Klimawandel: Brüssel beschleunigt Degrowth-Strategie

Ungeachtet der fortschreitenden Deindustrialisierung verschärft die EU-Kommission ihren klimapolitischen Crashkurs. Mit dem Aktionsplan Elektrifizierung soll künftig Erdgas noch stärker besteuert werden. Brüssel arbeitet unter Hochdruck daran, die EU ökologisch und politisch zu marginalisieren.

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Nicolas Landemard

Folgen wir der jüngsten Auswertung des Ökonomen Thorsten Polleit, dann wissen wir, dass die deutsche Industrie um etwa ein Viertel vom langfristigen Produktionspfad abgewichen ist. Berlin und Brüssel dürften sich über diese Nachricht insgeheim freuen, ist es doch das Ergebnis ihrer Politik: Energie künstlich zu verknappen und damit für die Betriebe am Standort massiv zu verteuern. Der energiepolitische Suizid in Verbindung mit der grotesken Klimaorgie hat den Exodus deutscher und europäischer Industriebetriebe überhaupt erst ausgelöst.

Daher muss man die allgemeine Reformverweigerung des Brandmauer-Kartells auch entsprechend auslegen: Alles folgt der Degrowth-Ideologie, der Klima-Weltrettung, einer Rettung, die nur durch den Ausstieg Deutschlands aus der höheren Zivilisation möglich zu sein scheint. Dass sich daraus notwendigerweise auch der Abbau des wertschöpfenden Fundaments der deutschen Wirtschaft ergibt, muss als Teil einer politischen Strategie betrachtet werden. Alles andere entspräche nicht mehr der empirischen Befundlage.

Pauschale Untätigkeit allerdings sollte man Berlin unter keinen Umständen vorwerfen. Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Schuldenminister Lars Klingbeil haben schließlich Himmel und Hölle und den längst abgewählten Bundestag in Bewegung gesetzt, um mit dem 500 Milliarden Euro schweren Sonderschuldenvermögen die Produktion von grünem Unfug und zunehmend auch von Kriegsgerät in die aufreißenden Lücken der deutschen Industrie zu lenken. Europäischer Bellizismus in Reinform, aufgeladen mit maximaler Russlandangst, um die Bevölkerung auf Kurs zu halten.

Und so wandelt sich im Zuge des nicht mehr abebbenden Subventionsstroms die deutsche Ökonomie tatsächlich. Wo einmal der Polo vom Band lief, rattern nun Panzer und Haubitzen bei VW über den Hof. Militärische Nutzfahrzeuge bei Mercedes-Benz Special Trucks (Unimog- und Zetros-Plattformen), die zunehmend auch im rüstungsnahen Einsatzumfeld gefertigt werden. Gepanzerte Spezialfahrzeuge und Defense-Varianten bei Stellantis – eine neue Produktion, die die militärischen Beschaffungsprogramme ermöglicht. Oder nehmen Sie Iveco Defence Vehicles, wo aus ziviler Lkw-Produktion der Übergang in den Militärfahrzeugbau erfolgt ist.

Kann Politik derart eindimensional gestrickt und ideologisch naiv sein? Aus Berlin wissen wir, dass dies der Fall ist, und auch Brüssel steht dem keineswegs nach, wie wir jetzt sehen werden.

Wie das Branchenportal Table.Briefings berichtet, plant die EU-Kommission, die Mitgliedstaaten künftig dazu zu verpflichten, Erdgas steuerlich nicht länger günstiger zu behandeln als den Verbrauch von Strom. In einigen Ländern wird Strom nämlich zwischen zehn- bis fünfzehnmal stärker besteuert als Gas.

Ende Juli soll der gemeinsame Aktionsplan Elektrifizierung präsentiert werden. Brüssel versucht, mit der Novellierung der Strommarktverordnung anstelle einer Änderung der Energiesteuerrichtlinie die notwendige Einstimmigkeit im Ministerrat zu umgehen. Oder anders gesagt: Ursula von der Leyen und ihre Klima-Garden arbeiten unter Hochdruck daran, private Haushalte und Industrieunternehmen mit höheren Abgaben auf das unverzichtbare Erdgas ökonomisch weiter in die Enge zu treiben.

Denn noch immer beträgt der Anteil von Erdgas am Primärenergieverbrauch in der EU etwa 21 Prozent. Diesen zu verteuern ist also eine ganz bewusste Entscheidung der EU-Politik, energieintensive Produktion am heimischen Standort weiter zu verdrängen.

Die Verteuerung der Nutzung von Erdgas ist nur ein Baustein einer umfassenden Strategie zur künstlichen Verknappung von Energie. Die im Rahmen des europäischen Emissionshandels (EU-ETS) als ein aggressives politisches Abschöpfungsmodell verankerte CO₂-Bepreisung treibt die Energiekosten am Standort Europa immer weiter in die Höhe. Vorgeblich geht es der Politik darum, auf diese Weise Innovationen und Investitionen im Bereich der grünen Produktion zu erzwingen – grünmoralisch rein soll es am Standort Europa angeblich zugehen. Doch wie wir gesehen haben, wird parallel die Kriegswirtschaft, das aus ökologischer und zivilisatorischer Sicht verheerendste Monstrum, mit Schulden aufgebläht.

