Nichts mit „America alone“: Mit Abdul El-Sayed zieht erster Muslim in US-Senat

Donald Trump kassiert bei den Midterms eine schwere Niederlage: Beide Kammern des Kongresses gehen verloren. In Michigan zieht erstmals ein Muslim in den US-Senat ein. Eine Entwicklung, vor der Mark Steyn schon vor zwanzig Jahren warnte. Doch selbst er hatte das Ausmaß unterschätzt.

picture alliance / AP Photo/Julia Demaree Nikhinson

Donald Trump hat eine politische Ohrfeige erhalten, die selbst für amerikanische Verhältnisse ungewöhnlich deutlich ausfällt. Bei den Zwischenwahlen haben die Wähler den Republikanern beide Kammern des Kongresses entrissen. Besonders deutlich wird das Ausmaß der republikanischen Niederlage beim Blick auf Bundesstaaten, die über Jahrzehnte als verlässliche Hochburgen der Partei galten. In Texas gewinnt mit James Talarico erstmals seit 1988 wieder ein Demokrat eine Senatswahl. Damals hieß der Sieger Lloyd Bentsen. 38 Jahre lang konnten die Republikaner jede weitere Senatswahl in Texas für sich entscheiden.

In South Carolina endet eine seit 1998 andauernde republikanische Siegesserie. Und in Kansas fällt eine Bastion, die beinahe ein Jahrhundert gehalten hatte: Dort war 1932 mit George McGill zuletzt ein Demokrat in den US-Senat gewählt worden. 94 Jahre später gelingt seiner Partei nun die Rückkehr. Trump hatte alle drei Bundesstaaten bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch mit deutlichen Mehrheiten gewonnen.

Republikanische Hochburgen fallen – Trump verliert den Kongress

Mindestens sieben Senatssitze nehmen die Demokraten den Republikanern ab. Auch in Iowa, Ohio, Maine und North Carolina setzen sie sich durch. Im Repräsentantenhaus haben sie nach bisherigem Auszählungsstand bereits mindestens 28 zuvor republikanisch gehaltene Wahlkreise erobert. Beide Kammern wechseln die Mehrheitsverhältnisse.

Eine vergleichbare politische Zäsur erlebte Barack Obama bei seinen ersten Zwischenwahlen 2010. Damals verloren die Demokraten 63 Sitze im Repräsentantenhaus und sechs im Senat. Gemessen an den Mandatsverlusten im Repräsentantenhaus fiel Obamas Niederlage sogar erheblich größer aus. Allerdings konnten die Demokraten ihre Senatsmehrheit damals behaupten. Trump hingegen verliert nun die Kontrolle über den gesamten Kongress.

Was vor zwei Jahren noch als triumphale Rückkehr Trumps gefeiert wurde, hat einen sehr empfindlichen, aber auch nachvollziehbaren und verdienten Rückschlag erlitten. Besonders bitter für die Republikaner ist der Einbruch in Regionen, in denen ihre politische Vorherrschaft über Generationen selbstverständlich erschien. Seine letzten beiden Regierungsjahre muss Trump nun mit einem oppositionell kontrollierten Kongress bestreiten.

Vom Hoffnungsträger zur herben Enttäuschung

Die Amerikaner haben ihrem Präsidenten ziemlich unmissverständlich den Mittelfinger gezeigt. Die hohen Lebenshaltungskosten, der Krieg gegen den Iran und der wachsende Ärger über die Regierung haben sich an den Wahlurnen entladen. Trump selbst will mit dem Desaster möglichst wenig zu tun haben. Er habe schließlich gar nicht auf dem Wahlzettel gestanden, erklärt er. Seine Kandidaten hätten die Wähler offenbar nicht überzeugt. Das ist eine bemerkenswerte Auslegung politischer Verantwortung durch einen Präsidenten, der den Wahlkampf seiner Partei über Monate auf seine eigene Person zugeschnitten hatte.

Für Trump brechen damit politisch schwierigere Zeiten an. Die Demokraten können seine Gesetzesvorhaben blockieren und Untersuchungen gegen seine Regierung vorantreiben. Besonders bitter ist die Niederlage, weil ausgerechnet jene Bevölkerungsgruppen, die Trump 2024 überraschend für sich gewinnen konnte, ihm nun teilweise den Rücken kehren. Letztlich hatte er den Amerikanern den großen Wechsel weg von einer korrumpierten Familie Biden und Clinton versprochen, versinkt nun aber selbst mit seiner Familie in immer mehr Fällen aus Vetternwirtschaft und Vorteilsnahmen. Für sehr viele Wähler ist Trump eine sehr herbe Enttäuschung. Aber zu den verprellten Wählern gehören auch arabischstämmige und muslimische Wähler in Michigan. Dort hat die Wahl zudem einen Sieger hervorgebracht, dessen Erfolg weit über die amerikanische Tagespolitik hinausweist.

Was Mark Steyn vor zwanzig Jahren voraussagte

Im Jahr 2006 veröffentlichte der kanadische Publizist Mark Steyn sein Buch „America Alone: The End of the World as We Know It“. Es war eine düstere Prognose über die Zukunft der westlichen Zivilisation.

Steyn beschäftigte sich mit einer Entwicklung, die in der politischen Öffentlichkeit damals wie heute immer noch entweder verharmlost, ignoriert und in der Kritiker nach allen Regeln kommunistischer Kunst diffamiert und gesellschaftlich vernichtet wurden und werden: dem demographischen Niedergang westlicher Gesellschaften bei gleichzeitigem Wachstum muslimischer Bevölkerungsgruppen.

Seine These lautete, dass der Westen langfristig seine kulturelle und politische Selbstbehauptungsfähigkeit verlieren wird.

Steyn beschrieb Europa zutreffend als Kontinent, dessen Gesellschaften immer weniger Kinder bekamen, während die muslimische Bevölkerung durch Zuwanderung und deutlich höhere Geburtenraten wuchs und wuchs und wuchs. Daraus leitete er eine politische Prognose ab: Mit der Veränderung der Bevölkerungsstruktur würden sich früher oder später auch die gesellschaftlichen Machtverhältnisse verschieben. Parteien würden um neue Wählergruppen konkurrieren, religiöse Forderungen politisches Gewicht gewinnen und die ohnehin geschwächte westliche Bereitschaft zur Verteidigung der eigenen Werte kontinuierlich weiter abnehmen.

Dem Islamismus traute Steyn dabei eine Durchsetzungsfähigkeit zu, die er den selbstzweifelnden und dem Islam zuarbeitenden westlichen Eliten längst absprach. Da muss nicht erst ein Constantin Schreiber kommen, der sich nach ein paar Jahren im Westen wieder Richtung Islam romantisiert.

Schon das Cover von Steyns Buch brachte die Warnung auf den Punkt: Vor knallrotem Hintergrund steht ein kleiner Globus, auf dem sich grüne Fahnen mit islamischem Halbmond drängen. Dazwischen ragt ein wenig verzweifelt eine einzelne amerikanische Flagge als Hafen der Vernunft hervor, der sich der weltweiten muslimischen Vorherrschaft entgegenstemmt.

Amerika allein – als letzte Bastion einer westlichen Zivilisation, die sich in Europa längst auf dem Rückzug befindet. Denkste. Zwanzig Jahre später zeigt sich, dass Steyn bei aller Schärfe seiner Analyse noch viel zu optimistisch war. Das erinnert zugleich auch an Thilo Sarrazin, der 2010 mit „Deutschland schafft sich ab“ einen irren Sturm der Entrüstung auslöste und fünfzehn Jahre später bei TE bilanzierte: „Ich habe mich geirrt – es kommt schlimmer als erwartet.“ Die tatsächliche Entwicklung hatte seine damaligen Befürchtungen noch bei weitem übertroffen.

Steyn könnte heute zu einem ähnlichen Schluss gelangen. Ausgerechnet Amerika, dem er noch die Rolle des letzten Bollwerks gegen die Ausbreitung des politischen Islam zugedacht hatte, hat sich inzwischen selbst massiv verändert. New York hat einen muslimischen Bürgermeister, der immer wieder mit islamischen Hardlinern kuschelt und Michigan schickt erstmals einen Muslim in den US-Senat, die Straßen aller größeren Städte immer wieder voller Pali-Flaggen, Minnesota wurde regelrecht von somalischen Muslimen geflutet.

Die politische Machtverschiebung, die Steyn vor allem für Europa beschrieb, macht vor den Vereinigten Staaten längst nicht mehr halt. Seine vermeintliche letzte sichere Bastion ist nun zwanzig Jahre später selbst Schauplatz jener Entwicklung geworden, vor der er die westliche Welt warnte.

Amerika ist längst Teil der Entwicklung

Nach Berechnungen des Pew Research Center lebten 2007 rund 2,4 Millionen Muslime in den Vereinigten Staaten. Wie viele es heute tatsächlich sind, lässt sich kaum mit Gewissheit sagen. Die amerikanische Volkszählung erfasst die Religionszugehörigkeit überhaupt nicht, sämtliche Angaben beruhen auf Hochrechnungen, deren Aussagekraft ebenso kritisch zu hinterfragen ist wie die entsprechenden Erhebungen in Europa. Dass die muslimische Bevölkerung und ihr politischer Einfluss wachsen, lässt sich inzwischen allerdings auch ganz ohne statistische Schätzmodelle sehr gut mit bloßem Auge bei jedem Gang vor die Haustüre beobachten.

Und natürlich schlägt sich diese Entwicklung dann auch zunehmen hüben wie drüben in politischen Ämtern nieder. Im Repräsentantenhaus sitzen bereits mehrere muslimische Abgeordnete. Anfang 2026 trat mit Zohran Mamdani erstmals ein Muslim das Amt des Bürgermeisters von New York an. Ausgerechnet in jener Stadt, deren Name seit den Anschlägen vom 11. September 2001 untrennbar mit muslimischem Terror verbunden ist, regiert heute ein muslimischer Politiker des linken Parteiflügels. Nun folgt der nächste historische Einschnitt.

In Michigan hat der 42 Jahre alte US-Democrat Abdul El-Sayed die Wahl zum US-Senat gewonnen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten zieht damit ein Muslim als gewählter Senator in die zweite Kammer des Kongresses ein. El-Sayed feierte den Erfolg mit arabischen Ausrufen. Nachdem man während des Wahlkampfs immer wieder „Inshallah“ gesagt habe, könne man nun „Alhamdulillah“ sagen: Gott sei Dank. Auch für Vizepräsident JD Vance hatte er eine Botschaft und sprach ihn mit dem arabischen Wort „Habibi“ an.

Der neue Senator und seine politischen Verbindungen

El-Sayed ist Arzt, Epidemiologe und ehemaliger Gesundheitsbeamter. Er gehört zum linken Flügel der Demokratischen Partei und wurde im Wahlkampf unter anderem von Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez unterstützt. Seine Forderungen nach staatlicher Gesundheitsversorgung und stärkerer Umverteilung passen ganz wunderbar in deren politisches Programm. Für besondere Kontroversen sorgte allerdings seine Haltung gegenüber Israel.

So bezeichnete El-Sayed Israel als Schurkenstaat und stellte dessen moralische Bewertung in einem umstrittenen Vergleich auf eine Stufe mit der Hamas. Im März 2026 fuhr ein islamistischer Attentäter mit einem mit Brandmaterial beladenen Fahrzeug in die Synagoge Temple Israel in Michigan. Rund 140 Menschen, darunter zahlreiche Kinder, befanden sich in dem Gebäude. El-Sayed verurteilte den Angriff zwar ausdrücklich, fügte seiner Erklärung aber Überlegungen über einen Kreislauf der Gewalt hinzu. Verletzte Menschen würden andere Menschen verletzen, argumentierte er sinngemäß. Eine unerträgliche Relativierung nach der gleichen linken Logik, dass ein Ladeninhaber mit Diebstahl rechnen muss und Frauen Anteil an Vergewaltigungen tragen, wenn sie sich allzu freizügig kleiden.

Für Aufsehen sorgte auch seine Zusammenarbeit mit dem linksradikalen Streamer Hasan Piker. Dieser hatte mit Aussagen über die Terroranschläge vom 11. September und mit einer geradezu irren Verharmlosung der Hamas Schlagzeilen gemacht. El-Sayed trat mehrfach gemeinsam mit ihm auf, distanzierte sich später ausdrücklich von dessen Äußerungen über den 11. September und beendete schließlich die gemeinsamen Wahlkampfauftritte. Erst nach überbordender Kritik. Insgeheim steht man aber wohl nicht so weit voneinander entfernt mit den Ansichten.

Hinzu kommen familiäre Verbindungen zur Muslimbruderschaft, über die amerikanische Medien ausführlich berichteten. Seine Halbschwester hatte öffentlich von einer langen Geschichte ihrer Familie innerhalb der Organisation gesprochen. El-Sayed selbst gehörte 2012 zu den Unterzeichnern eines Schreibens, das politische Entscheidungen des damaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi unterstützte. Mursi war ein führender Vertreter der Muslimbruderschaft.

Die muslimischen Wähler wissen, was sie wollen

Noch 2024 hatte Trump bei vielen arabischstämmigen und muslimischen Amerikanern – auch in Michigan – große Unterstützung erfahren. Der Ärger über die Israel-Politik der Demokraten spielte dabei eine wichtige Rolle. Zwei Jahre später sieht die Lage heute völlig anders aus.

Eine kurz vor der Wahl veröffentlichte Umfrage unter arabischen-muslimischen Wählern in Michigan ergab eine Unterstützung von 77 Prozent für El-Sayed. Sein republikanischer Gegenkandidat Mike Rogers kam lediglich auf 18 Prozent. Selbst unter Befragten, die 2024 Trump gewählt hatten, fand El-Sayed beträchtlichen Zuspruch. Für seine landesweite Mehrheit brauchte er selbstverständlich auch viele Stimmen außerhalb dieser Bevölkerungsgruppen. Doch der politische Einfluss des arabisch-muslimischen Wählermilieus ist nicht zu übersehen.

Die europäische Linke und ihre neue Klientel

Was sich in Michigan beobachten lässt, hat in Westeuropa längst politische Tradition. In Großbritannien war die Labour Party über Jahrzehnte die bevorzugte politische Heimat muslimischer Einwanderer und ihrer Nachkommen. Bei der Unterhauswahl 2024 musste sie dann erleben, wie sich diese Wähler gegen sie wenden konnten. In Leicester South, Blackburn, Birmingham Perry Barr sowie Dewsbury and Batley besiegten unabhängige Kandidaten mit dezidiert propalästinensischem Wahlkampf die Labour-Bewerber. Selbst prominente Regierungsmitglieder gerieten in Wahlkreisen mit hohem muslimischem Bevölkerungsanteil in massive Schwierigkeiten. Gesundheitsminister Wes Streeting rettete sein Mandat mit gerade einmal 528 Stimmen. Keir Starmer hatte gelernt, dass die jahrelang umworbene Wählerschaft ihre Unterstützung an konkrete politische Forderungen knüpft und gegebenenfalls eigene Kandidaten durchsetzt.

In Frankreich betreibt Jean-Luc Mélenchon mit seiner linksradikalen Bewegung La France insoumise (LFI) die politische Erschließung der muslimisch geprägten Vorstädte besonders offensiv. Im Europawahlkampf 2024 rückte er den Gaza-Krieg in den Mittelpunkt und machte die palästinensische Aktivistin Rima Hassan zu einem der Gesichter seiner Kampagne. Einer damaligen Erhebung zufolge entschieden sich 62 Prozent der muslimischen Wähler für LFI. Ein Untersuchungsausschuss der französischen Nationalversammlung beschäftigte sich später ausführlich mit den Beziehungen zwischen Parteien und islamischen Netzwerken. Sein Bericht warf Mélenchons Partei vor, muslimische Wähler gezielt anzusprechen und sich damit zugleich für islamische Einflüsse zu öffnen.

In Schweden kämpft die Linkspartei Vänsterpartiet seit Jahren mit den Folgen ihrer Nähe zu Teilen der radikalen Palästina-Bewegung. Mehrere Funktionäre gerieten wegen antisemitischer Äußerungen oder der Verharmlosung terroristischer Gewalt in die Schlagzeilen. Die Abgeordnete Lorena Delgado Varas verbreitete 2025 eine Darstellung mit antisemitischen Verschwörungsmotiven. Als die Parteiführung ihren Rückzug verlangte, erhielt sie Unterstützung aus den eigenen Reihen. Im September 2026 wurde bekannt, dass die Linkspartei sogar zwei palästinensische Funktionäre aus dem revolutionären Rat der Fatah ins schwedische Parlament eingeladen hatte, die zuvor mit antisemitischen Äußerungen und Terrorverherrlichung aufgefallen waren. An dem Treffen nahm auch Parteichefin Nooshi Dadgostar teil.

Selbst in Dänemark, dessen Sozialdemokraten unter Mette Frederiksen bei Migration und Integration einen wesentlich restriktiveren Kurs eingeschlagen haben, zeigt sich die Verbindung zwischen radikaler Linker und Teilen der Palästina-Bewegung. Die rot-grüne Einheitsliste Enhedslisten unterhielt jahrelang Beziehungen zur marxistisch-palästinensischen DFLP. Erst nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und Berichten über die Beteiligung ihres bewaffneten Arms brach die Partei die Zusammenarbeit ab. Selbst diese Entscheidung löste innerhalb der Partei Proteste aus. Ein Antrag, die Beziehungen wieder aufzunehmen, wurde 2024 abgelehnt.

