Am Freitag läuft der gesetzliche Rahmen für Donald Trumps globale Zölle aus – doch nun hat er eine neue Grundlage gefunden für Zölle von zehn bis 12,5 Prozent auf Importe aus 60 Ländern. Mit spürbaren Auswirkungen auf Lieferketten und Verbraucherpreise ist zu rechnen.
picture alliance / NurPhoto | Beata Zawrzel
Die US-Regierung verhängt ab sofort zusätzliche Zölle in Höhe von zehn bis 12,5 Prozent auf Importe aus 60 Handelspartnern, die zusammen etwa 99,4 Prozent aller US-Einfuhren ausmachen. Begründet wird der Schritt mit dem Vorwurf, diese Staaten und Wirtschaftsräume hätten Verbote für Waren aus Zwangsarbeit nicht ausreichend erlassen oder durchgesetzt, berichtet dazu nbcnews.com.
Die Maßnahmen stützen sich auf Paragraph 301 des Handelsgesetzes von 1974: Dieses erlaubt dem Präsidenten, Einfuhrzölle und Sanktionen gegen Länder zu verhängen, deren Handelspraktiken als „ungerechtfertigt, unangemessen oder diskriminierend“ eingestuft werden und den US-Handel belasten. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer präsentierte die endgültige Entscheidung am Donnerstag auf Anweisung des Präsidenten: „Präsident Trump erkennt an, dass jahrzehntelange moralische Appelle die Zwangsarbeit aus globalen Lieferketten nicht beseitigt haben. Die Vereinigten Staaten verfügen seit fast einem Jahrhundert über ein Importverbot für Zwangsarbeit und setzen es rigoros durch; es ist längst an der Zeit, dass unsere Handelspartner dasselbe tun.“
Mit der aktuellen Entscheidung wird auf eine Reihe gerichtlicher Rückschläge reagiert: Im Februar 2026 hatte der Oberste Gerichtshof Trumps weitreichende Zölle auf Basis des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) für unzulässig erklärt. Daraufhin griff die Regierung auf Paragraph 122 des Handelsgesetzes zurück und führte eine vorübergehende globale Zollrate von zehn Prozent ein. Diese Regelung war jedoch auf maximal 150 Tage befristet und läuft nun aus. Die neuen Section-301-Zölle sollen diese Lücke schließen und gelten als rechtlich robuster, da ähnliche Maßnahmen gegen China in Trumps erster Amtszeit gerichtlichen Überprüfungen standgehalten hatten.
Für die Europäische Union – und damit auch für Deutschland und Österreich – gilt nach Angaben der US-Regierung künftig in der Regel ein effektiver zusätzlicher Zollsatz von zehn Prozent, der in Abhängigkeit vom bestehenden Most-Favored-Nation-Satz (MFN) angepasst wird. Für bestimmte Waren können sogar höhere Sätze bis 12,5 Prozent greifen. Die genauen Produktlisten und Ausnahmen (unter anderem für Rohstoffe, Arzneimittel, bestimmte Agrarprodukte und national sicherheitsrelevante Güter) wurden im Federal Register veröffentlicht. Ähnliche Regelungen gelten für Taiwan, Japan, Korea und die Schweiz. Länder wie Kanada, Mexiko, Indien, Großbritannien und weitere, die bereits Verbote oder Verpflichtungen zu Zwangsarbeit-Importverboten eingeführt oder zugesagt haben, erhalten den niedrigeren Satz von zehn Prozent. Alle übrigen der 60 betroffenen Volkswirtschaften werden mit 12,5 Prozent belastet.
Die US-Handelsbehörde USTR hatte die Untersuchungen im März 2026 eingeleitet und im Juni 2026 einen umfangreichen Bericht vorgelegt. Darin heißt es, 54 der untersuchten Volkswirtschaften verfügten über keinerlei Importverbot für Zwangsarbeit-Güter, während sechs – darunter Kanada, Mexiko und die EU – zwar Gesetze hätten, diese aber unzureichend durchsetzten. Dadurch entstehe unlauterer Wettbewerb für US-Unternehmen, die strengere Standards einhalten müssen. Experten und Kritiker sehen darin jedoch vor allem einen Vorwand, um Trumps protektionistische Agenda fortzusetzen. Peter Harrell, ehemaliger Beamter der Biden-Regierung und Gastwissenschaftler an der Georgetown University, sagte gegenüber der New York Times, die geringen Unterschiede in den Sätzen zwischen Verbündeten und China zeigten, dass es weniger um Zwangsarbeit als um Trumps wirtschaftspolitische Vorstellungen gehe.
