Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg: Italien senkt die Spritsteuer um 25 Cent, koppelt Preise ans Rohöl und kämpft gegen Spekulanten. Wer im Sinne der Bevölkerung regieren will, kann das offensichtlich auch tun. Deutschland hingegen begnügt sich bisher damit, Tankstellen auf eine Preiserhöhung pro Tag zu beschränken.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Marco Iacobucci
Per Dekret von Tag 1 an eine andere Politik betreiben: Das hatte Friedrich Merz einmal im Wahlkampf versprochen. Gemeint war damit eine harte Wende in der Migrationspolitik. Daraus wurde bekanntlich nichts. Immer dann, wenn es um eines der heißen Themen – neben der Migration an erster Stelle: Energiepolitik – geht, tritt jede deutsche Bundesregierung auf die Bremse. Dass die Steuern auf Sprit zur Crux geworden sind, hat sich herumgesprochen. Den staatlichen Effekt auf den Zapfpreis kann man sich im Grunde nur noch mit öffentlich-rechtlicher Hilfe zurechtschwindeln.
Auffällig – und von TE berichtet – war bereits in den vergangenen Wochen die Diskrepanz zwischen den Zapfsäulen in Deutschland und bei den europäischen Nachbarn. Aber nicht nur in Tschechien und Frankreich zogen die Preise weniger stark an. Auch in Italien blieben Diesel und Benzin deutlich günstiger als in der Bundesrepublik. So konnte der Autor noch bei der Rückfahrt am vergangenen Freitag – 13. März 2026 – für 1,88 Euro pro Liter Diesel tanken. Das ist zwar immer noch deutlich höher als früher. Zurück in Bayern kostete aber die Tankfüllung rund 20 Cent mehr pro Liter.
Das ist besonders auffällig, weil Italienurlauber wissen, dass über Jahrzehnte der Spritpreis in Deutschland günstiger war als im Süden. Schon zu Beginn des Ukraine-Kriegs zeigte sich, dass sich der Trend umgekehrt hatte. Während sich das Verhältnis in den letzten Jahren normalisierte, hat der Iran-Krieg das Pendel wieder zu Ungunsten der deutschen Autofahrer umschlagen lassen.
Meloni: 25 Cent weniger Steuern auf Diesel und Benzin
Giorgia Meloni hat dafür gesorgt, dass dieser Trend vorerst erhalten bleibt. Sie tut das, was Merz nur verspricht: Per Erlass wirkt die italienische Ministerpräsidentin den explodierenden Preisen entgegen. Sie hat im italienischen Fernsehen das Regierungsprogramm klargemacht. Die aufsehenerregendste Maßnahme: 25 Cent Steuern sollen beim Tankpreis gestrichen werden. Weiterhin hat das Kabinett eine Steuergutschrift für Spediteure verabschiedet, damit sich der Preisanstieg nicht auf Konsumgüter auswirkt. Drittens sollen Spekulationen eingeschränkt werden. Der Mechanismus soll „den Kraftstoffpreis an die tatsächliche Entwicklung des Ölpreises binden und Sanktionen für diejenigen vorsehen, die davon abweichen“, so Meloni.
Das Kabinett hatte die Beschlüsse am Mittwochabend verabschiedet und die Steuersenkung als „Maßnahme vorübergehender und außergewöhnlicher Natur“ bezeichnet. Am Abend stellte der Palazzo Chigi überdies klar, dass „eventuelle weitere Maßnahmen nach dem Ergebnis des Europäischen Rates am 19. März geprüft werden“.
„Wir wollen den Preis, den die Ölkonzerne und Tankstellen den Verbrauchern berechnen, streng an die tatsächliche Schwankung der internationalen Rohölpreise koppeln, denn wir wollen nicht, dass diese Ressourcen, die wir investieren – und das ist das Geld der Italiener –, in die Hände von Spekulanten gelangen.“ Laut der Ministerpräsidentin wird das System „es ermöglichen, ungerechtfertigte Preiserhöhungen sofort zu stoppen“ und sicherzustellen, dass Ölkonzerne und Tankstellenbetreiber die Preise an der Zapfsäule senken, sobald die Rohölpreise auf den internationalen Märkten sinken.
