Der Streit um das Teufelsrad: Drohungen vor dem Oktoberfest

Zwei Wochen vor dem Anstich des 191. Oktoberfests eskaliert der Streit über die behördlich geforderte Umgestaltung von Frauenfiguren am Traditionsfahrgeschäft Teufelsrad: Der Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute sagt den traditionellen Wiesn-Rundgang ab und kritisiert die „Zensurmaßnahmen".

IMAGO / Wolfgang Maria Weber

„Angesichts des Übergriffs wegen angeblich rassistischer Stereotype auf der Fassade des Traditionsfahrgeschäfts Teufelsrad sagen wir hiermit unsere Teilnahme ab“, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Verbandspräsident Patrick Arens vertritt nach eigenen Angaben 60 bis 70 Betriebe auf der Wiesn – nicht die Mehrheit, aber genug, um den Termin, bei dem Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) erstmals die Neuheiten präsentieren soll, gut für einen medienwirksamen Protest nutzen zu können. Die Stadt bedauert die Absage und betont, ganz besonders bei einem kontroversen Thema sei eine Kommunikation nötig.

Hawaiianerin bekam nun Schuhe

Die Figuren über dem Eingang wurden nun ohnehin schon überarbeitet: Dirndl-Ausschnitte wurden höher gesetzt, unter die Röcke kamen Radlerhosen, einer als Hawaiianerin dargestellten Figur wurden Oberteil und Schuhe aufgemalt. Nur eine Figur blieb unverändert. Die Gleichstellungsstelle begründet die geforderten Änderungen mit zwei Argumenten: Zum einen hätten die kurzen Röcke mit dem Hochfliegen der Kleider und dem Blick auf den Intimbereich gespielt – vor dem Hintergrund wiederholter Beschwerden über Upskirting, das verbotene Filmen unter den Rock, das vor allem am Teufelsrad vorkomme. Zum anderen bediene die barfüßige schwarze Frau als einzige Figur ohne Schuhe ein „rassistisches Stereotyp“, das an die Völkerschauen um 1900 erinnere.

Das Teufelsrad gehört schon seit Jahrzehnten zur Wiesn: Carl Gabriel brachte die Drehscheibe 1908 oder 1910 auf die Theresienwiese; nach dem Krieg führten Rudolf und Betty Feldl das Geschäft fort. Wer am längsten auf der rotierenden Scheibe sitzen bleibt, gewinnt den Applaus des Publikums – und die derben Sprüche des Rekommandeurs. Prominente von Karl Valentin bis Elyas M’Barek sind mitgefahren. Die Figuren selbst sind jünger, als oft behauptet: Historische Fotos aus den 1950er- oder 1960er-Jahren zeigen ganz andere, hochgeschlossene Dirndl-Figuren.

Und beim Fahrgeschäft Happy Sailor, einer Seesturmbahn von 1979, musste eine Meerjungfrau ein Bikini-Oberteil aus Muschelschalen erhalten, ein Kapitän mit klischeehaften asiatischen Zügen wurde umgestaltet. Auch andere Schausteller berichten von Aufforderungen, Fassaden oder Figuren zu ändern: Bereits 2023 hatte die Gleichstellungskommission des Stadtrats einstimmig empfohlen, rassistische und sexistische Abbildungen zu entfernen – mit Stimmen von CSU und Grünen. Damals bezahlte die Familie, die den Voodoo-Jumper betreibt, nach Kritik an der Fassade 80.000 Euro für Änderungen.

Drohungen gegen „Zensur-Behörde“

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl kritisiert die „Bevormundung“ und spricht von einer „Sittenpolizei“. Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) nennt die Aktion ein „Verhüllungsgebot“ und sagt: „Man kann es eben auch übertreiben.“ Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) will mit der Gleichstellungsstelle über mehr „Augenmaß“ sprechen Und Die Linke erinnert daran, dass der Stadtrat die Linie selbst mitgetragen hat.

Bei der Gleichstellungsstelle gehen nun zahlreiche Hassnachrichten und Drohungen ein. Ein Sprecher dieser Behörde betont dazu Sie hat keine Weisungsbefugnis, nur eine beratende Rolle. SPD-Stadträtin Paula Gundi, stellvertretende Vorsitzende der städtischen Gleichstellungskommission,kritisierte, dass nun eine „absolut verkürzte Debatte“ entstanden sei, die der Arbeit der Stelle nicht gerecht werde – die Behörde wetrde nun „öffentlich angefeindet“.

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Kommentare ( 2 )

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2 Comments
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humerd
22 Minuten her

die der Arbeit der Stelle nicht gerecht werde „
doch, die „verkürzte“ Debatte wird der „Arbeit“ dieser Gelichstellungsstelle durchaus gerecht.

verblichene Rose
30 Minuten her

Was machen eigentlich solche „Beauftragten“ den ganzen Tag lang? Schließlich ist ja nicht immer Oktoberfest…