Die Sprengung der Ostsee-Pipeline ist eine der folgenschwersten und in der Auswirkung teuersten Sabotage-Aktionen der Geschichte. Das Buch darüber läßt jeden Krimi alt aussehen und ist spannender als alle fiktiven Bestseller – und damit erschreckender.
Es war ein Ausraster eines jovialen, noch immer höchst einflussreichen deutschen Regierungsvertreters, der mich dazu veranlasst hat, dieses Buch zu Rate zu ziehen. Auf einem gesittet verlaufenden Treffen eines Harvard-Clubs verwandelte sich das joviale Lächeln des Ex-Diplomaten in eine Fratze, und er brüllte eine scheue wie höfliche Fragestellerin nieder.
Sie hatte sich als Professorin vorgestellt und sich erlaubt, darauf hinzuweisen, dass die Nordstream-Pipeline, und damit eine wichtige Versorgungsleitung für die deutsche Industrie, von ukrainischen Spezialkräften gesprengt worden sei.
Der feine Herr Diplomat mit seiner stolz vorgetragenen Kenntnis des Völkerrechts hatte das sehr brüsk zurückgewiesen. Den Anwesenden fehlten die Worte sowie die Details, und das wusste er. Die moralische Überlegenheit der Ukraine auch nur ansatzweise in Frage zu stellen bedeutet: Man stellt sich auf die Seite Putins – und wird damit zu Unperson.
Dabei gibt es einen beklagten ukrainischen Offizier, der auf sein Verfahren in Hamburg wartet; die Beweise sind erdrückend. Das gesamte Team konnte ermittelt werden.
Deutsche Medien hatten das schon rein technisch zunächst für unmöglich erachtet. Es ist eine der folgenschwersten Geheimdienstoperationen mit einem unermesslichen Schaden sowohl für Deutschland wie auch für Russland. Wie auch immer der Krieg ausgehen wird – es sind ungeheuerliche Schäden aufgetreten.
Die Wirklichkeit ist spannender als das, was sich Krimi-Autoren so ausdenken. Pancevskis Buch liest sich wie eine gekonnte Imagination. Er stellt Dutzende von hochrangigen Persönlichkeiten vor; manche, wie den Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, mit Klarnamen. Die ukrainischen Geheimdienstler mit fantasievollen Tarnnamen. Er schildert minutiös, wie ein Haufen Verrückter und eine Frau das Unmögliche durchziehen. Er schildert aber auch die Verwicklungen im Hintergrund. Er beleuchtet das Innenleben der Ukraine, mit Sympathie für ihren Kampf gegen den übermächtigen Gegner, aber dennoch distanziert und kritisch.
Die Ukraine erscheint als loses Konglomerat von Privatunternehmen, die sich einen Staat und diverse Privatarmeen leisten. Pancevski beschreibt die Kämpfe innerhalb der ukrainischen Macht- und Milliardärs-Cliquen; wie Selenskij taktiert und seine Gegner agieren, die Verantwortung einander zuschieben und leugnen. Er zeigt auch die widersprüchlichen Verhaltensweisen der Deutschen: Sie lassen sich ihr industrielles Milliardenvermögen zerstören und werden trotzdem zum zweitwichtigsten Unterstützer der Täter. So viel Selbstlosigkeit, oder so viel Masochismus, vielleicht sogar Gegnerschaft zu den Interessen des eigenen Volkes gibt es selten zu besichtigen. Das Schwarze ist nicht schwarz bei Pancevski, die Wahrheit eine Frage des Standpunktes, die Wirklichkeit eine künstliche Projektion auf einer Leinwand, die jederzeit auch wieder eingerollt werden kann.
Liebevoll schildert der Autor an diesem Fall, wie wir alle, die wir allenfalls zum Schnorcheln im Mittelmeer fähig sind, aber nicht zu Tauchgängen in menschenfeindlichen Tiefen, wie wir Harmlosen vor dem Herrn längst alle eine riesige Schleppe von digitalen Spuren hinter uns herziehen; im Netz, bei Geschwindigkeitskontrollen, Grenzübertritten, beim Buchen der Autobahnmaut, mit dem Handy, mit Kreditkarten und ungewollten Porträts auf Facebook. Alles wird zur Falle, zum Ansatzpunkt für Ermittler.
Er zollt der deutschen Polizei Respekt, dass sie in der Lage war, die Tat aufzuklären und wenigstens einen der Täter festzusetzen. Und das, obwohl die Bundesregierung lieber wegschaute, Polen die Täter aktiv unterstützte, Schweden und Dänemark schwiegen und die allmächtige CIA sich lieber mit Diversitätstraining befasste statt mit der Verhinderung des Vorhabens, das selbst die USA zeitweise ablehnten.
