Ängste zu unterdrücken ist genauso anstrengend, wie einen Ball im Wasser ständig unter Wasser halten zu müssen. Es gibt entlastendere Wege, mit Ängsten leben zu lernen.
Jedes Alter hatte seine Ängste. Im ersten Schuljahr hatte ich Angst vor der Mathestunde; ich konnte als einziger der Klasse die Holzstäbchen, mit denen wir rechneten, am Ende nicht mit einem Gummi wieder stramm zusammenbinden. Ich kann mich heute noch daran erinnern, wie schlecht ich in der Nacht vor der Mathestunde geschlafen hatte, obwohl meine Mutter mit mir das „Gummibinden“ geübt hatte. Aber vor lauter Angst war ich so nervös, dass es mir nicht immer gelingen wollte.
Als Jugendlicher hatte ich Angst, dass meine Körperlänge nach einem Wachstumsschub zu sehr von der Norm abweicht. Als junger Erwachsener hatte ich Angst, keine passende Partnerin zu finden.
Dann gab es wiederum Bereiche, wo ich erstaunlich wenig Angst hatte: Im Alter von 15 Jahren bin ich mit meinem Freund per Fahrrad vom Niederrhein bis nach Italien gefahren. Im jugendlichen Leichtsinn haben wir in der Nähe von Bern/Schweiz einfach mal völlig angstfrei eine Abkürzung über die Autobahn mit dem Fahrrad genommen. Auch meine Eltern schienen bei dieser kleinen Radtour einer ihrer Söhne keine Angst gehabt zu haben. Heute würde ich wohl manche Ängste in meinem Leben ganz anders einschätzen.
Ängste sind so etwas Individuelles und Kontextabhängiges.
Mich fragt jemand in einem Brief, wohin ich fliehen würde, wenn Deutschland mit Russland einen Krieg beginnt. Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Vielleicht bin ich da heute ähnlich naiv wie damals mit dem Fahrrad auf der Autobahn.
Auch Herbert Grönemeyers Angst vor einer „Machtübernahme“ in Magdeburg sehe ich wesentlich entspannter; friedliche Machtwechsel machen doch das Wesen einer Demokratie aus.
Mir macht in der Gegenwart politisch Angst, dass ich nicht offen über alles sprechen darf, ohne gebrandmarkt zu werden, wenn ich Ansichten und Ängste äußere, die man angeblich in Kirche und Gesellschaft nicht haben darf.
Im erfahrenen Erwachsenalter habe ich einige Strategien gegen meine Ängste gelernt: Atemtechniken, Waldspaziergänge, betende Meditation, Sport, mit anderen ganz offen über meine Ängste sprechen. Dabei ist meine tiefgehendste Hilfe mein christlicher Glaube; nicht gegen meine Ängste, denn das wäre doch naiv zu denken, dass der gebrechliche Mensch in dieser angstmachenden Welt frei von Ängsten sein könnte.
Tobias Haberl ist Autor bei der Süddeutschen Zeitung; ein Verlag mit vielen Kollegen, die hochnäsig über den christlichen Glauben spotten. Haberl schreibt fröhlich gegen alle Verächter des Glaubens:
„Ich habe einen Schatz, den die anderen nicht haben. Natürlich kenne ich auch Krisen und Ängste, aber da ist etwas Warmes und Sanftes, auf das ich mich verlassen kann, ein Licht, das brennt, in mir oder ganz woanders, manchmal nur schwach und kaum spürbar, aber es geht nicht aus. Es ist ein grandioses Gefühl, sich wahrgenommen zu wissen, ohne auf sich aufmerksam machen zu müssen. Der gläubige Mensch tut sein Möglichstes und legt den Rest getrost in Gottes Hand – eine äußerst entlastende Strategie.“
Uns allen einen gesegneten Sonntag im Horizont des Friedens, der höher ist als alle unsere Ängste.
Ihr
Achijah Zorn


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Sehr präzise und immer aufbauend, was man von einem Geistlichen normalerweise auch erwarten könnte, denn was ist er anderes als der Verkünder der frohen Botschaft, während sich viele der Kollegen von Gott abgewendet haben und dem Teufel Mamon dienen, als sich lieber auf ihre Aufgabe zu besinnen, denn wer sich mit dem Bösen gemein macht, hat seinen Auftrag verfehlt. Das spürt man allerorts, wo man zwangsläufig ein mulmiges Gespür vernimmt und das ist das Gegenteil dessen, was man von einem Kirchenmann nicht erwarten sollte, solange er dem Wort Gottes folgt und nicht dem selbsternannten Göttern, die meinen unsere Geschicke in… Mehr
Ich denke auch, es wird sich am Ende seines Lebens mancher in den Hintern beißen, weil er hauptsächlich von seiner Autosuggestion gelebt hat, und dies für die Wahrheit hielt.