Ab dem Jahr 2028 soll das CO₂-System zudem weiter ausgebaut werden. Dann geraten die Sektoren Gebäude, Wärmeerzeugung und Verkehr auf das Radar der CO₂-Abzocker. Erdgas, Heizöl und andere fossile Kraftstoffe fallen dann unter die Regeln dieses Systems. Das Leben in der EU wird künstlich weiter verteuert.

Brüssel ist auf der Suche nach immer neuen Einnahmequellen und führt dabei konsequent den Öko-Moralismus ins Feld. Möglicherweise sind Ursula von der Leyen und ihre fiskalischen Raubritter bereits wieder auf Grund gestoßen – diesmal in Dänemark. Dort plant die sozialdemokratische Regierung die Einführung einer Methanbesteuerung in der Rindviehhaltung. Dieser klimapolitische Anschlag würde, einmal auf die EU-Ebene gehoben, Milcherzeugnisse und Fleischprodukte massiv verteuern. Die Betroffenen wären die von jahrelanger Inflation und ökonomischem Niedergang hart getroffenen Haushalte und die von der Politik unmittelbar unter Druck gesetzten Landwirte.

Der private Sektor allerdings besitzt aus der Sicht der politischen Elite Europas lediglich eine Funktion: Er ist der ewige Springbrunnen, aus dem die Brüsseler Bürokratie die Mittel abschöpft, die zum Aufbau des suprastaatlichen Gebildes benötigt werden. Große Projekte wie der Ukraine-Krieg, der Umbau weiter Teile der Wirtschaft in eine ökosozialistische Kommandoökonomie erfordern immer höheren Mitteleinsatz, da simultan die Privatwirtschaft Produktivität verliert. Aus dieser ökonomischen Todesspirale werden die europäischen Staaten erst herausfallen, wenn das Kind schon ganz tief in den Brunnen gefallen ist.

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Kommentare ( 60 )

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Bernd Schulze sen.
1 Tag her

Moin, irgendwie hat man den Eindruck, daß die in Brüssel, Erdgas ist nur zum Heizen und Erdöl nur für Kraftstoff da. Ohne dem geht in der chemischen Industrie nichts, genauso wie in den anderen Bereichen. Kohle soll ja auch weg. Wahrscheinlich arbeitet man schon an Mode aus Hanffasern oder Jutesäcken, aber da kommt auch wieder die Chemie ins Spiel. Chips benötigen auch ein Nebenprodukt und in der Medizin ebenso. Also steigen auch dort die Preise wo Produkte aus Erdgas bzw die entstehenden Nebenprodukte benötigt werden. Die einst aus dem Nahen Osten importiert wurden. Uschi und ihr Hofstaat betreiben eine Art… Mehr

GeWe
2 Tage her

Das EU-Narrenschiff unter seiner von Merkels Schoßhündchen zum machtgierigen Drachen mutierten Kapitän:in nimmt immer mehr Fahrt auf, wird aber das sozialistische Utopia nie erreichen, da es im Schuldenmehr absaufen wird. Die Schiffbrüchigen werden von den um ihre Illusionen der Verheißungen des Global Compact nach mühelosem Wohlleben betrogenen Zugezogenen dann ins Jenseits befördert.

Bernd Schulze sen.
1 Tag her
Antworten an  GeWe

Merkel wird auch im Hintergrund noch die Fäden ziehen und hinter jeden Beschluss dürfte eine Deutsche Beteiligung stecken.

horrex
2 Tage her

Kühl betrachtet, arbeiten die „Herrschaften“ an ihrer „Selbstabschaffung“.
Wogegen überhaupt nichts einzuwenden wäre.
Wenn sie bei ihrem Tun und Lassen denn nicht die ihnen „anvertauten“ Menschen massenweise ins Elend stürzen würden. –

Reinhard Peda
2 Tage her

„Klimawandel: Brüssel beschleunigt Degrowth-Strategie“
Und ich arbeite daran die Verantwortlichen daran auf den elektrischen Stuhl zu bringen, bevor uns der Strom ausgeht. Natürlich im übertragenden Sinn. Welche Strafen ein zukünftiger, vom Souverän, eingesetzter „Nürnberger Gerichtshof“ verhängt, weis ich nicht

horrex
2 Tage her
Antworten an  Reinhard Peda

Eine mir ausgesprochen plausible Idee!
Sowas wie etwa der „Nürnberger Gerichtshof“, nur dieses Mal in Sachen Klima, Degrowth, Covid, Leute-Verdummung usw. usf. –
Als Zeitzeugen würde ich mir Leute wünschen wie z.B. Trump, Vance, Hegseth. –

Mausi
2 Tage her

Mich würde interessieren, ob die EU Regeln zur Wirtschaft EU weit umgesetzt werden. Oder ob D den Schwerpunkt bildet. Wird wirklich die EU wirtschaftlich umgebaut oder überwiegend D?

