Traditionell teilen Marxisten und Sozialisten aller Couleur weltweit die tiefe Abneigung der Islamisten gegen Amerika. Sie alle klagen immer wieder den Imperialismus und den „Raubtier-Kapitalismus“ Amerikas an. Trump hat die anti-amerikanischen Ressentiments und den Hass auf die Supermacht Amerika noch einmal enorm befeuert.
picture alliance / Anadolu | Selcuk Acar
Zwar wird kaum ein anständiger Mensch viel Sympathien für das menschenverachtende Mullah-Regime in Iran haben. Aber in einem Punkt scheint es weltweit immer mehr Zustimmung für die Sichtweise der schiitischen Gotteskrieger zu geben: der Teufel sitzt in Washington. Für die Islamisten in Teheran sind die USA schon lange der „große Satan“.
Seitdem Amerika und Israel, der „kleine Satan“, erneut Krieg gegen den iranischen Gottesstaat führen, stehen die USA und insbesondere Präsident Donald Trump international am Pranger; die Palette der Kritiker reicht vielerorts – wie auch in Deutschland – von ganz links bis ganz rechts.
Während die einen vor allem einen Verstoß gegen das internationale Recht anprangern, beschwören andere die Gefahren eines regionalen „Flächenbrands“, wenn nicht sogar eines Weltkriegs, und eines drohenden Blutbads, sollte Iran mit seinen 90 Millionen Einwohnern in das Chaos eines Bürgerkriegs versinken.
In vielen Ländern, insbesondere im „globalen Süden“, wurde der Krieg verurteilt, sehr heftig beispielsweise in Brasilien und Südafrika. Die schärfste diplomatische Kritik kam wohl aus Peking: China bezeichnete die Tötung Ayatollahs Chameneis als einen „inakzeptablen Akt“, der die Souveränität eines Staates und die Grundprinzipien der UN-Charta mit Füßen trete. Aber abgesehen von der Kritik weltweit, stößt der Krieg auch in den Staaten des Westens auf viel Ablehnung.
Amerika war schon immer Feindbild der Linken
Traditionell teilen Marxisten und Sozialisten aller Couleur weltweit die tiefe Abneigung der Islamisten gegen Amerika. Sie alle klagen immer wieder den Imperialismus und den „Raubtier-Kapitalismus“ Amerikas an. Die Präsidentschaft eines sendungsbewussten und wortgewaltigen Machtpolitikers wie Donald Trump hat die anti-amerikanischen Ressentiments und den Hass auf die Supermacht Amerika noch einmal enorm befeuert.
Nach den US-Angriffen auf Nuklearanlagen in Iran im Juni 2025 und dem dem spektakulären Militäreinsatz der Amerikaner in Venezuela Anfang Januar scheint der aktuelle Krieg gegen das Mullah-Regime jene zu bestätigen, die Trump noch nie abnahmen, er werde ein „Präsident des Friedens“ werden.
Der Krieg gegen Iran sei „eine ungerechtfertigte, gefährliche militärische Intervention außerhalb des Völkerrechts“, beklagte der spanische Premierminister Pedro Sánchez. Der Sozialist griff Trump unverblümt an, da der Krieg auch „ohne Genehmigung des US-Kongresses oder des UN-Sicherheitsrats“ begonnen worden sei. Sánchez monierte, dass es nun keine „ausgehandelte Lösungen“ gebe, sondern nur eine „Verwüstung der Waffen“. Er plädierte für „Dialog“ und „Deeskalation“.
Kritik auch in den USA
Auch in den USA gibt es auf vielen Seiten heftigen Widerstand gegen den Iran-Krieg. Die Befürworter einer amerikanischen Isolationspolitik in der MAGA-Bewegung betrachten den Waffengang gegen Iran mit größter Skepsis. Vor allem aber die Demokraten kritisieren den Kriegsbefehl Trumps. Linke und islamistische Gruppen demonstrierten in New York und anderen Städten mit Palästina-Flaggen und „Hands off Iran“-Slogans gegen die Trump-Politik.
New Yorks neuer Bürgermeister Zohran Mamdani verurteilte die „katastrophale Eskalation durch einen illegalen Krieg“. Der bekennende Sozialist und gläubige Muslim kritisierte heftig den Versuch eines „gewaltsamen Regime Change“ – und ignorierte, dass die starken iranischen Exilgemeinden in den USA mit riesigem Jubel auf die Nachrichten reagiert hatten, dass es den Ayatollahs in Iran nun an den Kragen geht.
Der frühere britische Labour-Chef Jeremy Corbyn sprach von einem „illegalen, nicht provozierten und nicht zu rechtfertigenden Krieg“. Dabei wäre es durchaus möglich gewesen, sich diplomatisch mit Teheran zu einigen. Der französische Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon bezeichnete Ali Khamenei zwar als „Henker“, aber die Amerikaner und Israelis führten einen „Krieg gegen das internationale Recht“.
Die Generalsekretärin von Amnesty International Agnès Callamard sprach von dem Krieg als einen „rechtswidrigen und rücksichtslosen Akt“, welcher die Prinzipien der Menschlichkeit und des humanitären Völkerrechts verwüste.
EU-Linke kritisieren Herrschaft der Gewalt
Der belgische Linken-Abgeordnete im EU-Parlament, Marc Botenga, kritisierte heftig die EU-Führung, die sich weigerten, den amerikanisch-israelischen Angriff zu verurteilen. Die EU-Linksfraktion sprach von einem „Verzicht auf das Völkerrecht, der eine Weltordnung legitimiert, in der Macht und Gewalt herrschen“.
Die SPD in Deutschland quälte sich sichtlich mit der Einschätzung, allerdings war das Unbehagen an dem Waffengang Trumps deutlich spürbar: Für die SPD stehe fest, „dass nach allem, was wir wissen, augenblicklich das Völkerrecht nicht eingehalten worden ist“, schrieb der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch. Eine Zukunft im Iran könne „nur am Verhandlungstisch organisiert werden“.
Die ständige Beschwörung von diplomatischen Lösungen hat allerdings bislang den Iran weder von seinen nuklearen Anstrengungen noch von seinen weltweiten Aktivitäten bei der Finanzierung und Unterstützung terroristischer Organisationen abgehalten – auch nicht in vielen europäischen Ländern.
Wunschdenken und Schönreden sind seit langen Jahren Kennzeichen von Stellungnahmen deutscher und europäischer Politiker, wenn es um Probleme im Nahen Osten geht. Die Erkenntnis, dass es so gut wie keine realistische Chance gibt, mit Islamisten und arabischen Nationalisten bei den großen Konfliktthemen Kompromisse und friedliche Lösungen zu erzielen, übersteigt erkennbar seit langer Zeit die Vorstellungskraft deutscher und europäischer Politiker.
Wagenknecht: USA geht es nicht um Demokratie in Iran
„Wo haben die Kriege der USA jemals zu Demokratie geführt?“, fragte auch Sarah Wagenknecht (BSW) und kritisierte ebenfalls die Verletzung des Völkerrechts. Den USA gehe es ohnehin nicht um Demokratie. „Wenn wir auf dieser Welt Frieden wollen, dann müssen Verhandlungen, dann muss Diplomatie das Sagen haben und nicht das Faustrecht und nicht die Waffen“, sagte sie in einer ARD-Sendung.
Der Waffengang der USA und Israels wird auch von der politischen Rechten deutlich in Frage gestellt. Die „Neue Züricher Zeitung“ (NZZ) kommentierte, die Ähnlichkeit der Argumente von links und von rechts bestätigten das irritierende Phänomen des „Hufeisen des Grauens“, demzufolge es eine Nähe zwischen den äußersten Rändern des politischen Spektrums gebe.
In Deutschland gab es von der AfD sehr deutliche Kritik an dem Vorgehen der USA und Israels. In einer Stellungnahme reagiertem die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla mit „großer Sorge“ auf den Militärschlag in Iran; das Völkerrecht und das humanitäre Völkerrecht müssten „uneingeschränkt eingehalten“ werden. Eine erneute Destabilisierung des Nahen Ostens liege „nicht im deutschen Interesse… Wir fordern alle Kriegsparteien zur unbedingten Zurückhaltung auf.“
„AfD klingt wie Annalena“
TE spottete, die AfD-Erklärung von Weidel und Chrupalla läse sich wie von Baerbock geschrieben. NIUS-Chefredakteur Julian Reichelt lästerte, die AfD klinge plötzlich „wie die kleine Annalena auf dem Kirchentag“, getrieben vom „Sprach- und Gedankenmief“ aus der Friedensbewegung, DDR-Anti-Imperialismus und SED/Linkspartei.
Der AfD muss sich wohl den Vorwurf gefallen lassen, mit recht viel Nachsicht und Verständnis für Moskau den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu bewerten, nun aber sehr klare, harte Worte gegen Washington zu gebrauchen. Die NZZ erinnerte daran, dass der AfD-Politiker Maximilian Krah die Revolution von 1979 und damit die Machtübernahme der Islamisten in Teheran zum „Erwachen eines nichtwestlichen Modells“ verklärt habe.