Der Buddha sagt: Grund allen Unglücks sind Neid, Gier, Hass und Verblendung.
Fürchtet euch nicht, so die Frohe Botschaft. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht oder Besonnenheit, Jahreslosungen seit 1930, hier für 1933, 1949 und 1984.
Gott hat die Welt, die Immanenz geschaffen, damit wir uns in ihr bewähren – die Mittel dazu hat ER uns gegeben.
Schönen Sonntag allerseits.
Schöner und persönlicher Text.
Gott wird uns da nicht helfen. Wann hätten die ernannten Götter der Welt jemals geholfen? Alle Seile sind zum Zerreißen gespannt und besonders deutsche Politiker und deren Hofpresse schüren gemeinsam mit einem korrupten und verlogenen Staat wie der Ukraine einen Krieg, der dieses Mal der fürchterlichste der Weltgeschichte werden könnte. Die Provokationen sind dermaßen fortgeschritten und dauern an, so dass die Situation jeden Augenblick eskalieren kann. Es ist wichtig, Angst zu haben! Das bringt endlich einen Haufen Leute zur Vernunft. Zumindest hoffe ich das. Denn wenn nicht, werden wir sehen, was von Europa überhaupt noch übrig bleibt und danach sagen:… Mehr
Pflegen Sie nur Ihre Umkehrlogik, ist einfach nur abscheulich. Und was macht dann Ihr Putin?
Ziemlich billig lieber giesemann, oder?
Mein putin ist das ganz sicher nicht.
Gott hat bereits geholfen. Am Kreuz, und nicht in der Erfüllung meiner Wünsche, hat er mir alles bereits geschenkt: Eine ewige Freundschaft, die stärker ist als Schuld und Tod. All mein Wirken zielt nicht auf Erlösung, sondern wurzelt in ihr.
Na ja, Sie behaupteten auch „in der Transzendenz verankert“ zu sein, obwohl dies logisch unmöglich ist, von sich selbst zu wissen. Und Sie haben nicht die Gedanken, warum es unmöglich ist.
Dazu passt perfekt, dass Sie mit „der“ Logikdiziplin, der Mathematik, auf Kriegsfuß stehen. Damit könnte man erschließen, woher, warum etwas kausal kommt, und wie etwas konstruktiv funktioniert, um es machen zu können.
Dazu müssten Sie sich an den Teil des christlichen Werkzeugkasten erinnern, den Sie noch nie erwähnten. Nur so kann man seinen Teil zur Selbstverbesserung beitragen. Machen, nicht reden! Selbstschönfärberei ist kein Ersatz!
> Jedes Alter hatte seine Ängste. Im ersten Schuljahr hatte ich Angst vor der Mathestunde
Heute ist es die Angst, ins Militär gehen zu müssen: „Deutsche Schülerproteste als Vorbild: Gemeinsamer europäischer Schulstreik gegen Aufrüstung“
Sinnvoller als das frühere Klima-Hüpfen.
Das Motto: „Wir stehen gemeinsam gegen den Krieg“. …“ – wenn jetzt noch der Russenschlächter mitmachen täte … . Dann hätten wir Frieden zumindest im christlichen, zumal dem orthodoxen Europa. Wär das was für Sie? Es ist immer wieder schauerlich, sehen zu müssen, wie Christenmenschen – zumindest manche – miteinander umgehen. Und selbst Zuschauer wie Sie begreifen es nicht, horribile dictu. Die Frohe Botschaft hin oder her, die da lautet: Fürchtet euch nicht. Vor dem Moskaurussen aber schon, fragen sie mal die Kiewrussen. Herz und Verstand, also Vernunft wären hilfreich, auch bei Ihnen. Usw. Vergeblich?
Danke Bruder Zorn für Ihren wieder wunderbaren Text, nun kann Sonntag werden. Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Allen Mitlesern hier,in der Gewissheit, daß unser Herr auch am 07. September die Sonne wieder aufgehen lässt, auch über Magdeburg.
Ich habe regelmässig Angst vor meinen erfundenen Ausreden, weshalb sie auch sehr häufig der Wahrheit ziemlich nahe kommen. Ja, aufrichtig sein erfordert eine große Menge Mut. Deshalb glaube ich auch, dass die Behauptung, keine Angst zu spüren eine große Lüge ist! Und ist Angst nicht auch die Erinnerung an unseren Instinkt? Also da habe ich lieber Angst, als instinktlos zu sein.
Und da ist Gott doch gleich wieder „unschlagbar“. Denn er ist weit mehr, als ein blosser Instinkt und Angst muss man vor ihm trotzdem nicht haben.
Nicht schlecht ausgedrückt. Das könnte man freilich noch ausbauen, indem auf schlichtweg elementar fehlende Aspekte in Zorns Rede hingewiesen wird.
So einfach und kindgerecht, wie er es zum Schluss formuliert hat, ist es zu schön, um wahr zu sein.