86a hat ein Ziel: Die Sprache und Zeichen des Nationalsozialismus aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Das Zeigen oder Nutzen der Parolen von SS, SA und NSDAP wird unter Strafe gestellt, um sie aus dem politischen Raum zu verbannen. Der Sinn dieser Gesetzgebung liegt darin, unter Strafe zu stellen, sich den Inhalt der durch diese Zeichen sichtbar gemachten Ideologie zu eigen zu machen, und dies offen zu propagieren.

Mittlerweile wird jedoch auch ironische oder auch nur dokumentierende Darstellung zur Anzeige gebracht – wenn zum Beispiel eine Fotomontage Karl Lauterbach mit vermeintlichem Hitlergruß zeigt, oder wenn sich ein Medium wie die Achse des Guten journalistisch mit einer Parole beschäftigt.

Dies entspricht nicht dem ursprünglichen Sinn der Gesetzgebung, wohl aber dem Anliegen, durch entsprechende Interpretation der Gesetze von Kritik am Staat und seinen Institutionen abzuschrecken.

Vorgeblich müsste diese Lesart auch die Zeichen anderer Terrorregime- und Organisationen strafbar macht, in der Praxis aber fast nur auf die Zeichen der NS-Herrschaft angewandt wird.

Wer jedoch durch die Straßen einer deutschen Großstadt geht, wird an vielerlei Orten, besonders linken Orten, Hakenkreuze entdecken. Sie werden zerschmettert, in den Müll geworfen oder auf Plakate der AfD geschmiert. Diese Nutzung eines Hakenkreuzes wird nicht geahndet – denn eine „kritische“ Auseinandersetzung mit diesen Symbolen ist erlaubt. „Kritisch“ ist dabei, was Linke tun. Wird dieselbe Kritik aber gegen Linke angewandt, in Form von Tucholsky, ist es eben nicht mehr kritisch. Dann ist es Nazi – und sehr, sehr teuer.


MEME: Gegen die Denunzianten

MEME – die „Meldestelle für Meldestellen“ – ist die Gegenwehr gegen ein ausuferndes System aus Denunziation, Meldestellen und politisch aufgeladenen Strafverfahren, das immer häufiger normale Bürger wegen ihrer Meinungen ins Visier nimmt. Das neueste Projekt von Tichys Einblick macht sichtbar, wie ein enges Netzwerk aus staatlichen Stellen, NGOs und „Trusted Flaggern“ Kritik überwacht, meldet und sanktioniert – und berichtet über jene, die plötzlich mit Anzeigen, Vorladungen oder Hausdurchsuchungen konfrontiert sind. Wer betroffen ist, soll nicht allein bleiben: Melden Sie sich mit Ihrem Fall bei meme@tichyseinblick.de und helfen Sie mit, dieses System ans Licht zu bringen.

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11. April 2026

Staatlich finanziert und trotzdem pleite

SPD-Skandal in Hannover: Hunderttausende Euro verschwunden?

Von
Richard Schmitt

Der von der SPD-Ratsfrau Hülya Iri gegründete Verein „Integrationsarbeit Kronsberg“ sollte ein Leuchtturmprojekt für Integration und soziale Unterstützung werden. Als Iri 2019 die Räumlichkeiten in Hannover-Bemerode eröffnete, waren die Ziele ambitioniert: Hilfe für Frauen bei der Jobsuche, Schwimmkurse für Geflüchtete, Hausaufgabenbetreuung für Kinder sowie eine Beratungsstelle für Menschen in akuten Notlagen. mit diesem Angebot sollte schnell und unkompliziert geholfen werden.

Heute, sieben Jahre später, ist von diesen Plänen wenig übrig geblieben: Der Verein ist insolvent – trotz Fördermitteln in Höhe von insgesamt fast einer Million Euro Steuergeld. Allein aus Bundesmitteln wurden zwischen 2023 und 2025 über 924.000 Euro bewilligt, von denen 740.000 Euro tatsächlich abgerufen wurden. Hinzu könnten weitere Gelder aus Landesmitteln gekommen sein.

Besonders brisant: Nach aktuellem Kenntnisstand verfügt der Verein weder über nennenswerte liquide Mittel noch über Vermögenswerte. Wo also ist das Geld geblieben?

Mit der Klärung dieser Frage ist nun der Insolvenzverwalter Joachim Heitsch beauftragt worden: Er soll in den kommenden Monaten die Finanzströme des Vereins detailliert untersuchen. Im Mittelpunkt steht dabei laut Hannoversche Allgemeine die entscheidende Frage, ob die Fördergelder zweckgemäß verwendet wurden – also tatsächlich für Integrationsarbeit – oder ob es Hinweise auf einen Missbrauch der Finanzmittel gibt.

Sollten Unregelmäßigkeiten festgestellt werden, könnten strafrechtliche Ermittlungen folgen, denn die zweckwidrige Verwendung öffentlicher Gelder wäre kein bloßes Verwaltungsproblem, sondern ein möglicher Fall für die Staatsanwaltschaft.

Hülya Iri hat Ratsmandat zurückgelegt

Brisant ist zudem die politische Dimension des Falls: Hülya Iri hat ihr Ratsmandat inzwischen niedergelegt – offiziell aus gesundheitlichen Gründen, allerdings auf deutlich formulierten Wunsch der SPD-Parteiführung. Innerhalb der Partei wächst der Druck, weitere Konsequenzen zu ziehen. Der SPD-Stadtverband Hannover hat bereits beschlossen, ein Parteiordnungsverfahren prüfen zu lassen. Ziel ist es, die Mitgliedschaften von Iri sowie ihrer beiden Kinder vorübergehend ruhen zu lassen, bis die Vorwürfe vollständig aufgeklärt sind.

Die Diskussion um den Verein schwelt allerdings nicht erst seit der Insolvenz: Bereits seit Monaten kursieren Spekulationen. Neue Dynamik erhielt der Fall durch eine Anfrage der AfD im Bundestag, in der es um Fördermittel und mögliche Unregelmäßigkeiten ging. Die Bundesregierung erklärte zwar, dass bislang keine Auffälligkeiten festgestellt worden seien, doch diese Einschätzung steht nun im Kontrast zur aktuellen finanziellen Lage des Vereins.

Für die SPD in Hannover ist der Skandal eine politische Katastrophe: Er beschädigt nicht nur massiv das Image der Partei, sondern wirft grundsätzliche Fragen zur Kontrolle von Fördermitteln und zur politischen Verantwortung auf. Und die Ermittlungen stehen erst am Anfang.

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10. April 2026

Kein Fortschritt, sondern Menschenhandel

Leihmutterschaft: Wenn Kinder zur bestellten Ware werden

Von
Anna Diouf

1991 wurde Olivia Maurel geboren, ausgetragen von einer Leihmutter. Anders als viele andere Betroffene hat sie Angst und Traumata überwunden und spricht offen über das, was Leihmutterschaft für ihr Leben bedeutet.

„Leihmutterschaft ist der Verkauf eines Kindes“, schreibt sie unumwunden. Sie selbst wurde auf diese Weise „zu einer Konsumware degradiert“.

Mit „Wo bist du, Mama“, liegen ihre Erinnerungen und ihr Plädoyer für die Abschaffung von Leihmutterschaft nun in deutscher Übersetzung vor. Ein kurzes, kompaktes Buch, erschütternd in seiner Einfachheit – und eine unverzichtbare Informationsquelle für jeden, der wissen möchte, was Leihmutterschaft bedeutet.

Menschenhandel im Namen der Toleranz?
Das Milliardengeschäft mit der Leihmutterschaft
„In den meisten europäischen Ländern ist Leihmutterschaft verboten (…). Dieses Verbot hat nichts mit der ‚progressiven‘ oder ‚konservativen‘ Ausrichtung der jeweiligen Länder zu tun, sondern schlichtweg mit einem bestimmten Verständnis von Humanismus, mit dem Prinzip der Menschenwürde und dem gesunden Menschenverstand“, stellt Maurel klar. Die Atheistin und Feministin will deutlich machen: Hier geht es nicht um links oder rechts, religiös oder säkular. Der Kampf gegen Leihmutterschaft ist in ihren Augen eine humanitäre Verpflichtung.

Einerseits werden hier Fakten zum Leihmutterschafts-Business aufbereitet, andererseits dient Maurels eigenes Schicksal als Fallstudie, die eindrücklich zeigt, wie sich Daten und Fakten im persönlichen Erleben, im individuellen Schicksal manifestieren.

Geschicktes Marketing – und die Wahrheit dahinter

Leihmutterschaft ist eine recht junge Form der Nutzung von Reproduktionstechniken: Ende der 80er Jahre kam sie in den USA auf, die ältesten Kinder, die auf diese Weise auf die Welt kamen, sind heute um die vierzig Jahre alt.

Doch in Windeseile hat sich um die Fruchtbarkeit der Frau und das Kind als Handelsware ein milliardenschwerer globaler Markt entwickelt.

Ein Markt, der nach außen hin von „Reichen und Schönen“ repräsentiert wird, die eine glanzvolle heile Welt vorgaukeln: Mutterschaft ohne Mühen, ohne Wehen und ohne Dehnungsstreifen. Ein Kind auf Bestellung, in vielen Fällen nach Maß: Darf es ein Junge oder ein Mädchen sein? Blonde Haare? Helle Augen?

Leihmutterschaft verspricht, die biologischen Mechanismen zu besiegen: Mit 70 Jahren noch ein Kind? Ein Kind für ein Männerpaar, ohne dass eine lästige Frau dabei eine Rolle spielt? Kein Problem.

Leihmutterschaft ist vor allem ein Geschäft mit der Lüge. Denn natürlich spielt die Frau, deren Körper vermietet wird, eine Rolle. Dafür, dass ein Star wie Paris Hilton mit makelloser Figur als Mutter posieren kann, muss sich eine andere Frau zunächst monatelang einer Hormontherapie unterziehen, einen Knebelvertrag unterschreiben, der ihr nur 10 bis 15 Prozent des mit ihrem Körper erwirtschafteten Geldes zuspricht, dafür aber neun Monate lang ihr Leben strikt reglementiert – von der Teesorte, die sie trinken, bis zum Ort, an dem sie sich aufhalten darf; eine andere Frau muss das – wegen der zumeist notwendigen In-vitro-Fertilisation erhöhte – Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und Fehlgeburten tragen, muss in den Wehen liegen, und dann das Kind, das sie geboren hat, unmittelbar nach der Geburt abgeben.

Durch die Komplizenschaft des Staates verschwindet diese Frau nicht nur aus dem Leben des Kindes, sondern auch aus der Geburtsurkunde.

Verschwunden, aber nicht vergessen

Es scheint, als sei sie nie da gewesen. Vermisst wird sie trotzdem. „Wo bist du, Mama“, ist ein Buch über diesen Verlust, über die Wunde, die ein Mensch sein Leben lang trägt, wenn ihm schon vor seiner Entstehung das Recht auf eine leibliche Mutter vertraglich entzogen wurde.

Nach der Lektüre bleiben dem Leser keine Illusionen über ein schmutziges Business. Maurel legt Wert darauf, nicht „die dunkle Seite“ der Leihmutterschaft zu offenbaren. Denn Leihmutterschaft hat ihrer Ansicht nach keine „helle“ Seite.

Was sich nach außen hin darstellt, ist eine Inszenierung, die Maurel am eigenen Leib zu spüren bekam:

Im Sommer zum Golfen nach Palm Beach, im Winter zum Skifahren in die französischen Alpen. Ein Leben zwischen Pool und Partys. Kindheit und Jugend in einem glamourösen Umfeld.

Doch hinter der Fassade lauert die Lüge, die Olivia Maurels Leben noch vor ihrer Entstehung geformt hat: Ihre Eltern haben sie gekauft, wie eines der vielen Luxusgüter, die sie umgeben.

Schon in ihrer Kindheit spürt Olivia Maurel, dass etwas nicht stimmt. Ihre Eltern belügen sie. Sie wird geplagt von Verlustängsten und dem Gefühl, dass etwas, jemand, fehlt. In ihrer Jugend bricht die Wunde auf, sie flüchtet sich in Alkohol, Drogen, chaotische Beziehungen, die belastet sind durch Bindungsprobleme; schließlich ein Suizidversuch, der das Tor öffnet zu therapeutischer Begleitung und Heilung.

Bereits Jahre bevor ein DNA-Test die Wahrheit belegt, weiß Maurel instinktiv, dass sie durch Leihmutterschaft geboren wurde. Die Wunde in ihr ist ein Beweis, der sich nicht verdrängen lässt. Maurel wird bewusst: Sie muss die Welt über Leihmutterschaft aufklären. Denn viele Opfer trauen sich nicht, zu sprechen. Maurel schildert den Loyalitätskonflikt, in dem sich die Betroffenen befinden: Sie verdanken ihr Leben dem Investment der Bestelleltern und fühlen sich ihnen verpflichtet. Und sie fürchten, nochmals verlassen zu werden, die Beziehung zu den Bestelleltern zu verlieren.

Die Stimme des Kindes

Maurel hat diesen Preis bezahlt. Gestützt von ihrer eigenen liebenden Familie, ihrem Ehemann, ihren Kindern und ihren Schwiegereltern, nimmt sie den erneuten Verlust in Kauf, um die Stimme derer zu sein, die stumm sind. Sie gehöre der ersten Generation von Leihmutterschaftskindern an, schreibt sie. Und sie wolle verhindern, dass es weitere gibt.

Ihr falle auf, „dass das Kind im langen Prozess der Leihmutterschaft vollkommen abwesend ist. Wir sprechen über die Rechte der Eltern, ihren unstillbaren Wunsch, aber was ist mit den Rechten des ungeborenen Kindes?“, fragt Maurel. Und schafft Abhilfe, indem sie selbst das Kind in den Mittelpunkt stellt.

Sie macht die Heuchelei und die Widersinnigkeit deutlich, dass immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse über Bindung und vorgeburtliche Erfahrungen vorliegen, und dennoch behauptet wird, das Kind bekomme nichts mit und leide nicht unter dem Bindungsverlust.

Maurels Schilderungen machen betroffen. Sie geht das Risiko ein, persönlich zu sein, weil dies die einzige Möglichkeit ist, das Kind zu Wort kommen zu lassen, das im Leihmutterschaftsbusiness lediglich Produkt ist: bestellt, bezahlt, in Besitz genommen.

Das Business hinter den Hochglanzbildern

Während Maurel im ersten Teil des Buches ihre eigene Lebensgeschichte niederschreibt, handelt es sich beim zweiten Teil um eine kompakte Darstellung der Praxis Leihmutterschaft. Ideal, um sich zu informieren, und um Informationen zu dem Thema weiterzugeben.

Der Leser erfährt, wie die Verträge für Leihmütter aussehen und welche rechtlichen Risiken Leihmutterschaft für die Kinder birgt.

Konstruktiv und ehrlich, engagiert und fair
Ein dringend notwendiger Beitrag zur Abtreibungsdebatte
Wie Frauen zur Abtreibung gedrängt werden, weil die Bestelleltern sich umentscheiden, wie Kinder zurückgelassen werden, weil sie eine Behinderung haben, oder weil, wie in der Ukraine, ein Krieg ausbricht und hunderte Kinder nicht abgeholt werden können; wie Kinder von Pädophilen bestellt werden, die sich auf diese Weise ein Opfer frei Haus liefern lassen.

Maurel geht intensiv auf den sozialen Aspekt ein. Denn hier setzt das Marketing der Profiteure ein, die das Wesen der Leihmutterschaft uminterpretieren. Kein Geschäft, sondern eine Liebestat – bei der ganz zufällig nebenbei sehr viel Geld verdient wird.

Frauen ermöglichen anderen Menschen, ein Kind zu haben. Das ist doch selbstlos!

Das Machtgefälle

Dieses Narrativ demontiert Olivia Maurel gründlich: „Es ist doch kein Zufall, dass noch nie jemand einer wohlhabenden Frau begegnet ist, die die Rolle einer Leihmutter gespielt hätte.“

In den USA kann eine gutaussehende und erfolgreiche Studentin mit dem Verkauf ihrer Eizellen ein Jahr ihres Studiums finanzieren. Sie verkauft damit ihre Fruchtbarkeit – ausgerechnet in dem Alter, in dem sie selbst am problemlosesten schwanger werden könnte. Sie riskiert, später nicht mehr schwanger werden zu können, und setzt sich einer belastenden Hormontherapie aus.

Und doch werben Kliniken und Agenturen bewusst unter Studentinnen und gaukeln ihnen vor, dadurch unkompliziert an Geld zu kommen – und dabei etwas Gutes zu tun.

Maurel macht die Verknüpfung von Leihmutterschaft mit dem internationalen Menschenhandel deutlich. „Leihmütter sind arme, mittellose Frauen in Indien, Thailand, Nepal und Mexiko, wo der Markt boomt. Es gibt regelrechte Leihmutter-‚Farmen‘, insbesondere in den Ländern des globalen Südens, in denen Frauen bis zu neun Monate eingesperrt werden. (…) Die Reichen mieten die Körper der Armen.“

Das ist es, was sich hinter Agentur-Bildern von lächelnden Paaren mit einem fremden Säugling verbirgt: die Ausbeutung von Frauen und Kinderhandel. Ein Geschäft, das erschreckende Parallelen zu Sklaverei und Prostitution aufweist.

Erfolge im Kampf gegen Goliath

Der internationale Kampf gegen Leihmutterschaft zeitigt bereits erste Erfolge. Allerdings stemmt sich hier eine kleine Gruppe von Menschen ohne Lobby gegen einen milliardenschweren Betrieb, der umgehend in ein anderes Land abwandert, sobald an einem Ort Restriktionen erlassen werden; und gegen ein System aus euphemistischen Narrativen, die die Wirklichkeit verharmlosen.

Olivia Maurels Buch klärt schonungslos auf. Wer noch meint, dass hier doch lediglich kinderlose Paare ihrem Familienglück ein wenig nachhelfen, wird mit einer grausamen, schier unfassbaren Realität konfrontiert. Maurels Fazit ist klar: „Es gibt nur eine Lösung für die Leihmutterschaft“, schreibt sie: „Ihre weltweite Abschaffung“.

Olivia Maurel. Wo bist du, Mama? Die Wahrheit über Leihmutterschaft. Kolek Verlag, Paperback, 278 Seiten, Preis 18,00 €


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10. April 2026

Verdacht erhärtet sich

Neue Hinweise auf Mullah-Propaganda in der Tagesschau

Von
Katharina Schmieder

Die Tagesschau sendete am Ostermontag in der 20 Uhr Ausgabe einen Beitrag über eine Iranerin. Dieser löste eine hitzige Debatte in den sozialen Netzwerken aus. Es ging um die Frage, ob der Beitrag ein Stück Propaganda des Mullah-Regimes sei. Die Protagonistin gab sich betont westlich, nutzte trotz den Internet-Blackouts ihr Mobiltelefon, um zu surfen und ging Gassi mit ihrem Hund, der eigentlich als „haram“ (unrein) im Islam gilt. Mittlerweile verdichten sich die Hinweise zu der Protagonistin, im Tagesschau-Beitrag als 45-jährige Lehrerin Sepideh aus Teheran vorgestellt.

Diese Recherche beleuchtet die einzelnen Punkte der Skeptiker und sie zeigt auf, dass die Protagonistin Kontakte in die Metal-Szene pflegt:

Exklusive Recherche
Sendet die Tagesschau Propaganda der Mullahs? Eine Spurensuche

Nachdem meine Recherche den Hinweis auf eine Nähe zu der Metal-Band „5grs“ ergab, meldeten sich weitere Nutzer auf X mit neuen Hinweisen .

Die gezeigte Lehrerin Sepideh bekommt hiernach auch einen Nachnamen, soll mit einem Band-Mitglied liiert sein und mit diesem zusammenleben. Andere Social-Media-Posts weisen darauf hin, dass die Protagonisten dem sogenannten „Reformisten“-Umfeld zugerechnet werden.

Dieses steht der Islamischen Republik nicht feindlich gegenüber und setzt sich für Reformen ein. Anhänger dieses Milieus profitieren von gewissen Freiheiten, welche der breiten Masse verwehrt sind. Insofern wird der westliche Lebensstil mit Rockmusik, Hunden und ohne Verschleierung geduldet, sofern dieser weitestgehend im privaten Umfeld stattfindet.

Die fragwürdige ARD-Produzentin im Studio Teheran

Eine zentrale Rolle bei der Produktion des fragwürdigen Beitrags spielt wohl die ARD-Produzentin Miriam Samii aus dem Studio Teheran. Exil-Iraner bemerken, dass diese Mitarbeiterin durch Posts in Social Media auffällt, die das Regime keineswegs kritisch beleuchten. Die zeigt, dass diese Akteurin das gewünschte Bild ins Ausland transportiert, welches die Machthaber im Iran befürworten.

ARD-Produzentin Samii scheint offenbar im Besitz der sogenannten „weißen Karten“ zu sein. Das heißt, dass sie trotz des Internet-Blackouts ungehinderten Zugang zum Internet hat. Dies ist ein Privileg, welches nur wenigen zugesprochen wird.

An anderer Stelle teilen Nutzer den Post der ARD-Produzentin Samii aus dem Studio Teheran. Der Clip soll Anhänger des Regimes während eines Wahlkampfes zeigen. Diese feiern erkennbar frenetisch Vertreter des Regimes.

Unter anderem adressiert der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit die Frage an die Tagesschau, ob Samii eine Mitarbeiterin des Studios in Teheran sei.

Die Tagesschau, bzw. die BR äußerten sich nach den ersten kritischen Fragen, die kurz nach Ausstrahlung aufgetreten sind, nicht erneut zu den weiteren Fragen und Vorwürfen. Auf erste Presseanfragen ließen die Anstalten verlauten, dass der Beitrag nach journalistischen Standards produziert worden sei. Die Protagonistin entspreche zwar nicht den Klischees, an der Produktion sei aber nichts auszusetzen. Weitere Fragen ließ die ARD unbeantwortet.

Das Schweigen der ARD dröhnt laut

Der Umstand, dass sich die ARD, bzw. der BR in Schweigen hüllen, zeigt, dass diese Propaganda-Stück in der Tagesschau ausgesessen werden soll. Die Anstalten täten besser daran, diesen Vorfall lückenlos und transparent aufzuklären. Doch dazu scheinen die Verantwortlichen nicht in der Lage zu sein. Diejenigen, die den Finger in die Wunde legen und aufzeigen, welche Stellen durchaus problematisch sind und aus welchem Grund, werden in der Regel von den Anstalten abgekanzelt. In der Vergangenheit nannte der ÖRR seine Kritiker „rechte Hetzer auf X“, weil diese sachlich auf Fehler hinweisen.

Die letzten Tage erhärten die Annahme, dass offenbar ein Netz aus regimetreuen Akteuren mit dem Studio in Teheran verknüpft ist. Die Erzählung weist zu viele Lücken auf, die noch vor einer Ausstrahlung hätten geklärt werden müssen. Dazu gehört eine valide Information zur Nutzung des Internets der Protagonistin. Dazu eine Einordnung, inwiefern Berichterstattung aus dem Iran problematisch sein kann und diese Anfällig für Mullah-Propaganda ist. Indem die Tagesschau bewußt darauf verzichtet, wird nahegelegt, dass man den Zuschauern nicht das ganze Bild präsentieren möchte. Und das kann wiederum nur absichtlich passieren.

Nach dem kürzlichen KI-Skandal bei „ZDF heute“, ist dies ein weitere Entgleisung, die einer großen Redaktion wie der Tagesschau nicht unterlaufen darf. Auch wenn aus dem Iran heraus nicht kritisch berichtet werden kann, muss in der Redaktion eine Einordnung durch Moderator oder Sprecher erfolgen, damit der Zuschauer die Inhalte richtig versteht und offensichtliche Gegensätze als Zentrifugalkräfte fungierend den Beitrag sprengen. Da dies nicht erfolgt ist, bleibt der bittere Beigeschmack, dass Mullah-Propaganda ungefiltert im deutschen Fernsehen zur besten Sendezeit verbreitet wurde. Dafür sollte niemand gezwungen werden einen Rundfunkbeitrag zu zahlen.


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10. April 2026

13-Jähriger nun lebenslanger Pflegefall?

Hamburg: Messertaten werden an Schulen zur Regel – Städte und Politik haben es befördert

Von
Matthias Nikolaidis

Inzwischen sind Messer an deutschen Schulen keine Seltenheit mehr. Das weiß man spätestens, seit Lehrer von Bedrohungssituationen berichten. In Hamburg gibt es nun binnen weniger Wochen zwei Vorfälle, die das Phänomen ins Rampenlicht rücken. Vor wenigen Tagen löste ein Schüler mit einem Messer einen Polizeieinsatz an der Stadtteilschule Lurup aus und konnte im Einkaufszentrum Lurup von Polizisten überwältigt werden.

Nur wenige Wochen zuvor hatte es im nahen Groß Flottbek einen Vorfall mit weitaus schwererem Verlauf gegeben. Einen engeren Zusammenhang zwischen den beiden Fällen gibt es nicht. Sie zeigen schlicht, wie sich die Bedrohungslagen an deutschen Schulen häufen.

An der Stadtteilschule Groß Flottbek wurde ein 13-Jähriger Ende März so schwer verletzt, dass er reanimiert werden musste, worauf die Notoperation und das Koma folgten. Ein Messerstich war ins Herz, ein anderer in die Leber des 13-Jährigen gegangen. Außerdem wurde ein wichtiger Nerv verletzt, zeitweise gelangte nicht genug Blut ins Hirn: Der Schwerverletzte könnte vielleicht nie wieder selbständig atmen und sprechen, so Bild. Er könnte zum lebenslangen Pflegefall werden.

Der Ausgangspunkt? Ein schwerer Streit mit schlimmen Beleidigungen auf dem Schulgelände, wobei nicht klar ist, wer sie geäußert hat. Der Täter? Ein 15-Jähriger namens Omar A. Der Vorname des Jugendlichen konnte in diesem Fall veröffentlicht werden. In anderen Fällen geizen deutsche Staatsanwaltschaften sogar bei 20- und 25-Jährigen mit dem Vornamen, angeblich um Persönlichkeitsrechte des Täters zu wahren.

Gegen Omar A. wird nun wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt. Offen bleibt noch, ob man das Geschehen als Totschlag oder Mord werten wird. Daneben wurde ein zweiter 15-Jähriger, offenbar ein Syrer, festgenommen und am selben Tag wieder freigelassen. Der Verdacht gegen ihn habe sich nicht erhärtet. Während Omar A. das Messer zog und zustach, standen mehrere Jugendliche daneben und griffen nicht ein. Waren auch Erwachsene oder gar Lehrer anwesend? Das bleibt unklar.

Die Mutter des Angreifers, Gihan A., berichtet, dass die Familie aus dem Gazastreifen „geflohen“ sei und ihr Sohn Omar A. „traumatisiert und in Behandlung“ sei. Vielleicht sind das die „kranken Kinder“, die man in Deutschland immer wieder im Rahmen von Resettlement-Programmen aufnehmen will. Krank im Kopf, man muss es so hart sagen, und sie werden dennoch nach Deutschland und an deutsche Schulen gelassen.

Grüner OB forderte mehr Aufnahmen „kranker Kinder“

Aber an dieser Stelle muss auch gesagt werden, dass eine solche Krankheit überhaupt keine Entschuldigung für ein solches am Ende vielleicht todbringendes Verhalten ist. Die Bundesrepublik hat nach der Aufnahme von mehreren Millionen „Flüchtlingen“ teils aus Kriegsgebieten zweifellos eine gewaltige Last angehäuft. Sollen nun alle jene „traumatisierten“ Personen, von denen ja auch er BKA-Chef Holger Münch bei der Vorstellung der Kriminalstatistik sprach, nun alle unter öffentliche Kuratel stellen, muss man ihnen Psychiater zuweisen und auf Besserung hoffen? Die öffentliche Rhetorik und die vielen Freisprüche wegen mangelnder Schuldfähigkeit legen so etwas nahe.

