Razzia gegen rechte Jugendgruppen – die linksgrüne Vulkangruppe bleibt unangetastet

Eine Razzia gegen jung-rechte Splittergruppen eignet sich vorzüglich zur politischen Inszenierung. Während Linksgrüne viel Verständnis für die „Hammerbande“ und Interesse an ihren Gründen haben, bleibt diese Frage hier aus. Derweil kursieren sogar staatsanwaltliche Ermittlungsakten in Vulkangruppen-Kreisen.

picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg
Symbolbild

Nun wird wieder die Trommel gerührt für das, was am Mittwochmorgen in zwölf Bundesländern ablief. Ein eher mikroskopisches Geschehen wird aufgeblasen, so gut es geht, um die Nachrichtenspalten und Sendungen zumindest für anderthalb Tage zu füllen.

Eine Neonazi-Razzia, heißt es, sei durchgeführt worden. Die taz bereichert unseren Wortschatz mit dem Begriff „Jungnazi-Gruppe“ – und auf so etwas wirft sich die versammelte Linkspresse neuerdings besonders gerne. Es ist das neue Tier in der Herde, die neue Sau durchs Dorf: die Gefahr rechter Radikalisierung bei sehr jungen Deutschen. Auch SPD-Justizministerin Stefanie Hubig ist natürlich mitbesorgt, „militante rechtsextreme Gruppen“ hätten großen Zulauf, „erschütternderweise gerade auch unter jungen Menschen“. In der SPD weiß man schon lange, dass „wir die Bedrohung durch Rechtsextremismus sehr ernst nehmen müssen“, allein aus wohlverstandenem Eigeninteresse.

Schon wähnen oder fürchten einige die „Baseballschlägerjahre“ der 1990er zurück. Vor einem Jahr, nach einer ähnlichen Razzia, warnte der Thüringer Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer, selbst für ganz andere Dinge bekannt, vor einer rechten „Turbo-Radikalisierung im digitalen Raum“ mit „hohem Aggressions- und Gewaltpotential“. Aktiv sind dabei laut Kramer vor allem 14- bis 18-Jährige. Gemäß seinem Berliner Amtskollegen Michael Fischer geht es in der „neuen Jugendkultur“ vor allem um „Saufen und Rumhitlern“.

Angst vor Gruppen, die die Jugend radikalisieren

Es gibt aber in der Tat Gruppierungen aus diesem Feld, denen Gewaltbereitschaft zumindest mit einigen Ermittlungs-Argumenten nachgesagt werden kann. Etwa die „Letzte Verteidigungswelle“, die durch geplante, vielleicht auch reale Anschläge auf sich aufmerksam machte. Zwei 15-Jährige werden verdächtigt, im Oktober ein Kulturhaus bei Senftenberg in Brand gesetzt zu haben, weil sie es für einen Linkentreff hielten. Im Februar plante angeblich ein Einzeltäter einen Sprengstoffanschlag auf ein Migrantenheim.

Die taz kennt noch weitere „Subszenen“ der neuen Jugendkultur: die Akzelerationisten etwa, die das Heraufziehen eines „Rassenkriegs“ beschleunigen wollen, sowie eine „Attentäter-Fanszene“, die sich angeblich ein Beispiel am Norweger Anders Breivik nimmt. Von welchem, auch zahlenmäßigen Belang diese Gruppen sind, bleibt dabei völlig unklar.

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Die Durchsuchungen vom Mittwoch richteten sich gegen zwei weitere Splittergruppen, angeblich stark wachsend, die laut Generalbundesanwalt als „rechtsextremistische kriminelle Vereinigungen“ gelten: „Jung & Stark“ (JS) und „Deutsche Jugend Voran“ (DJV), wobei letztere auch unter dem Namen „Neue Deutsche Welle“ bekannt ist. Gegründet wurden beide Gruppen Mitte 2024. Sie stehen anscheinend der ehemaligen NPD, heute „Heimat“, und deren Jugendorganisation nahe. Jedenfalls verbreitete die DJV zum 1. Mai eine Videobotschaft des Heimat-Vorsitzenden Peter Schreiber.

Das Innenministerium sprach in einer Antwort auf eine Frage der Linksfraktion von „sehr dynamischen, mobilisierungsfähigen Gruppierungen“. Vielleicht setzte man deshalb über 600 Polizisten ein. Außerdem seien die Sympathisanten der Gruppen oft „aktionsorientiert und ideologisch weniger gefestigt“ – beides wohl altersbedingt, es geht ja um sehr junge Personen. Durch die Gruppen droht demnach die Gefahr, dass „rechtsextremistisches Gedankengut bei jungen Heranwachsenden gesät und gefestigt wird“. Die Anfrage stellte übrigens Ferat Kocak, der Hiphop-Advokat des Neuköllner Straßenkampfs.

