KI-Konflikt in den USA. Anthropic wollte dem Pentagon Grenzen setzen. Nun zwingt die Regierung den Konzern, sein stärkstes Modell zu deaktivieren. Revanche oder berechtigte nationale Sicherheitsbedenken?
picture alliance / NurPhoto | Dominika Zarzycka
Das amerikanische KI-Unternehmen Anthropic musste auf Anordnung der US-amerikanischen Regierung seine bislang leistungsfähigsten Modelle namens »Mythos« und »Fable« vorerst deaktivieren. »Fable 5« ist die öffentlich nutzbare, abgesicherte Version. »Mythos 5« ist dieselbe Technologie mit weniger Beschränkungen für vertrauenswürdige Partner. Laut den Behörden sei die nationale Sicherheit gefährdet, wenn ausländische Staatsbürger Zugang zu dem System hätten. Betroffen sind sogar Nicht-US-Bürger, die sich innerhalb der Vereinigten Staaten aufhalten.
Die KI-Modelle gelten als besonders leistungsfähig. Sicherheitsexperten und Behörden warnen jedoch, die Technologie könne für Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur missbraucht werden. Anthropic hatte die Software deshalb auch nur mit Einschränkungen freigegeben.
Die Firma hält die Anordnung für ungerechtfertigt. Zwar solle die Regierung die Möglichkeit haben, gefährliche Anwendungen im Rahmen eines transparenten und fairen Verfahrens zu untersagen, aber diese Maßnahme, so Anthropic, entspräche solchen Grundsätzen nicht.
Das Unternehmen spricht von einem „Missverständnis“. Nach Darstellung des Unternehmens geht die US-Regierung jedoch davon aus, dass sich diese Beschränkungen mit einem sogenannten Jailbreak aushebeln lassen. Bei einer Demonstration habe das Modell eine kleine Anzahl bereits bekannter, geringfügiger Schwachstellen gefunden, die aber auch andere öffentlich verfügbare KI-Modelle betreffen würden. Genannt wurde hier ausdrücklich GPT-5.5 von OpenAI.
Anthropic verweist darauf, dass Fable 5 vor seiner Veröffentlichung Tausende Stunden Red-Teaming durchlaufen habe. Das sind realitätsnahe Angriffssimulationen, bei denen Sicherheitsexperten die Taktiken und Methoden echter Hacker nachahmen. Ziel des Red-Teamings ist es, Schwachstellen in der gesamten Organisation aufzudecken. Das beinhaltet Technik, Prozesse und den Faktor Mensch, um die eigenen Abwehrkräfte zu testen und zu verbessern. An den Tests waren nach Unternehmensangaben die US-Regierung, das britische AI Safety Institute, private Organisationen und interne Teams beteiligt. Zudem setzt das Unternehmen auf mehrstufige Schutzmechanismen, Monitoring-Systeme und eine 30-tägige Datenspeicherung zur Analyse möglicher Umgehungsversuche.
Besonders brisant wird der Fall vor dem Hintergrund des bereits angespannten Verhältnisses zwischen Anthropic und Teilen des amerikanischen Sicherheitsapparates. Das US-Verteidigungsministerium hatte das Unternehmen bereits im März 2026 als „supply chain risk“ eingestuft. CEO Dario Amodei kündigte an, diese Einstufung gerichtlich anzufechten.
Amodei hatte zuvor selbst darum gebeten, dass KI reguliert wird. KI entwickle sich extrem schnell – viel schneller, als der politische Prozess es bewältigen könne, für den er geschaffen wurde. In seinem Essay beschreibt er, wo er glaubt, dass die Technologie derzeit steht, und erforderliche Maßnahmen, um die Lücke zu schließen:
Da der KI-Entwickler Anthropic den Einsatz seiner Software für Massenüberwachung und autonome Waffensysteme begrenzen wollte, setzte das Pentagon das Unternehmen damals auf die schwarze Liste. Der Claude-Hersteller gilt nun offiziell als Lieferkettenrisiko. Eine Einstufung, die bislang vor allem ausländische Firmen traf. Während Konkurrenten wie OpenAI und xAI dem Militär weitreichende Nutzungsrechte einräumten, beharrte Anthropic auf ethischen Grenzen. Infolgedessen stand ein 200-Millionen-Dollar-Auftrag auf dem Spiel. Weitere Staatsaufträge sind ebenfalls bedroht. Das Unternehmen spricht von politischer Verfolgung. Trotz des Konflikts stieg die Unternehmensbewertung auf rund 380 Milliarden Dollar.