Logisch wäre freilich eher ein anderer Schritt, in dem irgendwann nach der Einreise die Integrationsfähigkeit der sogenannten „Flüchtlinge“ überprüft wird und ihnen am Ende die Tür gewiesen wird, wenn sie sich nicht mit dem nötigen Eifer an hiesige Sitten und Gebräuche angepasst haben.

Wenn der jeweilige „Fluchtgrund“ nicht ohnehin entweder ausgelaufen oder schlecht erklärt ist, was auch für Personen aus dem Gazastreifen gilt. Denn ihre „Flucht“ vor welchen Kriegshandlungen auch immer musste sie nicht nach Deutschland führen. Aber vielleicht hat die BRD diese Menschen sogar freiwillig aufgenommen. Öffentliche Aufforderungen dazu gab es immer wieder von der politischen Linken. Erst im August forderten mehrere deutsche Städte ausdrücklich die Aufnahme „kranker Kinder“ aus dem Gazastreifen.

Die „Hölle“ – eben noch in Gaza, nun an unseren Schulen

„Wir wollen ein humanitäres Signal, ein humanitäres Zeichen senden und deshalb gerade auch die Schwächsten erreichen“, sagt Belit Onay, der grüne Oberbürgermeister von Hannover, der hier unglaublich viel Kreide auf die leider stark ideologisierten Einwohner des Gazastreifens stäubte. Auch die Städte Bonn und Leipzig wollten dabei sein. Apropos Leipzig: Dort wurde über Ostern ein Busfahrer von einem 13-jährigen Iraker ins Koma geprügelt, nachdem er eine Kindergruppe um Ruhe gebeten hatte.

Zuvor hatte die Ampel-Regierung noch bis Februar 180 staatenlose Palästinenser aus dem Gazastreifen nach Deutschland über Ägypten eingeflogen, weil die „hauptberechtigten Personen“ zuvor für deutsche Einrichtungen gearbeitet hätten.  Es waren die Gaza-Ortskräfte. Auch so sah die deutsche Parteinahme im dortigen Konflikt aus, und auch in diesen Fällen kann man nicht sicher sein, dass die aufgenommen Familien in Deutschland keine Probleme erzeugt haben.

Und auch die CDU war immer wieder dazu bereit. Zuletzt legte Außenminister Wadephul so etwas nahe, als er sich in drastischen Worten („Hölle“) zum Konflikt zwischen Israel und der Hamas einließ und damit auch diese Debatte – so wie die um Syrien – unsinnig emotionalisierte.

Was auf solche Worte folgt, ist in Deutschland regelmäßig eine großzügige Aufnahmepraxis, und so sind auch Außenpolitiker wie Wadephul mitverantwortlich dafür, wenn das Leben in deutschen Städten und der Schulbesuch hierzulande immer mehr einer „Hölle“ ähnelt. Es sind solche Politiker, die für die zivilisatorische Zersetzung des eigenen Landes, von Deutschland, stehen, weil sie zuvor übersahen, welche Terrororganisation etwa im Gazastreifen herrscht, weil sie übrigens mit einer Mehrheit aller Palästinenser gewählt wurde.

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10. April 2026

Beginn der Kehrtwende?

Corona-Impfverweigerung: Verfahren gegen Bundeswehr-Soldaten eingestellt

Von
Redaktion

Ein Fall, der exemplarisch für eine Zeit steht, in der staatliche Eingriffe bis tief in die körperliche Selbstbestimmung des Einzelnen hineinreichten, endet leise – und entlarvend. Ein Bundeswehrsoldat, der die Corona-Impfung verweigerte, kommt erneut ohne Verurteilung davon. Das Verfahren wird eingestellt. Kein Urteil, keine klare Begründung. Nur ein Beschluss.

Der Unteroffizier hatte sich 2021 gegen die Impfung entschieden, obwohl diese für Soldaten verpflichtend war. Die Staatsanwaltschaft klagte wegen Gehorsamsverweigerung – ein Vorwurf, der in der Hochphase der Pandemie tausendfach politisch und juristisch aufgeladen wurde.

Corona-Aufarbeitung
Freiheit für Alexander Bittner

Doch schon in erster Instanz war der Mann freigesprochen worden. Die Begründung: Er habe sich dem Befehl nicht verweigert, sondern sei zum Termin erschienen – nur eben ohne Einwilligung zur Impfung. Ein Detail, das den gesamten Vorwurf ins Wanken bringt.

Nun also der zweite Anlauf vor dem Landgericht – und ein abruptes Ende nach wenigen Minuten. Alle Beteiligten stimmen der Einstellung zu. Wegen „geringer Schuld“. Ohne weitere Ausführungen.

Damit fällt ein Verfahren in sich zusammen, das politisch gewollt war. Denn der Fall steht nicht für sich. Bundesweit wurden zahlreiche Soldaten wegen verweigerter Corona-Impfung verfolgt, mit Geldstrafen belegt oder disziplinarisch belangt. Und doch zeigt sich im Rückblick ein Muster: Was einst als zwingende Pflicht galt, wurde später relativiert. Die Duldungspflicht ist inzwischen aufgehoben. Verfahren laufen ins Leere oder enden ohne Schuldspruch. Was bleibt, ist die Frage, auf welcher Grundlage hier überhaupt durchgegriffen wurde.

Corona
Wie die Bundeswehr Soldaten-Karrieren zerstört

Genau dieses langsame Kippen beschreibt der Jurist Carlos Gebauer in einem Kommentar auf X mit einem Bild, das kaum treffender sein könnte. „Justiz funktioniert wie ein großer, behäbiger Ozeanriese. Fährt sie erst einmal in eine Richtung, dauert es lange, bis sie wieder anhält oder den Kurs ändert.“ Was derzeit sichtbar werde, seien erste, kaum wahrnehmbare Kurskorrekturen.

Aus Gebauers Sicht verlaufen diese Veränderungen in klaren Stufen: Auf erstinstanzliche Verurteilungen folgen in der nächsten Instanz Einstellungen, dann Freisprüche in anderen Verfahren, bis schließlich gar nicht mehr angeklagt wird und sich die Lage scheinbar beruhigt. Genau an diesem Punkt scheint der aktuelle Fall angekommen zu sein.

Doch der Jurist geht noch weiter. Nach einer Phase der Ruhe, so seine Einschätzung, richte sich der Blick der Justiz irgendwann neu aus. Dann könne es geschehen, dass „in Sachen Corona […] Menschen aufgefordert werden, zu ihren Impfaktivitäten Stellung zu nehmen“. Der Ozeanriese beginne dann, so Gebauer, seine Reise in die Gegenrichtung – „alles nur eine Frage der Zeit“.

Was als alternativlose Maßnahme verkauft wurde, zerfällt nun Stück für Stück vor Gericht. Nicht laut, nicht spektakulär, sondern durch Einstellungen, Freisprüche und Begründungen, die das Fundament der damaligen Politik nachträglich infrage stellen. Der Fall ist damit mehr als eine juristische Randnotiz. Er zeigt, wie schnell staatliche Eingriffe eskalieren können und wie unmöglich es ist, sie im Nachhinein zu rechtfertigen.

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10. April 2026

Festnahme in Tschechien

Marla Svenja Liebich gefasst: Der nächste Akt der Posse bahnt sich an

Von
Redaktion

Berichten zufolge wurde Marla-Svenja Liebich aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Tschechien gefasst.

Damit beginnt der nächste Akt einer gesellschaftspolitischen Justiz-Posse, die man nur als Realsatire bezeichnen kann.

Liebich war im Juli 2023 vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden und führt seitdem Politik, Justiz und Presse vor.

Zum einen ließ Liebich gemäß des Selbstbestimmungsgesetzes den männlichen Geschlechtseintrag auf weiblich ändern, nahm den Namen „Marla Svenja“ an und ging gegen Medien vor, die über Liebich weiterhin unter dem Namen „Sven“ Liebich berichteten und als Mann titulierten.

Fallstricke des Selbstbestimmungsgesetzes
Polizist erklärt sich zur Frau: Wegen Frauenförderung?

Im Zuge dessen gewann das Medium Nius vor Gericht gegen Liebich: Nius-Gründer Julian Reichelt hatte Liebich öffentlich weiterhin als Mann bezeichnet und kritisiert, dass das Selbstbestimmungsgesetz dazu zwinge, eine Unwahrheit – nämlich die, dass Liebich eine Frau sei – zu verbreiten.

Das Landgericht Berlin gab ihm Recht und legte dar, dass in diesem Falle die Meinungsfreiheit höher zu gewichten sei als der Wunsch Liebichs, als Frau angesprochen zu werden.

Medien wie die Tagesschau oder der Stern bezeichnen Liebich in ihrer Berichterstattung dennoch als „Rechtsextremistin“ und „Neonazistin“.

Screenprint: Stern / X

Seit Liebichs Änderung des Geschlechtseintrags und der damit einhergehenden Forderung, in einem Frauengefängnis untergebracht zu werden, äußern sich ausgerechnet Befürworter des Selbstbestimmungsgesetzes kritisch. Sie fassen Liebichs Vorgehen als Provokation auf.

Dies ist aber zum einen juristisch schwer nachprüfbar, zum anderen nicht von Belang, da das Selbstbestimmungsgesetz nicht vorgibt, welche inneren Beweggründe ein Mensch vorweisen muss, um es in Anspruch zu nehmen. Unter anderem dies hatten Gegner des Gesetzes kritisiert, und entsprechenden Missbrauch vorhergesagt.

Lüge wird Gesetz
Selbstbestimmungsgesetz: Ein Gesetz gegen die Wirklichkeit tritt in Kraft

Mit dieser „Geschlechtsänderung“ wird daher nicht nur die Absurdität des Selbstbestimmungsgesetzes offengelegt, sondern auch die Bigotterie derjenigen, die es befürwortet und durchgesetzt haben: Wer Liebich als Mann auffasst, gibt damit zu, dass eine Änderung des Geschlechts nicht möglich und eine Erfindung und Täuschung ist.

Wer die Änderung als legitim betrachtet, und fortan Liebich als Frau tituliert, bleibt damit konsequent, macht sich aber offensichtlich zum Narren und muss zudem anerkennen, dass das Selbstbestimmungsgesetz keinerlei Schutzmechanismen bereithält, um das Erschleichen des „Frauenstatus“ zu verhindern. Denn damit kann sich jeder Mann Vorteile, die mit Hinblick auf die Benachteiligung von Frauen geschaffen wurden, erschleichen, und Frauen vorbehaltene Räume besetzen.

Brunhilde am Scheideweg – Folge 1
Von einem, der auszog, eine Frau zu werden: Spannung auf dem Standesamt

Die Warnungen der Gegner des Selbstbestimmungsgesetzes, die zuvor als trans- und queerfeindlich gebrandmarkt wurden, erweisen sich nicht nur angesichts des Falls Liebich als zutreffend.

Einige Transgenderideologen fordern bereits eine Anpassung des Gesetzes: Die propagierte „Selbstbestimmung“ soll nur Menschen aus dem eigenen politischen und ideologischen Lager offenstehen.

Der Fall Marla-Svenja
Selbstbestimmungsgesetz: Warnungen werden zur absurden Realität

Doch Liebich beließ es nicht dabei, das Selbstbestimmungsgesetz vorzuführen. Nach der öffentlichkeitswirksamen Ankündigung, die Haft im Frauengefängnis Chemnitz antreten zu wollen, tauchte Liebich im August 2025 unter und ließ die versammelte Presse auflaufen.

Damit wurde allerdings die deutsche Justiz der Verlegenheit enthoben, einen biologischen Mann in einem Frauengefängnis unterbringen zu müssen.

Mit der nun erfolgten Festnahme müssen sich die deutsche Politik und Justiz also den unangenehmen Realitäten stellen, die sie einer aggressiven Lobby zuliebe mit dem Selbstbestimmungsgesetz geschaffen haben.

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10. April 2026

Planlos in der Krise

Bei Illner: Kann Trump den Iran-Konflikt diplomatisch lösen?

Von
Gastautor

Der Angriff gegen den Iran ist für US-Präsident Donald Trump nicht so verlaufen wie erhofft. Durch präzise Angriffe aus der Luft, die die Führung des Iran auslöschte, wollte Trump das Mullah-Regime in die Knie zwingen.

Doch das Regime ist zäh und wehrhaft. Die verstorbene Führung wurde schnell durch neue Kräfte ersetzt. Mit Raketenangriffen auf die benachbarten Golfstaaten und die Sperrung der Straße von Hormus terrorisiert der Iran die gesamte Region und die Welt. Der Konflikt hat Auswirkungen auf die globalen Rohstoffpreise, wie deutsche Autofahrer tagtäglich leidvoll erfahren müssen.

Trumps Gegner irren, Teheran zahlt den Preis
Waffenruhe mit Iran: Trumps Kurs trifft Teheran härter als Europas Moralrhetorik

Weil Trump durch seine Angriffe bisher nicht die erwünschten Ziele erreicht hat, greift er aktuell zu diplomatischen Mitteln. Die Waffen sollen vorerst schweigen und die USA treten mit dem Iran in Verhandlungen.

Die Entwicklung des Konflikts ist das Thema der donnerstäglichen Talkrunde bei Maybrit Illner. Regierungsvertreter sind nicht Teil der Runde. Es scheint fast so, als befände sich die Bundesregierung aktuell auf Tauchstation. Eventuell will die Regierung auch öffentlich nicht eingestehen, dass sie gar keinen Plan hat. Die außenpolitische Allzweckwaffe der Union, Norbert Röttgen, ist der einzige aktive Politiker unter den Gästen.

