Scheichs setzen mit Israel auf Fortschritt

Der Kooperationsvertrag zwischen Abu Mussahs FAM-Holding in Dubai und der Tura-Winery in Israel ist mit Freude unterzeichnet und trotz Corona mit Handschlag besiegelt worden.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Emil Salman
Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu, center and flydubai CEO Ghaith Al Ghaith, right, attend a welcoming ceremony for the first flydubai commercial flight to arrive at Ben-Gurion International Airport, Israel

Die angeblich archaischen Scheichs in Dubai haben inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt: mit Israel kooperieren heisst die Zukunft gestalten. Im Auswärtigen Amt in Berlin und beim Aussenbeauftragten in Brüssel wird noch immer nach Vorgaben aus dem vorigen Jahrhundert agiert. Sie brandmarken Produkte aus Judäa und Samaria, manchen besser bekannt als Westbank/Westjordanland.

Vered Saadon, fünffache Mutter, wohnhaft in Rehelim, ist gerade aus Dubai nach Samaria nach Hause gekommen und schwärmt noch immer: „der Empfang ihres neuen Geschäftspartners, Abu Mussah, war von ausgesuchter Gastfreundschaft und betonter Herzlichkeit“. Umarmungen mussten wegen Corona vermieden werden, aber er nannte Vered eine „Tochter Abrahams“ und damit seien sie enge Verwandte, Cousinen, berichtet sie aufgekratzt gegenüber TE.

Vered Saadon ist eine gebürtige jüdische Holländerin, die nach Ende ihrer Schulzeit nach Israel ausgewandert ist und seither in Samaria lebt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat sie 1997 die Winzerei „Tura“ gegründet. 2003 produzierten sie noch 1200 Flaschen Wein, heuer sind es bereits 100 000. Alles natürlich streng kosher. Ein Teil davon soll 2021 nach Dubai geliefert werden. Herkunftsland des begehrten „Cabernet Sauvignon“ und des „Gewürztraminers“: Israel. Mit dieser Bezeichnung des Landes, wo die Trauben reifen, hat der Kefjia tragende und in eine Thawb gehüllte Araber kein Problem.

Noch im November 2015 lobte die VAE-Zeitung „Emirates Newswire“ die Europäische Union dafür, dass Produkte aus den jüdischen „settlements“ in der Westbank als nicht-israelisch gebrandmarkt wurden und forderte Sanktionen gegen die „Besatzungsmacht“. Alles inzwischen Vergangenheit. In den Dubai-Supermärkten werden seit Wochen israelische Lebensmittel aller Art durch weiss-blaue Fahnen mit Davidstern besonders hervorgehoben und niemand fragt, ob die importierte Ware aus Tel Aviv oder der Westbank kommt.

Vered Saadon hat während ihres viertägigen Besuches in Dubai überall stolz erzählt, wo ihre Weine und das Olivenöl herkommen und keiner ihrer Gesprächspartner hat auch nur ansatzweise Kritik geübt. Im Gegenteil: ihre Angebote aus Judäa und Samaria wurden als Waren „from the land of Israel“ angenommen. Der Kooperationsvertrag zwischen Abu Mussahs FAM-Holding und der Tura-Winery ist mit Freude unterzeichnet und trotz Corona mit Handschlag besiegelt worden. Keiner der Gesprächspartner hat das Thema „Westbank“ oder „Siedlungen“ erwähnt. „Ich habe keinerlei Opposition gespürt“, erzählt Vered gegenüber TE. Und fügt hinzu: „sie wollen keine Politik von gestern diskutieren, sondern vielmehr eine fortschrittliche Zukunft gestalten, gemeinsam mit Israel“.

Von den für Israel und Nahostpolitik zuständigen Beamten beim Aussenbeauftragten in Brüssel oder im Auswärtigen Amt in Berlin sowie ihren politischen Vorgesetzten ist seit Monaten dazu wenig bis nichts zu hören. Schon gar nicht eine Initiative zur Überprüfung ihrer Haltung gegenüber Importen in die EU aus der Westbank. Es könnte eventuell von den Hohen Herren jemand auf die Idee kommen, die Frage aufzuwerfen: warum erschweren wir in Berlin und Brüssel noch immer den Warenverkehr zwischen EU und Westbank, wenn offizielle muslemische Brüder und Schwestern im Nahen Osten keinen Gedanken mehr darüber verschwenden?
Grundlage der vielversprechenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das am 15. September 2020 in Washington unterzeichnete Abkommen zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen, das vier Wochen später mit 80 gegen 13 Stimmen im israelischen Parlament bestätigt wurde. Die Zustimmung geht weit über die Koalitionsmehrheit der Regierung Netanyahu hinaus. Die 13 Gegenstimmen stammen ausschließlich von der „Arab Joint List“. Das Thema „Zwei-Staaten-Lösung“ oder „Besatzungsmacht Israel“, das über Jahrzehnte Voraussetzung für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und arabischen Nachbarstaaten war, wird in keinem der unterzeichneten Dokumente erwähnt. Die einflussreiche Yamina-Partei im Parlament in Jerusalem wertet den Vorgang als „neue Achse der Verständigung zwischen Israel und arabischen Golfstaaten ohne Berücksichtigung der Palästina-Frage“.

