Hisbollah droht Zypern, EU schweigt

Eine islamistische Terrororganisation übermittelt einem EU-Mitglied drastische Warnungen, falls es seine Verteidigungspolitik nicht ändert. Der EU-Außenbeauftragte sagt dazu – nichts. Deutlicher kann Brüssel die eigenen weltpolitischen Ansprüche nicht als Lachnummer entlarven.

picture alliance / Hans Lucas | Valeria Mongelli

In der Arbeitsplatzbeschreibung von Hassan Nasrallah sind Drohungen eine Kernaufgabe. Der 63-Jährige ist sozusagen Vorstandsvorsitzender der libanesischen Terror-Gruppe Hisbollah, da gehört Klappern zum Handwerk.

Leider macht die Hisbollah nicht nur PR, sondern hat auch ein echtes Produkt, das sie ohne Bestellung frei Haus liefert: willkürliche Gewalt. Hauptzielgruppe sind die Juden, namentlich der Staat Israel. Aber zu den Adressaten gehören auch alle anderen sogenannten Ungläubigen – also alle Nicht-Muslime (und mitunter auch sunnitische Glaubensbrüder).

Unter Beschuss der Hisbollah
Israel brennt – und keinen interessiert’s
Dass in Nasrallahs Branche nicht nur gebellt, sondern auch brutal zugebissen wird, hat Israel am 7. Oktober 2023 wieder einmal schmerzlich erfahren. Da hatte Nasrallahs Schwesterorganisation Hamas – wie die Hisbollah vom Iran gemästet – 1.200 friedliche Besucher eines Musikfestivals überfallen und, man kann es nicht anders beschreiben, abgeschlachtet. 250 Menschen wurden verschleppt, von den offiziell heute 120 verbliebenen Geiseln sollen nach Geheimdienstinformationen nur noch 50 am Leben sein. Die terroristische Wahnsinnstat hat Israel dazu veranlasst, im von der Hamas beherrschten Gaza-Streifen einzumarschieren.

Terror-CEO Nasrallah hat nun dem EU-Mitglied Zypern vorgeworfen, Israel zu gestatten, auf Flughäfen und Militärbasen der Insel Militärmanöver durchzuführen. Hier wird es jetzt so richtig interessant: Denn der Hisbollah-Chef schickt eine offene, unverhohlene Drohung an Zypern – falls es zu einem offenen Konflikt mit dem Libanon kommt und das Land dann Israel weiter seine Infrastruktur nutzen lässt:

„Die Öffnung der zypriotischen Flughäfen und Stützpunkte für den israelischen Feind, um den Libanon anzugreifen, bedeutet, dass die zypriotische Regierung Teil des Krieges ist. Und der Widerstand wird sich mit ihr als Teil des Krieges auseinandersetzen.“

Zypern steht schon länger im Fadenkreuz des islamistischen Terrors. Mehrfach sind in den vergangenen Jahren Terroranschläge der Hisbollah und ihrer iranischen Auftraggeber vereitelt worden. Dabei sollten Israelis auf der Insel umgebracht werden. Aber eine direkte Drohung an ein EU-Mitglied: Das ist neu.

Hamas, ICC und ICJ: Islamisten unter sich
Zum Wochenbeginn: Raketen auf Tel Aviv
Und hier kommt die Bürokratie des Brüsseler Imperiums ins Spiel, das so gerne eine richtige Weltmacht wäre.

In der Arbeitsplatzbeschreibung von Josep Borrell ist die Verteidigung der EU-Mitgliedsstaaten eine Kernaufgabe. Der 77-Jährige ist „Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik“ – also sozusagen Möchtegern-Außenminister der Europäischen Union.

