Kein Ende der Gewalt in Frankreichs Städten: Bei den landesweiten Protesten am Donnerstag musste die Polizei in Paris gegen vermummte Tätergruppen vorgehen, in Toulouse wurde ein Gymnasium in Brand gesetzt.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Krisztian Elek
Die Exekutive meldete am Donnerstagabend 448 Festnahmen und 53 verletzte Angehörige der Sicherheitskräfte, die Lage blieb auch nach dem Ende der großen Demonstrationszüge angespannt. Nach Angaben des französischen Innenministeriums gingen gestern landesweit 575.000 Menschen auf die Straße. Die Gewerkschaft CGT sprach hingegen von mehr als 1,57 Millionen Teilnehmern. Allein in Paris zählte das Ministerium 65.000 Demonstranten. Der Protest richtete sich gegen die hohen Lebenshaltungskosten, stagnierende Löhne und den miserablen Zustand öffentlicher Dienstleistungen. Neben den Gewerkschaften beteiligten sich Schüler, Studenten und Anhänger der Gelbwesten-Bewegung.
Die großen Demonstrationszüge verliefen überwiegend geordnet, erst nach den Protesten kam es erneut zu zahlreichen Ausschreitungen: In Paris bildete sich auf dem Boulevard Voltaire ein sogenannter Schwarzer Block. Die vermummten Teilnehmer verursachten Sachschäden, woraufhin Polizeikräfte gegen die Gruppe vorgingen. Am Abend musste die Polizei außerdem auf der Place de la Nation wegen eines kleineren Brandes und weiterer Unruhen eingreifen.
Besonders schwer waren die Vorfälle in Toulouse: Dort setzten vermummte Jugendliche das Gymnasium von Tournefeuille mit Feuerwerkskörpern in Brand. Auch bei einer weiteren Schule in der Stadt wurde ein Feuer gelegt, Polizisten konnten aber rechtzeitig den Brand löschen. In La Courneuve bei Paris wurde ein Schüler bei einer Auseinandersetzung während eines Schulstreiks mit einem Messer verletzt, er ist aber nicht in Lebensgefahr. Auch aus Rennes, Marseille, Nantes, Bordeaux und Straßburg wurden Unruhen und Angriffe auf die Einsatzkräfte gemeldet.
Besonders dramatisch: die Brandstiftung im historischen Rathaus von Limoges. Vermummte Täter drangen in das 143 Jahre alte Gebäude ein und legten Feuer. Das Dach stürzte ein, der Glockenturm brach zusammen. Präfekt Maurice Barate erklärte, das Gebäude sei zum großen Teil verloren. Die Zerstörung des Rathauses durch einen Linksextremisten wurde zum Symbol der Gewaltnacht.
Für den 20. November sind in ganz Europa weitere Massenproteste angekündigt, bei denen es erneut zu Ausschreitungen kommen könnte.



Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein