Frankreich brennt, wird planvoll ausgeraubt, doch der Regierung fallen keine Taten ein – nur Verbote und Ausgangssperren. Das tiefere Problem bleibt unangetastet: Jahrzehnte unkontrollierter Zuwanderung und ein extremes Vollzugsdefizit bei Abschiebungen. Macron hinterlässt das Chaos seiner Nachfolgerin.
picture alliance / Ludovic Marin/POOL AFP via AP | Ludovic Marin
Ist Frankreich verloren? Die Bilder dieser Tage lassen es so aussehen. Das Land scheint von innen heraus zerstört zu werden. Gewalttäter, die dort zu lange geduldet wurden, bedrohen Bürger, plündern und zerstören privates wie öffentliches Eigentum, ja, sie vergehen sich an der historischen Substanz des Landes. Frankreich steht heute als Kulturnation unter Beschuss.
Ein wichtiger Grund, warum eine solche Gewaltexplosion gegen das Land selbst möglich war, bleibt dieser: Das Land spricht eine Menge Ausreiseverpflichtungen aus (Obligation de Quitter le Territoire Français, OQTF), ist aber eines der vollzugsschwächsten Länder in der westlichen Welt bei Rückführungen. Nur rund ein Zehntel der jährlich ausgegebenen OQTF – das sind rund 130.000 pro Jahr – wird auch vollzogen. Der Rest darf bleiben, zweifellos in vielen Fällen Polizeibekannte und Straftäter.
Vieles spricht dafür, dass linksradikale Gruppen aus dem Umfeld der Eralp-Koçak-Partei genau daran bereits arbeiten. Frankreich bietet hier ein reichhaltiges Vorbild auch an rhetorischen Kniffen: Man gibt sich dort seit Jahren schon postkolonialistisch und sogar „indigenistisch“ im Sinne der Franzosen aus den ehemaligen Kolonien – dabei sind in Frankreich bekanntlich die weißen Franzosen Indigene. Auch in Deutschland hat eine laxe Migrationspolitik die Grundlagen für diese politische Entwicklung gelegt.
Einzig greifbare Reaktion: Ausgehsperren und Demo-Verbote
Auch inmitten der laufenden Krise wird wieder genau diese Tatenlosigkeit an der Staatsführung kritisiert. „Hören Sie auf zu reden, beginnen Sie zu handeln“, hat der Bürgermeister von Limoges vor dem abgebrannten Rathaus der Stadt dem Präsidenten Emmanuel Macron zugerufen.
Und die Gelbwesten haben schon Folgedemonstrationen für die grausam ausgegangene vom Sonnabend angekündigt: Schon am kommenden Samstag wollen sie wieder auf den Straßen sein. Sie nennen das „zweiter Akt“, ein dritter soll auch noch folgen. Dann wird man also gegen das neue Demonstrations- und Ausgehverbot demonstrieren, laut den Organisatoren erneut in dutzenden Städten. Die Deutschen würden so etwas nicht tun, nicht ohne offizielle Erlaubnis, die Franzosen schon. Allerdings ist auch dann wieder mit vielen Gewalttätern und Plünderern zu rechnen.
Nuñez will zurücktreten, Macron lässt ihn nicht
Derweil wollte Innenminister Laurent Nuñez eigentlich zurücktreten. Denn niemand könne doch bestreiten, dass die Ereignisse vom Sonnabend einen herben Kontrollverlust des Staates bedeutet hätten, also vor allem der Nuñez unterstellten Behörden. Der Minister gesteht sein Scheitern also offen ein und möchte gehen, doch Macron lässt ihn nicht. Der Präsident, von dem man sonst kaum noch etwas hört, will die Reihen geschlossen halten und so Stärke demonstrieren, die allerdings innen hohl bleibt.