Auch aus dem Kongress und von Handelspartnern kommt Kritik – so warnen Demokraten wie Senator Ron Wyden vor höheren Preisen für amerikanische Verbraucher und möglichen Gegenmaßnahmen. Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte an, den Handel zu diversifizieren und nötigenfalls zu reagieren. Neuseelands Regierungschef Christopher Luxon nannte den Schritt enttäuschend und bemängelte die schwache Beweislage. Die EU hatte die Vorwürfe bereits im Vorfeld zurückgewiesen.
Mit spürbaren Auswirkungen auf die Verbraucherpreise ist nun auch in Europa zu rechnen.



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Man muss Waren aus den USA nicht mit neuen Zöllen belegen, leise nicht mehr kaufen, kein bedarf mehr, der Bürger entscheidet das dann ganz alleine.
Klappt aber nur bei Endprodukten, bei denen die Herkunft und der Produktionsort sichtbar sind. Kalifornische Erdnüsse z.B.
Bei Vor und Zwischenprodukten in der chemischen Industrie z.B. wird das nicht ersichtlich. Und was ist mit amerikanischen Firmen, die in Deutschland produzieren, wie z.B. Ford ?
So uns das Geld ausgehen würde, stellt sich die Frage eh nicht mehr.
Nicht mal die nach dem Zukaufen von Energie – während bei uns die Gruben unter Wasser stehen und die AKWs wie andere Kraftwerke zerstört sind.
Zollpolitik gab es schon immer. Wurde aber nie an die große Glocke gehängt. V o r Trump waren die EU Zölle auf amerikanische Autos höher, als amerikanische Zölle auf EU Autos…hat keinen interessiert…. Zölle sind für Trump der Einstieg in Deals mit anderen Nationen. Ein Druckmittel, 👉 effizienter und friedlicher als KRIEGSTÜCHTIGKEIT. Der Ami zahlt erst „mehr“, wenn er importierte Ware kauft….bei Autos trifft das nur amerikanische Gutverdiener… UND WAS SIND BITTE SCHÖN DIE SANKTIONEN DER EU, Leute ? 1000 % Erhöhung der Zölle….😉…auch ein politisches Druckmittel. Darüber könnt Ihr Euch mal aufregen… WIR zahlen jetzt enorm viel mehr für… Mehr
Stimmt, dadurch dass quasi alle Staaten besteuert werden, zahlt letztendlich der US- Steuerzahler den Zoll, weil sich die Wettbewerbssituation zwischen den importierenden Ländern ja nicht ändert. Es sei denn ein US- Hersteller würde das selbe oder ein Produkt mit ähnlicher Funktion günstiger produzieren und somit Arbeitsplätze in der USA schaffen.
Ja. Und wird angeregt, ausländische Produkte so weit als möglich links liegen zu lassen und amerikanisch zu kaufen – um das zu umgehen.
Was u.a. Investitionen, Produktion und damit Arbeitsplätze im Inland schafft – und zum US-amerikanischen Wohlstand beiträgt – während wir hier abnippeln.
ja das ist aber unser Problem nicht das der Ami
Sie beschreiben das tatsächlich sehr treffend – besser als der TE-Artikel. Soweit die Unternehmen die Zölle über die Absatzpreise an die Käufer weitergeben konnten, bleiben die Käufer auf den höheren Kosten sitzen, während die Firmen diese nun wieder vom Fiskus erstattet bekommen – faktisch hat ihnen die US-Regierung also die Margen zulasten der Bürger erhöht.
Nur, würden die Amerikaner ihr Kaufverhalten nicht ändern und weiter chinesische oder europäische Produkte kaufen.
Jedoch: https://www.whitehouse.gov/releases/2025/04/100-days-of-investment-5-trillion-in-new-investment-fuels-americas-future/
Guter Artikel!
Zölle als Kampf gegen Zwangsarbeit zu deklarieren, ist ein schlechter Witz und ein rein protektionistischer Vorwand. Leidtragende sind am Ende vor allem die amerikanischen Verbraucher. Höhere Zölle treiben die ohnehin hohe US-Inflation weiter an. Die Fed wird die Zinsen wieder anheben müssen – ein Gift für die Wirtschaft, die abseits des gehypten KI-Sektors kaum noch echtes Wachstum zeigt. Trump manövriert die USA in die Sackgasse der Autarkiepolitik. Wer Märkte künstlich abschottet, verliert irgendwann den Anschluss. Diese Wirtschaftspolitik hat fast schon sozialistische Züge.