Relevant sind Angriffe gegen Pädophile, nicht gegen den Berliner CSD

Durchsuchungen gab es nun bei 36 mutmaßlichen Mitgliedern und Rädelsführern der genannten Gruppen, die früher als eng vernetzt, dann aber als zerstritten galten. Bei den 36 handelt es sich „teilweise“ um Jugendliche „mit Verantwortungsreife“ oder junge Erwachsene (Heranwachsende). Festnahmen waren nicht geplant und fanden nicht statt. Offenbar hatte man dafür noch nicht genug in Händen oder hoffte noch auf bessere Beweise.

Schwerpunkte der Durchsuchungen waren die Länder Berlin, Brandenburg (Potsdam und vier Landkreise), Niedersachsen (Celle, Braunschweig und drei Landkreise) und NRW (zehn Beschuldigte in acht Städten). Daneben gab es ein Objekt im Landkreis Eichstätt (Bayern), eines in Frankfurt am Main, weitere in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland (jeweils zwei Landkreise), Sachsen (Leipzig und zwei Landkreise), Sachsen-Anhalt (zwei Landkreise) und Schleswig-Holstein (Lübeck).

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Gegen acht Beschuldigte wird auch wegen Körperverletzung ermittelt. Gewaltaufrufe haben sich demnach gegen politische Gegner und gegen vermeintlich Pädophile gerichtet. Und einige Male kam es auch zu entsprechenden Übergriffen: „Die Opfer wurden jeweils von mehreren Angreifern geschlagen und trugen nicht unerhebliche Verletzungen davon.“ Die Aktionen gegen den Berliner Christopher Street Day (CSD) scheinen dagegen nicht in die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft zu fallen.

Im Juli 2024 soll „Deutsche Jugend Voran“ einen „Angriff“ auf die LGBT-Parade geplant haben, der aber durch Festnahmen vorab verhindert wurde. Ob es ein gewaltsamer Angriff geworden wäre oder es bei einer Störung des Umzugs geblieben wäre, bleibt dahingestellt.

Von außen betrachtet, würde man die rechten Gruppen deshalb vor allem für homophob halten. Aber geht es eigentlich um Anti-Pädophilie? Um LGBT oder „Queerness“? Die herrschende Ideologie erlaubt hier kaum noch klare Unterscheidungen, Jugendliche könnten schon dadurch zu kompromisslosem Protest ermutigt werden. In den Anti-CSD-Protesten von jungen Rechtsextremen mag sich auch der Überdruss an der Sexualisierung von Kindern aussprechen, wobei Gewalt natürlich nie die richtige Antwort sein kann.

„Alles andere als geheim“

Das Berliner Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) hat Anzeichen für „rechtsextreme Anti-CSD-Proteste“ in 27 deutschen Städten gefunden. So bemerkt man, dass in Bautzen „rund 700 Neonazis gegen ein CSD-Fest mit 1.000 Teilnehmenden … mobilisiert“ habe. Aber nur in einem Fall war von einem gewalttätigen Angriff die Rede – eben der angebliche Berliner Plan, der aber von der Polizei vereitelt wurde.

Die beiden Gruppen – „Jung & Stark“ und „Deutsche Jugend Voran“ – verbindet laut Tagesschau, dass sie „alles andere als geheim vorgehen“. Es gehe ihnen um öffentliche Präsenz und Aktionen, die manchmal impulsiv wirken. Organisiert wird das oft über soziale Medien, etwa Telegram-Kanäle. Auch ein Instagram-Profil hat die DJV wohl, allerdings finden sich darauf aktuell keine Inhalte mehr.

Ähnliche Gruppen präsentieren sich mit Themen wie „Gegenkultur“, „Heimatliebe“ und „Aktivismus“. Der Aktivismus der extremen Gruppen JS und DJV erinnert in einigem an die Identitäre Bewegung – Provokation eines linken Mainstreams, öffentliche Sichtbarkeit –, geht aber klar darüber hinaus, wenn Mitglieder oder Anhänger zur Gewalt aufrufen oder gewalttätig werden.

