Immer neue und bessere Drohnen, immer mehr Abwehrraketen und Flugabwehrgeschütze – eine israelische Firma will eine bessere Lösung zur Drohnenabwehr liefern: Hightech in einem nur sieben Kilo schweren Koffer blockiert das Steuerungssystem, die Drohne denkt, sie sei woanders.
picture alliance / Ritzau Scanpix | Mads Claus Rasmussen
Auf den Schlachtfeldern und bei terrorgefährdeter Infrastruktur entscheidet vielleicht bald nicht mehr der teuerste Flugabwehrraketen-Komplex, sondern ein nur sieben Kilo schwerer Kasten: Das israelische Unternehmen Regulus Cyber hat aus einem Faktum – Drohnen hängen an Satellitennavigation – ein ganzes Abwehrsystem gebaut. Wer der Drohne die Orientierung nimmt, nimmt ihr den Auftrag. Genau das verspricht die Produktfamilie „Ring ARM-V“, berichtet aktuell die Fachzeitschrift breakingdefense.com: keine Explosion über den eigenen Soldaten, kein Trümmerregen über einer Stadt, sondern ein unsichtbarer Eingriff in die Navigation.
Die Grundidee für das neue System ist GNSS-Spoofing: „Ring“ erzeugt gefälschte Signale für GPS, Galileo, Glonass und BeiDou und zwingt drohnenübliche Empfänger, falsche Positionen anzunehmen. Die Drohne kann somit zurückgedrängt, in eine Warteschleife gezwungen oder – bei vielen zivilen Mustern – zur Landung gebracht werden. Die Sendeleistung liegt nach Angaben des Unternehmens unter der eines WLAN-Routers. Genau das ist der strategische Reiz: Störsender, die ganze Frequenzbänder zupflastern, gefährden nämlich die eigenen Funknetze.
Neues System sei bereits kampferprobt
Firmengründer Yonatan Zur hat das Prinzip so zusammengefasst: Die Abwehr-Einheit übernimmt den Empfänger und gibt der Drohne falsche Orte vor. Tests gegen Dutzende Dreh- und Starrflügler gelten als abgeschlossen, das System sei im Einsatz zu Land und zur See „combat proven“. Unabhängige Kampfberichte im Detail wurden bisher noch nicht veröffentlicht.
„Ring ARM-V“ soll Fahrzeuge mit einer elektronischen Blase umgeben, im engen Modus rund um den Wagen, im Leistungsmodus mit einem Schutzkegel nach oben. Eine westliche Armee hat die Technik nach Unternehmensangaben bereits an Gefechtsfahrzeuge angebunden. Der Clou für die Truppe: ein „Red-Button“-Betrieb ohne ständigen Operator ist möglich, damit die Besatzung beim eigenen Auftrag bleibt.
Doch Spoofing allein reicht nicht mehr: FPV-Drohnen fliegen nach Kamerabild, glasfasergeführte Modelle brauchen weder Satellit noch Funk. Deshalb hat Regulus die Kette erweitert: passive RF-Erkennung, Mehrband-Jamming gegen Steuer- und Videolinks, eine offene Führungssoftware, außerdem ist ein kinetischer Abfänger (DART) für Ziele in Planung, die elektronisch taub sind.
Mit der Innovation aus Israel könnte sich die Ökonomie der Luftverteidigung komplett ändern: Ein Drohnenschwarm für wenige Tausend Euro sollte nicht Flugabwehrraketen für hunderttausende Euro binden. Der nun gezeigte Soft-Kill erlaubt auch den Schutz in Städten, an Flughäfen und über Konvois ohne Sekundärschäden. Das Wettrüsten wird allerdings garantiert seine Fortsetzung finden – auch gegen „Ring ARM-V“.


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Das scheint eine typische israelisch-amerikanische Kauf-Mich-Show zu sein. Kleiner Tipp: das Ding funktioniert wahrscheinlich auch gegen GPS, aber Glonass und Beidou sind im Gegensatz zum völlig veralteten, amerikanischen GPS weit weniger (eigentlich gar nicht) störanfällig, sonst hätten das die Amis und Ukrainer längst getan. Aber die Buntewehr wird das bestimmt kaufen und so dem amerikanisch-israelischen, militärischen Komplex wieder einige Millionen Euro zuschustern.
Im Prinzip sehen wir hier das selbe, was die Amis im Kriegsfall mit dem GPS machen. Das stellt das Problem aber nicht komplett ab. Wirklich interessant wird das erst, wenn man den Sprengsatz bzw. die Kampfmittel in den Drohnen auf sichere Entfernung deaktivieren kann. Sonst kommen die irgendwo anders runter und richten dennoch Schaden an. Vielleicht nicht mehr beim eigentlichen Ziel, aber dann vermutlich in der Zivilbevölkerung. Das mag in dünn besiedelten Gebieten bzw. „auf dem Acker“ im klassischen Kampfgebiet mit Schützengraben o.Ä. nicht der Fall sein. Im urbanen Umfeld, und das haben wir in Europa wegen der extrem dichten… Mehr
Die sich stürmisch entwickelnde Technologie scheint besondere Anforderungen an die Beschaffungsplanung zu stellen. Man kann nicht Jahre brauchen um einen Bedarf zu definieren, Aufträge zu erteilen und dann Vorräte anlegen, wie man es weitestgehend bisher gemacht hat. Man wird technologieoffen flexibel bleiben und alle Entwicklungen laufend erproben müssen, aber nur in beschränktem Umfang bevorraten können. Nächstes Jahr könnte es schon überholt sein. Man wird eine bisher nicht geübte Zusammenarbeit mit Herstellern finden müssen. Es darf sich nicht wiederholen, dass man gegen € 30,000-Drohnen nur millionenteure Abwehrsysteme hat, und, dann nicht einmal industrielle Kapazitäten existieren, die bei Bedarf zumindest binnen 3-6… Mehr
Ok, wenn man mit Dronen Propeller Cruise Missiles wie Bober oder Geran meint, passt dass aber Quadcopter können auch mit Glasfaser Kabel gesteuert werden und das über Kilometer. Gut genug für terroristische Angriffe auf Infrastruktur.
Es ist wie bei den Kanonen und den Festungen: Es findet ein Wettrüsten zwischen Angriff und Abwehr statt.
Im 1. Weltkrieg war die Verteidigung im Vorteil. Im 2. Weltkrieg der Angriff. Man sieht es auch im Ukraine-Krieg: Dauernd gibt es eine neue Entwicklung, die dem Einen oder dem Anderen Vorteile bringt. Und speziell im aktiven Krieg geht die Entwicklung schnell, einfach weil sie es muss.
Nach durchsicht der Kommentare würde ich ich sagen, der Drohnen Krieg ist erst am Anfang, Sieger wird es vorerst keinen geben.
Die deutsche Rüstungsindustrie könnte aber locker mitmachen, wenn wir schon keine Autos mehr verkaufen dann halt Kampfdrohnen.
Dank dieser Wunderwaffe könnte die Armeesimulation BW dann doch wieder mit ihren Oldtimern „Marder“ & Co gen Osten fahren – lebensmüdes und durchgeimpftes Personal vorausgesetzt…
GPS Spoofing funktioniert nur temporär, bis der Empfänger soweit aufgerüstet ist, das er die Differenzsignale der Satelliten decodieren kann. Bei abgeschossenen Kampfdrohnen sieht man jeweils, dass si h die Anzahl der Antennen zu empfan des GPS Signals vermehrt. Der Rest ist Software. Ich würde in diese Firma NICHT investieren.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass z.B. das russische GLONASS oder Rasswet weit weniger störanfällig sind als GPS.
In Russland schießen die Bauern mit Schrotfliten auf ukrainische Drohnen. Eine Kugel trifft immer!
Erstaunlich. Woher haben Sie denn solche Märchen?
Die ukrainischen Drohnen, die in Russland unterwegs sind, kann man mit einer Schrotflinte gar nicht erreichen, weil sie zu hoch fliegen und zu groß sind. Mit einer Schrotflinte setzen sich Soldaten (beider Seiten) gegen FPV-Drohnen erfolgreich zur Wehr, möglicherweise sogar gegen Bomberdrohnen, aber auch das funktioniert keineswegs immer. Die Drohnenpiloten fliegen mit so hoher Geschwindigkeit an, dass man nachdem man die FPV-Drohne bemerkt hat, kaum Zeit zur Gegenwehr hat. Am erfolgreichsten sind FPV-Drohnen im Einsatz gegen Drohnen.
Auf dem Gebiet der Electronic Countermeasures sind Russland und China führend. Wie Sie selbst schreiben, sind diese jedoch gegen Drohnen mit KI-Geländeerkennung oder Glasfasersteuerung wirkungslos. Deshalb muss ich diesen Artikel als Werbung einstufen.
Werbung? Ich würde es eher als übliche Kriegspropaganda a la „Unsere Waffen sind präzise und wirkungsvoll, die des Gegners können uns nichtts anhaben!“ einstufen.