Das wird die USA nicht retten. Um die Globalisierung rückgängig zu machen, müsste man die Systeme ganz langsam entflechten. Aber die USA leiden unter selbstgemachten Faktoren, die innenpolitisch zu lösen sind auf der Ebene von Bildung, Ausbildung, Sozialversicherung, Innovationsgeist und weniger extremer Vermögensverteilung beruhen. Und genau da müsste Trump ansetzen und genau da hätte er die Chance, das Land umzugestalten. Sind wirklich die Importe schuld am Niedergang der US-Autoindustrie? Die Probleme nach außen zu projizieren, hat noch nie etwas gelöst.
Es ist ja nun so, dass internationale Unternehmen in den USA investieren und die Waren dort herstellen werden – was bereits zu reger Bautätigkeit wie einem Anstieg von Arbeitsplätzen innerhalb der USA führt.
Deutsche wie weitere Kfz.-Produktion inclusive.
Mich wundert es das bei Tichy noch kein Lerneffekt eingesetzt hat, der alte Mann wird sowieso in wenigen Tagen wieder zurückrudern oder etwas anderes machen. Aussagen von Trump sind das Papier nicht wert auf denen es steht. Einzig ein Schwätzer.
Ja. Deshalb hören Sie sich noch mal die beiden Reden zur Inauguration an – und prüfen Sie, was bislang durchgesetzt wurde.
Fortlaufend gelistet hier:
https://www.whitehouse.gov/releases/2025/11/promises-made-promises-kept-one-year-later/
Weiter hier: https://www.whitehouse.gov/?s=promises
Mit seinen Zollerhebungen zeigt er die Wasserstandsmeldungen seines Landes unter anderem an, wie es um die fiskalische Seite der USA bestellt ist und die bewegen sich derzeit bei knapp 40 Billionen US-Dollar und dann geht ihnen auch noch zuguterletzt die Munition für weitere Angriffe aus, einschließlich der Abwehr und weltweit haben sie dieserhalb schon alles abgeräumt, während die Zutaten der Chinese fest in den Händen hält und die Gegenseite muß nur noch warten um das Tänzchen mit dem Westen zu wagen und in dieser Lage wäre doch jeder gescheite Mensch zumindest nach außen etwas bescheidener, es sei denn man kommt… Mehr
> „Präsident Trump erkennt an, dass jahrzehntelange moralische Appelle die Zwangsarbeit aus globalen Lieferketten nicht beseitigt haben. Die Vereinigten Staaten verfügen seit fast einem Jahrhundert über ein Importverbot für Zwangsarbeit und setzen es rigoros durch; es ist längst an der Zeit, dass unsere Handelspartner dasselbe tun.“ Welch lächerlicher Vorwand – sonst ist Trump gegen das Lieferkettengesetz? >>>Bei Lieferkettengesetz kein LNG aus Katar in die EU<<< > „… Und ob die USA sich bei ihren LNG-Lieferungen nach Europa auf solche abseitigen, extrem teuren Bürokratenspielchen einlassen würden, ist mehr als fraglich. …“ Später hieß es, die USA haben sich Katar angeschlossen –… Mehr
Natürlich sind diese Zölle ein politisches Instrument. A l l e s ist mittlerweile politisiert….Sport, Essen, Trinken, Tanken, Klima, Denken…. Nebenbei bemerkt, 👉 verfügt China über 300 Millionen Wanderarbeiter, eine gewaltige Ausbeutungsmasse… und selbstverständlich kann kein westliches Land solche „Arbeitsbedingungen“, diese grenzenlos billige Produktionsweise, diese inflationären „Herstellungskosten“ nur annähernd unterbieten. What about all the GUTMENSCHEN ? Wo bleibt hier der chronisch einstudierte Empörungsmodus ??? Faseln von günstigen E- Autos aus China, aber der MENSCH in diesem Arbeitsprozess wird nicht berücksichtigt. Menschenwohl existiert für den Gutmensch nur dort, wo ER staatlich subventioniert und alimentiert wird…..für irgendeine Lüge über das Klima, Geschlechter… Mehr
Neue Roboterstraßen verzichten weitgehend auf menschlichen Arbeitseinsatz in solchen Produktionsstätten.
Und hier bei uns verzichten wir ja weitgehend auf den Bau von Autos, um Kriegsgerät herzustellen. Auch das weitgehend nicht mehr händisch.