Alles in allem verläuft die Debatte erwartungsgemäß. Es wird seziert und wiedergekäut, was Donald Trump gesagt oder getan hat. Genauere Erkenntnisse kann aber niemand in der Runde liefern. Viel mehr als Kaffeesatzleserei hat die Runde nicht zu bieten.

Trump versucht die diplomatische Lösung

Donald Trump ist für mächtiges Getöse und markige Drohungen bekannt. Meistens setzt er wenig davon konkret in die Tat um. Den Iran bombardierte er nicht wie angekündigt. Stattdessen versucht er es jetzt mit einer diplomatischen Lösung.

Militärexperte Carlo Masala ist deswegen erleichtert. An eine schnelle diplomatische Lösung glaubt er allerdings nicht. “In den Verhandlungen sind die Amerikaner und die Iranis maximal voneinander entfernt”, erklärt er. In der Tat ist es nur sehr schwer vorstellbar, wie eine tragbare diplomatische Lösung aussehen könnte. Die USA wollen in jedem Fall an das angereicherte Uran des Iran und die Straße von Hormus frei bekommen. Das Regime in Teheran hat bei diesen Punkten aber überhaupt kein Interesse nachzugeben.

Gigantische Geldvernichtung
Was uns der Iran-Krieg kostet

Die Atombombe ist mit dem amerikanischen Angriff noch mehr zu einem Ziel des Irans geworden, als sie es schon zuvor war. Der Iran hat außerdem Gefallen daran gefunden, seine verfeindeten arabischen Nachbarn durch die Blockade auf See zu schwächen. Gut möglich, dass Donald Trump noch oft mit dem Säbel rasseln muss, bis sich Teheran bewegt.

Bei Illner ist die Journalistin Souad Mekhennet zugeschaltet. Sie berichtet: “Seit der Waffenruhe werden wenige Schiffe durch die Straße von Hormus durchgelassen.” Für den ehemaligen Bundesaußenminister Sigmar Gabriel ist dies ein gutes Zeichen. “Es ist gut, dass es keine weitere Eskalation des Krieges gibt”, meint der SPD-Mann. An eine schnelle Lösung des Konflikts glaubt auch Gabriel nicht. „In vierzehn Tagen ist wohl kaum eine Lösung zu erwarten”, bezweifelt er.

Deutsche Marine in der Straße von Hormus?

Die Straße von Hormus ist ein wichtiger Seeweg für den globalen Rohstoffhandel. Im Moment wird sie militärisch vom Iran blockiert. Die Amerikaner könnten irgendwann nach deutscher Hilfe rufen, um den Seeweg wieder schiffbar zu machen. Wie wird Deutschland dann reagieren? Norbert Röttgen von der CDU möchte diese Frage noch nicht endgültig beantworten. “Die US-Marine hat bisher auch nichts unternommen”, meint der Rheinländer.

Er wisse nicht, was Trump beispielsweise zu NATO-Generalsekretär Mark Rutte gesagt habe, so Röttgen weiter. Es wird kolportiert, dass der amerikanische Präsident sich eine Bestrafung der Länder vorstellen kann, die sich nicht an Unterstützung beteiligen. Röttgen beschwichtigt: “Die Bundesregierung weiß nichts davon.” Für den ehemaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel ist klar, dass Deutschland sich besser aus allem raushalten sollte.

Ukraine: Bellizismus – Iran: Pazifismus
Merz: Der Iran-Krieg ist nicht unser Krieg

Aus seiner Sicht ist eine passiv-ablehnende Haltung gegenüber Trump die richtige Strategie. “Man soll sich bloß nicht aus der Ruhe bringen lassen”, findet Gabriel. Auch die bekannte Bestsellerautorin Juli Zeh sieht es ähnlich wie ihr Parteifreund. “Es ist ein völkerrechtswidriger Krieg”, kritisiert sie scharf. “Es ist in unserem Interesse, wenn wir uns raushalten”, fügt sie an.

Aber könnte Deutschland überhaupt militärisch helfen, wenn sich die Bundesregierung doch genötigt sehen würde, zu unterstützen? “Wir könnten eine ganze Palette anbieten”, meint Militärexperte Carlo Masala. Deutschland könne militärisches Material entsenden oder bei der Koordination helfen, so Masala. Interessant wäre an dieser Stelle eine Einordnung der Bundesregierung gewesen. Aber es ist kein Vertreter in die Sendung gekommen. Die Bundesregierung drückt sich so um einen klaren Standpunkt herum.

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10. April 2026

In Berlin-Mitte nichts Neues

Merz kommt nach Ostern lahm an – in Islamabad verhandeln US und Iran

Von
Fritz Goergen

Was als Image-Film wirken sollte, wurde die Selbstdarstellung eines müden Mannes. Kanzler Merz sagte: „Jetzt wird gestritten, gerungen. Jetzt werden Argumente ausgetauscht für und wider.“ In der Kleinen Koalition wird höchstens gefeilscht und das nicht einmal über Wirkliches, sondern nur um Worthülsen und Sprechblasen. Um Argumente geht es nie, nur um Leerformeln der PR (Public Relations, Propaganda).

Der Staat kann die Bürger nicht vor allen Verwerfungen auf freien Märkten schützen, sagt ein Kanzler Merz in einem Deutschland, das im Hayek-Sozialismus-Index (HSI) 2026 auf Platz 16 von 25 verglichenen Ländern liegt in der Kategorie „Überwiegend unfrei“ mit 67 Prozent staatlichem Interventionismus – ähnlich wie Südafrika (66 %, Platz 15), Frankreich (72 %, Platz 18) und China (74 %, Platz 20). Zum Vergleich: Singapur (18 %, Platz 1), Schweiz (22 %, Platz 2).

Auf dem letzten Platz im Wirtschaftsfreiheitsindex liegt Nordkorea. Die beiden Koreas veranschaulichen die Alternative. Doch der politmediale Betrieb schaut nicht hin.

Des Merz‘ Befund von Sofia Taxidis auf TE: „Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hätte, wie fertig und am Ende Friedrich Merz als Bundeskanzler ist, dann lieferte es dieses selbst produzierte und ins Netz gestellte Imagefilmchen eines völlig ermatteten und leeren Mannes mit leeren Augen, leeren Phrasen und völlig kraftlosem Auftreten.“ Nach seinem Osterurlaub macht Merz wie davor weiter: „Rechnen Sie nicht mit schnellen Entscheidungen!“

Die einzige Folge der deutschen Nichtregierung liegt im Wachsen der Schulden.

Sodann orakelte Kanzler Merz gestern: „Nach langem Schweigen, für das es auf unserer Seite schwerwiegende Gründe gab, nehmen wir als Bundesregierung jetzt auch die Gespräche mit Teheran wieder auf … Wir tun das in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten und den europäischen Partnern. Unser Ziel ist, auf diesem Weg auch einen eigenen Beitrag zum Erfolg der anstehenden Verhandlungen zu leisten.“ Wie er das tun will? In Parteinahme für IRGC-Iran rief er Israel auf, die Angriffe auf den Libanon einzustellen und verschwieg dabei das Angriffsziel Terror-Hisbollah, die aus dem Libanon Israel beschießt im Auftrag des IRGC-Iran.

Dann warnte Kanzler Merz vor einer Spaltung der Nato – zu der Deutschland wie fast die ganze EU beitragen. Der Golf-Krieg sei ein transatlantischer Stresstest geworden und dürfe die Beziehungen zwischen den Nato-Partnern nicht weiter belasten – was fast alle Nato-Länder tun. Die Regierung plädiere für freie Schifffahrt in der Straße von Hormus. Für einen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung der Passage brauche es jedoch ein UN-Mandat und einen Beschluss des Bundestages. – Ein Mandat jener UN, die sich in Gestalt des Generalsekretärs Guterres kontinuierlich einseitig auf die Seite des iranischen Terrorregimes stellt?

Operation Adabei. Kanzler Merz hat laut Vize-Regierungssprecher Hille gestern mit Pakistan-Premier Shehbaz Sharif telefoniert und ihm für die Vermittlung zu einem Waffenstillstand zwischen Amerika und dem Iran gedankt. – Was will Merz in einem Konfliktfeld, auf dem er zusammen mit der EU nicht stattfindet?

Die alten Westmedien verbreiten, das Iran-Regime wäre militärisch gegen America und Israel erfolgreich. Seltsamer Weise erklären sie nicht, warum das IRGC-Regime dann dem Waffenstillstandsversuch zugestimmt hat. Sie informieren nicht, dass 75 Prozent der iranischen Petrochemiekapazitäten außer Betrieb sind, die Werke von Mobarakeh und Khuzestan Steel mit der Gesamtproduktion von 14 Millionen Tonnen vollständig stillgelegt, 80 Prozent der Raketenproduktionsanlagen zerstört. Jam Petrochemical, mit einer Jahreskapazität von 3,2 Millionen Tonnen, geht davon aus, dass die Reparatur der durch die Angriffe verursachten Schäden Jahre dauern wird.

Alle diskutieren darüber, ob die Waffenruhe funktioniert. Das ist die falsche Frage. Die Waffenruhe ist nicht die endgültige Vereinbarung. Sie ist lediglich das erste Angebot. 

Die Verhandlungen mit dem Iran unter Leitung von JD Vance sind für Samstag in Islamabad, Pakistan, angesetzt.

America:
1. JD Vance
2. Steve Witkoff
3. Jared Kushner

Iran:
1. Mohammad Ghalibaf, Parlamentspräsident
2. Abbas Araghchi, Außenminister

Am Montag weiß die Welt mehr.

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9. April 2026

Mehr ist nicht genug

Rekordsteuereinnahmen – und trotzdem mehr Schulden

Von
Sophia Juwien

Lars Klingbeil kann sich freuen: Bund, Kommunen und Länder erlebten 2025 einen Geldregen. Doch trotz der Gesamteinnahmen von über zwei Billionen Euro, konkret 2.081 Milliarden Euro, wächst das Defizit von Bund, Ländern und Kommunen weiter:

Obwohl der deutsche Staat den Bürgern immer mehr Steuern abnimmt, wachsen die Ausgaben noch schneller. Geld lässt sich schneller verschenken als einnehmen. Und es reicht dem Staat immer noch nicht.

Bund, Länder und Gemeinden schlossen 2025 mit einem Finanzierungsdefizit von 127,3 Milliarden Euro ab. Damit ist das Defizit um 22,9 Milliarden Euro höher als 2024.

Ursprung der hohen Staatseinnahmen

Allein auf Bundesebene kassiert der Staat etwa 25 verschiedene Arten von Steuern ein. Dazu gehören unter anderem die Einkommensteuer, die Lohnsteuer, die Kapitalertragsteuer, die Körperschaftsteuer und die Umsatzsteuer. Hinzu kommen noch viele weitere Steuern. Um nur einige weitere zu nennen: die Biersteuer, die Tabaksteuer, die Zwischenerzeugnissteuer, die Kraftfahrzeugsteuer und die Luftverkehrsteuer.

Dazu kommen, je nach Lage, gut zehn verschiedene Abgaben und Umlagen und mehrere hundert verschiedene Gebühren.

Im vergangenen Jahr bedeutete das konkret: Weil die CO₂-Abgabe zum Jahreswechsel 24/25 von 45 auf 55 Euro pro Tonne stieg, kassierte der Staat gleich zweimal ab: Einmal durch die höhere CO₂-Abgabe und einmal durch die Mehrwertsteuer, die auf den Spritpreis inklusive Abgabe und Energiesteuer erhoben wird. Für 2026 wird dies einen noch größeren Geldsegen mit sich bringen: Die CO₂-Abgabe steigt noch einmal um 10 Euro pro Tonne und die Hormus-Krise sorgt für steigende Rohölpreise und damit explodierende Mehrwertsteuereinnahmen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) schätzt, dass das allein im März 2026 für Mehreinnahmen in Höhe von 490 Millionen Euro sorgt.

Mehr, immer mehr

Doch auch das reicht nicht. Den um 5,2 Prozent gestiegenen Einnahmen standen im vergangenen Jahr sechs Prozent mehr Ausgaben gegenüber. Und das, obwohl die Wirtschaft in Deutschland in diesem Zeitraum nicht gewachsen ist. Der Bürger hat also weniger in der Tasche, weil der Staat ihm mehr abnimmt und dieses Geld prompt verpulvert.

Möglich wurde das durch die als Sondervermögen getarnte Megaverschuldung des Kanzlers. Demzufolge können Bund und Länder über zwölf Jahre neue Schulden außerhalb der regulären Schuldenbremse aufnehmen.

Nur wird das Geld nicht in Infrastruktur investiert: Brücken und Schulen bleiben marode. Bei der Deutschen Bahn bleibt ein Investitionsstau von 130 Milliarden Euro weiterhin bestehen, so das Unternehmen im März dieses Jahres. Und im strukturschwachen Saarland werden 120 Millionen Euro aus dem Sondervermögen in Schwimmbäder „investiert“.

Bund, Länder und Kommunen missbrauchen das Sondervermögen, um damit Haushaltslöcher zu stopfen. Der Trick lässt sich am Beispiel der Bahn einfach illustrieren: Die Bundesregierung feiert sich öffentlich damit, dass aus dem Sondervermögen mehr Geld in Ausbau und Sanierung der Deutschen Bahn fließt. Gleichzeitig wurde aber derselbe Posten aus dem bestehenden Haushalt gestrichen. Effektiv hat die DB damit nicht mehr Geld; es kommt nun nur aus der rechten, statt aus der linken Tasche.

Große Zahlen, nichts dahinter

Kostentreiber sind auch die Sozialversicherungen, deren Reform dringend notwendig ist, aber seit Jahren verschleppt wird.

Die seit Dezember 2025 eingesetzte Rentenkommission soll bis Ende Juni 2026 über konkrete Reformen der Rentenversicherung beraten. Ideen hat man, Beschlüsse gibt es bislang nicht. Der Zuschuss für die Rentenkassen aus Steuermitteln steigt aber munter weiter: Im vergangenen Jahr 6,5 Milliarden Euro mehr als 2024. Tendenz rasch steigend.

