Jörg Thadeusz zu Daniel Günther (CDU): „Dann geh doch zu den Grünen!“

„Dann geh doch zu den Grünen, Mann!“ Jörg Thadeusz trifft Daniel Günther mit einem Satz ins Mark. Denn der CDU-Mann liefert seit Jahren die Vorlage dafür: immer neue Forderungen nach Verboten, Eingriffen und Erziehungsreflexen.

IMAGO

Jörg Thadeusz ist auch sonst nicht für Schonung bekannt. Genau das macht ihn in der stromlinienförmigen Welt des öffentlich-rechtlichen Betriebs, die die Oberen vor Kritik an den Folgen ihrer desaströsen Politik für das Land abschirmt, zu einer Ausnahmefigur. Er hat Jan Böhmermann vorgeworfen, Satire brauche „eine gewisse Noblesse“, statt sich des „Stils der Gosse“ zu bedienen. Er hat den Grünen den moralischen Heiligenschein abgesprochen. Und er hat die SPD als Partei beschrieben, die sich mit ihrem destruktiven Innenleben selbst am gründlichsten schadet. Thadeusz redet nicht wohlgefällig am Betrieb entlang. Er sagt, wenn ihm ein politischer Typus auf die Nerven geht.

Genau deshalb sitzt seine Abrechnung mit Daniel Günther so präzise. Sie fällt nicht aus dem Nichts. Sie macht ein bereits lang sichtbares Muster sichtbar: Kaum eine Woche vergeht, in der der schleswig-holsteinische CDU-Politiker nicht mit der nächsten Forderung nach Verboten, staatlichen Eingriffen, Sperren oder Lenkung um die Ecke kommt. Seit 2025 versucht Günther, das Social-Media-Verbot für Jugendliche durchzuboxen. Im März 2026 drang er erneut darauf und warnte, ohne Eingreifen führe man die Gesellschaft „in den Abgrund“. Das ist nicht der Ton eines bürgerlichen Ministerpräsidenten, der auf Erziehung durch Eltern, Schule und Verantwortung setzt. Das ist der Ton eines totalitären Mindsets, das immer zuerst an Zugriff denkt.

Nur wenige Tage später legte Schleswig-Holstein im Bundesrat nach. Günther stellte eine Initiative vor, die auf eine deutliche Senkung des Zuckergehalts in Softdrinks zielt und zugleich eine gesetzliche Altersgrenze von 16 Jahren für Energy Drinks fordert. Der Staat soll also nicht nur mahnen, sondern verteuern, begrenzen und regulieren. Der Bürger erscheint in diesem Denken nicht als freier Erwachsener, sondern als dauernd zu beaufsichtigender Fall.

Es ist exakt dieser Reflex, den Thadeusz aufspießt. Er erzählt von seiner Kindheit als „dicker Junge“, vom Kiosk der Großmutter, von Süßigkeiten, Comics und einem kleinen Rest unreglementierter Freiheit. Von dort schlägt er den Bogen zu dem kleinen CDU-Politiker Daniel Günther, der den Menschen nun selbst in solche Alltagsräume hineinregieren will.

Erst vor diesem Hintergrund entfaltet Thadeusz’ Satz seine volle Wucht. „Dann geh doch zu den Grünen, Mann!“ ist die politische Summe einer langen Kette von Erziehungsreflexen. Günther trägt zwar noch das Parteibuch der CDU, aber seine politischen Instinkte liegen längst dort, wo die Grünen seit Jahren zuhause sind: beim moralisch aufgeladenen Eingriff in den Alltag, bei der Lust auf Beschränkung, bei der Vorstellung, der Staat müsse die Menschen vor sich selbst retten. Thadeusz spricht hier aus, was viele schon lange sehen. Günther ist kein Gegenentwurf zur grünen Verbotspartei. Er ist ihre Fortsetzung in Schwarz.

