Berlin: Ukrainische Schülerin wird gemobbt – die Täter stammen aus Syrien und Afghanistan

An einem Berliner Gymnasium wird eine Ukrainerin zum Opfer von Mobbing, Beleidigungen und Nazi-Anspielungen. Die Haupttäter: ein Syrer und ein Afghane, jeweils mit deutschem Pass. Nebentäter: Lehrer, die wegschauen. Der Fall zeigt, dass man die unifokale Brille „gegen rechts“ gelegentlich auch mal absetzen sollte.

picture alliance / Zoonar | Maruta Dmitri

Erika ist ein „kleines Blümelein“, das auf der Heide blüht, aber zugleich ein Mägdelein, das „in der Heimat“ geblieben ist. Aber auch das Herz der Erika-Heidepflanze soll „voller Süßigkeit“ sein und steht offenbar nur für das Mädchen. Das Marschlied von 1938 erregt neuerdings wieder Aufsehen, weil Schüler es teilen. Lehrer wollen es gerne verbieten, obwohl es nicht illegal ist. Die Pädagogen wittern eine rechte Verschwörung hinter dem Social-Media-Trend. Aber die neueste Wendung haben wohl die wenigsten von ihnen vorhergesehen.

Denn das Erika-Lied ist auch in einen Fall letztlich wohl rassistischen oder nationalistischen Mobbings verquickt. Doch in dem Fall heißen die Täter „Zayn“ und „Emir“, sind 13 und 14 Jahre alt, und wie die geänderten Namen sagen, stammen die beiden aus Syrien und Afghanistan. Sie und weitere Schüler mobbten ein ukrainisches Mädchen an einem Gymnasium in Berlin-Reinickendorf. Und es macht irgendwie den Eindruck, dass die überwältigende Mehrheit der Klasse neben der Ukrainerin Milana (Name geändert) ebenfalls Migrationsgeschichte haben, aber eine andere. Das trennt.

Aber es ist nicht nur das historische Liedgut, das für Stirnrunzeln sorgt. Milana wurde vermutlich wirklich gemobbt. Von Zayn oder „in dessen Auftrag“ wurde sie als „du Fotze“ beleidigt. Dafür gab es einen Euro, erklärt Milana das delegierte Beleidigungsverfahren. Ein Junge habe zum anderen gesagt: „Wenn du sie Fotze nennst, dann bekommst du von mir einen Euro.“ Ein Gymnasium, man erinnert sich, war früher ein Ort der Bildung.

Auch Zuwanderer können Rassisten sein

Dann wieder riefen der Syrer Zayn und der Afghane Emir „Ausländer raus!“, sobald sie Milana sahen. Man könnte das als ironischen Kommentar zur Lage – ihrer eigenen und überhaupt – werten. Denn die beiden Schüler haben den deutschen Pass bereits und gelten damit nicht mehr als Ausländer, die Ukrainerin schon. Und damit sei sie aus Sicht der Syrien- und Afghanistanstämmigen eine „Ausländerin zweiter Klasse“, glaubt Milana. Zayn und Emir fühlen sich ihr überlegen.

Aber beruht das Überlegenheitsgefühl wirklich auf dem Pass oder ist da noch etwas anderes? Islamischer Suprematismus vielleicht. Dazu würde passen, dass niemand in der Klasse Milana beigesprungen ist. Vielmehr berichtet sie, dass die anderen Schüler dem Treiben zugeschaut und die „Täter“ sogar noch verteidigt hätten. Also wirklich Mobbing, „mob rule“ sozusagen, dem auch die Lehrer argumentativ nichts entgegenzusetzen hatten. Sie schauten wirklich weg, ganz im Sinne des Ausfechtens des Konflikts. So zeigt sich wieder einmal: Wenn die Täter nicht ins gewünschte Narrativ passen, dann fallen Opfer wie Milana durch das Raster. Und für die Klasse galt offenbar: Solidarisiert wird sich mit den Leitwölfen, nicht mit ihrer Beute. Man will ja nicht selbst als nächster dran sein.

Auch als „Polin“ sei sie schon in herablassendem Ton beleidigt worden. „Nach dem Motto: Polen, Russen oder Ukrainer. Ist doch alles das Gleiche.“ Interessant auch, dass Milana diese spezifische ‚Beleidigung‘ so deutet: „Sie meinen damit indirekt, dass Polen und Ukrainer immer die Feinde der Nazis waren, die im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden.“ Der Araber und der Zentralasiate hätten also in rasender Geschwindigkeit Nazi-Kategorien aufgesogen und reproduziert. Das scheint möglich, die entsprechende historische Bildung kann man ihnen nicht einfach so absprechen. Sie könnten sie haben.

