Braunschweiger CDU fordert Alarmsirenen gegen Donald Trump

Die Präsidentschaft Trumps und der Brexit stehen für die CDU in Braunschweig in einer Reihe mit der russischen Annexion der Krim und der Bedrohung durch islamistische Terroristen. Darum bräuchte man neue Sirenen. War die CDU nicht mal die Partei der Transatlantiker?

imago images / Jan Huebner

Der Braunschweiger Journalist Eckardt Schimpf hat wahrscheinlich in Sachen Aufarbeitung der Kriegszeit mehr für seine Stadt getan, als es tausende Geschichtsschulstunden nach Plan am niedersächsischen Nachwuchs vermocht hätten – seine Erzählungen waren sogar häufig Teil des Schulunterrichts.

Schimpfs Kindheit war eine Kriegskindheit, geprägt von Sirenen, Bomben und Feuer. Wer liest, was der Autor wie kaum ein zweiter in Deutschland in dieser Intensität erinnert in seinen Büchern – und sie stehen in fast jedem Braunschweiger Haushalt, der noch ein Bücherregal hat – der kann nicht anders, als Schimpf als einen der großen Pazifisten zu verstehen.

Ich erzähle Ihnen das, weil ich ebenfalls Braunschweiger bin und auch ich Schimpfs Titel, wie „Nachts, als die Weihnachtsbäume kamen“ als Stadtgeschichte tief verinnerlicht habe. Erst die Sirenen, dann die Weihnachtsbäume, Markierungsleuchten, die am Himmel aussehen wie Christbäume, die von den Flugzeugen abgeworfen werden, um den Bombern ihre Ziele anzuzeigen.

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Am 15. Oktober 1944 zerstörten britische Bomber neunzig Prozent von Braunschweig. Menschen verbrannten zu Hunderten. Und dass die Zahl der Toten nicht wesentlich höher war, als knapp eintausend, soll an den 24 öffentlichen Bunkern gelegen haben, die schützten, als sich die Feuerwalze, ausgelöst von 200.000 Brandbomben, durch die Fachwerk-Altstadt fraß. Erst im Schutz von Löschwassertunnels, konnten die Menschen damals wieder aus den Bunkern befreit werden, in denen die Luft schon recht knapp wurde.

Aber das alles ist über 75 Jahre her. Es gibt nur noch wenige Alte, denen bis heute das Blut in den Adern gefrieren kann, angesichts eines Probealarms wie zuletzt für ganz Deutschland angeordnet. Eine Probe, die aufgezeigt haben soll, dass die Sirenen vielerorts nicht funktionieren.

Die CDU-Ratsfraktion in Braunschweig spricht sogar von einem „Desaster“ des Warntages am 10. September, „dessen Auswirkungen auch in Braunschweig zu spüren waren“. Die Ratsfraktion fordert deshalb jetzt „für den bestmöglichen Bevölkerungsschutz“ die „flächendeckende Installation von elektronischen Sirenenanlagen.“ Die Entscheidung, so die CDU-Braunschweig, die Sirenen nach und nach abzubauen, müsse revidiert werden. Es soll ein System errichtet werden, welches die gesamte Stadt abdeckt.

Aber warum bloß? Die CDU-Ratsfraktion erklärt es über ihren stellvertretenden Vorsitzenden des Feuerwehrausschuss mit einer neuen Bedrohungslage: „die Zeiten haben sich leider erheblich geändert.“ Und weiter: „Die Annahme, wir würden in einer sicheren Welt leben, hat sich längst als Illusion herausgestellt.“

Aber was für ein Alarmismus ist das eigentlich, was für eine Ideologie der Weltuntergangsstimmung, auf welche die CDU bisher so gar kein Abonnement hatte?