In den Niederlanden entstand aus einem Konflikt innerhalb der sozialdemokratischen Partij van de Arbeid die Partei DENK, die sich besonders an Wähler mit türkischen und marokkanischen Wurzeln richtet. Inzwischen vertritt sie muslimische Interessen mit einem eigenen politischen Programm. Eine Untersuchung kam 2024 zu dem Ergebnis, dass die gemeinsame muslimische Religionszugehörigkeit ein besonders wichtiger Faktor für ihre Wahlentscheidung ist. Im belgischen Brüssel erlebten die Sozialisten eine ähnliche Entwicklung. Der frühere sozialistische Politiker Fouad Ahidar trat 2024 mit einer eigenen Liste an, warb unter anderem mit Forderungen zur islamischen Religionsausübung und gewann drei Sitze im Regionalparlament. Seine frühere Partei ließ er hinter sich.

In Berlin richtet sich die Entwicklung gegen die eigene Parteiführung

Deutschland ist von dieser Entwicklung keineswegs ausgenommen. Die Linkspartei hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker für radikale propalästinensische Gruppen geöffnet. In Berlin ist daraus inzwischen ein offener Machtkampf geworden. Vor dem Landesparteitag am 31. Oktober demonstrierten Aktivisten gegen die eigene Führung und gegen die geplante Koalition mit SPD und Grünen. Mitten unter ihnen die frisch gewählte Linken-Abgeordnete Vanessa Emde, die sich mit dem radikalen Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim solidarisiert. Auf der Kundgebung wurden Rufe wie „Yalla Intifada“ laut. Die Fraktionsführung sieht mit Emde inzwischen keine gemeinsame Arbeitsgrundlage mehr.

Ibrahim gilt als Unterstützer der terroristischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) und tritt für das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee auf, das nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes Verbindungen in das Umfeld von PFLP und Hamas unterhält. Nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl erschien er auf einer Wahlparty der Neuköllner Linken. Seine Nähe zu Teilen der Partei wurde spätestens zum Problem, als die Berliner Spitzenkandidatin Elif Eralp aufgefordert wurde, sich ausdrücklich von ihm zu distanzieren.

Am Ende beißt die Linke ihre Liebedienerei immer öfter in den eigenen Allerwertesten. Aus internen Anmerkungen zu einem „Spiegel“-Interview ging hervor, dass Eralp und ihr Mann Angst vor eben diesem Milieu haben. Eralp wollte eine Frage des Magazins zu Ibrahim Ibrahim und ihre Antwort darauf aus dem Interview streichen lassen. Ihre Begründung: „Ich kann mich und meine Familie für den SPIEGEL nicht in Gefahr bringen.“

Die Berliner Linke will die Verantwortung für eine Millionenstadt übernehmen und verdankt ihren Wahlerfolg einer Wählerschaft, die sich zunehmend aus muslimisch geprägten Milieus rekrutiert. Bei der Abgeordnetenhauswahl stimmten 51 Prozent der befragten muslimischen Wähler für die Linkspartei, die insgesamt auf 25,7 Prozent kam. Gleichzeitig haben sich Teile der Partei mit radikalen propalästinensischen Gruppen eingelassen, deren Forderungen und Auftreten inzwischen selbst die eigene Führung vor Probleme stellen. Die Absurdität gipfelt darin, dass Spitzenkandidatin Elif Eralp aus Angst vor Hamas-Sympathisanten im Umfeld ihrer Partei um die Sicherheit ihrer Familie fürchtet und beim eigenen Parteitag Personenschutz benötigt. Die Partei, die Berlins Polizei runterdampfen und Sicherheitsbehörden einschränken will, bekommt ihre eigenen radikalen Unterstützer kaum mehr in den Griff. Und SPD und Grüne wollen mit ihr die Hauptstadt regieren.

Mark Steyn hatte vor zwanzig Jahren angenommen, Amerika werde am Ende allein dastehen, wenn Europa seine kulturelle Selbstbehauptung gegen den Islam aufgibt. Thilo Sarrazin ruft ihm über den großen Teich zu: „Ich habe mich geirrt – es kommt schlimmer als erwartet.“

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