EU-Kommission stoppt „Save Europe Act“: Brüssel erklärt Migration zur verbotenen Bürgerfrage

Fast 600.000 Bürger verlangen über „Save Europe Act“ einen Stopp der Masseneinwanderung. Das antidemokratische Brüssel verweigert schon die Registrierung. Die Begründung der Kommission dürfte all jene hellhörig machen, die hinter der europäischen Migrationspolitik längst einen politischen Willen erkennen. „Save Europe Act“ kündigte an, gegen die Entscheidung vorzugehen.

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Radu Ionescu

Die Europäische Kommission hat die Registrierung des „Save Europe Act“ als Europäische Bürgerinitiative abgelehnt. Die Entscheidung fiel am 22. Juli. Damit darf die Kampagne den offiziellen Beteiligungsmechanismus der Europäischen Union nicht nutzen. Die Unterschriften ihrer Unterstützer bleiben politisch unerwünscht und institutionell folgenlos.

Initiiert wurde der „Save Europe Act“ von Martin Sellner und Eva Vlaardingerbroek. Nach Angaben der Organisatoren haben sich bereits mehr als 580.000 Menschen der Kampagne angeschlossen. Die ablehnende Begründung der Kommission reicht dabei weit über eine juristische Zurückweisung hinaus und birgt erheblichen Sprengstoff: Erklärt Brüssel den Schutz der ethnischen und kulturellen Kontinuität der europäischen Völker für unvereinbar mit den Grundwerten der Union, erklärt es deren fortschreitende Auflösung im Umkehrschluss zum hinzunehmenden Bestandteil seiner Werteordnung.

Die Stoßrichtung wird beispielsweise in Deutschland von deutlichen Mehrheiten getragen: In einer YouGov-Umfrage vom Dezember 2025 unterstützten 76 Prozent das Ziel, die Asylzuwanderung zu reduzieren; im ARD-DeutschlandTrend verlangten 77 Prozent eine grundlegende Wende in der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Die Kommission schließt damit einen migrationspolitischen Kurs vom europäischen Bürgerverfahren aus, dessen Kern keineswegs randständig ist, sondern dem Willen breiter Mehrheiten entspricht.

Die Initiatoren begründen ihre Forderung mit dem Schutz der ethnischen und kulturellen Kontinuität der europäischen Völker. Sie sprechen von einem demografischen Austausch durch anhaltende nichtwestliche Einwanderung und verlangen eine europäische Politik, die den Erhalt der historisch gewachsenen Bevölkerungen berücksichtigt.

Für die Kommission überschreitet bereits diese Zielsetzung die Grenzen des Zulässigen. Ein Einwanderungsmoratorium, das nach ethnischer, kultureller oder zivilisatorischer Herkunft unterscheidet, stelle eine Diskriminierung aufgrund der Rasse oder ethnischen Herkunft dar. Der Schutz der demografischen Kontinuität der einheimischen Bevölkerung könne daher kein legitimes Ziel einer Europäischen Bürgerinitiative sein. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Die Initiative sei „offensichtlich“ mit den Werten der Europäischen Union unvereinbar, heißt es aus Brüssel. Die Kommission beruft sich auf Artikel 2 des EU-Vertrags sowie das Diskriminierungsverbot der Grundrechtecharta. Damit hat sie das Anliegen nicht nach einer öffentlichen Debatte zurückgewiesen. Sie verhindert bereits, dass die vorgesehene Debatte überhaupt stattfinden kann.

Die Europäische Bürgerinitiative wird gern als Beweis dafür präsentiert, dass die Menschen an der europäischen Gesetzgebung mitwirken könnten. Tatsächlich dürfen sie die Kommission lediglich auffordern, tätig zu werden. Eine erfolgreiche Initiative benötigt mindestens eine Million bestätigte Unterschriften aus wenigstens sieben Mitgliedstaaten. Selbst danach ist die Kommission zu keinem Gesetzesvorschlag verpflichtet. Sie muss den Bürgern lediglich antworten.

Beim „Save Europe Act“ lässt Brüssel nicht einmal diesen schwachen Mechanismus zu. Die Kommission entscheidet im Voraus, dass die Bürger ihre Million gar nicht erst innerhalb des offiziellen Systems sammeln dürfen. Ein Instrument vermeintlicher Mitbestimmung wird damit zum Zulassungsverfahren für politisch erwünschte Meinungen.