Der neue Schurke: Die Krankenkassen

Die Krankenkassen können ihre Gesamteinnahmen auf 936,1 Milliarden Euro steigern. Möglich macht dies besonders die Erhöhung der Zusatzbeiträge, die 2024, 2025 und auch 2026 erhöht wurden. Und die Krankenkassen sind immer noch pleite. Es bleibt ein Defizit von 1,3 Milliarden Euro. Die Krankenkassen leiden unter der Spendierlaune der Regierung. So versichert der Bund Bürgergeldempfänger in den Krankenkassen mit einem Monatsbeitrag von 144 Euro – sie kosten aber im Schnitt mehr als viermal so viel. Die Differenz müssen die Kassen aus den Beiträgen der Arbeitnehmer und ihren Rücklagen bezahlen.

Heute konsumieren, morgen finanzieren

Der Staat nimmt mehr ein, bei beinahe ausbleibendem Wirtschaftswachstum. Einem nominellen Wirtschaftswachstum von ca. 2,4 Prozent (reell 0,2 Prozent) stehen steigende Staatseinnahmen von 5,2 Prozent entgegen.

Doch zugleich stattet der Staat immer mehr Gruppen mit Sozialleistungen aus, die aus der Renten- und Krankenkasse finanziert werden. Immer mehr Menschen werden so von Leistungserbringern zu Leistungsempfängern – und diejenigen, die noch arbeiten schuften dafür um so mehr.

Die SPD und Lars Klingbeil freuen sich. Der Bürger zahlt die Rechnung.

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9. April 2026

Fragen über Fragen

Hubigs geheimes Hintergrundgespräch im Justizministerium

Von
Redaktion

Kaum war der Fall Fernandes/Ulmen öffentlich, lief im Bundesjustizministerium bereits die Begleitmusik. Nicht in einer regulären Pressekonferenz, sondern in einem exklusiven Hintergrundgespräch mit ausgewählten Journalisten. Genau das berichtet der Tagesspiegel jetzt exklusiv. Kurz nach den „Enthüllungen“ über das Ex-Paar, das aber vielen tragenden Akteuren schon monatelang bekannt war, habe Justizministerin Stefanie Hubig zu einer besonderen Runde über „digitale Gewalt“ geladen. Der Sprecher des Ministeriums bestätigte dem Tagesspiegel ein „Presse-Hintergrundgespräch“ am Vormittag des 25. März 2025 zum Thema „Entwurf eines Gesetzes gegen digitale Gewalt“. Aus dem Vorgang mache ihr Haus bis heute ein Geheimnis. Allein diese Tatsache spricht Bände. Wer reine Sachaufklärung betreiben will, braucht kein solches Halbdunkel. Wer eine politische Linie setzen will, schon.

Konzertierte Aktion?
Der kurze Weg von der gefühlten Gewalt zur echten Zensur
Unmittelbar nach dem geheimen Hintergrundgespräch lief Hubig dann bundesweit durch die Medien: ARD, ZDF, RTL/n-tv, Pro Sieben/Sat 1, Welt TV, Bild, sogar Bunte und Brigitte. Der Tagesspiegel stellt dazu die naheliegende Frage, ob die Ministerin damit auf einer Medienwelle surfte, die sie im Hintergrund selbst mit erzeugt hatte.

Denn die Frage springt sofort ins Auge: Wozu brauchte eine Justizministerin mitten in einem offenen, hochumstrittenen und medial maximal aufgeladenen Fall ein solches Hintergrundformat überhaupt? Die Antwort liegt inzwischen ziemlich nackt auf dem Tisch. Der Fall sollte offenkundig von Anfang politisch verwertet werden. Aus den Vorwürfen gegen Christian Ulmen wurde in Windeseile ein Vehikel für Hubigs Gesetzesvorhaben gegen „digitale Gewalt“ gestrickt werden. Der Tagesspiegel hält ausdrücklich fest, dass Hubig den Fall offenbar zum Anlass nahm, um für Gesetzentwürfe zu werben, die wesentlich auf Deepfakes zielen. Gleichzeitig war schon früh unklar, ob der konkrete Fall überhaupt sauber in diese Deepfake-Schiene passt.

Der Möchte-Gern-Putsch
Spiegel, Fernandes, HateAid, Hubig: Der Plot kollabiert an seinen Widersprüchen
Diese politische Taktung ist sogar offen benannt worden. Die Spiegel-Autorin des Fernandes-HateAid-Plots Juliane Löffler sagte im Podcast von Anne Will, für die Veröffentlichung habe es „zwei konkrete Anlässe“ gegeben: die Vorermittlungen in Spanien und das Wissen, dass Stefanie Hubig ein Gesetz zu digitaler Gewalt plane. Genau an diesem Punkt fällt die Maske. Die Geschichte wurde also nicht einfach veröffentlicht, weil sie nun einmal recherchiert war, sondern weil sie in ein politisches Zeitfenster passte und dort maximale Wirkung entfalten konnte. Und genau diese Spanien-Schiene, auf die sich der Spiegel dabei selbst stützte, wurde wenig später von der Ulmen-Kanzlei Schertz Bergmann unter Verweis auf die spanische Staatsanwaltschaft ausdrücklich zerlegt. Das macht die Sache so verheerend: Erst wurde eine politisch verwertbare Geschichte punktgenau ins Rampenlicht geschoben, dann brach ausgerechnet einer ihrer zentralen Stützpfeiler weg. Spiegel, Tagesschau und weitere Medien mussten ihre Berichterstattungen korrigieren.

Erst wurde gezielt der Eindruck geschürt, es gehe um Deepfake-Pornografie mit Collien Fernandes als Protagonistin. Der Tagesspiegel schreibt nun selbst, tatsächlich gehe es mutmaßlich eher um Fake-Accounts, über die Sexbilder mit Personen verschickt wurden, die der Schauspielerin ähnlich sehen, dazu um Vorwürfe häuslicher Gewalt. Ulmens Anwalt wirft dem Spiegel einseitige Berichterstattung vor und will Teile der Darstellung gerichtlich untersagen lassen. Mit anderen Worten: Während der Sachverhalt an zentralen Punkten unscharf blieb oder sogar wegrutschte, lief die politische Maschine schon auf Hochtouren. Genau dafür braucht man dann Hintergrundgespräche: nicht zur Aufklärung, sondern zur Rahmung.

Das Muster ist vertraut. Ein emotional aufgeladener und gescripteter Fall schlägt ein. NGOs, Aktivisten, Redaktionen und Politik ziehen nahezu gleichzeitig denselben Deutungsrahmen hoch. Dann heißt es plötzlich nicht mehr: Was ist eigentlich belegt, was ist juristisch tragfähig, was ist bloße Behauptung. Dann heißt es: Wie schließen wir die angebliche Schutzlücke schnell genug. Hubig warb nicht nur öffentlich bei Instagram und in Interviews für ihren Kurs, sondern eben auch hinter verschlossener Tür im kleinen Kreis. Das ist keine Nebensache. Das ist der Beleg dafür, dass hier Kommunikationssteuerung parallel zur Gesetzesagenda lief.

Neueste politmediale Kampagne
Der große Fernandes-Neubauer-HateAid-Hayali-Flachfake
Gerade deshalb wirkt das Ganze immer anstößiger, je mehr der Fall selbst in sich zusammenstürzt. Denn wenn eine Ministerin auf Gedeih und Verderb einen offenen Einzelfall mit einem eigenen Vorhaben verknüpft, bindet sie ihre politische Glaubwürdigkeit an eine Geschichte, die sie gerade nicht kontrolliert. Genau das ist hier geschehen. Statt Distanz zu halten, hat Hubig den Fall angezogen. Statt rechtsstaatlicher Nüchternheit gab es politischen Aktivismus. Und statt Transparenz gibt es bis heute die Frage, warum dieses Hintergrundgespräch so geheimnisvoll behandelt wird. Der Tagesspiegel beschreibt ausdrücklich, dass das Ministerium aus dem Vorgang ein Geheimnis mache. Wer sauber arbeitet, muss Journalistenrunden nicht verstecken. Wer Agenda setzt, schon eher.

Damit wird auch die eigentliche Absicht deutlicher. Fakten waren bei diesem Vorhaben nie die Hauptsache. Hauptsache war, einen moralisch maximal verwertbaren Anlass zu haben, an den man den nächsten Eingriff hängen konnte. Aus einem wackligen, umkämpften und in Teilen bereits angegriffenen Fall sollte politische Eindeutigkeit gepresst werden. Genau deshalb passt das Hintergrundgespräch so gut ins Bild. Es war kein bedauerlicher Kommunikationsfehler. Es war Teil derselben Operation: erst Empörung, dann Deutung, dann Gesetz. Und wenn der Anlassfall später schwächer wird, sollen die vorher gelegten Spuren die politische Richtung trotzdem halten.

Am Ende bleibt eine sehr einfache Frage, und sie ist vernichtend. Wenn Hubigs Vorhaben wirklich aus sich selbst heraus überzeugte, wozu brauchte es dann den Fall Fernandes/Ulmen als politisches Trägermaterial und dazu noch eine exklusive Runde mit ausgewählten Journalisten? Die Antwort ist klar: Weil die Ministerin wusste, dass man mit einem aufgeladenen Einzelfall Dinge durchdrückt, die nüchtern betrachtet auf weit mehr Widerstand stoßen würden. Genau darum ging es. NUm das Ausschlachten eines Falls für den nächsten staatlichen Durchgriff.

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9. April 2026

Staat gegen Bürger

Spritpreise in Deutschland: Staat kassiert 500 Millionen extra – Merz-Regierung verweigert Entlastung

Von
Redaktion

Die Wahrheit an der Zapfsäule ist brutal einfach. Während Millionen Autofahrer unter den explodierenden Preisen für Benzin und Diesel ächzen, klingeln beim Staat die Kassen. Allein im März 2026 zahlten die Deutschen laut Berechnungen des RWI 500 Millionen Euro zusätzlich an Kraftstoffsteuern. Das ist der eigentliche Skandal dieser Krise. Der Staat leidet nicht mit. Er verdient mit – und zwar kräftig.

RWI-Forscher Manuel Frondel bringt den Kern auf den Punkt. Der Staat sei der eigentliche Nutznießer der hohen Kraftstoffpreise. Am 4. April lag der Dieselpreis bei bis zu 2,45 Euro pro Liter. Gegenüber der Zeit vor dem Iran-Konflikt im Februar entspricht das allein beim Diesel zusätzlichen Mehrwertsteuereinnahmen von rund 12 Cent pro Liter. Bei einem täglichen Verbrauch von rund 100 Millionen Litern summiert sich das auf 12 Millionen Euro pro Tag oder 360 Millionen Euro pro Monat.

Hinzu kommen beim Benzin weitere 130 Millionen Euro pro Monat. So sieht die Wahrheit hinter der Krisenrhetorik aus: Der Bürger zahlt, der Staat kassiert kräftig ab.

Besonders perfide ist, dass diese Belastung nicht einfach vom Himmel fiel. Ja, der Iran-Konflikt hat die Ölpreise nach oben getrieben. Aber die Regierung hatte die Autofahrer schon vorher gezielt weiter belastet. Die CO2-Abgabe wurde zu Beginn des Jahres 2026 erneut erhöht und trieb die Kraftstoffpreise um weitere 6 bis 8 Cent pro Liter nach oben. Das war kein Unfall des Weltmarkts, sondern eine bewusste politische Entscheidung. Erst verteuert man Mobilität absichtlich, dann schaut man den Preisexplosionen zu und tut so, als handle es sich um höhere Gewalt.

Die Abgabenlast ist ohnehin grotesk. Auf Kraftstoff werden 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Dazu kommen 65 Cent Energiesteuer auf jeden Liter Benzin, 47 Cent auf jeden Liter Diesel und obendrein rund 17 Cent CO2-Abgabe pro Liter. Wer tankt, zahlt längst nicht mehr nur für den Sprit, sondern für einen fiskalischen Raubzug mit Klimasiegel. Genau deshalb gehört Deutschland bei den Benzinpreisen inzwischen zu den teuersten Ländern der Europäischen Union. Am 6. April lag der Preis bei 2,24 Euro pro Liter und damit auf Platz drei in der EU, nur Dänemark und die Niederlande waren noch teurer. Die Lage ist so absurd, dass Deutsche inzwischen sogar ins teure Schweiz fahren, weil der Sprit dort mehr als 30 Cent günstiger ist. Das muss man sich vorstellen: Deutschland ist inzwischen selbst gegenüber der Schweiz das Land der Zapfsäulen-Absurdität.

Und wie reagiert die Merz-Regierung? Mit Verweigerung. Trotz der offenkundigen Zusatzmilliarden für den Staat lehnt die Koalition aus CDU und SPD Steuersenkungen weiter ab. Keine Senkung der Mehrwertsteuer. Keine Entlastung bei der Energiesteuer. Kein Zurück bei der CO2-Abgabe. Gar nichts. Stattdessen inszeniert man eine sogenannte Benzinpreisbremse, nach der Tankstellen ihre Preise nur einmal am Tag anheben dürfen. Ein Placebo, das den gegenteiligen Effekt bringt. Die Maßnahme ist komplett wirkungslos. Aber sie erfüllt ihren eigentlichen Zweck: Sie erzeugt den Anschein politischen Handelns, ohne dass der Staat auf einen Cent seiner Zusatzbeute verzichten müsste.

Die SPD will nun noch mehr Unsinn nachlegen. Im Raum stehen ein allgemeiner Preisdeckel für Kraftstoff und neue Steuern auf angebliche Übergewinne von Energieunternehmen. Beides wird von Ökonomen als unsinnig und populistisch zerrissen. Doch genau dort sitzt der politische Reflex dieser Koalition. Wenn die Lage eskaliert, greift man nicht zur Entlastung, sondern zur nächsten Intervention. Nicht runter mit den Abgaben, sondern rauf mit der Regulierung. Nicht Luft für die Bürger, sondern noch mehr Staat.