Die UN-Resolution 2334 fordert alle Mitgliedstaaten auf zwischen „Israel und den seit 1967 besetzten Gebieten“ zu unterscheiden. VAE und Bahrein kümmert die UN-Resolution wenig. Hamad Buamim, Chef der Industrie- und Handelskammer in Dubai sagt dieser Tage, er sehe kein Problem israelische Güter aus der Westbank zu importieren. Letztlich nütze das den Palästinensern, die in den dort liegenden Fabriken ihren Arbeitsplatz haben.

Vered Saadon poliert inzwischen zu Hause in Rehelim ihr Geschirr. Ihr neuer Geschäftspartner aus Dubai, Scheich Abu Mussah, hat seinen Gegenbesuch in Samaria noch in diesem Jahr zugesagt.

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Kommentare ( 11 )

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Klaus H. Richardt
4 Monate her

Da ist es wieder, was die Ära Trump von der deutschen Politik unterscheidet: Er hat etwas für den Frieden getan, nicht nur geschwätzt. Hut ab vor diesem grossartigen (GREAT) Staatsmann. Poltern für den Frieden; das konnte nur er!

bkkopp
4 Monate her

Ich teile die Freude über die Aufwertung Israels in der Region und begrüße den wirtschaftlichen Fortschritt der sich anbahnt und daraus entwickeln kann. Die deutsche und die EU-Politik zu Israel sind zum Schämen. Ob aber all die anti-israelische Ideologie in den arabischen Ländern, und Schulbüchern, nennenswert geändert werden kann ist sehr ungewiss. Die Öl-Araber haben in den letzten Jahrzehnten dauerhaft ca. 10 Mio. “ Gastarbeiter “ importiert, von denen die meisten unter rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen arbeiten, die irgendwo zwischen Leibeigenschaft und Frühkapitalismus liegen. Arabische Brüder aus dem ehemaligen Mandatsgebiet Palästina hatten es, von Jordanien abgesehen, viel schwerer in die… Mehr

Skeptischer Zukunftsoptimist
4 Monate her

Bei allem Positiven an dieser Entwicklung. Hoffentlich ergeht es Israel nicht eines Tages wie dem Westen mit China. Erst Aufbauhilfe, Kooperation und schließlich feindliche Übernahme.

teanopos
4 Monate her

richtig, wie immer entscheidet wer den längsten Atem hat. Und was Atem angeht, da können unsere linksdekadenten West“demokratien“ unter linksmedialer Knute mühevoll abstinken. Im Nahen Osten denkt man wie in China in Dekaden. Das kriegen unsere polit -clowns und -leichtgewichte im Leben nicht auf die Kette. In unseren Gefilden zählt ganz feminin die Sternchen die eine Person in seinem Wirken als Gutmensch beim Gummibären knacken bekommen hat. Dann darf diese Person für ein paar Jahre die linksgrüne Agenda der Medien erfüllen und wer dieser linksgrünen Agenda in entscheidender Position nicht nachkommt ist eben rechts. Und dass rechts ganz schlimm ist,… Mehr

Last edited 4 Monate her by teanopos
Wilhelm Roepke
4 Monate her

Ich bin kein Freund der deutschen Außenpolitik, aber diese Wendung mancher Araber ist erstens noch nicht überall verbreitet und zweitens nicht sicher von Dauer. Vielleicht ändert man erstmal die Resolution der UN. Und eine Zukunft für die Palästinenser lese ich auch nicht heraus; ob diese jetzt alle Friedenspfeife rauchen, glaube ich noch nicht.

Silverager
4 Monate her
Antworten an  Wilhelm Roepke

Was haben wir früher gelernt?
„Aller Anfang ist schwer.“ und „Eine Reise beginnt immer mit dem ersten Schritt.“
So ist es auch hier. Kein Grund zum Schwarzsehen.

Gruenauerin
4 Monate her
Antworten an  Wilhelm Roepke

Wen interessieren denn noch die Palästinenser. Deren Zukunft wird von deren Führung schon lange verspielt. Dieses Land könnte blühen in der Zusammenarbeit mit Israel, aber die Hamas und Abbas wollen das ja nicht, denen sind arme Palästinenser lieber, die sich dann leicht für Angriffe auf Israel rekrutieren lassen. Die Welt ändert sich. Es werden überall z.Z. neue Bündnisse geschmiedet. Die einzigen, die vor der Tür gelassen werden, sind die Mitgliedsstaaten der EU. Deren Politik ist nicht zukunftsfähig und das ist den Staaten der Welt nicht verborgen geblieben.

myrkf
4 Monate her
Antworten an  Wilhelm Roepke

Besser wäre es, die UN abzuschaffen.

Und lieber Regionale/Kontinentale Staatenausschüße zu bilden.

Denn die Staaten in den Regionen wissen besser Bescheid, als eine korrupte, Ineffiziente und Machtlose UN.

MariaundJosef
4 Monate her

Gratulation….und viel Erfolg zu dieser neuen Partnerschaft..👌

giesemann
4 Monate her

Hoffentlich ist das alles wirklich so schön, wie es klingt. Good luck, ihr semitischen Brüder und Schwestern, gemeinsam seid ihr stark.

GWR
4 Monate her

Da schäumen unsere Politiker und möchten schamhaft verschweigen, das der Teufel Trump diese Zusammenarbeit erst ermöglicht hat. Etwas was unsere Politiker in 40 Jahren nicht geschafft haben. Ich warte nur darauf dass unser Maas-Männchen versucht sich diesen Triumph ans viel zu enge Jacket zu heften.