Der spanische Sozialist hat seit dem Hamas-Blutbad in Israel keine Gelegenheit ausgelassen, den jüdischen Staat für alles Mögliche an den Pranger zu stellen. Zuletzt kritisierte er auf X-früher-Twitter eine israelische Geiselbefreiung (!) mit dramatischen Worten:

„Die Berichte aus Gaza über ein weiteres Massaker an Zivilisten sind entsetzlich. Wir verurteilen dies auf das Schärfste. Das Blutbad muss sofort enden.“

Allerdings trifft das die Wahrheit, nun ja, nicht ganz. Genauer: gar nicht. Denn als es Jerusalem am 8. Juni gelang, vier israelische Geiseln aus dem Gaza-Streifen zu befreien, gerieten die israelischen Einheiten unter massiven Beschuss. Darüber gibt es einen detaillierten Bericht. Der zeigt, dass die Armee einen Israeli aus einer Privatwohnung befreite, in der die Geisel von einem „Journalisten“ des arabischen TV-Senders Al Jazeera festgehalten wurde.

Richtig zuhören
Mit der Hamas reden?
Bei der Flucht geriet das Befreiungskommando unter heftigen Beschuss. Unterstützungseinheiten machten den Weg frei. Dabei wurden offenbar viele Palästinenser getötet. Die Hamas sagt: alles völlig unbeteiligte Frauen und Kinder. Israel sagt: Quatsch, das waren fast ausschließlich schwerbewaffnete Hamas-Kämpfer.

Borrell glaubte, Überraschung, lieber sofort und ohne jede Überprüfung der Hamas-PR-Abteilung.

Die antisemitische Grundhaltung des Spaniers ist bekannt, und man könnte das als ärgerliche Schrulle eines alten Mannes abtun. Nur leider hat dieser alte Mann immer noch ein Amt – von dem Brüssel selbst nicht müde wird zu betonen, wie wichtig es doch sei.

Und während der doch ach so wichtige EU-Außenbeauftragte also fleißig Israel-feindliche Kommentare absondert, sagt er zur düsteren Gewaltandrohung gegen ein EU-Mitglied – richtig: nichts.

Dabei würde ein Angriff der Hisbollah auf Zypern für die Europäische Union den Bündnisfall darstellen. Dann wären nämlich alle EU-Mitglieder völkerrechtlich dazu verpflichtet, das angegriffene Land auch militärisch zu unterstützen. Der EU-Vertrag vermerkt in Artikel 42 (7) über die „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik“:

„Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung.“

Hühnerhaufen EU-Kommission
EU-Hilfen für Gaza doch nicht ausgesetzt – Borrell: Würde Terroristen nur weiter ermutigen
Wenn der nordkoreanische Quartalsirre Kim Jong-Un irgendwelche Drohungen gegen die USA ausstößt, dann ist sich der US-Außenminister selbstverständlich nicht zu schade, das mit klaren Worten zurückzuweisen. Antony Blinken weiß, was in seinem Job seine Pflicht ist: auch erkennbar leicht durchgeknallten potenziellen Aggressoren jederzeit klarzumachen, dass die USA ihre eigenen Interessen ernst nehmen und schützen und verteidigen werden.

Borrell geht dieses Pflichtgefühl offenbar ab – und es scheint sich auch niemand dazu berufen zu fühlen, den Mann daran zu erinnern, dass er hochbezahlt ist und einen Job zu erledigen hat.

Solange die Europäische Union solche Figuren hervorbringt und die eigene Außen- und Sicherheitspolitik so wenig ernst nimmt, solange muss sich auf der Welt niemand davor fürchten, dass aus der EU tatsächlich einmal eine Weltmacht werden könnte.

Den Zyprioten wünschen wir viel Glück. Sie werden es brauchen.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 15 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

15 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Nibelung
18 Tage her

Da sieht man in aller Deutlichkeit wie der kleine Staat verwundbar ist, daß er Teile seiner Verteidungs- Logistik nach Zypern auslagern muß um dem Zugriff der Hisbollah zu entgehen und die Nato hängt sofort mit drin, was eine einzige Katastrophe ist, wenn man die Angelegenheit bis zum Ende denkt, sollte ihnen die Hisbollah bis nach Zypern folgen. Diese Verlagerung wird im Ernstfall nicht viel nützen, denn wenn die wollten, gäbe es diesen Staat in wenigen Stunden nicht mehr und was danach kommt ist eine andere Frage, denn damit wäre die Existenzgrundlage weggebommt und besser wäre es nicht den Libanon anzugreifen,… Mehr

fatherted
18 Tage her

Bin mal gespannt ob Baerbock und Co. bald vorschlagen Sanktionen gegen Zypern zu erheben….so geht das ja schließlich nicht.

