Die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung, die beitragsfreie Mitversicherung für einheimische Ehepartner zu streichen, rückt eine soziale Ungerechtigkeit zwischen in Deutschland lebenden und ausländischen Familien durch staatliche Sonderabkommen jetzt erneut in den Fokus.
picture alliance/dpa | Michael Kappeler - Collage: TE
Wer in Deutschland lebt und arbeitet, eine Familie gründet und Sozialbeiträge zahlt, wird gegenüber einer Gruppe von ausländischen Mitbürgern seit gut 60 Jahren benachteiligt. Vielen ist das nicht bewusst. Medien und Politik schweigen darüber gern oder marginalisieren die Millionenbeträge.
Staatliche Abkommen mit der Türkei und Ex-Jugoslawien hingegen regeln die Kosten für die Gesundheitsversorgung von Familien aus deren Ländern durch die gesetzlichen Krankenversicherungen Deutschlands.
Doch jetzt plant die Bundesregierung auf Betreiben von CDU und SPD, die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern zu streichen. Es könnte dann eine Beitragspflicht für Ehegatten geben, auch wenn sie nicht arbeiten. Künftig sollen Betroffene rund 225 Euro netto im Monat zusätzlich zahlen. 200 Euro wären für die Kranken- und 25 Euro für Pflegeversicherung fällig.
Die CDU erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von mehr als 6,6 Milliarden Euro im Jahr. Zudem würde das einen Anreiz für Frauen mit sich bringen, eine Arbeit aufzunehmen. Ein bisschen DDR muss für die Christdemokraten wohl auch heute noch sein.
Sozialbürger in Deutschland wären dann 2. Klasse versichert. Was kaum einer weiß: Seit gut 60 Jahren ermöglicht ein deutsch-türkisches Sozialversicherungsabkommen vom 30. April 1964 sogenannten Gastarbeitern auch heute noch, dass türkische Familienangehörige über die deutsche Krankenversicherung grundsätzlich mitversichert sind.
„Die Sozialversicherungsabkommen sind ein fester Anker in den internationalen Beziehungen. Sie sind Wegmarken der Solidarität unter den Ländern“, heißt es zum 60. Jahrestag des Inkraftretens am 1. November 1965. „Das Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und der Türkei ist das älteste unter allen diesen Abkommen.“
Das mag zu Beginn der Gastarbeiterzeiten ein sinnvoller Anreiz gewesen sein, aber ist nach 60 Jahren eine derartige Ungleichbehandlung von einheimischen und ausländischen Familien sozial gerecht?
Eine Ärztin, die sich für die AfD jetzt im Brandenburger Landtag als Gesundheitspolitikerin engagiert, findet das überhaupt nicht. Mit Blick auf geplante Kürzungen bei der Familienversicherung ist das für Dr. Daniela Oeynhausen pure Doppelmoral: „Das überkommene Lockmittel aus der Anwerbezeit der Gastarbeiter gilt bis heute. Sogar für Rentner, die schon längst wieder in ihrer alten Heimat wohnen. Familien in Deutschland sollen dagegen zahlen, damit das System weiter am Laufen gehalten wird“, kritisiert die Gesundheitsexpertin im Gespräch mit Tichys Einblick.
Immerhin geht es jetzt um Millionen Pflichtbeiträge von bislang mitversicherten Ehepartnern in Deutschland.
Im aktuellen Kommissionspapier der schwarz-roten Koalition zu ihren Einsparungen und Reformen findet sich dagegen kein einziges Wort zu diesen alten Abkommen. Daher bleiben sie bei deren Plänen voraussichtlich außen vor.
Allein von 2020 bis 2023 soll die gesetzliche Krankenversicherung an Einwandererfamilien 90 Millionen Euro gezahlt haben. Der größte Teil davon floss mit 60 Millionen an die Türkei, berichtete vor zwei Jahren Focus Online. Auch wenn die Zahlungen in den letzten Jahren leicht sinken, überweist also die deutsche gesetzliche Krankenversicherung Millionenbeträge an Familien von Einwanderern aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien.
In den Genuss der großzügigen Sozialregelung, finanziert durch Beitragszahler in Deutschland, kommen so Familien in Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Serbien, Mazedonien und der Türkei.
Für Oeynhausen unverständlich: „Die Türkei- und Balkan-Regelungen bleiben unangetastet. Da wird weiter aus deutschen Beiträgen bezahlt, nicht nur für Ehefrauen, auch für Oma und Opa, ohne dass sie je in Deutschland lebten.“
Focus Online sah sich im Januar 2024 dennoch gemüßigt, die vielen Millionen zu marginalisieren, um wohl die berechtigte Wut bei den Bürgern darüber zu besänftigen.