Haba Orwell
2 Tage her

> Alles folgt der Degrowth-Ideologie, der Klima-Weltrettung, einer Rettung, die nur durch den Ausstieg Deutschlands aus der höheren Zivilisation möglich zu sein scheint.

Den Ausstieg aus Zivilisation gab es bereits, ablesbar nicht zuletzt an katastrophalen PISA-Ergebnissen. Hier geht es um einen Ausstieg aus geordneter Wirtschaft. Den meisten Michels kann man das Problem vermutlich nicht mal mehr erklären.

BellaCiao
3 Tage her

Die EU beschleunigt die Degrowth-Strategie. Das ist so, als ob man von einer Fahr-gegen-die-Wand-„Strategie“ spricht. Für einen Selbstmörder ist das vielleicht ein spontaner Plan, um sein Leben zu beenden. Aber eine Strategie ist es nicht, denn Strategien sind längerfristige oder mehrschichtige Pläne, nicht bloß Wenn-dann-Anleitungen. Dazu passend heute bei NT-V folgende „Breaking News“ auf dem Ticker: »DIW: Nur Sondervermögen können jetzt noch eine Rezession verhindern.« (Die ganze Expertise eines Marcel Fratscher in a Nutshell!) Was es wirklich braucht, sind wie früher jährliche 200–300 Milliarden für die deutsche Wirtschaft – und zwar von ausländischen und inländischen Investoren, nicht vom Staat, respektive… Mehr

Last edited 3 Tage her by BellaCiao
murphy
3 Tage her

Der ganze Energie-Wahnsinn wird orchestriert vom extra dafür gegründeten IPCC. Es stand zufällig in der Detroit News vom 22.Nov.1989. Es geht nur darum, dem Bürger mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Physikalisch ist das ganze CO2 & Klimagelaber und deren Orchestrierung unhaltbar. Ja, die Sonne scheint in Laufe der Jahrhunderte mal etwas schwächer, mal stärker. Und damit ändert sich als Folge nach etlichen Jahrhunderten (~ 700 Jahre?) auch der CO2-Gehalt der Lufthülle. Der CO2-Gehalt ist eine extrem langsame und günstige Nebenwirkung als Folge einer Erwärmung, mitnichten dessen Ursache. Bohrkern-Untersuchungen von Eis und Sedimenten bestätigen ausnahmlos die Physik. Die gegenteilige… Mehr

Endlich Frei
3 Tage her

Ich kann es ja verstehen, dass es mitunter im Interesse einiger süd- un osteuropäischer Länder liegt, Deutschland schrumpfen zu sehen und seine Stellung in der EU zu schwächen. Was ich nicht verstehe, ist die suizidale Politik Deutschlands gegen fundamentale Interessen. Offenbar möchte man sich auf die „Klimaneutralität“ zurückschrumpfen. Aber das bedeutet praktisch zurück zu einem Agrarland.

Mausi
2 Tage her
Antworten an  Endlich Frei

„süd- un osteuropäischer Länder“: Vor der Einführung des Euro wurde davor gewarnt, dass die Nordländer wirtschaftlich zu stark seien und der Euro daher scheitern werde. UK ist ausgetreten, inzwischen passt es von der Wirtschaftsstärke wahrscheinlich wieder zum Euro. Und D steigt wirtschaftlich ab. Das würde aber bedeuten, dass die EU irgendwann umschwenken muss. Bei Kernkraft hat sie es inzwischen getan, weil AntiKernkraft Frankreich den Todesstoß versetzt hätte. Außenpolitisch isoliert sich die EU gegenüber den USA, gegenüber Rußland. China wurde durch unseren feministischen, aus dem Völkerrecht kommenden Außenminister verärgert. Aber die Maßnahmen zur Lenkung von Information zeigt eine Nähe zu China.… Mehr

Last edited 2 Tage her by Mausi
MT
3 Tage her

Weil man ja nie weiß, was man nicht weiß, ist die Vermutung, dass es sich bei den Entscheidern in Brüssel entweder um Schwertkriminelle oder Schwachsinnige handeln muss, rein hypothetisch und stützt sich auf die Annahme, dass die Berichterstattung die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Auf diesem Hintergrund stellt sich eben auch und besonders die Frage: Wer stoppt diesen Wahnsinn endlich?

horrex
2 Tage her
Antworten an  MT

Ich denke, das „überlebt“ sich.
Nicht nicht erst irgendwann.
Dann nämlich spätestens, wenn dem geretteten treudooven Lieschen Müller der Strom zum Erwärmen der magenen Suppe ausgeht.
Oder, wenn Trump mal wieder „ne Hand frei hat“. Er sich darauf besinnt, dass es ihm ein kaputtes Europ nichts nutzt bei seinem Kampf gegen chinesische Vormachtstellung, dann nämlich, wenn das „alte Europa“, allen voran D., nur noch der Trümmerhaufen ist den Degrowth-Spezialisten wie UvdL und M. (z.B.nur) bei ihrem Tun übrig gelassen haben. –