Das ist eine neue verbale Eskalation von seiten der Regierung. Es geht in Richtung Notstand, wenn man die Unruhen und Aufstände in dutzenden Städten zum Anlass nähme, die Wahlen zu verschieben, bei denen Marine Le Pen und dem Rassemblement national (RN) nach heutigen Umfragen ein Sieg sicher wäre.
Will die Linke Chaos oder Wahlen? Oder beides?
Aber, und auch das ist im Auge zu behalten: Lecornu weist diese Absicht der extremen Linken zu, also vielleicht auch deren Anführer Jean-Luc Mélenchon, der allerdings auch so schnell wie möglich Präsident werden will, wozu er doch die Wahlen braucht.
Auf der anderen Seit kann die extreme Linke um die Partei La France Insoumise (LFI) wissen, dass ein Wahlsieg für Mélenchon nicht gerade auf der Hand liegt. Man versucht also eine informelle lokale Machtübernahme, auch durch schon gewählte Bürgermeister wie Bally Bagayoko in Saint-Denis, der sich am deutlichsten an die Spitze der „Schülerproteste“, die inzwischen eindeutig zu Migranten-, Vorstadt- und Kriminellen-Aufständen degeneriert sind.
Wie nah diese Entartung lag, das hatten viele linke Demonstranten nicht erwartet. Schon fast legendär, ein beinahe anrührendes Meme bildend, ist die Reaktion einer schicken Pariserin, als ihre Protestgenossen vor ihren Augen zu Plünderern mutierten. Die Diebe und zukünftigen Diebesgutverkäufer (meist dunkler Hautfarbe) beruhigen die in Tränen Aufgelöste dabei aufs Liebenswürdigste. Sie kann es trotzdem nicht fassen, wohin ihr revolutionärer Elan die Gesellschaft führt.
Zahlen wird es der Steuerzahler, nicht die Randalierer
Das ist also alles, was dieser „Regierung“ um einen Präsidenten im 13. Jahr und sein Kabinett noch einfällt: Ausgangssperren, eventuell die Verschiebung von Wahlen, doch keine Gerechtigkeit, keine echten Taten gegen die Gewalt, die sich wie ein Krebsgeschwür in Frankreich ausgebreitet hat. Einzige, in sich lächerliche Ankündigung aus Macrons Ansprache in dieser Richtung: „Wer zerstört hat, muss dafür bezahlen. Wer geplündert hat, muss den Schaden ersetzen. Wer versucht hat, die Republik zu stürzen, wird dafür zur Rechenschaft gezogen.“
Frankreich liefert derzeit das Anschauungsbeispiel dafür, wohin eine Politik der unterlassenen Durchsetzung von Recht langfristig führt. Dabei kann aber kein Zweifel darüber bestehen, dass es sich bei den Tätern in der Mehrheit nicht um „Schüler und Studenten“ oder „radikalisierte“ Gelbwesten handelt, sondern um Elemente eines vorwiegend muslimischen Mobs, der seine neue Oberhoheit durch maßlose Gewalt und Raub deutlich macht, während er die Geschäfte von „Schwestern und Brüdern“ schont.
Le Pen: Wir können, dürfen, werden uns nicht daran gewöhnen
Am Ende wird auch eine Ansprache von diesen Tagen bleiben, in der sich Marine Le Pen noch vor Macron und in durchaus neuer rhetorischer Brillanz und geradezu staatstragender Ernsthaftigkeit zeigte. Le Pen versprach den Franzosen dabei vor allem eins: Nie will sie sich daran gewöhnen, dass diese Szenen zur neuen Normalität gehören. „Frankreich kann, darf und wird sich niemals an solche Szenen gewöhnen.“ Das bleibt für sie und ihre Partei ausgeschlossen. Die zu treffenden Maßnahmen einer eventuellen Regierung des RN werden vor allem aus diesem Imperativ folgen müssen. Inwieweit all das gelingt, vom Wahlsieg im nächsten Jahr angefangen, das steht allerdings noch in den Sternen.
— Marine Le Pen (@MLP_officiel) October 18, 2026






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