Aber es kommt noch besser: Die CDU-Braunschweig nennt Ross und Reiter, warum der Bevölkerungsschutz mit Sirenen mehr als 75 Jahre nach Ende des Krieges und der Naziherrschaft wieder nötig geworden sei:

„Angesichts der Annexion der Krim durch Russland (2014), des Brexit und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten (beides 2016), des latenten Konflikts zwischen der Türkei und Griechenland sowie der Proteste gegen die Lukaschenko-Diktatur und nicht zuletzt der andauernden Bedrohung durch islamistische Terroristen müsse der Bevölkerungsschutz wieder in den Fokus gerückt werden.“

Ja ist denn diese republikweite linksgrüne Weltuntergangsstimmung mit der die Menschen auf die Weltrettungsideologie eingestimmt werden sollen schon so attraktiv, dass die Braunschweiger CDU jetzt ins selbe Horn bläst und meint, die Lücke in der noch unbesetzten Apokalypse ausgerechnet bei der Forderung eines Sirenen-Alarmsystems gefunden zu haben? Aber selbst, wenn die Welt tatsächlich droht unterzugehen: In welchen Braunschweiger Bunker soll man fliehen? Und wird so ein Bunker helfen können?

Aber wovor eigentlich fliehen, was fürchten die Braunschweiger Christdemokraten eigentlich so akut, dass sie dagegen Sirenen heulen lassen wollen?

Sie fürchten einen Angriff der Russen wegen der Ereignisse auf der Krim. Sie fürchten Krieg über Deutschland wegen der angespannten Lage zwischen der Türkei und Griechenland. Sie fürchten einen Notstand, vor dem man mit Sirenen warnen muss, wegen der „andauernden Bedrohung“ durch islamistische Angriffe. Aber woran denken sie dabei? Vor einem Attentäter mit LKW muss man nicht per Sirene warnen. Die CDU Braunschweig denkt also an was? An Bomberstaffeln des islamischen Staates? Gibt es nicht. Ebenso wenig, wie es den Staat selbst noch gibt – jedenfalls nicht in einer irgendwie bedrohlichen Größe.

Aber all das ist nichts gegen zwei weitere Gründe, die die CDU-Braunschweig für die Neuinstallation von Sirenen über der Stadt anführt: Die Wahl Donald Trumps und den Brexit.

Die CDU fürchtet wirklich und ganz im Ernst, dass, weil die Briten aus der EU ausgetreten sind und Trump in Amerika regiert, dass bald wieder über Braunschweig nächtens Tannenbäume vom Himmel fallen und anschließend beispielsweise das gerade erst wieder aufgebaute Braunschweiger Schloss ein zweites Mal in Schutt und Asche gelegt wird? Trump könnte Braunschweig bombardieren und der crazy Boris Johnson bombt mit wegen des Brexits?

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Jetzt könnte man darüber schmunzeln. Über die CDU in einer mittelgroßen Stadt in Deutschland, die neue Sirenen für die Stadt für „dringend geboten“ hält und bittet, diese Alarmmeldung in den sozialen Medien zu verbreiten. Und über den Versuch irgendwie eine Lücke in dem Orchester der Endzeitstimmungen zu finden und den Alarmismus der anderen Parteien noch zu übertreffen. um damit beim Braunschweiger Wähler punkten zu können in der sozialdemokratischen Hochburg an der Oker – na, dann mal Sirenen los.

Aber interessanter ist doch wie man das hier macht: Indem man in ein Trump-Kritik-Orchester eintritt, dass elementar dem widerspricht, was die CDU auf Bundesebene an Bündnistreue noch in diesem Jahr gegenüber den USA verbindlich eingefordert hat. So wie das C im Parteinamen gesetzt war, gehörte auch das atlantische Bündnis als Teil der DNA zur CDU. Und daran muss sich auch die Braunschweiger CDU messen lassen.

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Kommentare ( 106 )

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Wolfgang Richter
1 Monat her

Über derart Irre geleitete einen Artikel zu verfassen, ist Ressourcenverschwendung. Ein kleiner Hinweis an Selbige, in welcher Richtung sie die nächste Geschlossene Anstalt finden, hätte gereicht.