Auch mit dieser Argumentation ist Krah vielen linken Intellektuellen argumentativ sehr nahe, die Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre noch an eine „islamische Demokratie“ glaubten, selbst als der damalige iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini schon den Befehl gegeben hatte, mit äußerster Brutalität linke und liberale Bündnispartner im Kampf gegen den Schah Pahlevi auszuschalten oder zu beseitigen.
Le Pen solidarisch mit Israel
In Frankreich reagierten die Rechten allerdings sehr viel verständnisvoller auf den Krieg gegen die Mullahs: Jordan Bardella von der „Rassemblement national“ äußerte Verständnis für den Angriff auf das „terroristische Regime“ in Teheran. Parteichefin Marine Le Pen betonte angesichts der Raketenangriffe auf Israel ihre Solidarität mit der israelischen Bevölkerung.
Kritik an dem Krieg kommt allerdings nicht nur von links und rechts, sondern auch von Freunden und Verbündeten Washingtons. Bedächtige Stimmen, zu denen derzeit auch Kanzler Friedrich Merz (CDU), zählt, verweisen ungeachtet der grundsätzlichen Unterstützung der USA auf die Unwägbarkeiten der künftigen Entwicklung. Denn auch in Washington und Jerusalem gibt es keine klaren Vorstellungen, wie dieser Krieg letztendlich ausgeht, wie lange er dauern und wie er insbesondere die Machtverhältnisse in Teheran ändern wird.
Zwar suggeriert Trump, dass die Zerstörung des iranischen Waffenarsenals und der Machtzentralen des Regimes, die Eliminierung einer ganzen Reihe von Führungsfiguren – inklusive des Staatspräsidenten und der höchsten Militärs – dem Volk die Chance geben werde, die Macht wieder zu übernehmen. Dafür aber sind bisher noch keine wirklichen Anzeichen zu sehen.
Iraner haben die Brutalität des Regimes nicht vergessen
Dass der Tod von Ajatollah Ali Chamenei in Teheran und anderswo im Land bei vielen Menschen Jubel ausgelöst hat, sagt noch nicht viel über die Chancen, die Machtverhältnisse wirklich zu ändern. Noch steckt den Iranern die Erfahrung in den Knochen, mit welcher gnadenlosen Brutalität die Sicherheitskräfte und die Revolutionsgarden den jüngsten Volksaufstand im Januar niedergeschlagen haben. Mehr als 30 000 Menschen seien dabei getötet worden, berichteten Menschenrechtsorganisationen.
Die Lage ist unübersichtlich und schwierig. Mit ziemlicher Sicherheit werden einige der Kriegsziele erreicht, selbst wenn es nicht zu einem Machtwechsel kommt. Der Krieg bewirkt mit großer Sicherheit die massive Schwächung der iranischen Streitkräfte, die weitgehende Zerstörung großer Teile der Waffenarsenale von Marine und Luftwaffe, von nuklearen Einrichtungen, Raketenabschussrampen und militärischer Infrastruktur.
Die Gefahren aus Iran für Israel werden deutlich reduziert, auch die Möglichkeiten Teherans, Israel-feindliche Milizen und Organisationen finanziell und militärisch zu unterstützen sinken gravierend. Nicht zuletzt werden indirekt China und Russland geschwächt, die in Teheran bisher einen wichtigen Verbündeten sowie Lieferanten für Waffen (für Moskau) und Öl (für Peking) hatten.
Trump „Kriegs-Präsdident“?
Dennoch könnte AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla durchaus Recht haben, als er beim Sender RTL sagte: „Donald Trump ist als Friedenspräsident gestartet – am Ende wird er als Kriegspräsident enden.“ Dabei ist allerdings völlig unklar, ob diese Kriege sich als segensreich erweisen werden oder aber als Etappen zu weltpolitischem Chaos.
Bisher sind die außenpolitischen Rechnungen Trumps weitgehend aufgegangen. Insbesondere ist es ihm gelungen, amerikanische Verluste weitgehend zu vermeiden. Der Iran-Krieg birgt sehr wohl das enorme Risiko, dass er viele Amerikaner, nicht nur auf den Stützpunkten der US-Streitkräfte, in große Gefahr bringen wird. Ähnliches gilt sogar für die Europäer. Sicherheitsexperten gehen von einer rapide wachsenden Terrorgefahr aus.

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