Fast schon zynisch wird es, wenn Teile der Regierung die Krise gleich als pädagogische Gelegenheit begreifen. Verkehrsminister Patrick Schnieder empfahl den Deutschen am 28. März, statt des Autos doch lieber den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und sich am besten gleich ein Jahresticket zu besorgen. Das ist die Sorte Rat, die nur in einer Berliner Filterblase als ernsthafte Politik durchgeht. Denn für Millionen Menschen auf dem Land ist das Auto kein Luxus, sondern Voraussetzung des Alltags. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in dünn besiedelten Kreisen hat laut einem Bericht aus diesem Jahr keinen angemessenen Zugang zum Nahverkehr. Manche Gemeinden werden mit zwei oder drei Bussen am Tag abgespeist. Wer dort lebt, fährt nicht aus Vergnügen Auto, sondern weil der Staat keine brauchbare Alternative geschaffen hat.

Genau das macht diese Politik so verkommen. Diesel und Benzin werden immer teurer, der Staat streicht Zusatzmilliarden ein, echte Entlastung wird verweigert, stattdessen kommen Scheinlösungen, Preisdeckel-Phantasien und moralisierende Ratschläge gegen das Auto. Die Bürger sollen zahlen, verzichten und sich belehren lassen, während Berlin aus jeder Preissteigerung noch einen fiskalischen Vorteil zieht. Diese Regierung bekämpft die Spritkrise nicht. Sie nutzt sie.

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9. April 2026

Zum Tod von Mario Adorf:

„Nun schaun Se mal böse“

Von
Gastautor

Es gibt eine Anekdote, die alles über Mario Adorf erzählt, was man wissen muss. Mitte der fünfziger Jahre sitzt ein junger Mann aus der Eifel beim Vorsprechen für seinen ersten großen Film. Der Regisseur Robert Siodmak, selbst ein Emigrant, der die Härte des Jahrhunderts kannte, mustert ihn und sagt: „Nun schaun Se mal böse.“

Adorf schaut böse. Er bekommt die Rolle des Serienmörders Bruno Lüdke in „Nachts, wenn der Teufel kam“, und von diesem Moment an ist er festgelegt: als der Mann, vor dem man sich fürchtet. Was Siodmak nicht ahnen konnte: Dieser böse Blick gehörte einem der gutmütigsten Menschen, die das deutsche Kino je hervorgebracht hat.

Mario Adorf konnte böse schauen wie kein Zweiter. Er konnte so überzeugend den Schurken geben, dass ihm Generationen von Kinogängern den Mord an Nscho-tschi persönlich übelnahmen. Er spielte Mafiosi, Patriarchen und Großkotzige mit einer Wucht, die das Mobiliar zum Wackeln brachte. Aber wenn man ihn dann in einem Interview sah, mit diesem verschmitzten Lächeln und den funkelnden Augen, merkte man sofort: Hier sieht jemand das Komische in der eigenen Bedrohlichkeit. Das Böse war bei Adorf nie langweilig, weil immer ein Augenzwinkern mitlief.

Zwischen Kalabrien und der Eifel

Seine Herkunft liest sich wie ein Drehbuch, das kein Produzent geglaubt hätte. Der Vater war ein italienischer Chirurg aus dem kalabrischen Siderno, verheiratet und unerreichbar. Die Mutter: eine deutsche Röntgenassistentin, die hochschwanger aus Italien in die Schweiz floh, damit man ihr das Kind nicht wegnimmt.

Drei Monate nach der Geburt in Zürich wird sie ausgewiesen und landet in Mayen in der Eifel, wo sie sich als Näherin durchschlägt. Den dreijährigen Mario gibt sie ins Kinderheim der Borromäerinnen, weil das Geld nicht reicht. Eine Kindheit, die man sich karger kaum vorstellen kann.

Aber vielleicht erklärt genau diese Herkunft den Adorf, den das Publikum liebte. Halb Italiener, halb Rheinländer, ganz Schlitzohr. Er hatte die südländische Körperlichkeit, die jedem Auftritt etwas Vulkanisches gab, und den rheinischen Humor, der das Vulkanische im richtigen Moment entschärfte.

In der Eifel hatte er das Improvisieren gelernt, in Rom das Genießen. Beides zusammen ergab einen Schauspieler, der selbst in den schlechtesten Filmen noch sehenswert war. Wer einmal gesehen hat, wie er in „Kir Royal“ als Klebstofffabrikant Haffenloher den armen Baby Schimmerlos anbrüllt, der weiß, was gemeint ist.

„Isch scheiß disch sowatt von zu mit meinem Jeld, dat de keine ruhije Minute mehr hass“, ist ein Satz, der in die Ewigkeit des deutschen Fernsehens eingegangen ist, und zwar nicht trotz, sondern wegen des rheinischen Singsangs, mit dem Adorf ihn servierte.

Der Italiener vom Dienst (der keiner sein wollte)

In den sechziger Jahren zog es Adorf nach Rom. Er wollte, wie er sagte, „immer Italiener“ sein, wollte dieses leichte Leben, das er aus den Erzählungen über seinen Vater kannte und das er in der Eifel vermisst hatte. In Cinecittà drehte er Italowestern und Gangsterfilme, spielte den Südländer für ein internationales Publikum.

Hollywood versuchte es auch, Sam Peckinpah wollte ihn haben, aber Adorf winkte ab: Er hatte keine Lust, „der Mexikaner vom Dienst“ zu werden. Eine Entscheidung, die man bewundern muss, denn sie verrät etwas über einen Mann, der lieber richtig zu Hause war als falsch berühmt.

Dabei war das, was ihn an Italien so faszinierte, im Grunde ein durch und durch deutsches Lebensgefühl. Die Sehnsucht nach dem Süden war am Ende eine Sehnsucht nach einer Freiheit, die er auch anderswo hätte finden können. Aber die Dolce-Vita-Zeit, wie er sie nannte, die hat er trotzdem genossen. Und wie. In Saint-Tropez lernte er seine zweite Frau Monique kennen, die mit Brigitte Bardot befreundet war. Adorf gestand freimütig, er habe zunächst nur Augen für die Bardot gehabt. Dann aber fiel ihm Moniques Lebendigkeit auf, und damit begann eine Liebe, die über vierzig Jahre hielt.

Von der Blechtrommel zum Bellheim

Adorfs Karriere hatte viele Gipfel, aber keinen eigentlichen Höhepunkt, weil er sich weigerte, auf einem einzigen stehen zu bleiben. In den siebziger Jahren entdeckten ihn die Regisseure des Neuen Deutschen Films. Schlöndorff besetzte ihn in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und in „Die Blechtrommel“, Fassbinder machte ihn zum korrupten Bauunternehmer in „Lola“. Das waren keine Schurkenrollen im alten Sinne mehr, sondern Figuren mit Rissen und Abgründen, und Adorf spielte sie so, dass man diese Figuren gleichzeitig verabscheute und verstand.

Dann kamen die großen Fernsehproduktionen: „Der große Bellheim“, „Der Schattenmann“, „Die Affäre Semmeling“. In diesen Dieter-Wedel-Mehrteilern spielte Adorf Männer, die man heute nicht mehr filmisch darstellen würde, weil es sie angeblich nicht mehr gibt: Patriarchen mit Prinzipien, Alphatiere mit Anstand, Herrscher, die ihren Laden zusammenhalten, auch wenn alles um sie herum zerfällt.

Den Marzipanfabrikanten Konrad Hansen in „Der letzte Patriarch“ nannte Adorf einen „charmanten Kotzbrocken, der ganz schön hart sein kann, aber seine Fehler erkennt und daraus lernt“. Man könnte das als Selbstbeschreibung lesen.

Ein Typus, der verschwindet

221 Filme, ein Bundesverdienstkreuz, der Grimme-Preis, ein nach ihm benannter Theaterpreis in Worms, und nebenbei noch eine zweite Karriere als Autor und Rezitator. Sein Buch hieß „Schauen Sie mal böse“, natürlich. Sein Programm hieß „Al Dente“, und wenn er darin Georg Kreisler sang, dann war das kein Abend für Leute, die Angst vor großen Gefühlen haben.

Auf seine alten Tage lebte Adorf zwischen München, Paris und Saint-Tropez, und man hatte den Eindruck, er genoss es, endlich niemandem mehr böse schauen zu müssen.

Sein letzter Film, „Real Fight“, war 2023. Der „Hörzu“ sagte er danach, er sei „ohne jeden Ehrgeiz in dieser Richtung, und ohne jede Hoffnung“. Daraus sprach keine Bitterkeit, sondern achselzuckende Akzeptanz des eigenen Alters.

Am Mittwoch ist Mario Adorf nach kurzer Krankheit in seiner Pariser Wohnung entschlafen – in der Stadt, die er liebte. Seine Frau Monique stand ihm bis zuletzt bei. Sein Manager Michael Stark teilte mit, Adorf habe ihm beim letzten Besuch noch aufgetragen, sich bei seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue zu bedanken.

Das heutige Kino ist schmaler, leiser und aufgeräumter geworden. Für Männer wie Adorf, die allein durch ihre körperliche Präsenz ganze Räume besetzten, wäre dort ohnehin kaum noch Platz. Er war ein Schauspieler, der keine Askese brauchte, um auf der Leinwand zu faszinieren. Ein Darsteller der alten Schule, der bewies, dass natürliche Autorität und Charme kein Widerspruch sind, sondern schlicht eine Frage der Haltung.

Nun schaun Se mal traurig. Es ist berechtigt.

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9. April 2026

Merz und § 188

Kanzleramt verliert vor Gericht: Details zu hunderten Merz-Strafanzeigen müssen offengelegt werden

Von
Redaktion

Friedrich Merz regiert immer sichtbarer wie ein Mann, der politischen Widerspruch nicht ertragen und kontern, sondern verfolgen und verdecken will. Jetzt hat ihm das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg diese Linie zerschlagen. Das Kanzleramt muss offenlegen, welche Staatsanwaltschaften wegen Beleidigungen des Bundeskanzlers ermitteln und unter welchen Aktenzeichen diese Verfahren laufen. Es geht um rund 300 Fälle. Der Versuch, diese Praxis hinter amtlicher Verdunkelung zu verstecken, ist gescheitert.

Der gekränkte, nachtragende Merz
Der Kanzler der zweiten Wahl - wie Friedrich Merz mit Deutschland abrechnet
Der Skandal beginnt nicht erst bei dieser Zahl. Er beginnt dort, wo ein Regierungschef auf den umstrittenen § 188 setzt, also auf einen Sonderparagrafen für Personen des politischen Lebens, und sein Apparat anschließend die öffentliche Kontrolle über dessen Anwendung abwürgen will. Genau das ist geschehen. Das Kanzleramt hielt Informationen über diese Verfahren zurück, obwohl der Kanzler bei §-188-Verfahren zwingend beteiligt ist und nach dem Bericht des Tagesspiegels mit den zuständigen Staatsanwaltschaften regelmäßig in Kontakt steht.

Besonders brisant wird das noch einmal vor dem Hintergrund, weil Merz politisch auf mehr als brüchigem Boden steht. Im ARD-Deutschlandtrend vom April 2026 sinken die Zustimmungswerte in den Keller. In der Sonntagsfrage fällt die Union auf 26 Prozent, während die AfD auf 25 Prozent heranrückt. Ein Kanzler verliert in Rekordzeit wie noch keiner vor ihm Rückhalt im Land und reagiert nicht mit Korrektur, sondern nur mit immer mehr aufgefahrener Staatsmacht gegen Kritik.

Damit wird aus einem juristischen Fall ein politischer Charaktertest. Merz verliert Vertrauen, Zustimmung und Autorität, doch statt daraus Demut oder gar einen Kurswechsel abzuleiten, antwortet sein Umfeld mit Strafrecht und Geheimhaltung. Ein Kanzler, dem das Land entgleitet, will wenigstens noch die Deutungshoheit über seine eigene Kränkbarkeit behalten. Er lässt den Staat dort scharf werden, wo ihn Bürger mit Worten treffen.

Merz muss gehen
Der Kanzler des Wortbruchs beim großen Ausverkauf Deutschlands
Vor Gericht brach diese Linie dann krachend zusammen. Das Kanzleramt bestritt ein gesteigertes öffentliches Interesse, bestritt den Eilbedarf und spielte Zuständigkeitsprobleme an. Das OVG ließ all das nicht durchgehen. Gerade weil die betroffene Person des politischen Lebens in solchen Verfahren zwingend beteiligt ist, kann sich das Kanzleramt nicht wegducken und so tun, als ginge die Sache allein die Staatsanwaltschaften etwas an. Auch das Argument, schon die Auskunft über Behörden und Aktenzeichen könne Rechte Beschuldigter verletzen, ließ das Gericht nicht gelten.

Wer noch glaubt, es gehe hier nur um verletzte Eitelkeit und ein paar grobe Beschimpfungen im Netz, sieht zu kurz. Dieser Fall passt in ein größeres Muster.

Für jedermann immer deutlich erkennbar handelt es sich um einen Mann, der erst im zweiten Anlauf ins Kanzleramt gestolpert ist, der auf politischen Verschleiß nicht mit Selbstprüfung reagiert, sondern mit Trotz, Härte und wachsendem Kontrolltrieb. Ein gekränkter, nachtragender Machtpolitiker, der jede Demütigung speichert und politische Gegnerschaft nicht als Normalität einer freien Ordnung behandelt, sondern als Angriff, der beantwortet werden muss.

Den eigenen Worten Folge leisten
Sie, Herr Merz, haben Vertrauen nicht verdient
Dazu passt, was nach dem vorläufigen Scheitern der Chatkontrolle auf EU-Ebene geschah. Kaum war der europäische Vorstoß gestoppt, kündigte Merz eine „nationale Lösung“ an. Schließlich will er genau wissen, wer da schimpft. Darum auch die Forderung nach Klarnamenpflicht und dem Durchleuchten sämtlicher elektronischer Kommunikation der Bürger. Was in Brüssel an Freiheitsbedenken scheitert, soll dann eben in Deutschland durchgedrückt werden. Der Vorwand lautet Kinderschutz. Der politische Reflex dahinter lautet Kontrolle. Erst der Zugriff auf Rede, dann der Zugriff auf private Kommunikation. Immer dieselbe Richtung.

Genau darin liegt die Gefahr. Erst hunderte Verfahren wegen Kanzler-Beleidigung. Dann das Versteckspiel über diese Verfahren, parallel das Vorantreiben der Abschaffung der Informationsfreiheit für Bürger, um den Mächtigen noch irgendwie auf die Finger schauen zu können.

Dann der nächste Anlauf zur Kontrolle privater Kommunikation, sobald die europäische Ebene bremst. Das sind keine losen Episoden. Das fügt sich in eine politische Handschrift. Der Bürger soll immer gläserner werden, der Staat immer übergriffiger und mächtiger, die Regierung selbst aber möglichst abgeschirmt.

Merz hat sich vor der Bundestagswahl als Klartextmann verkauft. Tatsächlich steht da immer deutlicher ein dünnhäutiger Machtpolitiker, der Kritik strafrechtlich umstellen lässt, Transparenz verweigert und nach neuen Hebeln greift, wenn alte scheitern. Ein Kanzler mit solchen Werten müsste sich fragen, warum ihm das Land davonläuft. Stattdessen lässt er lieber gegen das reden, was ihn daran erinnert.

Das Gericht hat diesem Spiel nun eine schwere Niederlage beigebracht. Zu Recht. Denn in einer freien Ordnung gilt ein einfacher Maßstab: Je schärfer der Staat gegen Rede vorgeht, desto lückenloser muss er sich selbst erklären. Merz wollte das Gegenteil. Erst verfolgen, dann verschweigen, dann das öffentliche Interesse kleinreden. Wer so regiert, verteidigt nicht die Demokratie. Er zeigt, wie schnell eine schwache Regierung ins Autoritäre kippt, sobald sie merkt, dass ihr die Zustimmung wegbricht.

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Schuldenuhr Deutschlands des Bunds der Steuerzahler, Berlin, 14.02.2026
9. April 2026

Der Schuldenberg wächst

Staatsverschuldung in Deutschland erreicht neuen Höchststand

Von
Redaktion

Deutschlands Staatsverschuldung ist zum Jahresende 2025 erneut deutlich gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts belief sich der Schuldenstand des öffentlichen Gesamthaushalts gegenüber dem nicht-öffentlichen Bereich auf 2.661,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 1,9 Prozent beziehungsweise 50,8 Milliarden Euro gegenüber dem dritten Quartal 2025. Im Vergleich zum Jahresende 2024 beträgt das Plus sogar 6,0 Prozent oder 151 Milliarden Euro.

Damit setzt sich der Trend steigender Staatsverschuldung fort – getragen vor allem vom Bund, aber zunehmend auch von Ländern und Kommunen.

Bund bleibt größter Treiber

Den größten Anteil am Schuldenanstieg hat weiterhin der Bund. Seine Verbindlichkeiten kletterten im vierten Quartal 2025 um 32,2 Milliarden Euro auf 1.840,6 Milliarden Euro. Besonders ins Gewicht fallen dabei die sogenannten Sondervermögen.

So legte das „Sondervermögen Bundeswehr“ binnen eines Quartals um 29,4 Prozent auf 43 Milliarden Euro zu. Zudem wurde 2025 mit dem „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ (SVIK) ein schuldenfinanzierter Topf geschaffen, der bis Jahresende bereits 24,3 Milliarden Euro aufgenommen hat.

Diese Entwicklung zeigt, dass der Bund verstärkt auf Nebenhaushalte setzt, um große Investitions- und Ausgabenprogramme zu finanzieren.

Unterschiedliche Entwicklung in den Ländern

Auch die Bundesländer verzeichneten insgesamt steigende Schulden. Sie summierten sich auf 624,6 Milliarden Euro, ein Plus von 1,4 Prozent im Quartalsvergleich. Auffällig sind jedoch die regionalen Unterschiede:

  • Hamburg verzeichnete mit + 7,8 Prozent den stärksten Anstieg – vor allem aufgrund einer Umstrukturierung, bei der Schulden aus ausgelagerten Einheiten in den Kernhaushalt überführt wurden.
  • Bremen (+ 3,9 Prozent) und Bayern (+ 3,2 Prozent) folgen dahinter.
  • Rückgänge gab es lediglich in Mecklenburg-Vorpommern (- 3,9 Prozent), Thüringen und Sachsen-Anhalt (jeweils – 0,1 Prozent).

Die Zahlen verdeutlichen, dass strukturelle Effekte und finanzpolitische Entscheidungen der Länder eine große Rolle bei der Schuldenentwicklung spielen.

Kommunen besonders unter Druck

Am dynamischsten entwickelte sich die Verschuldung auf kommunaler Ebene. Städte, Gemeinden und Gemeindeverbände steigerten ihre Schulden um 5,3 Prozent auf 196,3 Milliarden Euro – der höchste prozentuale Zuwachs aller staatlichen Ebenen. Besonders stark betroffen sind:

  • Niedersachsen (+ 9,3 Prozent)
  • Baden-Württemberg (+ 9,2 Prozent)
  • Sachsen (+ 8,8 Prozent)

Hintergrund ist laut Statistik vor allem, dass viele Kommunen ihre Rücklagen weitgehend aufgebraucht haben und zur Erfüllung ihrer Aufgaben neue Kredite aufnehmen mussten.

Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich nur vereinzelt: In Thüringen (- 1,7 Prozent) und im Saarland (- 0,9 Prozent) sank die kommunale Verschuldung. Im Saarland trägt dazu insbesondere der „Saarlandpakt“ bei, bei dem das Land Schulden von Kommunen übernimmt.

Sozialversicherung mit minimalem Rückgang

Eine Ausnahme bildet die Sozialversicherung: Ihre Verschuldung sank leicht um 2,5 Prozent auf 9,4 Millionen Euro – ein im Vergleich zum Gesamtvolumen marginaler Betrag.

Die aktuellen Zahlen unterstreichen eine klare Entwicklung: Die öffentliche Verschuldung in Deutschland wächst weiter – getrieben durch hohe Ausgaben des Bundes und zunehmenden finanziellen Druck auf kommunaler Ebene. Während einzelne Länder und Programme gegensteuern, bleibt die Gesamtentwicklung eindeutig: Der Schuldenberg steigt.

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9. April 2026

Iran hat mehrere Machthaber

Merz ist Kanzler und regiert nicht – Westeuropa spielt auch am Golf keine Rolle

Von
Fritz Goergen

Bevor es in den Regierungsstadel Berlin-Mitte geht, für alle, die auf das Geschehen im Iran schauen, ein Hinweis, der bei den üblichen Medien, Experten und Politikern nicht vorkommt.

America hat es nicht mit EINER Regierung im Iran zu tun. Liu Feng erklärt: »Das System, das das Abkommen unterzeichnet hat, und das System, das die Raketen abfeuert, sind zwei völlig verschiedene Systeme. 31 Provinzkommandos. Jedes autonom. Jedes mit vorab delegierter Startbefugnis … Wenn die eigene Infrastruktur des Gegners den Waffenstillstand nicht durchsetzen kann, existiert er nicht. Die eigentliche Krise hat noch nicht einmal begonnen.“

Was Vice President JD Vance dazu in Budapest sagte, berichtet Boris Kálnoky auf TE: »„Der Präsident hat uns, also mich, Außenminister Rubio und Sondergesandten Witkoff, angewiesen, in gutem Glauben zu verhandeln. Und das werden wir tun. Wenn die Iraner das auch tun, werden wir zu einem Ergebnis gelangen, aber das ist ein großes Wenn.“ Er fügte hinzu, dass es zu der Frage eines Friedens im Iranischen Machtapparat selbst keinen Konsens gebe, es werde also darauf ankommen, wie sich das Ringen widerstrebender Kräfte im Land entwickelt.«

Kanzler Merz sei nun wie BMWi-Reiche „offen“ für eine höhere Pendlerpauschale. Von 38 Cent auf bis zu 45 Cent je Kilometer weiß Bild aus Kanzleramtskreisen. Die Entlastung würde dann im kommenden Jahr im Rahmen der Steuererklärungen bei den Bürgern ankommen. Außerdem sei Merz für Senkung der Stromsteuer. Eine Entscheidung könnte am Sonntag beim Treffen des Koalitionsausschusses fallen. Festhalten wolle Merz an der Benzinpreisregel, wonach Tankstellen seit dem 1. April ihre Preise nur einmal täglich um 12 Uhr anheben dürfen.

Das Demoskometer dürfte danach für den Kanzler schon deshalb keine besseren Werte zeigen, weil beim Koalitionsausschuss ja „hinten“ immer weniger rauskommt als vorne rein.

Die DIHK warnt trotz Waffenruhe im Iran-Krieg vor anhaltenden Lieferproblemen und hohen Energiepreisen der Wirtschaft. Deutschland habe schon vor der Krise mit die höchsten Energiekosten weltweit gehabt: „Stark gestiegene Arbeitskosten und Rekordbelastungen bei Abgaben, Steuern und Bürokratie kommen noch hinzu. Deshalb erwarten wir von der Bundesregierung jetzt nicht nur pragmatische Krisenreaktionen, sondern endlich auch strukturelle Reformen, die unsere Wirtschaft in der Breite entlasten.“

Krisengewinner Staat. Wegen der hohen Benzinpreise hat der Bund im März nach der Analyse des RWI-Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ rund eine halbe Milliarde Euro mehr Mehrwertsteuer eingenommen (Bild). Das tägliche Mehrwertsteuer-Plus durch den Dieselpreis-Anstieg dürfte um gut zwölf Millionen Euro höher gelegen haben. Auf den gesamten Monat gerechnet seien das 360 Millionen Euro. Beim Benzin habe das monatliche Plus bei rund 130 Millionen Euro gelegen. Der Leiter des RWI-Kompetenzbereichs, Manuel Frondel, sprach sich für eine Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Benzin aus. Der Staat dürfe nicht an den steigenden Spritpreisen mitverdienen. Mittelfristig sollte „die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe gänzlich entfallen“. Schließlich verdiene der Staat zunehmend an der „erwartbar steigenden CO2-Bepreisung“ auf fossile Kraftstoffe mit. Es sei „kaum vermittelbar“, wenn dann gleichzeitig auch die Mehrwertsteuereinnahmen des Staates stiegen. Das Klingbeil-Ministerium widersprach der Darstellung des RWI mit einem Gipfel an Bürokratie-Zynismus: Durch die hohen Benzinpreise werde insgesamt weniger konsumiert, was die Mehrwertsteuereinnahmen senke.

Um den Schiffsverkehr im Persischen Golf zu sichern, erwäge die Nato eine Marine-Mission (Handelsblatt). Das also hat Nato-Generalsekretär Rutte von seiner Audienz bei President Trump mitgebracht als Versuch, die Folgen des Nato-Nein bei der Hormus-Straße abzumildern. US-Militärmaschinen an den Golf hatten keine Überfluggenehmigungen erhalten und mussten weite Umwege fliegen. Dazu zählen laut HB vor allem Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich. Die US-Regierung prüft die Verlegung von US-Stützpunkten nach Polen, Rumänien, Litauen und Griechenland.

Laszlo Trankovits schrieb auf TE: »Der US-Republikaner weiß, was schon 2014 Ayatollah Khamenei als Anspruch der islamischen Revolution verkündete: Die Vorherrschaft einer islamisch-klerikalen Elite, zunächst im Nahen Osten und dann global. In dem auf 50 Jahre angelegten Strategiepapier „Islamic-Iranian Blueprint for Progress“ sieht sich Iran als „Vormund und Hüter der muslimischen Welt … und einer neuen Zivilisation.“

In Europa werden die Machtansprüche in der islamischen Welt politisch nicht ernst genommen, der Terrorismus der Islamisten gilt als ein Sicherheitsproblem. Trump sieht das anders. Der Irankrieg dient deshalb nicht nur der Existenzsicherung Israels, sondern auch der westlichen Welt.

„Lange hat Europa zugesehen, wie in Iran ein mörderisches Regime islamischer Fanatiker ein militärisches Arsenal aufbaute, das nicht nur Israel und die USA mit Vernichtung drohte, sondern auch den Nahen Osten auf Dauer zerrüttete. Die Zeit dieser Lebenslüge ist abgelaufen“, schrieb vor kurzem Chaim Noll in der „Neuen Züricher Zeitung“.«

Roland Tichy bei „Talk im Hangar-7“ (Servus TV), 9. April 2026

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8. April 2026

Auch bundesweite Bestrebung

Berlin schränkt Informationsfreiheit ein: CDU und SPD schotten Verwaltung im Eilverfahren ab

Von
Redaktion

Seit 1999 garantiert das Berliner Informationsfreiheitsgesetz den Bürgern das Recht, staatliches Handeln einzusehen, Akten anzufordern und Verwaltungsvorgänge kontrollieren zu lassen. Genau dieses Recht wird jetzt beschnitten. Wie die Berliner Zeitung berichtet, hat der Senat das Gesetz mit Hilfe der Koalition aus CDU und SPD in einem Eilverfahren so verändert, dass weite Teile staatlichen Handelns künftig pauschal der öffentlichen Kontrolle entzogen werden können. Nicht trotz massiver Kritik, sondern im offenen Trotz gegen sie.

Zurück in vordemokratische Zeiten
Koalition will Informationsfreiheitsgesetz abschaffen und Meinungszensur einführen
Der Ablauf allein zeigt schon, worum es hier geht. Nachdem die Abstimmung zunächst wegen Bedenken in der SPD verschoben worden war, fand am 23. März noch eine Expertenanhörung statt. Opposition, 34 Organisationen aus der Zivilgesellschaft und 20.000 Unterschriften warnten vor dem Eingriff. Drei Tage später wurde die Sache dennoch durchgedrückt. Wer so verfährt, will keine saubere Abwägung, sondern ein unliebsames Kontrollinstrument schnellstmöglich stumpf machen.