Und so erklärt sich wohl teilweise die steigende Verbreitung „rechtsextremen Gedankenguts unter Schülern“, wie die Journalistin Saara von Alten für den Tagesspiegel scharfsinnig geschlossen hat. Unglaublich, aber wahr, bestätigt eine mobile Beraterin gegen Rechtsextremismus: Rassistische Abwertungen können „auch von Menschen mit Einwanderungsgeschichte geäußert werden“. Und zum Teil hätten die Zuwanderer diese Vorurteile mitgebracht, zum Teil in Deutschland aufgeschnappt. Über Ukrainer heiße es zum Beispiel, sie arbeiteten nicht genug oder sollten an die Front und ihre Heimat verteidigen.

Alles sehr nazi und das Möbiusband der politischen Kriminalität

Aber davon haben „Zayn“ und „Emir“ nicht gesprochen. Bei ihnen blieb es bei sexualisierten Beleidigungen, einer generellen Ausländerfeindlichkeit und eventuell um eine rassische Diskriminierung Milanas als Slawin. Auch der Tagesspiegel bekam keine Antwort von den Jugendlichen, was ihre Motive sind. Insofern ist man mit dieser Beschreibung und Analyse so nah an ihren Gründen, wie man sein kann.

Milana wurde freilich krankgeschrieben wegen „emotionaler Belastung durch Mobbing im Schulsetting“. In einem Chat sollen der Syrer und der Afghane noch einmal nachgelegt haben und die Ukrainerin „mit Nazisymbolen“ oder Hitler-Memes beleidigt haben. Wie genau, wird nicht erklärt, aber es war anscheinend witzig gemeint. Als Milana sich beschwert, der Zweite Weltkrieg sei eine Katastrophe und kein Anlass für Witze, antwortet Zayn: „Nimm es nicht so ernst!“ Dazu postet er das Erika-Lied mit einer Deutschlandflagge. Nun okkupieren die Neu-Eingebürgerten also schon nazistische Symbole, um andere herabzusetzen. Ist es mehr als Zufall, dass auch Angela Merkel immer wieder der Zweitname „IM Erika“ nachgesagt wird? Vermutlich nicht, aber so würde sich die kreisförmige Struktur in der Art eines Möbiusbandes, auf dem links plötzlich rechts wird, noch ausweiten. Jedenfalls kann man auf einem Möbiusband auch nicht zwischen innen und außen unterscheiden, und es gibt auch da nur einen Rand.

Wie analysiert man dies alles nun? Es geht offenbar um die Herabsetzung einer Ukrainerin, weil sie nicht zu den eingebürgerten Asiaten passt. Sie ist offenbar keine Muslimin wie der Syrer und der Afghane, und sie hat im Gegensatz zu ihnen auch (noch) nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Alles das kommt als Grund für das Mobbing in Frage. Und dann ist da noch die angesprochene Gruppendynamik. Und die könnte ihre Grundlage vielleicht darin haben, dass Milana als weiße Europäerin inzwischen eine Ausnahmeerscheinung in deutschen Schulklassen ist. Aber klar: Die ganze Sache, Milanas Erlebnisse, das Mobbing durch „Zayn“ und „Emir“, das ist schon alles sehr nazi.

Der Fall ist daneben auch eine Fußnote zu allen öffentlichen Statistiken zur politischen Kriminalität „rechter“ Provenienz: Wenn Araber und Afghanen sich „rechtsextremer“ Symbole bedienen, was bedeuten sie dann eigentlich? Klar dürfte sein, dass sich darin keine allgemeine Ausländerfeindlichkeit mehr aussprechen kann, wenn Migrantenkinder die Symbole gegen andere wenden.

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Kommentare ( 90 )

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DDRforever
19 Tage her

Es wird nicht ganz leicht am Tag X auch diese wieder loszuwerden. Aber zwingend nötig!

Tom Engel
20 Tage her

Mit dem Mobbing ist es immer so ein Sache.Auch wenn es – wie in diesem Fall- Osteuropäische Opfer und Nordafrikanische Täter- sein sollen. Ich war von einigen Jahrzehnten in einer (Kirchlichen) Veranstaltung zum Thema Mobbing. Das „Gejammer“ war Recht gross, wie schlimm das Alles sei. Es war auch ein Arbeitgeber anwesend. Der stellte Eindeutig klar, das er „Mobbingopfer“ nicht helfen würde, will er doch „Starke Persönlichkeiten“ in seiner Firma haben. Er will keine Mannschaft von weinerlichen Jammergestalten. War damals oft so… Und noch weiter: In einem Kindergarten beschwerten sich einige Eltern, das ein Junge der für sein Alter recht „Stabil… Mehr

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
20 Tage her

Über Ukrainer heiße es zum Beispiel, sie arbeiteten nicht genug oder sollten an die Front und ihre Heimat verteidigen.