Nach Darstellung Anthropics entzündete sich der Konflikt an der Weigerung des Unternehmens, seine Systeme uneingeschränkt für massenhafte inländische Überwachung und vollautonome Waffensysteme freizugeben. Ob die aktuelle Exportdirektive tatsächlich ausschließlich auf Sicherheitsbedenken zurückgeht oder ob politische Spannungen eine Rolle spielen, lässt sich aus den veröffentlichten Informationen nicht beweisen. Fest steht lediglich, dass das Verhältnis zwischen Unternehmen und Sicherheitsbehörden bereits vor der jetzigen Eskalation erheblich belastet war.
Die USA behandeln moderne KI-Modelle als strategische Hochtechnologie. Der Zugang wird nicht mehr allein durch Marktmechanismen geregelt, sondern, wie bei allen sicherheitsrelevanten Prozessen, durch staatliche Kontrolle.
Die EU-Europäer verfolgen, obwohl es keine relevanten KI-Firmen in der EU gibt, mit dem AI Act, Transparenz- und Dokumentationspflichten sowie weitreichenden Regulierungen bei der Einschränkung amerikanischer Unternehmen einen ähnlichen Weg.
Für Anthropic kommt die Maßnahme zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst am 9. Juni hatte das Unternehmen die neue „Mythos-Klasse“ vorgestellt. Fable 5 sollte als leistungsstärkstes allgemein verfügbares Modell des Hauses dienen. Mythos 5 war als stärker eingeschränkte Spezialversion für ausgewählte Cybersicherheitsexperten und Betreiber kritischer Infrastruktur vorgesehen. Nur wenige Tage später sind beide Modelle vom Netz.

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Wie lange wollen wir denn Lücken schließen? Es wird immer Jemanden geben, der neue Lücken findet. Das geht doch schon seit bestehen der Geschichtsschreibung so. Lücken schließen kann nicht das Ende sein. Wir sehen das doch an den Programmen. Kein Programm ist wirklich zu 100% sicher. warum sollte ausgerechnet KI das sein.?
Klar, man soll doch die „Sicherheitslücken“, sprich Back Doors, zum Beschnüffeln der Bevölkerung nicht finden.
Gerade haben wir von der tapferen Tulsi Gabbard erfahren, dass die Verschwörungstheorien über die angeblichen Bio-Labs in der Ukraine und anderswo keine Theorien der Verschwörung sind, sondern exakt der Wahrheit entsprechen. Wo die Verschwörungstheorien äußerst verstörend waren, ist die Wirklichkeit zutiefst erschreckend! Man muss denen alles zutrauen! Wer das nicht tut gefährdet seine Zukunft und insbesondere die seiner Kinder und Enkel. Und jetzt die KI! Die bürgerliche Öffentlichkeit, der Souverän, muss darauf dringen, dass die Forschung und Entwicklung auf diesem Sektor öffentlich kontrollierbar bleiben! Wenn wir dem Staat die Lizenz erteilen, im stillen Kämmerlein seine Süppchen zu kochen, dann sind… Mehr
Sie nutzen stattdessen alle US-KIs. Wollen Sie Edward Snowden fragen, wie klug das ist?
Ich weiß nicht….. – Als auch jemand, der das Internet und später dann auch das WWW sozusagen seit Anfang an und seit der „Ersten Stunde“ hochbegeistert und -interessiert verfolgt hat, war und bin ich bisher natürlich ein großer Fan vom Internet und der sog. digitalen Technik.
DOCH grad in letzter Zeit und mit Blick auf die „wohlwollende Politik-Elite“ und deren immer größer werdenden „Allmachtsphantisien“ und digitalen Überwachungs- und Zensurmaßnahmen (usw), bekomme ich immer öfter den Gedanke, dass -auch- das sog. Internet früher oder später unser Untergang werden/sein könnte.
KI ist bislang nichts als ein Massenexperiment. Und offensichtlich haben sie überall höchste Schwierigkeiten, dieses zu kontrollieren. Und jetzt? Man bekommt den Geist nicht mehr in die Flasche und niemand weiß, was die Zukunft bringt. Und niemand weiß zudem, wo in privaten Labors KI für bestimmte Zwecke gezüchtet werden, die in großem Maßstab Schaden anrichten können. Die großen KI-Anbieter sind das eine, das andere ist, was im Verborgenen wächst.
KI ist die zweite industrielle Revolution.
Für Deutschland scheint der Zug schon abgefahren zu sein ❗
Wenn ich richtig zähle eher die vierte industrielle Revolution.
Ich freue mich schon auf die, voraussichtlich bis 2030, kommende AGI❗
Den Wirkmechanismus versteht doch mittlerweile kein Mensch mehr und selbst Fachleute wiedersprechen in der gleichen Angelegenheit und wo soll das noch alles hinführen, wenn wenige die ganze Welt in Schach halten oder schlimmstenfall vernichten kann, was in dieser Form niemals sein darf und deshalb muß man das ganze Thema politisch im Griff haben oder verbieten, wenn es sich herausstellt, daß es sich in Teilen als unkontrollierbar erweist. Jede Entwicklung, die sinnentstellt Einfluß nimmt auf das Geschehen, kann doch nicht im Sinne der Lebewesen sein, wenn sie über technische Errungenschaften beherrscht werden und da wir nicht wissen, was millionen Jahre vor… Mehr
Die Möglichkeiten, auch des Einzelnen werden nicht mehr kontrollierbar sein und das kann im schlimmsten Fall den Untergang der Menschheit bedeuten. Von den zusätzlichen Gefahren aus dem Weltraum mal ganz abgesehen.
Ich bin ja prinzipiell dafür dass ein Staat so etwas können dürfen muss, sofern man eine Gefahr darin sieht, es zu unterlassen. Aber die Aktion des White Houses hat einen Beigeschmack. Aus zweierlei Gründen. 1) Als Vielnutzer von Googles und Anthropics Modellen ist es mir eine haarsträubende Begründung, die das WH anführt, weil der Jailbreak auch mit Modellen möglich ist, die seit Monaten auf dem Markt sind (Monate sind in der KI-Welt gleichzusetzen mit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten). Folglich müssten die veralteten Platzhirsche der großen Anbieter alle vom Markt. 2) Das Timing. Wieder mal ist es das WH, das Politik… Mehr
In Europa gibt es DeepMind (GB), inzwischen von Google übernommen, und in Frankreich immerhin Mistral AI. Deutschland ist eine AI-Wüste. Aleph Alpha in Heidelberg schien vielversprechend, hat aber bisher enttäuscht. Fähige Köpfe gibt es (noch), aber viel zu wenig Risikokapital. Wenn man nicht garantieren kann, dass etwas spätestens in einem Jahr Gewinn abwirft, bekommt man keine Chance. Das habe ich selbst erfahren müssen. Es ist nur so, dass selbst die besten Ideen nicht alle funktionieren, was man erst nach einigen Jahren Entwicklungszeit und der Investition von einigen Millionen herausfindet. Aber einen anderen Weg gibt es nicht. Fortschritt ist oft nicht… Mehr
Bisher hieß „Risikokapital“ in D nur: „Ich habe euer Kapital und ihr habt das Risiko.“ Wenn etwas derart Gewinnversprechend ist, warum möchte dann keiner investieren?
Moin, Es ist zu spät! Bei mehreren konkurierenden Systemen eins abzuschalten ist eine Idee, die nur Schwachköpfen einfällt. Das ist wie die Anweisung bei Staugefahr, daß alle DB anzuhalten haben. Die Zombiapocalypse ist längst ausgebrochen. Letzte Woche wurde ein Bürger mit MIHG mir gegenüber aggressiv, als ich ihn darauf aufmerksam machte, daß er den mitgebrachten ZOE gerade an eine Ladesäule eines privaten Unternehmens nach Dienstzeit verstöpelt hatte. Wenn seine App ihm sagt, hier ist eine Ladesäule, dann ist das auch so. Da kann man dann schon mal wütend werden, wenn die App einfach nicht die Säule freischaltet. Manchen wird ein… Mehr