Pancevski beschreibt die Schattenkrieger, die unser Leben beherrschen und in allen Lagern tätig sind, aber nur selten sichtbar. Es sind auch die jovialen Schattenkrieger, die harmlos daherkommen und die Narrative derjenigen verbreiten, die weniger den Frieden als den Konflikt befördern, aber natürlich das Gegenteil behaupten.
Bojan Pancevski. Die Nord-Stream-Sprengung. Die wahre Geschichte der Sabotage, die Europa erschütterte. Harper Collins Verlag, Hardcover, 368 Seiten, 22,00 €




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Wenn die Leute, die sich mit Tauchen und Sprengungen dieser Größenordnung auskennen, nicht alle falsch liegen, ist die „Segelyacht“-Story eine Finte. Weil technisch eigentlich unmöglich, auch wenn die Ukraine sonst ziemlich erfinderisch ist, in ihrer Bosheit und Verschlagenheit, sollte man ihr nicht Dinge zuschreiben, die physikalisch unmöglich sind. Niemand taucht mit „Hobbytauchausrüstung“ mal eben 80 Meter tief und sprengt dort „mit ein paar Böllern“ eine Pipeline. Im Grunde ist egal, wer genau es war, man weiß, wer das anstrebte, wem es Nutzen brachte, und wer die Geschichte, von wem auch immer durchziehen ließ. Das war ein ganzes Konglomerat von Einzelinteressen,… Mehr
Sehr geehrter Herr Rosenstiel, daß solch luzide Beiträge wie der Ihre nahezu unreflektiert im medialen Raum verklingen, stellt der sich als aufgeklärt empfindenen Gesellschaft ein Armutszeugnis aus.
Wobei jenes Verdikt durch die historische Erkenntnis »Mundus vult decipi, ergo decipiatur« zwar erklärt, aber nur unwesentlich gemildert wird.
Hochachtungsvoll
Tatsächlich dürften wir Fußvolk alle nichts wissen. Aber woran wir uns erinnern dürften ist der Aufschrei der Ukraine, dass sie Transitgebühren infolge des Pipelinebaus verlieren. Ich fragte mich: Wie kann man darauf eine Art Anrecht erheben? Das war vor diesem unseligen Krieg.
Alles reine Spekulation.Wer auch immer die Pipeline sprengte, wollte Putin enorm schaden und Deutschlands Energieversorgung herunterdrosseln.
Biden kündigte das Ende der russischen Gasversorgung an, und wer von den Profiteuren letztendlich die Tat ausführte, ist unwichtig.
TATSACHE ist, daß „ wir alle hinter das Licht geführt – und beobachtet werden“.
Vielleicht wird der Pipeline-Krimi verfilmt. Flottomir übernimmt sicher gerne die Hauptrolle.
Sicher ist: Wir brauchen für’s Land eine Partei, die nach so einem Anschlag das Täterland verurteilt und nicht mit Multimilliarden zuschüttet.
Das Forum fällt ein zurecht vernichtendes Urteil über das Buch und den Beitrag. Der Versuch, uns in einem alternativen Medien irgendwelche Ami-Propagandastorys unterzujubeln ist und bleibt hochgradig widerlich. Wenn wir den Alternativen nicht mehr glaube können, müssen wir uns die nächsten Alternativen suchen. Soll das etwa ewig so weitergehen??
Gemessen an der „Achse“ (im Kern eine Veranstaltung von BRD-Altlinken, der ich inzwischen adieu gesagt habe), bleibt TE ein Leuchtturm im alternativen Ozean. Wie bei Parteien kann man nicht erwarten, dass einem immer alles zu 100% in den Kram passt. Aber die Mischung der Autoren stimmt und die neu dazugekommenen schreiben mit erfrischender Schärfe. Dass Meister Tichy selbst als Chef vom Janzen sich bisweilen eher zurückhaltend gibt, kann ich verstehen – es gibt genügend oppositionelle Vielfalt auf seiner Plattform. Außerdem haben wir noch Leute wie Wallasch (keine Berühungsängste in blauer Hinsicht), Danisch (oft etwas schräg und selbstbezogen, aber herrje es… Mehr
Sehr geehrter Herr „Lucius de Geer“, leider bringt das Forum Ihrem intellektuell wie politischen substantiellen Beitrag spiegelbildlich wenig Beachtung oder gar Wertschätzung entgegen.