Und so schließt sich der Kreis. Eine erschreckende Mehrheit der Leserbriefschreiber teilt hier nämlich mit schöner Regelmäßigkeit die Meinung der Zayns und Emirs.

Ein jeder möge sich selbst Gedanken machen, was daraus zu schließen ist. Die Angesprochenen werden jetzt rote Daumen regnen lassen.

epigone
20 Tage her

Zitat: „Aber beruht das Überlegenheitsgefühl wirklich auf dem Pass oder ist da noch etwas anderes? Islamischer Suprematismus vielleicht.“ Lieber Herr Nikolaidis, das ist ja nun eine überaus vorsichtige Aussage, die von der Realität schon sehr sehr lange und gut für alle erkennbar durch Fakten erhärtet wird: Die Vertreter des Islams, und zwar nicht nur des offiziellen im Gestalt von vermeintlich „berufenden“ Prediger sondern auch sehr viele der sogenannten Gläubigen oder auch nur Angehörigen der gleichen Ethnie legen im öffentlichen Raum in den christlichen Gastgesellschaften extremes Dominanzverhalten an den Tag. Beispiele gefällig? Zum Beispiel großes öffentliches Beten auf Straßen und Plätzen… Mehr

Last edited 20 Tage her by epigone
DDRforever
19 Tage her
Antworten an  epigone

Der Tag der Antwort wird kommen.

AmitO
20 Tage her

dass Milana diese spezifische ‚Beleidigung‘ so deutet: „Sie meinen damit indirekt, dass Polen und Ukrainer immer die Feinde der Nazis waren, die im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden.“ 

Süß, schon mal was von Bandera oder SS „Galizien“ gehört?

Ein Leser aus Franken
20 Tage her
Antworten an  AmitO

Oder dem Nazi-Kollaborateur Andrij Melnyk, der am Wochenende in Kiew ein Staatsbegräbnis bekommen hat, mit Selenskij als Hauptredner?

Michael W.
20 Tage her

Lehrer gucken bei Mobbing schon immer weg. Das war bei mir vor 55 Jahren schon so. Die meisten Lehrer machten schon damals nicht nur passiv, sondern sogar aktiv mit und markierten mit entsprechenden Bemrkungen die erwünschten Mobbingopfer.

PaulKehl
20 Tage her
Antworten an  Michael W.

Zum letzten Ramadan hatte das türkische Bildungsministerium die Lehrer aufgefordert (positiv) den Ramadan im Unterricht zu behandeln.Hiergegen verwahrte sich eine säkulare Lehrergewerkschaft unter Berufung auf die Trennung von Staat und Religion. Das kann man sich in DE nicht vorstellen. Lehrer wenden sich gegen die Obrigkeit.Dt. Lehrer würden liebend gerne den Mondkult im Unterricht behandeln. Säkular sind die dt. Lehrergewerkschaften auch nicht, eher stalinistisch-grün angehaucht.

DDRforever
19 Tage her
Antworten an  PaulKehl

Welch Unsinn, Stalin hätte ausgespuckt angesichts dieser BRD Jammergestalten.

Innere Unruhe
20 Tage her

Ist sie das erste und einzige Opfer der Muslimen-Migranten-Gewalt?
Solche Nachrichten sollen Standard sein. Jede Woche muss berichtet werden, wie es um den islamischen Mobbig steht…
Warum ist genau dieses Mädchen relevant?

Flomo
20 Tage her

Ganz großes Kino. Jetzt beleidigen sich migrantische Antisemiten schon untereinander. Wahrscheinlich unbewusst haben die beiden muslimischen Migranten das richtige gesagt. Leider weiß man nicht, wie das ukrainischen Mädchen zum Krieg steht. Dass es in der Westukraine allerdings ultranationalistische bis rechtsextreme Bewegungen gibt, dürfte mittlerweile bekannt sein. Wenn ich mir manche Shorts in den sozialen Medien von ukrainischen Jugendlichen vor Stepan Bandera Denkmäler im Hintergrund ansehe, dann scheint es mir so zu sein, als ob die Jugendlichen entweder diesen Nazi verehren oder zumindest ein sehr unreflektiertes Verhältnis dazu haben.

Wilhelm Roepke
20 Tage her

Gähn, dann sollten die Ukrainer mal anfangen, sich wenigstens mit dem Migrationskonzept der AFD zu beschäftigen, wenn sie sich schon nicht mit der Russlandpolitik anfreunden können.

MeHere
20 Tage her

Nebentäter: Lehrer, die wegschauen. … Nö Haupttäter im Hintergrund, weil sie es zulassen und sogar noch fördern