Peter Mueller
1 Monat her

Die Krim hat seinerzeit Chrustschow im Suff der Ukraine zugeschlagen. Hätte nicht Trumps Vorgängerregierung den Putsch in Kiew angezettelt, wäre eine Korrektur dieses Chrustschowschen Unfugs gar nicht erforderlich gewesen. Wer ernsthaft geglaubt hat, die Russen werden die Hosen runterlassen, indem sie den Heimathafen der Schwarzmeerflotte an die US-Navy abtreten, muß mit dem Klammerbeutel gepudert sein. Im Übrigen wird die Behauptung einer Annexion nicht wahrer, wenn man diese Lüge immer wieder wiederholt. Die Sezession der Krim in Übereinstimmung mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker verstieß nicht gegen Völkerrecht sondern lediglich gegen die ukrainische Verfassung – und war eine direkte Folge des Kiewer… Mehr

giesemann
1 Monat her
Antworten an  Peter Mueller

Das mit der Krim sehe ich genau so, Mueller. Wahrscheinlich wollte Chr. damit den Ukrainern ein wenig Abbitte leisten für den Golodomor unter Stalin – an dem er selbst wesentlich mit beteiligt war. Wäre das nicht so, dann wäre er im GULAG verschwunden, dort verreckt, niemand würde seinen Namen kennen. Die Ost-Ukraine ist ein anderes Kapitel, obwohl dort auch viel Russen leben. Chrustschow war meines Wissens Russe aus der Ost-Ukraine.

Eco
1 Monat her

Es gibt viel einfache Katastrophen, wo Sirenen von Bedeutung sind. Beim Hochwasser 2002 (!!) hat sich gezeigt wie schnell eine Infrastrukutur zusammenbrechen kann und Informationsübermittlung nich mehr über Internet und Telefon oder Radio und Fernsehen funktioniert.
Sirenen sind billig und robust und in meiner Kindheit haben die Sirenen immer zu einer festen Zeit geheult und es gab auch verschiedene Warntöne. Eine Warnung an die Allgemeinheit macht Sinn und hätte 2002 vielen geholfen, wenn sie es denn gewußt hätten.

8flieger8
1 Monat her
Antworten an  Eco

Das ist offensichtlich Alarmismus, was sie da betreiben! Sie haben es doch überall gelesen: Sommer ist, wenn kein Hochwasser ist!

Silverager
1 Monat her

Wieder mal eine lustige Nachricht aus dem Irrenhaus.
Danke lieber Herr Wallasch.

Peter Silie
1 Monat her

Als man damals auf die Sanierung der Eishalle wegen eines morschen Balkens verzichtete und stattdessen abriss, bin ich dort weg. An der Uni sah es bei meinem letzten Besuch auch fürchterlich aus. Im Audi Max standen Eimer, um das Wasser des lecken Daches aufzufangen. Die Toilette war gesperrt. Unbenutzbar. Selbes Bild im Physikzentrum. Echt blamabel. Wofür dann heute ganz locker Millionen da sind, man mag es kaum glauben. Ich bin mit alldem ganz und gar nicht einverstanden. Wie überall in Deutschland, so ist es auch in BS weniger lebenswert geworden. Für die US-Wahl habe ich mir schon ne Flasche Champus… Mehr

BefreierDerEnterbten
1 Monat her
Antworten an  Peter Silie

…außerdem liest Trump bei Reden nicht wie sein Herausforderer alles vom Prompter ab, inklusive der Fehler.