Nichts Neues von der Vulkangruppe

In die Berichterstattung über die rechtsextremen Gruppen fließt manchmal wie selbstverständlich ein, dass es auch linksextreme Gegenstücke gibt, die so etwas wie die akzeptierten Platzhirsche in eben diesem öffentlichen Raum sind. So ist beim RBB von einem Zentrum der linksautonomen Jugend in Marzahn die Rede, das man von „Rechten“ als bedroht darstellt. Diese Zentren lässt man offenbar gewähren, obwohl die Gewaltneigungen auch der linksautonomen Szene bekannt sind.

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Auch in Sachen der terroristischen Vulkangruppe, die zuletzt durch gezielte Sabotage für einen massiven Stromausfall und mehrere Todesfälle im Südwesten Berlins sorgte, ermittelt die Bundesanwaltschaft weiter. Aber bisher ist es noch zu keinen Festnahmen gekommen. Das liegt unter anderem daran, dass die linksextremistische Gruppe ziemlich professionell und konspirativ zu Werke geht.

Zum anderen haben die Linksextremisten manchmal auch einfach einen sehr guten Draht zu den Ermittlern. Man liest, dass Leute aus dem Umfeld der „Hammerbande“ Kopien von staatsanwaltlichen Ermittlungsakten besitzen – so ein bekannter Berliner Linksextremist und militanter Anarchist, der laut Welt im Verdacht steht, zur Vulkangruppe zu gehören. Angeblich weiß man schon einiges zu den Klima-Extremisten, tut sich aber mit Beweisen schwer. So ist der Generalanwaltschaft München angeblich klar, dass im Anarchistenmagazin „Der Zündlumpen“ Mittäter der Anschläge schreiben, nur belegen lasse sich das nicht gut. Und wenn all das so ist, dann stellt sich die Frage, ob diese Schwierigkeiten wirklich nur ein Effekt des konspirativen Vorgehens sind. Und auch vom extremistischen Islam und seinen sich verfestigenden Strukturen wurde schon lange nichts mehr gehört.

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Kommentare ( 35 )

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Jens Frisch
4 Tage her

Ich frage mich, wann ich verboten werde: Blond, blaue Augen, 1,90m, zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern!

DDRforever
3 Tage her
Antworten an  Jens Frisch

Fast wie bei mir, erschwerend kommt noch dänisches und russisches Blut dazu.

hoho
3 Tage her
Antworten an  DDRforever

Das geht aber gar nicht. Ein Internierungslager ist nicht zu vermeiden, spätestens wenn Pistorius wie geplant 2030 gegen Russland vorrückt.

Axel Fachtan
3 Tage her
Antworten an  Jens Frisch

Suchen Sie sich einfach eine arabische oder türkische Frau mit Klasse.
Dann haben auch ihre Nachfahren eine gute Zukunft.

Axel Fachtan
3 Tage her

Klimaneutral.Energiewende ins Nichts.Kraftwerke stillgegen und sprengen. Wirtschaft Industrie und Bürger vernichten. Das alles ist das Handeln der EU Kommission, und aller Politiker Parteien und Regierungen seit 1998.
Die Nordstreamsprengung hat auch sehr gegen rechts geholfen.Der Ukrainekrieg,die beiden völkerrechtswidrigen Angriffskriege gegen den Iran.
Die Rest erledigen Hammerbande und Vulkangruppe.
Das Umfeld ist steuerfinanziert.
Deren Taten werden staatlich geduldet, weil sie der guten Sache dienen.
Heute würde die RAF mit Steuergeldern finanziert.
Im Westen war das damals noch nicht üblich.
Nur die Stasi und die DDR haben damals tatkräftig geholfen.
Heute ist das wiedervereinigte Deutschland insgesamt dazu bereit.

Phil
3 Tage her

Es ist mir eigentlich Wurst aus welchem Loch die gewaltbereiten Jungsozialisten gekrochen kommen, aus dem rechten oder linken ist einerlei, oder Jacke wie Hose, könnte man sagen. Letztendlich ist es nichts anderes als ein Familienzwist zwischen nationalen und internationalen Sozialisten. Beide Gruppen sind totalitär, extrem und vertreten lediglich gesellschaftspolitisch andere Ansichten, ökonomisch betrachtet sind sie alle hirnamputierte Versager. Der einzige feststellbare Unterschied zwischen den Gruppen ist ihre Präferenz für ein jeweils anderes „Kollektiv“, abgesehen davon ist kein Unterschied feststellbar.