Durch Einsparungen dieser Regelung würden Versicherte in Deutschland ja „nur 5 Cent im Monat“ sparen, rechnete Focus Online damals vor. Merke: Zahle die 5 Cent und wasch dich halt mit dem Lappen, statt zu duschen, oder kaufe eine Flasche Hustensaft weniger. So schaut’s aus in Deutschland und seinen Medien.
Die Bundestagsfraktion der Alternative für Deutschland wollte das jedoch genauer wissen und stellte daraufhin eine Anfrage an die Bundesregierung der Ampel und erhielt am 21. Mai 2024 dazu eine Antwort (Drucksache 20/11481).
Nach Angaben der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) kostete Deutschland danach nur die gesundheitliche Betreuung türkischer Familienangehöriger von 2010 bis 2023 fast 500 Millionen Euro.
Allein im Jahr 2017 beliefen sich laut Bundesregierung die Belastungen der GKV durch die Türkei auf über 71 Millionen Euro.
Der Begriff Familie bleibt dabei der Kultur der entsprechenden Länder seit Beginn überlassen. So zählen im Falle der Türkei beispielsweise auch die Eltern dazu, die sich dann dort oder in Deutschland durch die GKV-Leistungen behandeln lassen können.
Die AfD-Bundestagsfraktion wollte daher von der Bundesregierung wissen:
„Wurde die Mitversicherung von in der Republik Türkei lebenden Familienangehörigen nach dem deutsch-türkischen Sozialversicherungsabkommen auf den Berechtigtenkreis nach deutschem Recht angepasst, und wenn ja, inwiefern, wenn nein, warum nicht?“
Antwort:
„Eine Anpassung der Mitversicherung auf den Berechtigtenkreis nach deutschem Recht ist nicht erfolgt und auch nicht beabsichtigt.“
Diese Haltung gilt unter der jetzigen schwarz-roten Regierung von CDU-Kanzler Friedrich Merz und seinem SPD-Vize Lars Klingbeil selbstverständlich weiter. Stattdessen sollen jetzt halt mitversicherte Ehepartner Sozialbeiträge zahlen müssen. Obendrein bleiben die Millionen Bürgergeldempfänger wie zum Beispiel aus der Ukraine wie üblich von solchen Gesetzen unberührt.
Zudem können wir davon ausgehen, dass die gesundheitliche Sonderversorgung auch für türkische Staatsbürger mit Doppelpass gilt – also auch mit paralleler deutscher Staatsbürgerschaft. Eine entsprechende Frage eines Abgeordneten der größten Oppositionsfraktion im Bundestag an die Regierung ist nach TE-Informationen dazu schon in Vorbereitung.

Obendrein gibt es laut Bundesregierung noch eine Sonderregelung für Kinder in der Türkei:
„Ausnahmsweise kommt für Kinder, die in der Türkei leben, unter bestimmten Umständen aufgrund des deutsch-türkischen Abkommens über Soziale Sicherheit ein Kindergeldanspruch zu herabgesetzten Sätzen (Abkommenskindergeld) in Betracht. Die monatlichen Kindergeldsätze betragen für Kinder in der Türkei 5,11 Euro für das erste, 12,78 Euro für das zweite, 30,68 Euro für das dritte und vierte sowie 35,79 Euro für jedes weitere Kind“, heißt es in der Antwort an die AfD-Bundestagsfraktion.
Trotz alledem gilt das Weiter-so: Die Bundesregierung sieht in ihrer Antwort an die AfD „keinen Anlass, das bestehende deutschtürkische Abkommen vom 30. April 1964 über Soziale Sicherheit neu zu verhandeln“.
Offensichtlich mag keine Bundesregierung neu verhandeln, weil sie die politische Rache des autokratischen Präsidenten der Türkei Recep Tayyip Erdoğan fürchtet, der nach Belieben die Schleusen für Flüchtlingsströme öffnen und schließen kann. Lieber lassen die Regierenden die Kosten für die Sonderversorgung von Ausländern die Beitragszahler in Deutschland tragen.
Gesundheitsexpertin Oeynhausen spricht es offen aus: „Das ist keine Solidarität. Das ist Umverteilung ins Ausland.“ Das könne nicht „sozial gerecht“ sein. Für sie sei das eine krasse Benachteiligung von Inländern. „Es ist höchste Zeit, dass diese Verträge gekündigt und neu verhandelt werden.“
Angesichts der jetzt geplanten Ungleichbehandlung von Ehepartnern gegenüber Ausländern dürfte das Thema vor allem vor den anstehenden drei Landtagswahlen jetzt noch einmal hochkochen.