Bereits im Juni hatte die Kommission den Organisatoren mitgeteilt, dass sie die Forderungen für unvereinbar mit den Grundrechten und den Werten der EU halte. Sellner und Vlaardingerbroek setzten die Sammlung fort und lehnten es ab, die zentralen Forderungen umzuschreiben. Die anschließende Ablehnung war damit absehbar.

Vlaardingerbroek erklärte nach der Entscheidung, die Organisatoren würden nicht nachgeben. Der „Save Europe Act“ kündigte an, gegen die Entscheidung vorzugehen. Nach Auffassung der Kampagne erklärt Brüssel den Wunsch, die nichtwestliche Masseneinwanderung zu stoppen, pauschal zur rassistischen Diskriminierung. Die Völker Europas seien nicht verpflichtet, ihr eigenes demografisches Verschwinden als europäischen Wert anzuerkennen.

Eine demokratische Institution müsste jedoch aushalten, dass Bürger eine grundlegend andere Migrationspolitik verlangen. Brüssel beansprucht inzwischen die Befugnis, die Grenzen zulässiger Opposition selbst zu bestimmen. Die Institution, deren Politik angegriffen wird, entscheidet zugleich, ob der Angriff überhaupt in das demokratische Verfahren gelangen darf.

Das geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem Brüssel seinen Migrations- und Asylpakt als große Wende verkauft. Die Verschärfung bleibt weitgehend eine Behauptung der Kommission. Der Pakt schafft keinen Einwanderungsstopp und keine konsequente Zurückweisung. Er ordnet die Verfahren neu, garantiert kostenlose Rechtsberatung und eröffnet Rechtsmittel. Weitere Instanzen und eine aufschiebende Wirkung können nach nationalem Recht hinzukommen. Damit bleiben zahlreiche Möglichkeiten erhalten, Verfahren zu verlängern und den Aufenthalt bis zu einer endgültigen Entscheidung zu sichern.

Wie wenig ernst selbst der vorgebliche Kampf gegen die Schleuserkriminalität betrieben wird, zeigte eine Recherche von Euractiv. Frontex bestätigte, dass Erkenntnisse aus freiwilligen Befragungen irregulär eingereister Migranten über Schleusernetzwerke nicht an die Polizeibehörden der Mitgliedstaaten weitergegeben werden. Auch die neue Anti-Schleuser-Einheit bei Europol schließt diese Informationslücke nach Eingeständnis der Kommission nicht. Brüssel kündigt den Kampf gegen das Geschäftsmodell der Schleuser an und hält gleichzeitig entscheidende Erkenntnisse aus den eigenen Befragungen von den Ermittlern fern.

Parallel baut die EU die legalen Zuwanderungswege weiter aus. Die Fünfjahresstrategie der Kommission verlangt zusätzliche „Talentpartnerschaften“ und beschleunigte Verfahren zur Anwerbung von Menschen aus Drittstaaten. Deutschland erteilte nach einer veröffentlichten Auskunft des Auswärtigen Amtes allein im ersten Halbjahr 2026 fast 54.000 Visa zum Familiennachzug; bereits 2025 waren es mehr als 110.000.

Von einem Migrationsstopp oder einer Umkehr kann deshalb keine Rede sein. Die irreguläre Einwanderung wird mit einem neuen Verwaltungsapparat versehen, während die regulären Zugangswege erweitert werden. Rechtsmittel und nationale Anschlussverfahren halten den Aufenthalt offen. Die Kommission etikettiert die Fortsetzung der bisherigen Migrationspolitik als Reform und sperrt zugleich jene Bürger aus dem Beteiligungsverfahren aus, die eine tatsächliche Begrenzung verlangen. Es ist alles eine reine Augenwischerei.

Andere Initiativen durften diesen Zugang nutzen. Registriert wurden Forderungen nach einem von der EU unterstützten Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen oder nach einem unionsweiten Verbot sogenannter Konversionspraktiken. Auch Kampagnen gegen Käfighaltung und für Einschränkungen der Werbung für fossile Brennstoffe passierten die Brüsseler Eingangskontrolle.

Die politische Sortierung ist unübersehbar. Wer die Kompetenzen der EU ausweiten, ihre gesellschaftspolitischen Ziele vorantreiben oder weitere Verbote verlangen will, darf sammeln. Wer die Folgen der europäischen Migrationspolitik grundsätzlich infrage stellt, scheitert bereits an der Tür. Aus dem Bürgerrecht wird eine von der Kommission vergebene Redeerlaubnis.