Pichetto: Vorstoß für die Kernkraft durch die Hintertüre
Eine interessante Einlassung kommt in diesem Zusammenhang vom Minister für Umwelt und Energiesicherheit, Gilberto Pichetto. Pichetto fügte hinzu, dass die Regierung „zeitnah und im Rahmen der verfügbaren Ressourcen“ gehandelt habe, bekräftigte jedoch, dass „eine strukturelle Antwort auf die schwierige internationale Lage – die heute auch durch den Konflikt im Iran verschärft wird – zwangsläufig von Europa kommen muss, und zwar durch neue Vorschriften, die sich am Grundsatz der Technologieneutralität orientieren“.
Das ist einerseits ein Ruf nach der Europäischen Union, doch das Schlagwort „Technologieneutralität“ lässt aufhorchen. Damit dürften weniger Solar- und Windenergie als der Ausbau der Kernenergie gemeint sein. Bekanntlich will Rom zurück zur Atomkraft – die neuerliche Energiekrise dürfte als Aufhänger dienen, das Thema wieder offensiver zu spielen. Dass das Vorzeigeland europäischer Kernkraft, nämlich Frankreich, seine Nuklearstrategie als Reaktion auf die Ölkrise der 1970er entwickelte, ist vielerorts mittlerweile in Vergessenheit geraten.
Infrastrukturminister Matteo Salvini hatte bereits am Nachmittag vor der Kabinettssitzung eine deutliche Preissenkung in Aussicht gestellt. „Mir scheint, dass sie verstanden haben, dass Familien und Unternehmen Benzin und Diesel nicht weiterhin zu diesen Preisen bezahlen können.“ Das Ziel der Regierung sei es, deutlich unter der Marke von 2 Euro pro Liter zu bleiben, das anvisierte Limit liege laut Salvini bei 1,90 pro Liter. Auch Salvini nahm die Preisexplosion zum Anlass, auf die Europäische Union zu verweisen – und diese zu kritisieren. Die „europäischen Auflagen und der Green Deal“ seien „nicht zeitgemäß“.
Salvini: Europäische Verordnungen „idiotisch und überholt“
Die Maßnahmen sind vorerst nur 20 Tage in Kraft. Salvini: „Ab morgen werden Deutsche, Franzosen und Spanier für Diesel und Benzin viel mehr bezahlen als in Italien; sollte dieser verdammte Krieg noch Wochen oder Monate andauern, besteht aber die Gefahr, dass wir keinen Treibstoff mehr haben.“ Der Minister, der auch für die Mobilität verantwortlich ist, wurde anschließend deutlicher: „Da ist auch das Thema der Emissionshandelsbörsen, der Steuern, der Auflagen der europäischen Verordnungen, die derzeit völlig idiotisch und überholt sind, wie der Green Deal, und ich bin sicher, dass sich die italienische Regierung morgen im Europäischen Rat durchsetzen wird, und sollte Brüssel so tun, als würde es nichts mitbekommen, bin ich ebenso sicher, dass die italienische Regierung direkt eingreifen wird, denn derzeit ist die pseudo-grüne Ideologie des ‚Alle zu Fuß‘ etwas, das sich italienische Familien und Arbeitnehmer nicht leisten können.“
Kurzum: In Italien sind die Spritpreise ein Thema, das die Regierung ganz oben auf die Agenda setzt, weil man in Rom begriffen hat, dass viele Familien nicht vom Auto auf ÖPNV oder Fahrrad wechseln können. Zugleich nutzen Meloni, Pichetto und Salvini den Vorstoß als Aufschlag gegen Brüssel. Mal mehr oder minder offen stehen die Themen Energiesicherheit, Kernkraft, Emissionszertifikate sowie Steuern im Vordergrund. Salvini brachte gar die Idee ein, sich doch wieder um russisches Öl zu bemühen.
Wie auch immer man zu diesen Vorschlägen steht: Sie sind deutlich fantasievoller als das, was Merz bisher liefert. In Berlin reicht es gerade einmal dazu, Tankstellenbesitzer dazu zu verpflichten, nur einmal am Tag zu erhöhen. Den Effekt dieser Maßnahme sieht man bereits: statt benzintröpfchenweise erhöht sich nun der Preis eben mit einem Schlag.



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Solange der hiesige Staat mit jedem Cent mehr an der Zapfsäule mit verdient, sollte sich keiner dem Irrglauben hingeben, man wolle das Beste für seine Bürger. Die Fahrradwege dieser Welt sind ein kostentreibendes Hobby unserer Regierung. Da zählt jeder Cent, den man hier rausquetschen kann.
Herr Gallina – in Italien soll doch auch der Diesel-Ersatz „HVO-100“ wesentlich günstiger als wie Diesel selbst sein – stimmt das? Und im Gegensatz zu Deutschland und anderen EU-Ländern soll dieser in Italien auch weiter verbreitet sein, oder? Wenn ja, warum setzt man hier nicht verstärkt auf diesen Kraftstoff und warum muss der Preis dazu offensichtlich am Ölpreis und an den Steuern zu Diesel gekoppelt sein? Damit könnten ja wohl die meisten Diesel-PKWs, aber auch LKWs betankt werden und das unabhängig von irgendwelchen Ölimporten – einfach mal ein paar Pommes oder Currywurst mehr essen und gut isses 😉 Laut einem… Mehr
Das passiert, wenn man BlackRock ins Kanzleramt wählt. Dann wird eben Politik für Rohstoffspekulanten und Co. gemacht. Die fahren gerade märchenhafte Gewinne ein.
Salvini uns Meloni versuchen wenigstens noch, Politik für Italiener zu machen.
am 13.3.2026 habe ich Elsass getankt. Benzin E5 für 1,80 und Kraftstoff E85 für 86,6 Cents. „Winter E85“ setzt sich aus ca. 70% Benzin und Rest Ethanol.
Rein technisch ist Ethanol (C2H5OH) teuer zu produzieren als Benzin (durch einfache Destillation des Rohöls) . Die Frage an Ökonomen – warum kostet der Kraftstoff E85 ca.3 mal weniger als Benzin?
Komisch ist schon, daß viele Länder auf der Welt das Problem gar nicht haben:
https://www.globalpetrolprices.com/fuel_price_trend_Iran_war.php
Was kann man denn erwarten von Bankrotteuren, denen das Wasser bis zum Hals steht, das sie auf Windfallprofits verzichten, wo sie finanziell hinten und vorne nicht aus noch ein wissen? Und das ist nicht mal das Ende der staatlichen Freibeuterei sondern erst der Anfang!
Es bräuchte keine echte Steuersenkung. Die Bundesregierung könnte jedoch von jetzt auf gleich per Verordnung die Steuern auf Kraftstoffe auf den Vorjahreswert „deckeln“, – also nach oben begrenzen.
Macht sie aber nicht, weil sie bei 15 Cent Netto-Kraftstoffpreiserhöhung 30 Cent mehr Steuern einnimmt und der Verbraucher dann an der Zapfsäule 45 Cent mehr zahlen muss.
So ist der Preis für Super 95 innerhalb kürzester Zeit von 1,60 € auf 2,05 € gestiegen.
Bei Begrenzung der Steuern wären es dagegen nur 1,75 €.
Die Bundesregierung setzt eben Prioritäten:
Bei uns explodieren die Energiepreise, während es sich die Ukrainer – Dank unser bisher 100 Mrd. € deutscher Steuergelder gut gehen lassen können:
In Deutschland kostet der Liter Super 95 zur Zeit 2,05 €, in der Ukraine aber nur 1,46 €.
Für die kWh Strom zahlen die Verbraucher dort 8,5 Cent, wir dagegen 52 Cent inkl. EEG-Umlage aus Steuern.
Außerdem bezahlen wir der Ukraine den Bau von 4 neuen AKWs. Nach Fertigstellung haben die 19 AKWs und wir 0 AKWs.
Nuja,Meloni hat ja auch noch ein schönes „Polster“ von rund 250 Milliarden aus dem EU-Coronahilfe-Fond“..den D zwar mit einem Drittel füllte,aber nur 15 Milliarden“? erhielt
Meloni kann es sich auch “ leisten“, wie sonst niemand im Eurosystem. Sie kann das Staatsdefizit, die Staatsverschuldung und den Targetsaldo hochfahren – whatever it takes. Selbst die Zinsen auf die Staatsschulden werden indirekt, über geldpolitische Manipulationen niedriger gehalten als sie sein müßten. Italien, Spanien und demnächst auch Frankreich werden uns in eine Euro-Schuldenkrise treiben, wie wir sie uns noch nicht vorstellen können und wollen.
Sorry, aber das ist Unsinn.
Italien kann sich das leisten, weil Meloni nicht Unsummen von Steuergeldern in die Ukraine transferiert hat und auch weiterhin günstiges Erdgas aus Russland bezieht.
Das tun übrigens auch alle übrigen europäischen Staaten, – außer natürlich Deutschland und seit kurzem auch Österreich.