Thadeusz belässt es in der Pioneer-Runde aber nicht bei Zucker, Kiosk und Alltagslenkung. Er trifft Günther noch an einer zweiten Stelle, und dort wird der Befund erst recht vernichtend. Während dieser CDU-Politiker den Leuten erklären will, was sie trinken sollen, wurde in Schleswig-Holstein ausgerechnet am Geschichtsunterricht der Oberstufe gesägt. Gegen die geplante Kürzung einer Unterrichtsstunde in der Einführungsphase regte sich so massiver Widerstand, dass eine Petition beim Landtag eingereicht wurde. Schon der Gegenstand der Petition ist eindeutig benannt: Erhalt der bisherigen Stundenzahl im Fach Geschichte in der Oberstufe. Genau daraus baut Thadeusz seine böse Pointe: Günthers Politik führe zu „ganz schlanken Kindern, die ein bisschen doof sind“. Der Satz trifft im Kern, weil er den ganzen Irrsinn aufdeckt. Beim Zucker herrscht Furor. Bei Bildung und Urteilskraft kommt der Rotstift.

Günther steht für eine CDU, die sich an zentralen Stellen von ihrem bürgerlichen Kern komplett entfernt und entkernt hat. Früher hätte eine Union damit geworben, dass Eltern erziehen, Lehrer bilden und der Staat sich auf das Nötige beschränkt. Heute liefert ein prominenter CDU-Ministerpräsident eine endlose Folge von Vorstößen, die alle demselben Muster folgen: Social Media sperren, neue Medien am besten verbieten, Zucker verteuern, Energy Drinks beschränken, Parteiverbote vorantreiben, den öffentlichen Raum weiter reglementieren. Das ist Politik aus dem Misstrauen gegen den Bürger.

Hinzu kommt der politische Stil. Günther verkauft diese Vorstöße gern als Fürsorge, Vernunft oder Schutz. Der Eingriff tritt nicht offen als Eingriff auf, sondern als moralisch veredelte Pflichtübung. Wer widerspricht, gilt schnell als verantwortungslos. Wer Freiheit verteidigt, wirkt plötzlich wie ein Störenfried. So hat sich der grüne Politikstil durch die Union gefressen. Nicht mit Bannern und Parolen, sondern mit denselben Vokabeln von Gesundheit, Prävention, Haltung und gesellschaftlicher Verantwortung. Am Ende steht dieselbe Logik: Der Staat weiß es besser.

Darum trifft Thadeusz Günther nicht nur persönlich, sondern typologisch. Er beschreibt einen Politiker, der seine Partei äußerlich noch repräsentiert, innerlich aber längst auf einem anderen Feld spielt. Die CDU soll nach außen schwarz wirken, regiert aber immer öfter wie ein Verwaltungsarm grüner Pädagogik. Das ist der Grund, warum dieser eine Satz so hängen bleibt. „Dann geh doch zu den Grünen, Mann!“ ist das knappe Urteil über einen CDU-Politiker, der bei jedem Thema dort landet, wo Freiheit schrumpft und der Staat wächst.

Thadeusz hat Günther damit in einem Halbsatz erledigt. Er hat Günther nicht nur kritisiert. Er hat ihn eingesargt. Wer einmal als schwarzer Grüner erkannt und markiert ist, wird diesen Stempel nicht wieder los.

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Kommentare ( 57 )

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Jan Frisch
14 Tage her

Jörg Thadeusz ist ja ohnehin schon lange Legende: Als er mit Christian Drosten im Gespräch meinte, ob man sich nun eine Maske zum Schutz aufsetzen müsse, meinte dieser (kurz vor der staatlichen, totalen Panikmache):
„Nein, damit hält man das nicht auf.“ Thadeusz ist also länger ein stiller Ankläger.

Raul Gutmann
14 Tage her

Ein interessanter Artikel, der nicht so recht zu Herrn Thadeusz‘ Lebenslauf passen will, wie ihn Wikipedia ausweist.
Doch bekanntlich soll Gott sich mehr über einen Sünder freuen, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte (Lukas 15,7)

Monostatos
14 Tage her

Mag schon sein, dass Günther „eingesargt“ wurde. Solange so viele, apathische, vermutlich schon Hirntod Wählerinnen und Wähler nach wie vor solche Untoten wählen, wird sich nichts zum Besseren wenden.