Vielen hart arbeitenden Bürgern wird klar: Sprit- und Energiekosten explodieren, Lebensmittelpreise steigen und sie sollen immer mehr zahlen. In Deutschland schließen in Serie Krankenhäuser oder es gibt keine Arzttermine und im Gegenzug werden viele Millionen für ausländische Familien aufgrund aus der Zeit gefallener Gastarbeiterregelungen an ausländische Krankenkassen einfach weiter erstattet. Warum?

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Wir Deutschen sind ein seltsames Volk: Lassen uns alltäglich, ergo offiziell seit 23.05.1949, durch das Besatzerkonstrukt BRD (https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728 ab Minute 3:25), das sich lügenhaft als Staat deklariert (https://www.youtube.com/watch?v=UlM1tBAO5XE), in unserer Heimat demütigen (siehe unter anderem die angedachten BRD-Pläne zur sogenannten „Krankenversicherung“) und hegen in diesem Zusammenhang die Illusion, dass das Besatzerkonstrukt BRD eines Tages in unserem Sinne handeln werde (verbleibt jedoch eine Utopie, siehe auch Konrad Adenauer: „Wir sind keine Mandanten des deutschen Volkes, wir haben den Auftrag von den Alliierten.“ https://www.thepioneer.de/originals/thepioneer-briefing-business-class-edition/briefings/der-anti-fuehrer-staat)!
Herr Opitz ist ein ehrenwerter Mann. Doch die Diskussion um Patienten erster und zweiter Klasse ist angesichts der Realität absurd. Seit Jahrzehnten gibt es hierzulande neben den „armen Teufeln“, die im „besten Deutschland aller Zeiten“ ihre Arztrechtungen aus eigener Tasche zahlen müssen, mindestens vier Kategorien von Patienten:
– Kasse
– Privatkasse
– Exponierte Privatpatienten (Menschen wie Hoeneß, den Bundeskanzler u.ä.)
– (Ausländische) Privatpatienten, die deutschen Kliniken ganze Stockwerke für sich und ihre Entourage reservieren.
Postskriptum. Die Patienten der fünften Klasse kommen gar nicht nach ‘schland, sondern suchen die Schweiz, Großbritannien oder die USA auf.
Bald?! Die haben wir doch schon lange. Wobei es eine mind. drei Klassen Medizin ist: privat Versicherte und Beamte, Bürgergeldempfänger und ganz am Ende die gesetzlich Versicherten, die den Kram zahlen.
Was haben wir für selbstsüchtige Abkassierer in die erste politische Reihe kommen lassen. Es verwundert nur völlig, dass immer noch so viele Bürger diese empathie- und gewissenlosen Abzocker zu wählen scheinen. Oder haben sie die Auszählung auch im Griff?
Wie lange lassen sich die Bürger solch eine Behandlung durch den Staat noch über sich ergehen. Dämlichkeit lässt grüßen. Ich war 35 Jahre alleinverdiener. Eine solche Zusatzbelastung hätten wir nich stemmen können. Eine Schande! Ich schäme mich für die vielen Schaafe, die weiterhin die Brandstifter wählen und glauben sie würden dadurch das Feuer wieder löschen. Nur weil sie zu bequem sind sich in die aktuelle politische Situation hineinzudenken.
Ich finde das nicht dramatisch. Die Wähler zumindest in den westlichen BUndesländern bestätigen die Übeltäter immer wieder in ihren Ämtern. Letztendlich wird geliefert wie bestellt.
Einmal das Kreuz an der richtigen Stelle, ein einziges Mal. Aber lieber den Jungen die Zukunft ruinieren, weil man selber schon keine mehr hat. Aber das wird sich rächen.
Das Abkommen mit der Türkei steht. Minsk 1 und 2 wurden dagegen nicht ernst genommen.
Bravo! Der deutsche Beitragszahler finanziert jetzt die Luxus-Mitversicherung für ausländische Ehepartner – seine eigene Familie darf er selbst zahlen.
Sozialstaat auf Kosten der Dummen: Einheimische zweiter Klasse, „Gäste“ erster Klasse. Deutschland, deine Zahler sind die Deppen der Nation❗
Nein, nein. Die Luxus-Mitversicherung ist ein Markenzeichen der deutschen Toleranz und Weltoffenheit. Die Wähler der demokr. Parteien wollen damit auch eine Begleichung unserer historischen Schuld verstanden wissen. Von einem solchen habe ich letztens noch gehört:“Wir haben während der Kolonialzeit die afrik./arabischen Länder ausgeplündert. Jetzt sollten wir den Leuten auch ihren Teil zurück geben!“ Das nenne ich sehr weitsichtig und verantwortungsvoll.
Migranten erscheinen oft in Zugstärke beim Arzt/in der Notaufnahme und weren ohne Termin sofort bedient.
Wir haben bereits 2-Klassen-Medizin.