Die Chatkontrolle kehrt durch die Hintertür zurück

Wie Brüssel mit unerwünschten Mehrheiten umgeht, zeigte sich gerade bei der Chatkontrolle. Am 26. März lehnte das Europäische Parlament die Verlängerung der als vorübergehend bezeichneten Ausnahme von den Datenschutzregeln ab. 311 Abgeordnete stimmten gegen den Vorschlag der Kommission, 228 dafür. Die erste Lesung wurde geschlossen, die alte Regelung lief am 3. April aus.

Der Rat akzeptierte dieses Ergebnis nicht. In seiner eigenen Begründung hielt er fest, dass der gesamte Text der ausgelaufenen Übergangsregelung in eine neue, eigenständige Verordnung übernommen werden solle. Aus dem vom Parlament abgelehnten Verlängerungsvorschlag wurde auf diese Weise formal eine neue Ratsposition, die anschließend in die zweite Lesung des Parlaments geschickt wurde.

Dort galt eine erheblich höhere Hürde. Zur Ablehnung der Ratsposition waren 360 Stimmen erforderlich. Eine einfache Mehrheit von 314 Abgeordneten stimmte am 9. Juli zwar für die Zurückweisung. Sie reichte nach den Regeln der zweiten Lesung dennoch nicht aus. Der politische Mehrheitswille wurde durch das gewählte Verfahren neutralisiert.

Das Parlament konnte nur noch Änderungen durchsetzen, darunter den Ausschluss Ende-zu-Ende-verschlüsselter Kommunikation. Der Rat leitete anschließend ein schriftliches Verfahren ein, um diese Änderungen zu billigen. Eine Regelung, die im März parlamentarisch gescheitert war, wurde damit wenige Monate später durch eine andere Verfahrensschleife wiederbelebt.

Diese Methode gehört zur Geschichte der europäischen Integration. Frankreich und die Niederlande lehnten 2005 den europäischen Verfassungsvertrag in Volksabstimmungen ab. Viele seiner institutionellen Inhalte wurden anschließend in den Vertrag von Lissabon überführt. Das Europäische Parlament hält selbst fest, dass ein erheblicher Teil der ursprünglichen Ziele auf diese Weise gesichert wurde.
Irland lehnte den Lissabon-Vertrag 2008 ab. Nach zusätzlichen Garantien wurde 2009 erneut abgestimmt, diesmal mit dem gewünschten Ergebnis. Das erste Nein beendete den Vertrag nicht. Es eröffnete die Suche nach einem Verfahren, das aus dem Nein doch noch ein Ja machte.

Auch erfolgreiche Bürgerinitiativen besitzen kaum politische Durchsetzungskraft. „One of Us“ sammelte mehr als 1,7 Millionen bestätigte Unterschriften. Die Kommission lehnte einen Gesetzesvorschlag ab. „Minority SafePack“ erhielt mehr als 1,1 Millionen Unterstützer, wurde vom Europäischen Parlament unterstützt und führte ebenfalls zu keiner neuen Gesetzgebung.

Der „Save Europe Act“ offenbart die nächste Stufe. Brüssel wartet nicht mehr ab, bis eine Million Bürger unterschrieben haben, um deren Forderung anschließend folgenlos abzulegen. Die Kommission verhindert schon die offizielle Sammlung.

Die vollends antidemokratische und ins Totalitäre abgleitende EU betrachtet Bürgerbeteiligung nicht als Recht, sondern als lästiges Rauschen. Der Bürger darf mitreden, solange seine Forderung innerhalb des von Brüssel festgelegten Meinungskorridors bleibt. Er darf abstimmen, solange das Ergebnis den Institutionen gefällt. Weicht es ab, wird neu verhandelt, neu abgestimmt oder das Verfahren so lange umgebaut, bis der Widerstand wirkungslos geworden ist.

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Kommentare ( 18 )

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epigone
5 Minuten her

Europa wird untergehen. Hat schon der Althistoriker Egon Flaig vermutet: Die aufgeklärte humanistische Phase in Europa könnte sich im Rückblick dereinst als kurze und zerbrechliche Blüte der Menschheitsgeschichte erweisen, die wieder von der Archaik verschlungen wurde.