yeager
14 Tage her

Außer einem gelegentlichen markigen Spruch ist von den konservativen Standpunkten der CDU nichts übrig geblieben. Die CDU ist längst von Günther und seinesgleichen kontrolliert. Deshalb kann er solche Kritik auch einfach ignorieren. Der macht seine Vorstöße ja nicht im luftleeren Raum, er dient nur als Speerspitze einer linksgrün gewendeten CDU, die zur Not auch ausgetauscht werden kann, aber bisher hat er ja nicht mal ernsthaft Gegenwind bekommen. Es ist schon armselig, wenn sich die konservative Politik der CDU, der gesamte Widerstand gegen das innerparteiliche grün-links, sich auf einen solchen Kommentar beschränkt. Aber klar, CDU-Wähler müssen sich damit zufrieden geben, mehr… Mehr

Ralph Martin
14 Tage her

Menschen fassten ihre Gemeinschaften in Staaten zusammen, um Dinge zu erledigen die Alleine unmöglich oder schwieriger darzustellen sind: innere und äußere Sicherheit, Bildung, Infrastruktur, Rechtsrahmen, usw.
Während das Parteienkartell „unserer Demokratie“ die essentiellen Staatsaufgaben vernachlässigt und ignoriert, versucht es neu den Menschen die Dinge abzunehmen die sie sehr gut alleine geregelt bekommen.

Kaltverformer
14 Tage her

Die CDU wurde von den Linksgrünen unterwandert und die alters senilen Wähler der CDU merken es noch immer nicht.

Karl Renschu
14 Tage her

Mit dem CDU-Parteibuch ist er doch bei den Grünen…

Juergen P. Schneider
14 Tage her

Der leichenblasse Schwätzer aus dem hohen Norden ist symptomatisch für den Zustand des Merkel-Merz-Klatschhasenvereins. Wer mit solchen Figuren Politik betreibt, braucht sich nicht über sinkende Akzeptanz in der Wählerschaft zu wundern. Es spielt eigentlich beim links-grünen Bankrottkartell keine Rolle, wer da in welcher Partei seine kruden und wirren Vorstellungen unter die Leute bringt. Die große ökosozialistische Einheitspartei Deutschlands, gebildet aus Union, SPD, SED und Grünen, hat sowohl argumentativ als auch personell nichts mehr zu bieten. Auf einen Versager mehr oder weniger kommt es da nicht mehr an.

Nibelung
14 Tage her

Die Schwarzen hatten schon immer ihre linken „Bazillen“ in den eigenen Reihen, die sich aus der Soziallehre der katholischen Kirche heraus entwickelten und die Protestanten ähnliche Gedanken in sich tragen, weil sie von Haus aus schon immer Revoluzzler waren, mit alle ihren bigottischen Unterarten und selbst der Sohn Gottes, wie er sich selbst nannte, ähnliche Eigenheiten in sich getragen hatte, bis es den Juden und den Römern zuviel wurde und sie ihn vernichtet haben. Diese ganze Entwicklungen sind keine Zufälle sondern vereinigen im Grunde genommen alle Linken im gleichen Glauben, denn die sehen überall nur Verfolgte und so wie der… Mehr

Wolfgang Schuckmann
14 Tage her

Günther wird in den Gezeiten der Geschichte verschwinden. Schon immer gab es mehr Ketten als böse Hunde und das wird er über kurz oder lang erfahren. Wenn ein solcher eine Causa Lanz hinter sich hat, wie der, dann muss er sich sicher sein, dass ihn das Politikerschicksal ereilen wird.
Dieser Herr wird verschwinden und das Volk wird’s verwinden .

Hendo Renka
14 Tage her
Antworten an  Wolfgang Schuckmann

Die Hoffnung stirbt zu letzt!

Don Didi
8 Tage her
Antworten an  Wolfgang Schuckmann

Das mag sein, das Problem ist aber ein anderes. Verschwinden wird nicht der Ministerpräsident von SH, verschwinden wird nur der Darsteller, der die Rolle ausführt. Wenn man den Darsteller austauscht, ändert sich die Rolle nicht.Ist ja in der Bundesregierung oder der EU nicht anders. Erst, wenn sich durch äußere Umstände das gesamte Stück ändert, ändern sich manchmal auch einzelne Rollen und werden von Personen besetzt, die diese neu definierte Rolle ganz anders ausfüllen können Für Deutschland würde ich behaupten, es hilft nichts, wenn einzelne (oder alle) Darsteller ausgetauscht werden, Drehbuschschreiber und Regisseur müßten ausgetauscht werden, die sitzen aber nicht in… Mehr