Die alte Dieselfähre fuhr sogar noch bei Sturm. Die neue Elektrofähre scheitert bereits an einer lauen Brise. Die Geschichte der „Missunde III“ ist die Geschichte von Deutschlands gescheiterter Energiewende im Kleinformat.
picture alliance/dpa | Christian Charisius
Eine kleine Fähre in Schleswig-Holstein. Ein paar Autos. Ein paar hundert Meter über die Schlei. Nichts Wichtiges. Oder doch? Die Geschichte der „Missunde III“ offenbart, wie die nach Dänemark abgeschobene Walin Timmy, viel über den täglich Irrsinn des grün-woken Deutschlands der Barndmauerparteien.
Zunächst gab es die alte „Missunde II“. Eine Dieselfähre. Nichts spektakuläres, nichts innovatives. Definitiv kein Vorzeigeprojekt. Aber sie fuhr. Zuverlässig transportierte sie Menschen und Fahrzeuge bei jedem Wetter von einem Ufer zum anderen. Selbst bei Windstärke 9 bis 10 blieb sie einsatzfähig.
Dann kam die Transformation
Die alte Fähre sollte durch eine größere Solar- beziehungsweise Elektrofähre ersetzt werden. Die Zukunft der öko-sozialistischen Transformation sollte an der Schlei der Welt zeigen und sie daran erinnern, warum man uns angeblich so beneidet, darum, was möglich ist, wenn Zentralplaner es nur wollen. Geplant waren Kosten von rund 2,5 Millionen Euro. Die Inbetriebnahme war für 2022 vorgesehen.
Am Ende wurden daraus mehr als fünf Millionen Euro und aus 2022 wurde 2026. Funktioniert aber immer noch nicht. Das Zukunftsprojekt wurde eine jahrelange Geschichte von Verzögerungen, Umbauten. technischen Problemen, Ausreden und gegenseitigen Schuldzuweisungen.
Während die alte Fähre also zuverlässig funktionierte, bekam die neue millionenteure Elektrofähre Probleme bereits ab Windstärke 3 beim sicheren Anlegen. Windstärke 3 entspricht einer schwachen Brise mit einer Geschwindigkeit von 12 bis 19 km/h. Blätter und dünne Zweige bewegen sich, Wimpel und leichte Fahnen werden gestreckt. Und wird zum Problem für eine Elektrofähre.
Die grün-woken Transformatoren hatten da aber noch nicht ihr gesamtes Unvermögen offenbart. Weil die neue Fähre nicht einsatzbereit war, musste die alte „Missunde II“ doch nochmal zurückgeholt werden. Jene Fähre, die man zuvor für 17.000 Euro verkauft hatte, weil sie angeblich nicht mehr benötigt würde. Für die Rückkehr wurden zunächst 50.000 Euro bezahlt. Später weitere 50.000 Euro für eine Verlängerung. Das Ergebnis: 17.000 Euro eingenommen, 100.000 Euro ausgegeben. Man hält es alles im Kopf nicht aus.
Irgendwann, so denkt man, hätten selbst ideologisch gefestigte Transformatoren einsehen müssen, dass es eben nicht funktioniert. Das wird zu teuer. Auch diese Annahmen waren: falsch. Wir müssen umsteuern. Doch genau dieser Moment scheint nie gekommen zu sein. Wie mit allem in Deutschland, werden die bisherigen erfolglosen und sogar schädlichen Massnahmen – statt einmal kurz innezuhalten und in sich zu gehen – verdoppelt. Und wenn das nicht langt, eben vervierfacht.
Und so ist es auch hier. Deutsch sein heisst auch hier, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun. Die „Missunde III“ fällt nun erneut aus. Der Pächter kündigt deshalb seinen Vertrag. Das Land hält am Projekt fest. Gleichzeitig, THINK BIG, wie bei Northvolt, wird bereits über eine „Missunde IV“ gesprochen, die frühestens in ein paar Jahren und zu erheblichen Mehrkosten verfügbar wäre. Danach kämen “Missunde V” und Missunde VI”. Hochtrabend wie bei Raumfahrtprogrammen. Aber hier hebt nichts mehr in die Zukunft ab. Vielleicht versucht man es lieber mal mit einer Fähre, auf der ein paar wackere Grüne auf umgebauten Fahrrädern die Fähre über die Schlei treten. Es wäre ehrlich. Es wäre fair und kostensparender.
Die „Missunde III“ sollte zeigen, wie die Zukunft aussieht. Und genau das tut sie, vielleicht deutlicher als es unsere tapferen Transformatoren wahrhaben wollen.

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