BKF
4 Tage her

Gibt es diese Vulkangruppe denn überhaupt? Das Celler Loch war ja auch nicht von der RAF, zBsp.

baval
4 Tage her

Die 1990er sind seit 30 Jahren vorbei. Wer weiterhin mit solchen Narrativen versucht Legitimtät vorzutäuschen hat das Haltbarkeitsdatum schon lange Überschritten und gehört ensorgt, das gilt für den gesamten Parteien und Beamten Apparat. Außer der künstlichen Geronden Pseudowählerschaft hat der Rechtsstaat und die Politik keine Legitimität mehr

Kontra
4 Tage her

Normalerweise werden solche Aktionen doch unmittelbar vor LTW „aufgeführt“. Ist da jemand in der Terminplanung verrutscht?

BKF
4 Tage her
Antworten an  Kontra

Könnte trotzdem eine Ablenkungsaktion sein.

maps
4 Tage her

Der Staat untestützt ja auch aktiv die linksextremistische Szene und Schlägertrupps und verfolgt Kritiker! Die NGOs bekommen zig Millionen dafür. Und der Mordanschlag auf Frank Magnitz ist bis heute nicht aufgeklärt, geschweige denn die Täter gefasst! Bei der Vulkan-Gruppe seit 10 Jahren das gleiche. Es gibt zig Beispiele. Dieser Staat ist ein linksextremistisches System (geworden), dass diese Gruppen unterstützt und sei es durch bewusste Unterlassung! Es ist ein ekelhaftes System (geworden)!! Ich kann mit diesem Land und diesem System rein gar nichts mehr anfangen.

Karl Schmidt
4 Tage her

Möglicherweise ist die braunsozialistische Szene auch einfach nicht so gut mit Steuermitteln ausgestattet wie Linksextremisten. Es ist auffällig, dass deren Professionalisierung seit der Existenz von Programmen wie Demokratie beheben bemerkenswert zugenommen hat. Deren Vernetzung wird sowohl auf informationeller Ebene gestärkt, aber möglicherweise auch durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, die ideologische Propaganda zum Inhalt haben. Dort sind Linksextremisten und Linksextremistenversteher nämlich plötzlich in Lohn und Brot, ohne einen Mehrwert für die Bürger – im Gegenteil. Dafür entstehen aber mitten unter uns Echokammern für Grundrechtsverächter, Gewaltbereite und Gewaltrechtfertiger. Von Brandmauer findet sich hier keine Spur: Esken oder das sog. Landesamt für Verfassungsschutz… Mehr

Michael W.
4 Tage her

Die „Rechten“ gelten als gewaltbereit, die Linken sind nachgewiesen gewalttätig. Siehe Hammerbande und Antifa. Aber auch der DGB scheint seine Schlägertrupps zu haben. Gut, die sind mittlerweile ja auch von mitte-links zu linksradikal gewandert.

Manfred_Hbg
4 Tage her

Zitat: „Eine Razzia gegen jung-rechte Splittergruppen eignet sich vorzüglich zur politischen Inszenierung. Während Linksgrüne viel Verständnis für die „Hammerbande“ und Interesse an ihren Gründen haben, bleibt diese Frage hier aus.“ > Fast genau Ähnliches habe ich schon gestern gedacht, als ich da beim Zappen auch über WELT gekommen bin und dann das dort grad laufenden Intterview zum Thema mitgehört hatte. – Es wurde von der WELT-Moderatorin und dem scheinbar jüngeren Interview-Typen nur über rechte Gefahren, über Rechte und Rechtsextreme und -na klar- auch über die AfD geschwätzt und hergezogen. Dass das noch kein Rechter zum Beispiel mti einen Hammer oder… Mehr

Judith Panther
4 Tage her

„Eine Razzia gegen jung-rechte Splittergruppen“ ?
Oh, je – was haben die angestellt?
Die Deutschlandfahne aufgehängt?

Last edited 4 Tage her by Judith Panther
Montesquieu
4 Tage her
Antworten an  Judith Panther

So weit waren sie zum Glück noch nicht. Aber hätte der Staatsschutz nicht eingegriffen, hätte das, wenn´s dumm gelaufen wäre, passieren können.

Last edited 4 Tage her by Montesquieu
BKF
4 Tage her
Antworten an  Montesquieu

Sie meinen wie beim „Rollator-Putschversuch“, wo ja gefühlt im ÖRR ein erneuter Kapp-Putsch verhindert wurde? Irgendwie hört man gar nichts mehr von dem Prozeß.

DDRforever
3 Tage her
Antworten an  Judith Panther

Sie wollten nicht konvertieren, für die BRD Regierung natürlich ein Verbrechen.