Erstmals in seiner 729-jährigen Geschichte erschüttert ein Terroranschlag das Fürstentum: Ukrainische Gäste brachten offenbar nicht nur Milliarden und Bentleys nach Monaco, sondern auch ihre Fehden – der ukrainische Oligarch Vadym Yermolaiev, seine Ehefrau und die 13-jährige Tochter wurden beim Anschlag verletzt.
picture alliance / MAXPPP | OTTONELLO Jean-Francois
Der Sprengsatz detonierte in der Nacht auf heute in einem Wohngebäude an der Rue Révérend Père Louis Frolla, unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. Laut Polizeiangaben und Berichten von Le Figaro und BFM TV legte ein Unbekannter ein Paket oder einen Rucksack im Eingangsbereich des Gebäudes ab und floh.
Überwachungskameras filmten den Verdächtigen, der in Richtung des französischen Grenzortes Beausoleil verschwand. Der Sprengkörper war mit Bolzen und Metallschrot gefüllt, um die Splitterwirkung zu maximieren – eine Konstruktion, die auf maximale Verletzungswirkung ausgelegt war. Der „Plan Rouge“ für Großeinsätze wurde aktiviert. Rettungskräfte waren sofort nach der Explosion vor Ort, eine weitreichende Fahndung läuft, Monaco arbeitet dabei eng mit französischen Behörden zusammen.
Zielperson auf Sanktionsliste Selenskyjs
Die Opfer des Anschlags sind zwei Erwachsene sowie ein 13-jähriges Mädchen. Die Eltern schweben in Lebensgefahr, das Kind erlitt nicht lebensbedrohliche Verletzungen und ist in einem stabilen Zustand. Vier weitere Personen wurden aufgrund des Schocks behandelt, blieben aber unverletzt. Der französische Sender BFM TV identifizierte den schwer verletzten Mann als den ukrainischen Geschäftsmann Vadym Yermolaiev.
Ob der Anschlag tatsächlich politisch motiviert war – etwa im Zusammenhang mit Sanktionen oder alten Geschäftskonflikten – , ist derzeit noch nicht bewiesen. Die monegassischen Behörden betonen, dass es sich jedenfalls um einen „beispiellosen“ Vorfall handelt und die Ermittlungen in alle Richtungen erfolgen. Ministerpräsident Christophe Mirmand sprach von einem „gezielten Akt“, der die Sicherheit des Fürstentums in Frage stelle.
Seit Dezember 2023 steht der geflüchtete Oligarch auf der ukrainischen Sanktionsliste von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Der Grund dafür: enge geschäftliche Verbindungen zu russisch besetzten Gebieten der Krim, insbesondere im Alkohol-Geschäft. Die Sanktionen umfassen Vermögenssperren und ein Verbot finanzieller Transaktionen in der Ukraine. Yermolaiev lebt als wohlhabender Flüchtling in Monaco – er ist einer der vielen ukrainischen Geschäftsleute, die bald nach Beginn des russischen Großangriffs an die französische Riviera zogen, in Kiew werden diese Kriegsflüchtlinge als „Monaco-Bataillon“ bezeichnet. Der Multimillionär ist verheiratet und hat vier Kinder; seine Frau Anna gründete die Wohltätigkeitsstiftung Kiddo.
Weiterer politischer Gegner Selenskyjs in Spanien ermordet
Das Attentat erinnert an den Politmord an Andrij Portnow bei Madrid: Der ukrainische Rechtsanwalt und früherere Berater des pro-russischen Präsidenten Viktor Janukowytsch, der sich jahrelang in Wien versteckt hielt, wurde am 21. Mai 2025 mit fünf Schüssen vor der Privatschule seiner Kinder getötet. Portnow galt als pro-russisch und wurde von politischen Gegnern beschuldigt, ein juristisches System mit aufgebaut zu haben, das die Niederschlagung der Euromaidan-Proteste 2013/2014 ermöglichte. Er wurde international sanktioniert, und ihm wurde vorgeworfen, seine Positionen für seine persönliche Bereicherung und Einflussnahme auf die Justiz genutzt zu haben. Kurz vor seinem Tod soll der Anwalt noch für Gespräche mit Personen im engeren Umfeld des Präsidenten in Kiew gewesen sein.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein