Niederlande bereiten Steuer auf nicht realisierte Kapitalgewinne vor

In den Niederlanden zeichnet sich ein steuerpolitischer Schlag gegen die Mittelschicht ab. Mit der Einführung einer Steuer auf nicht realisierte Kapitalgewinne würde Den Haag Testfeld des systematischen Vermögenstransfers von Privat zum Staat. Die EU wandelt sich auf sämtlichen Ebenen zunehmend in ein aggressives parasitäres System.

picture alliance / Daniel Kalker | Daniel Kalker

In der Europäischen Union spitzt sich ein systematischer Konflikt zwischen öffentlichem und privatem Sektor zu. Im März werden die beiden Kammern des niederländischen Parlaments über die Einführung einer Steuer auf nicht realisierte Kapitalgewinne entscheiden. Künftig sollen sämtliche Wertzuwächse – von Immobilien über Aktien und Anleihen bis hin zu Kryptowährungen – in dieses fiskalische Rahmenwerk fallen.

Den Haag erhöht damit die Schlagzahl der Kapitalextraktion aus dem privaten Sektor erheblich und begeht einen steuerpolitischen Regelbruch. Bereits mehrfach besteuertes Einkommen und Kapital würden auf der Basis hypothetischer Gewinne erneut vom Fiskus dezimiert, die private Kapitalbildung dadurch spürbar erschwert.

Getragen wird diese Entscheidung gleichermaßen von rechten wie linken Parteien. Wir erleben eine Form fiskalpolitischer Hufeisenlogik, die offenbar eine schwere fiskalische Krise des Landes antizipiert.

Für die Europäische Union insgesamt ist dies aus unterschiedlichen Gründen eine katastrophale Entwicklung. Dass ein Staat mit einer Schuldenquote von lediglich sechsundvierzig Prozent und einer Neuverschuldung von etwas mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts dem privaten Kapital buchstäblich den Krieg erklärt, weist auf tiefgreifende ökonomische Verwerfungen in einer der erfolgreichsten Volkswirtschaften Europas hin.

Man fragt sich unweigerlich: Wenn dies bereits für die Niederlande gilt – wie muss es dann um den Rest der Europäischen Union bestellt sein?

Das Ende der produzierenden Ökonomie

Ein Blick auf das produzierende Gewerbe der Eurowirtschaft genügt, um zu ahnen, dass sich ein Sturm zusammenbraut. Der Prozess der Deindustrialisierung, der sich in Deutschland verfestigt hat und zu massivem Kapitalabzug vom größten Industriestandort Europas führt, setzte im Jahr 2018 ein und hat sich seither weiter beschleunigt. Und was für Deutschland gilt, gilt erst recht für die fragilen Ökonomien in der europäischen Peripherie.

Seit Jahrzehnten ist zu beobachten, wie sich die europäische Wirtschaft von einer produzierenden hin zu einer Finanzrenten- und Vermögensrentenwirtschaft entwickelt. Während die Finanzialisierung der Gesellschaft voranschreitet, verlagern sich Produktion und Wertschöpfung zunehmend an andere Standorte.

Ein Prozess, den die Vereinigten Staaten über Jahrzehnte durchliefen und den sie unter der Regierung von Präsident Donald Trump zu drehen versuchen.

Die europäischen Staaten finden keinen Ausweg mehr aus der ökonomischen Todesspirale, die sich aus den stetig wachsenden Wohlfahrtsystemen, der unkontrollierten Migration sowie der langsam schrumpfenden Produktivität der Kernsektoren der Industrie ergibt.

Die Politik erkauft sich mit dem Raubzug durch die Sparguthaben der Bürger Zeit, um dem wachsenden Reformdruck auszuweichen.

Einmal am gesellschaftlichen Stimmungskippunkt angelangt, werden wir wohl auch in Europa Szenen erleben, wie wir sie derzeit in den Vereinigten Staaten beobachten. Dort hat die Regierung der illegalen Zuwanderung den Krieg erklärt und befindet sich in einem medialen Abwehrkampf, der von linksradikalen Kräften, dem globalistisch orientierten Mediensektor und zu einem nicht unerheblichen Teil ausländischen Stiftungen koordiniert wird.

Die Frage, die sich nun in Europa stellt, lautet: Wie lange wird die einheimische Bevölkerung den finanziellen Angriff des Staats hinnehmen, ohne entsprechende migrationspolitische und sozialstaatliche Reformen zu erzwingen?

Zahlreiche EU-Staaten erheben bereits progressiv steigende Erbschafts- und Schenkungssteuern. Eines der jüngsten Beispiele, das für Schlagzeilen sorgte, ist die Einführung einer Vermögenssteuer in Norwegen, die etwa ein Prozent bestehender Vermögen oberhalb eines Schwellenwertes von 160.000 Euro pro Person vorsieht. Ganz ähnlich wie im Falle der Niederlande fragt man sich, wie es sein kann, dass einer der reichsten Staaten Europas zu einer derartigen Maßnahme greift.

Spanien erhebt ebenfalls eine Vermögenssteuer mit progressiven Sätzen, die in der Sptize 3,5 Prozent beträgt und ergänzt diese durch eine Solidaritätsvermögenssteuer für Vermögen oberhalb von drei Millionen Euro. Solidarität – an diesen politischen Kampfbegriff sollten wir uns auch in Deutschland gewöhnen. Mit dieser politischen Leerformel wird der bevorstehende fisaklische Zugriff rhetorisch legitimiert.

Und dieser Zugriff steht unmittelbar bevor. Die Koalitionsparteien legen seit etwa einem Jahr das Grundwerk für eine massive Ausweitung der Erbschaftssteuern. Zudem sollte niemand ausschließen, dass das politisch besetzte Bundesverfassungsgericht in Zukunft einer Einführung einer Vermögensteuer in Deutschland grünes Licht erteilen wird.

Aufbau der Kommandowirtschaft

Deutschland ist der treibende Faktor beim europäischen Marsch in den Sozialismus. Und nichts verachtet die politische Klasse mehr als Kapitalbildung und unabhängige Familienstrukturen, die zur mächtigen gesellschaftlichen Opposition heranwachsen können.

Es ist nicht länger zu bestreiten: Das Wirtschaftsmodell der Europäischen Union und der manische Versuch, das ökonomische Geschehen in eine grüne Kommandowirtschaft zu transformieren, zeugen von wachsender Panik in den politischen Schaltzentralen in Brüssel, Berlin und Paris. Jeder Versuch, den wirtschaftlichen Absturz mit Schulden und Kredit zu übermalen, scheitert – der Kollateralschaden der zentral geplanten grünen Kunstökonomie sickert unaufhaltsam in das öffentliche Bewusstein.

Über die Krise in den traditionell wirtschaftlich schwächeren südeuropäischen Staaten muss an dieser Stelle gar nicht en detail berichtet werden. Es ist hinlänglich bekannt, dass die Eurozone als Währungsraum längst gescheitert ist an dem Versuch, Ökonomien mit weit auseinanderklaffender Produktivität – wie beispielsweise der deutschen und der griechischen – zu integrieren.

Nun werden die Rupturen sichtbar, und die Staaten beginnen, ihre Macht durch die systematische Extraktion des Kapitals aus dem privaten Sektor zu verteidigen. Europa befindet sich in der Defensive.

Europa in den USA

Doch auch andernorts, dort, wo das europäische Wirtschaftsmodell adaptiert wurde, greift die Politik zu denselben Instrumenten.

Die Wahl des Sozialisten Zohran Mamdani zum Bürgermeister von New York im vergangenen Jahr hatte für Aufsehen gesorgt.

Seine Wahl wurde möglich durch eine politisch betriebene Ansiedlung muslimischer Migranten, die sich mit der politischen Linken im Zentrum des Finanzkapitals verbündeten und einen erfolgreichen Wahlkampf orchestrierten. Es ist nachvollziehbar, weshalb die Demokratische Partei den Big Apple auf ihre politische Agenda setzte.

Mit der Wahl Mamdanis ist enormes Kapital nun politisch – buchstäblich – gefangen genommen. Wer nicht rechtzeitig auf andere Standorte ausweicht, sieht sich einer massiven Kapitalbesteuerung gegenüber.

Mamdani, der seinen Wahlkampf mit Parolen wie freiem öffentlichen Nahverkehr, Mietpreisbremse und öffentlichen Supermärkten führte, kündigte in dieser Woche an, das Haushaltsloch von zehn Milliarden US-Dollar mit einer Reichensteuer auffüllen zu wollen.

New York wird damit zum Kampagnenschwerpunkt der Demokratischen Partei, in Stellung gebracht gegen die Herzkammer der bürgerlichen Kehrtwende, die US-Präsident Donald Trump in den USA durch Deregulierung und Steuersenkungen in Gang gesetzt hatte.

Wir werden abwarten müssen, ob Gouverneurin Kathy Hochul die zusätzliche Besteuerung von Einkommen abwehren kann, angesichts des wachsenden medialen Drucks im von linken Medien dominierten New York.

In Kalifornien, dem am tiefsten europäischen Teil der Vereinigten Staaten, wurde jüngst der sogenannte Billionaire Tax Act angestoßen. Der überzeugte Klimakämpfer und Gouverneur des Staates, Gavin Newsom, plant eine einmalige Vermögensabgabe von fünf Prozent auf Nettovermögen oberhalb von einer Milliarde US-Dollar.

Die Abwanderung aus dem Golden State hat bereits begonnen, und mit ihr werden zehntausende Arbeitsplätze in andere US-Bundesstaaten gedrängt. Die Kurzsichtigkeit dieser Politik wird nur noch von ihrem infantil-aggressiven Charakter übertroffen.

Es bleibt zu hoffen, dass weltweit Wirtschaftsstandorte erhalten bleiben, die das Regelwerk der Marktwirtschaft und der privaten Kapitalbildung verteidigen und damit die zivilisatorische Fackel hochhalten.

Dass die Europäische Union in die Barbarei des Sozialismus verfällt, scheint derweil eine ausgemachte Sache.

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Kommentare ( 49 )

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Bernhard H.
24 Minuten her

Das ist ein Epochenbruch. Seuern auf einen möglichen Ertrag, den man noch gar nicht verwirklicht hat.
Was passiert, wenn ich die Steuer bezahle und rutsche dann mit der Anlage ins Minus?
Und wenn das Tor geöffnet ist, kann man das ja auch weitertreiben, z.b. auf selbstgenutzte und vermietete Immobilien. Da kann man ja auch den jährlichen Wertzuwachs vorab besteuern.

hoho
27 Minuten her

Wie schaffen sie das nur – die Hollender, dass sie so erfolgreich sind, obwohl sie genauso woke and green sind wie die Deutschen? Ich meine selbst die Bahn funktioniert in den Niederlanden auch wenn sie sich ständig darüber beschweren.

Jens Frisch
34 Minuten her

„Solidarität – an diesen politischen Kampfbegriff sollten wir uns auch in Deutschland gewöhnen.“
„Solidarität“ – unbedingtes Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele
Ich teile weder die Ansichten noch die Ziele dieser EU – wieder eines dieser „Wieselwörter“ wie „soziale Gerechtigkeit“.
Eine Frage hätte ich aber schon: Ich habe also ein Haus in Holland, das €500K wert ist und in 10 Jahren dann €650K. Der Großteil der „Wertsteigerung“ ist allerdings die Inflation: Kann ich die dann absetzen von dieser „Solidaritätssteuer“?

Tin
35 Minuten her

Kannste Dir nicht ausdenken, plündern bis alles zusammenbericht. Und dann ab im Privatjet auf Nimmerwiedersehen.

swengoessouth
39 Minuten her

Sorry, die gibt es hier auch schon.und nennt sich Vorabpauschale. Jeder kann dies auf seinem Steuerbescheid der Bank sehen, wie der Staat schon bei uns zulangt mit 25% auf einen fiktiven Gewinn. Auch hier ist Deutschland schon weit voraus.

Evero
42 Minuten her

Scheint gerade, als würde der Lügenturm des wachsenden Wohlstands durch Zuwanderung zusammenzufallen.
Der Staat stiehlt denen, die vorsorgen und fleißig waren die letzten Reserven, um sie denen zuzustecken, die nie für die Volkswirtschaft einen Cent erwirtschaftet haben. Das nenne ich niederträchtig.

Fulbert
43 Minuten her

Es geht allein um Machtzuwachs der Herrschenden. Da Besitz stets Unabhängigkeit und damit eine zumindest teilweise Autonomie gegenüber staatlicher Kontrolle darstellt, gilt es, das Vermögen der Bürger in die Hände des Staates zu überführen. Dass dies perspektivisch weg von Freiheit und Demokratie mit ihrer Garantie des Privatbesitzes und der damit verbundenen Selbstbestimmung des Individuums hin zu autoritären Strukturen führt, liegt auf der Hand.

St.Elmo
46 Minuten her

Nicht relaiserte Erträge zu besteuern ist doch irrsinn?
Da kann ich auch bei Teilzeitrkräften die Einkommenssteuer verdoppeln schleißlich hätten sie ja Vollzeit arbeiten können und dann wäre diese höhere Steuer ja angefallen. Oder Steuer auf nicht erfolgte Schenkung schließlich hätte man ja verschenken können.. Oder Mehrwertsteuer auf das Geld Girokonto schließlich hätte man ja mit dem Geld was kaufen können, statt es auf dem Konto liegen zu lasssen.

Aegnor
48 Minuten her

„Die Kurzsichtigkeit dieser Politik wird nur noch von ihrem infantil-aggressiven Charakter übertroffen.“ Ich bin mir gar nicht so sicher, ob das nicht Absicht ist. Der Autor unterschätzt wie festgefügt die Wahlpräferenz der Amerikaner ist (die sich kaum von der Deutschen unterscheidet). Nur weil jemand aus Kalifornien vor der Vermögensbesteuerung (aka Enteignung) flieht, macht ihn das nicht zum Republikaner-Wähler. So unlogisch das auch ist. D.h. indem die Dems massive Bevölkerungsverschiebungen in Richtung der „Red States“ initiieren, schleusen sie dort de facto tausende Dems-Wähler ein und verschieben so die politische Landkarte – insbesondere da Reps-Wähler aus Reps-Staaten ja nicht im Traum daran… Mehr

Dorn
52 Minuten her

Meine Lebenserfahrung nach in Deutschland wird es hier so laufen: 6% auf sämtliches Vermögen bis 5 Mio € wer darüber ist hat Glück.. schließlich will man sich sein Klientel, die für Politiker a.D. fürsorglich sorgen, nicht verärgern. Anders ist es hier noch nie gelaufen.