Sozia
9 Minuten her

Und wen genau soll es beirren, dass das keine offizielle EBI ist? Das war die Ablehnung von TTIP auch nicht, aber 3 Mio. europäische Stimmen konnte man damals schlicht nicht übergehen. Also spielt es keine Rolle, ob sie die Initiative anerkennen, sie ist schon durch ihre Existenz offiziell.

Haba Orwell
18 Minuten her

> Der Bürger darf mitreden, solange seine Forderung innerhalb des von Brüssel festgelegten Meinungskorridors bleibt.

Genauso darf der Bürger in Nordkorea mitreden, solange er eifrig Kim belobhudelt. Die EUdSSR ist längst in diese Richtung abgedriftet – was leider längst nicht jeder Michel versteht.
Aus einem Interview mit Glenn Diesen: „… De facto sei die Europäische Union zu einer Kriegsdiktatur geworden. …“

Juri St.
30 Minuten her

Da zählt die Meinung von 27 nicht einmal gewählten Mitgliedern der EU-Kommission mehr als die Meinung von zig Millionen Bürgern. Unfassbar!

Sozia
9 Minuten her
Antworten an  Juri St.

Daran sieht man, wie lächerlich der Versuch ist.

Deutscher
32 Minuten her

EU, der Hauptfeind Europas.

hansgunther
50 Minuten her

Wir müssen aus der EU aussteigen, mindestens Dinge korrigieren, die Milliarden von uns einstreicht und die Lebensinteressen des Einzahlers negiert, ins Gegenteil verkehrt, ja sie sogar in den Hintergrund drängt.
Dieser Sumpf muss trockengelegt werden. Gelder sind zu streichen, und eine Rückkehr zur nationalen Politik im Eigeninteresse muss wiederhergestellt werden.
Das Kartell wird das niemals leisten, also AfD wählen! Die werden es nicht radikal machen, sondern vernünftige Kompromisse heraushandeln zu Gunsten unserer Landes und seiner Interessen!

P.Schoeffel
55 Minuten her

DEXIT – sofort.
Mehr fällt mir dazu nicht mehr ein.
Den brüsseler Saustall auszumisten schafft nicht mal mehr ein Herkules.

teanopos
56 Minuten her

Das ist ihre Demokratie. Oder einfach „Demokratie“.   Sie zerreißen die Demokratie. Das ist von den korrupten Ratten in den europäischen Politetagen in Brüssel aber insbesondere auch in den Mitgliedsländern wie Deutschland genau so gewollt in ihrer subtilen Parteiendiktatur.   Diese korrupten Ratten vergessen jeden Morgen, dass sie unsere Angestellten sind, dass wir Bürger, das Staatsvolk der Souverän sind. dass sie unsere Ziele zu etablieren und folgen zu haben, nicht wir deren.   Dem Grundgesetz nach müssten und dürften wir diese Korrupten Politiker von CDU, SPD, Grüne eigentlich zum Teufel jagen! Sie schaden der Demokratie in diesem Land jeden Tag… Mehr

Last edited 50 Minuten her by teanopos
luxlimbus
56 Minuten her

Es ist eine Verschwörung der steuergeldfinanzierten Funktionseliten, und die EU ist deren dunkles „Herz der Finsternis“. Der Souverän hat nichts zu melden, ein demokratischer Wettstreit, ein Für und Wider, wurde und wird ausgerechnet von den Kräften manisch hintertrieben, die nicht müde werden sich auch noch, bei jeder Gelegenheit, als alleinige Hüter der Demokratie aufzuspielen. Es sind Verbrecher!

Wilhelm Rommel
57 Minuten her

Die Forderungen des „Save Europe Act“ sind vorbehaltlos von jedem Bürger eines EU-Mitgliedsstaates zu unterstützen, der noch halbwegs bei klarem Verstand ist!
Eine sich von allen demokratischen Grundprinzipien verabschiedende – übrigens durch nichts und niemanden legitimierte – Institution lässt hingegen durch ihre rüde Ablehnung sämtliche Masken fallen und zeigt unverhohlen ihre totalitär-hässliche Fratze:
Es wird allerhöchste Zeit, hier wirksam und auf Dauer im Sinne der Völker Europas und ihres historisch-kulturellen Erbes Abhilfe zu schaffen…

Last edited 48 Minuten her by Wilhelm Rommel