Juergen Schmidt
19 Tage her

Schlimmes framing.
Also sehe ich das richtig: Zypern dient sich Israel an als Militärbasis, damit von dort kriegerische Angriffe auf deren Nachbarland, den Libanon ausgeführt werden?
Und das ist also keine Bedrohung? Aber wenn die Hisbollah darauf hinweist, dass es im Falle eines Angriffs aus Zypern zu Gegenschlägen kommen kann, das ist dann »eine Drohung«?
Was geht eigentlich im Kopf von so manchen Leuten vor??
In einem stimme ich zu: diese Art von »EU-Außenpolitik« gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Und zwar schnell.

Bambu
18 Tage her
Antworten an  Juergen Schmidt

Die Hisbollah ist eine Terrororganisation und diese Organisationen sind verantwortlich für den ganzen Schlamassel im nahen Osten. Die Hisbollah steht übrigens auch auf der Terrorliste der EU
https://www.tagesschau.de/ausland/eu-hisbollah-ts-100.html
Erst wenn dieser Terror eingedämmt ist, dann wird es meines Erachtens auch erst möglich sein die Region zu befrieden und die Palästinenserfrage zu lösen.
Insofern kann von der EU erwartet werden, dass auf derartige Aussagen der Hisbollah reagiert wird.
Wenn ein Land wie Israel, welches von hoch gerüsteten Terrororganisationen umgeben ist, sich dagegen in Stellung bringt und europäische Länder Israel dabei unterstützen, dann ist das vollkommen nachvollziehbar.

Johann Thiel
18 Tage her
Antworten an  Juergen Schmidt

In der Tat, was geht im Kopf von Leuten vor, die eine demokratische Regierung nicht von einer Terrororganisation unterscheiden können.

Klaus Uhltzscht
18 Tage her
Antworten an  Juergen Schmidt

Die Ukraine darf ja auch auf russisches Territorium schießen. Hat Olaf Scholz erlaubt. Und Macron. Und der Vorgesetzte der EU, Joe Biden.

rainer erich
19 Tage her

Von den Sympathien mit den Oel – und Gaslieferanten und den Kapitalgebern einerseits und den ideologischen Verbindungen zwischen Linken und dem Islam andererseits abgesehen, waere es durchaus interessant, wie die EU reagieren wuerde, wenn, was wir nicht hoffen, die Herren aus dem Morgenland ernst machen. Vom Protest natuerlich abgesehen. Wobei es in diesem Fall Zypern, in einem andern Fall natuerlich sich andere Laender treffen kann. Vielleicht sogar durch den Iran selbst. Wir wissen, dass die EU weder eine Weltmacht ist, noch eine wird, selbstwenn sie es wollte und koennte, was angesichts ihrer Teile voellig unmoeglich ist. Vorher wuerde ihnen der… Mehr

Kassandra
19 Tage her

„Die Öffnung der zypriotischen Flughäfen und Stützpunkte für den israelischen Feind, um den Libanon anzugreifen, bedeutet, dass die zypriotische Regierung Teil des Krieges ist. Und der Widerstand wird sich mit ihr als Teil des Krieges auseinandersetzen.“
Nur man angedacht, dass Russland das hinsichtlich des Westens auch so erkennen würde, der ja der Ukraine mit Milliarden, Waffen, aber auch Ausbildung von Truppen lange unter die Arme greift?
Kann es sein, dass da politisch-medial etwas vollkommen falsch dargestellt wird, um uns hinsichtlich „Feinden“ bzw. in dunklen Löchern versickernden Steuergeldern weiter die Augen zu wischen?

AmitO
19 Tage her

Das sind leider Fake-News.
Hisbollah droht nicht Zypern, sondern den BOTs, das sind die „british overseas territories“ zu denen die Militärflughäfen gehören, die auf Zypern liegen.
Deshalb hat sich diesbezüglich auch bereits die britische Regierung dazu geäußert.
Nebenbei bemerkt: Von Zypern aus werden/wurden (?) die völkerrechtswidrigen (da nicht von der UN beschlossenen) Luftschläge auf die Hutis gestartet.
Dass dies auch der Fall sein wird, wenn Israel in den Libanon einfällt, ist ziemlich sicher.

Teiresias
19 Tage her

Die Drohung gilt wesentlich den englischen Militärbasen auf Zypern. Deren Existenz allein ist nach dem Brexit Symptom genug, die aussenpolitische Impotenz der EU offenzulegen. Die EU hat ihren Hauptsitz in Brüssel, die NATO auch. Denkt man sich die EU als Unterabteilung der NATO, macht die Geschichte mehr Sinn. Nasrallah droht den englischen NATO-Basen, also der NATO, nach Ukraine, Gaza, Taiwan eine zusätzliche Front zu eröffnen, die die ohnehin zu knappen Ressourcen der NATO weiter belasten würde. Das merkwürdige ist hier also nicht die Sprachlosigkeit der EU – die hat keine Armee und fühlt sich deshalb auch nicht zuständig – die… Mehr

Last edited 19 Tage her by Teiresias
Wilhelm Roepke
19 Tage her

Die Zyprioten kriegen das schon geregelt, da bin ich Optimist. Die Hisbollah kann zwar angreifen, aber die Antwort der Insel wünschen sie sich nicht wirklich. Weder die Schutzmächte Griechenland noch Türkei (beide in der Nato), noch die häufig dort anzutreffenden Russen oder Israelis und deren Freunde in ihren Heimatländern lassen sich das gefallen. Und jetzt reden wir noch nicht von Akrotiri und Dekelia, denn die Briten haben hier noch Ansprüche und Militärbasen. Und sie haben im Falklandkrieg gezeigt, dass mit ihnen auch bei kleinen Flächen nicht zu spaßen ist. Attentate traue ich der Hisbollah zu. Einen offenen Angriff? Nie im… Mehr

Autour
19 Tage her

Also man muss sich die EU-Clowns doch nur anschauen!
Was erwartet man von denen? Das ist alles nur Show! Ich gehe sogar soweit, dass sämtliche „EU-Granden“ von den Arabischen Öl-milliardären geschmiert und somit Handzam gehalten werden!
Es kann mir doch KEINER erzählen, dass es dort nicht einen pro-Israel Politiker gibt! Also muss es Zahlungen geben!

Paul Brusselmans
19 Tage her

Zypern ist ja so ein Fall, der zeigt, daß die EU ein Papierkatzendes ist. Ganz Zypern ist selbstverständlich Mitglied der EU, wie jeder andere EU-Staat auch, doch gibt es einen Unterschied. Der Nordteil ist von der Armee des Beitrittskandidaten Türkei besetzt, der für den im Augenblick recht unwahrscheinlichen Beitritt immer noch Millionenhilfen kassiert – zur Stärkung der Demokratie usw. Die dortige „Turkish Republic of Northern Cyprus“ ist nicht etwa ein souveräner Staat im Norden der Insel, sondern ein Marionettenstaat Ankaras, nur von der Türkei anerkannt, bei dem mittlerweile dank kräftiger Ansiedlung von Anatoliern die türkischsprachigen Zyprioten in der deutlichen Minderheit… Mehr

Kassandra
19 Tage her
Antworten an  Paul Brusselmans

Danisch spricht von einsickernden „Flüchtlingen“ über eben diese „Linie“. Und Zyprioten, auch Uniformierten, die mit solch eindringender Gewalt nicht umzugehen gelernt haben.