Hochachtungsvoll
@tichys Einblick Wie haben die denn die Dekompressionskammer für die Taucher auf das Segelboot bekommen?
Und dann auch noch den Sprengstoff dazu..
Das muss eine riesige Yacht gewesen sein oder was war es? Wenn ich allein an das Gewicht der Dekompressionskammer denke..
Nun ja, mal abgesehen davon, dass auch mich das Buch und dieser Artilel nicht überzeugen und das auch ich hier bezüglich der -nicht wirklich genannten- Beweise und Fakten meine starken Zweifel habe, so möchte ich dann aber dennoch auch mal anmerken, dass bei einen solchen Tauchgang nicht unbedingt eine Dekompressionskammer vorhanden sein muß wenn dann beim auftauchen entsprechend (stunden-)lange Zwischenstopps zur Dekompremierung eingelegt würden. Letzteres wäre zwar nicht sehr professionell und besonders auch bei irgendwelchen unvorhersehbaren Zwiscnen-/Vorfällen für die Taucher lebensgefährlich und es wäre auch kontraproduktiv wenn hier schnell gearbeitet werden müßte, doch grundsätzlich sollte hier auch „Ohne“ vorgegangen werden… Mehr
? Was für eine Dekompressionskammer? Sowas braucht man für technisches Tauchen nicht. Und zwar wegen der obligatorischen Dekompressionsstopps beim Wiederaufstieg. Eine Druckkammer braucht man nur bei Dekompressionskrankheit. Zwar ist eine Druckkammer bei kommerziellen Tauchgängen häufig vorgeschrieben, aber daß sich Taucher bei einer solchen Aktion an Beamtenvorschriften halten, werden wohl auch Sie nicht annehmen, oder? 😉
Der ukrainische Offizier ist das was man angeblich „limited hangout“ nennt: man kann bestimmte Dinge nicht mehr leugnen Fanny gibt man eine Teil zugeben um den Rest unsichtbar zu machen.
Zu disem Artikel sag‘ ich lieber nichts.
Warum?
Ganz einfach:
es gibt zahlreiche, öffentlich zugängliche und verbreitete, vor allem aber verifizierbare Fakten und Aussagen zum Vorgang und seinem motivierten Umfeld.
Es gibt die Recherchen eines Seymour Hersh.
Täterschaft bedeutet nicht Auftraggeberschaft.
Und zu allem Überfluss kommt zur Segelbootstory noch ein Blitzerfoto hinzu.
Man fasst es nicht…..
Wo soll da jetzt das besondere sein? Es waren nicht die Russen, sondern die Ukrainer? Na und?
and so what? – sie wurde gesprengt. Wer es war ist irelevant für die Fakten.
Die Ukraine hat einen berechtigte strategischen Selbstverteitigung Grund dazu, gegen den monstruösen Verbrecher Putin.
Die Schlussfolgerungen die hier im Artikel gezogen werden sind eifach nur lächerlicher Klamauk für Verschwörungsthesen auf Kindergartenniveau.
Schauen Sie sich mal in der Mediathek des Bundestages die Parlamentssitzung vom 21.Mai 10:05 Uhr :Untersuchungsausschuss Nordstream an. Dann brauchen Sie hier nicht auf dem Niveau, ich weiß auch was, herumplappern.
Weder Polen, noch die USA, noch die Ukraine und viele andere hatten und haben ein Interesse an einer direkten Gasleitung von Russland nach Deutschland.
Erstens weil der Ukraine und Polen dann viele Euros Durchleitungsgebühren entgehen, viel wichtiger ist aber das Deutschland mit den Nordstream Leitungen der mächtige Hegemon in West Europa würde und zudem das natürliche Bündnis zwischen Russland und Deutschland Fahrt aufnehmen würde.
Das durfte und darf nicht geschehen.
Um das zu verhindern nimmt man sogar einen Krieg mit hunderttausenden Opfern in Kauf.
> Er zeigt auch die widersprüchlichen Verhaltensweisen der Deutschen: Sie lassen sich ihr industrielles Milliardenvermögen zerstören und werden trotzdem zum zweitwichtigsten Unterstützer der Täter. So viel Selbstlosigkeit, oder so viel Masochismus, vielleicht sogar Gegnerschaft zu den Interessen des eigenen Volkes gibt es selten zu besichtigen.
Man müsste damit anfangen, Tacheles über die Bandera-Neonazis mit unzähligen Kriegsverbrechen zu reden. Bisher gibt es in Westeuropa Zuviel Ukro-Propaganda.