Besonders brisant für die Koalition ist dabei, was das IFG zuletzt ans Licht gebracht hatte. Per Anfrage von FragDenStaat kam heraus, dass im Zusammenhang mit der Berliner Fördergeldaffäre womöglich bis zu 3,4 Millionen Euro ohne inhaltliche Prüfung und nach parteipolitischen Wünschen verteilt wurden. Unter den Begünstigten war auch ein Verein des CDU-Mitglieds Maral Salmassi, die den Investor George Soros auf X einen „Parasiten“ genannt hatte. Die Affäre beschäftigt inzwischen einen Untersuchungsausschuss. Genau dort, wo Transparenz politisch weh tut, wird sie plötzlich zur Gefahr erklärt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Öffentlichkeit soll ausgeknipst werden
CDU will Bürger nicht mehr informieren müssen und SPD ihre Medien mit Steuergeldern fördern
Als Vorwand für diesen Schritt im Eiltempo dient nun der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar. Der innenpolitische Staatssekretär Christian Hochgrebe sprach von einer „dauerhaft abstrakten Gefährdung“. Künftig können Informationen zur sogenannten kritischen Infrastruktur pauschal zurückgehalten werden. Das klingt technisch und vernünftig, ist in Wahrheit aber ein Einfallstor für eine flächendeckende Geheimhaltung. Denn unter den Begriff der kritischen Infrastruktur fallen laut Katastrophengesetz nicht nur Energie und Telekommunikation, sondern auch Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Medien, Kultur sowie das Finanz und Versicherungswesen.

Damit wird aus einer Ausnahme ein Generalschlüssel zur Auskunftsverweigerung. Sobald eine Anfrage nur irgendwie in einen dieser Bereiche fällt, kann die Verwaltung künftig den Rollladen herunterlassen. Das trifft nicht Randbereiche, sondern fast alles, worüber ein Bürger oder Journalist in einer modernen Verwaltung Auskunft verlangen würde. Selbst ein Fall wie die Berliner Fördergeldaffäre hätte womöglich abgeblockt werden können, weil auch Kultur zur kritischen Infrastruktur zählt. So verwandelt man Informationsfreiheit in eine Fassade, hinter der wieder das alte Amtsgeheimnis regiert.

Von wegen, „Fragen kostet nix“
Bundeswirtschaftsministerium entdeckt neue Erlösquelle: hohe Gebühren für Informationen
Das eigentlich Groteske daran ist, dass die bestehenden Ausnahmeregelungen nach Einschätzung von Fachleuten längst ausgereicht haben. Der auf Informationsfreiheitsrecht spezialisierte Anwalt Christian Partsch beschreibt bei der Berliner Zeitung, die neue Verschärfung mit dem treffenden Bild, man habe schon einen Gürtel und ziehe nun noch Hosenträger dazu an. Mehr noch: Schon jetzt berufe sich die Berliner Verwaltung auf Ausnahmen in einem teils absurden Ausmaß, und Gerichte neigten dazu, selbst abwegigen Argumentationen zu folgen. Wer unter diesen Bedingungen noch weitere Schranken einzieht, will Missbrauch nicht verhindern, sondern Kontrolle verhindern.

Hinzu kommt der offene Wortbruch. Im Koalitionsvertrag war noch ein Transparenzgesetz versprochen worden, also eine Reform in die entgegengesetzte Richtung. Nun heißt es plötzlich, die Anschläge auf das Stromnetz hätten die Lage grundlegend verändert. Nur hat niemand den Standort der Kabelbrücke per IFG Antrag herausgefunden. Das Argument trägt also nicht einmal den konkreten Fall, mit dem die Koalition ihren Eingriff rechtfertigt. Sicherheit dient hier als politische Verkleidung für einen Rückzug aus der Rechenschaftspflicht.

Ausübung unserer Verantwortung
Informationspflichten des Staates als Voraussetzung für Demokratie
Die Berliner Datenschutzbeauftragte Meike Kamp spricht von einem „massiven Rückschritt“ und sieht die Kontrolle staatlichen Handelns erschwert. Vor allem aber beschreibt sie den eigentlichen Kern des Problems: den Rückfall in eine überholte Kultur des pauschalen Amtsgeheimnisses. Genau das ist der Punkt. Hier wird nicht im Einzelfall geschützt, hier wird systematisch verborgen.

Berlin steht damit nicht allein. Auch in Schleswig Holstein, Thüringen und Mecklenburg Vorpommern gibt es Bestrebungen, Informationsfreiheitsrechte einzuschränken. Auf Bundesebene wollte Philipp Amthor das IFG am liebsten ganz streichen. Pikant daran ist, dass ausgerechnet seine Lobbyismus Affäre um Augustus Intelligence einst ebenfalls durch eine IFG Anfrage öffentlich wurde. Immer dann, wenn Transparenz für Mächtige gefährlich wird, wächst in der Politik der Wunsch, sie kleinzuschneiden.

Besonders düster wird das Bild im internationalen Vergleich. Deutschland liegt im weltweiten Transparenzranking des kanadischen Center for Law and Democracy nur auf Platz 127, hinter Ländern wie Uganda, China oder Russland. Statt diesen Befund als Warnsignal zu begreifen, marschiert Berlin weiter in die falsche Richtung. CDU und SPD haben der Hauptstadt keine Sicherheitsreform verordnet, sondern eine Abschottungsreform. Der Bürger soll weniger sehen, weniger fragen und am besten gar nicht erst erfahren, was hinter den Türen der Verwaltung geschieht. Genau so beginnt der Staat, sich wieder vor seinen Bürgern zu verstecken.

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8. April 2026

Exklusive Recherche

Sendet die Tagesschau Propaganda der Mullahs? Eine Spurensuche

Von
Katharina Schmieder

Am Ostermontag, den 6. April, strahlte die Tagesschau in der 20-Uhr-Ausgabe einen Bericht über eine Iranerin in Teheran aus. Dieser wurde in gekürzter Fassung im Morgenmagazin wiederholt. Die Protagonistin schildert, dass sie zurückgezogen in ihrer kleinen Kellerwohnung leben würde. Sie sei sehr besorgt wegen der Bombardierungen und gehe nur noch vor die Tür, um ihren Hund Gassi zu führen.

Bei der Protagonistin handele es sich laut Tagesschau um eine 45-jährige Lehrerin einer Privatschule, die aber wegen des Krieges derzeit nicht arbeiten würde. Später zückt sie ihr Mobiltelefon und scrollt in einem Messenger. Angezeigt wird ein Post von Donald Trump, der vermutlich aus „Truth Social“ stammt, seinem sozialen Netzwerk. Die Protagonistin erklärt, dass sich Trump auf eine sehr herablassende Weise über die iranische Bevölkerung äußern würde. Dies mache sie sehr wütend. Sie bezieht sich auf die Androhung Trumps von Bombardements, sollte der Iran die Straße von Hormus weiter blockieren.

Skeptische Posts in sozialen Netzwerken

Der Beitrag erzeugte gleich nach seiner Ausstrahlung in der Summe seiner vielen Unstimmigkeiten ein massives Störgefühl und befeuerte Spekulationen und Vorwürfe der Zuschauer in sozialen Netzwerken. Zahlreiche Exil-Iraner äußerten, dass es sich bei dem Tagesschau-Beitrag um Propaganda des iranischen Regimes handeln könne. Die Protagonistin werde bewusst westlich inszeniert, um Nähe und Sympathie beim deutschen Publikum zu erzeugen, kommentierten die Nutzer. Die Botschaft laute, Trump ist der Feind und nicht das Mullah-Regime, welches über Jahrzehnte die Menschen, insbesondere die Frauen, brutal unterdrückt hat.

Die ARD erklärte später, dass der Beitrag aus dem Studio Teheran stamme und dieser sorgfältig nach journalistischen Standards produziert worden wäre.

Eine Überprüfung der angezweifelten Details des Beitrags zeigt, dass die Erzählung der Tagesschau weiterhin viele Fragen aufwirft.

Der Internet-Blackout

Viele Nutzer fragen sich, wieso hat ausgerechnet diese Lehrerin Zugang zum Internet. Wegen des Internet-Blackouts seit dem 28. Februar ist der ungehinderte Zugang ins Netz derzeit nur Funktionären des Regimes vorbehalten. Die Bevölkerung kann lediglich staatlich genehmigte Inhalte nutzen.

Dieser Umstand wird im Beitrag nicht thematisiert oder klargestellt, welche Inhalte bzw. Apps die Protagonistin abruft. Eine Recherche zeigt, dass die Lehrerin offenbar den „Bale“-Messenger nutzt. Die App gehört zum „Nationalen Internet“ im Iran, die von Behörden empfohlen wird. „Bale“ wird als Messenger und für Finanztransaktionen genutzt. Die App funktioniert auch während Ausfällen. „Bale“ ist staatlich kontrolliert und somit kann Kommunikation mit dem Ausland eingeschränkt werden.

Die Wohnung

Zahlreiche Nutzer wunderten sich, dass der Einrichtungsstil nicht wirke, als würden diese Räumlichkeiten von einer ganz normalen Frau aus dem Volk bewohnt. Die dunklen, stark abgenutzten Möbel erinnern eher an eine Junggesellenbude. Auffällig sind die E-Gitarren, die an der Wand drapiert sind. Im Hintergrund lehnt ein Koffer eines Musikinstrumentes an der Wand, daneben ein Trolley.

Zudem bemerkten Nutzer, dass es sich bei der Tür, die eingangs zum Beitrag im Bild zu sehen ist, nicht um eine übliche Wohnungstür handeln würde, sondern eher um eine Spezialanfertigung, wie sie in „Safe Houses“ verbaut würden. Ebenso wäre es üblich, dass in der Wohnung einer Lehrerin ein Schreibtisch, Rechner und Bücher zu finden wären – doch Derartiges taucht im Beitrag nicht auf.

Der Hund „Kiko“

Im Mai 2019 berichtete der ARD-Weltspiegel darüber, dass Hunde aus der iranischen Öffentlichkeit verbannt wurden. Werden Hundehalter beim Gassigehen erwischt, können die Tiere konfisziert werden. Der aktuelle Tagesschau-Beitrag verliert keine Silbe darüber, dass Hunde „haram“ sind, also als schmutzige Tiere im Islam gelten. Dass im Iran eine kurze Runde im Park mit Hund nicht ganz unproblematisch verlaufen kann, wird ebenfalls nicht thematisiert. Das ließ einige Tagesschau-Zuschauer zusätzlich stutzig werden.

Weiße Terrier scheinen überaus beliebt bei den Iranern. So tauchte ein sehr ähnlicher Hund in einem Propaganda-Clip auf. Ebenso als die Süddeutsche Zeitung im August 2022 über ein Gassigehen-Verbot berichtete, zeigte das Titelfoto einen weißen Terrier.

Eine Spurensuche führt in die Rocker-Szene

Im November 2019 nimmt die Protagonistin an einem Treffen mit iranischen Musikern teil. Zu diesem Zeitpunkt trägt sie ein Kopftuch, das die vordere Haarpartie frei lässt. Die anderen Frauen in der Runde verzichten auf jede Form der Haarbedeckung.

In dem Tagesschau-Betrag trägt die Protagonistin ihr Haar zu einem strengen Knoten gebunden und sie zeigt sich durchgehend ohne Kopftuch, auch beim Gassigehen mit ihrem Hund in der Öffentlichkeit.

Der Instagram-Account oben gehört iHT, einer Organisation aus der Musik-Szene. iHT ist ein Label, welches Konzerte organisiert und Künstler aus der Rock- und Rapszene promotet. Handelt es sich bei der Wohnung, in der gedreht wurde, um einen Proberaum? Ist die Wohnung eine Art privater Club oder ein Treffpunkt für die Musikszene? Dies würde wiederum die vielen E-Gitarren an der Wand und weitere Hinweise auf Musikinstrumente und den eher unpersönlicheren Charakter erklären, der von Räumlichkeiten ausgeht, die von vielen Menschen genutzt werden.

In dem Raum gibt es zahlreiche Sitzmöbel wie Stühle, Hocker und ein Sofa. Für eine Single-Wohnung erscheint das etwas überdimensioniert. Falls der Raum aber von mehreren Musikern genutzt wird, die zusammen spielen wollen, wäre die Ausstattung passend. Auch die lose an der Wand lehnende Matratze fügt sich in dieses Bild, falls diese nach langen Probenächten für eine provisorische Übernachtungsmöglichkeit genutzt wird.

Die Sofa-Füße bestehen aus Blöcken, auf denen das Logo „5grs“ steht. Es ist das Logo einer Trash-Metal-Band. Der Instagram-Account der Band ist auf dem Gruppenfoto verlinkt, auf dem die Protagonistin mit Hijab abgebildet ist.

Falls der Raum von Musikern genutzt wird, würde dies wiederum auch die massive Tür erklären. Ein iranischer Anbieter für Türen bietet ein sehr ähnliches Modell an. Oftmals werden diese Art von Türen als eine Kombination vor Diebstahl und Lärm vermarktet, da diese über eine mehrlagige Isolierung und einen Stahlkern verfügen.

Störgefühl der Tagesschau-Zuschauer

Die Spurensuche zeigt, dass die Tagesschau wichtige Details nicht erwähnt oder erklärt hat. Es wäre wünschenswert und wichtig gewesen, dass die Macher in diesem Kontext ein, zwei Sätze zu den aktuellen Nutzungsmöglichkeiten des Internets gebracht hätten. Beispielsweise, dass die Protagonistin den staatlichen Messenger nutzt, weil andere Apps nicht funktionieren.

Ebenso, dass der Beitrag offenbar nicht in ihrer Wohnung, sondern in einem Proberaum gedreht wurde. Interessant wäre auch gewesen, wie Hundehalter ihren Alltag im Krieg oder generell bestreiten, wenn Gassigehen in der Öffentlichkeit seit Jahren unerwünscht ist. Beiträge dieser Machart tragen keineswegs dazu bei, das erodierte Vertrauen in ARD & ZDF wiederherzustellen.

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