Ferdinand53
1 Monat her

Braunschweig war und ist ein Dorf mit Straßenbahn.

fatherted
1 Monat her

Von dieser elitären Klasse werden wir leider regiert. Schon schade das Leute mit gesundem Menschenverstand in der Politik selten geworden sind….Parteiübergreifend. Insofern wundert die zusammen klabusterte Begründung nicht. Man baut Satzfetzen zusammen und solange die sich einigermaßen „gehoben“ anhören….muss man sich über den Inhalt keine Gedanken mehr machen. Ich glaube nicht das eine Ideologie hinter der Begründung liegt…eher Unfähigkeit und mangelnde Intelligenz….beides eine Grundvoraussetzung um heute erfolgreich in die Politik zu starten.

andreashofer
1 Monat her

Die CDU ist doch alles, außer links. Wie es sich für eine Arbeitgeber-Partei gehört, vertritt sie die Interessen der Arbeitgeber, in dem sie die Grenzen öffnet für Kapital, Waren, Dienstleistungen und vor allem Arbeitnehmer (und Mieter). Dadurch kommen doch die Löhne und Mieten unter Druck. Das Einzige, was an der CDU links ist, dass sie die Verlierer dieser Politik mit Almosen abspeißt. Ach so: Diese Almosen werden natürlich vom Rest der Arbeitnehmer gezahlt… Und das soll links sein? Linksgrün versifft?

Stiller Ruf
1 Monat her
Antworten an  andreashofer

Nein. Wenn man sich die Grenzpolitik der CDU seit 2015 ansieht, ist das durchaus linksRADIKAL .

MartinL
1 Monat her
Antworten an  andreashofer

Selten so gelacht. Verstaatlichung, wo es nur geht, gesamteuropäische Verschuldung, fortschreitende Entrechtung des Wählers : Alles massiv links.

Peter Mueller
1 Monat her
Antworten an  MartinL
andreashofer
29 Tage her
Antworten an  MartinL

Solange wir in der Mitte dafür berappen dürfen, während sich Eliten und Vermögende die Taschen mit unseren Steuern vollstopfen, ist das alles, nur nicht links.

Franz O
1 Monat her
Antworten an  andreashofer

Eine ziellose Diskussion ist das. Gewinne privatisieren/Verluste sozialisieren vereint sich im Kapitalsozialismus/Globalismus.

andreashofer
29 Tage her
Antworten an  Franz O

Ja, komischerweise werden im Kapitalsozialismus wenige immer reicher, während wir immer mehr Steuern berappen dürfen. Ich würde es so sagen: Wir dürfen weiterhin unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten (=Kapitalismus für uns), während z.B. die Geflüchteten in von Steuerzahlern bezahlten Wohnungen oder Unterkünften wohnen dürfen (=Kapitalismus für die Vermögenden) Eine tolle Umverteilung von der Mitte über Unten nach Oben. Das Korrektiv einer Partei, die auf diesen Missstand hinweist fehlt, bzw. diese wird ja total verteufelt. Daher: die Linken sind die nützlichen Idioten der Reichen. Wo ist denn z.B. Attac geblieben? Die wirklich Vermögenden haben es geschafft, sich an die Spitze Ihrer Kritiker… Mehr

tichoz
1 Monat her

Vor fünfzig Jahren sagte mein Vater – Gründungsmitglied bei der CDU nach der Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft – zu mir, während wir den Hof aufräumten – am Abend zuvor war er auf der CDU Versammlung gewesen – „Soviel Dummheit auf einem Haufen habe ich noch nie erlebt.“ Unser Kindern – fünf – riet er ab – er war innerlich schon auf Distanz wegen des Aufbaus der Bundeswehr – dort Mitglied zu werden.

BFB
1 Monat her
Antworten an  tichoz

Ist aber auch vielsagend, wenn dein Vater Nazideutschland kannte und 1970 über die CDU sagt „Soviel Dummheit auf einem Haufen habe ich noch nie erlebt.“^^

Hegauhenne
1 Monat her

Das war sicher nur ’ne aktivistische Vorübung für den kommenden 11.11., Herr Wallasch.
Karneval ist ja dieses Jahr abgesagt, bzw. anders, eben im kleineren Kreis eines Stadtrates oder einer Fraktion. Narrenkappen tragen die doch eh alle schon. Und bei der reduzierten Sauerstoffzufuhr unterm Merkellappen sieht man schon mal die Russen und Tommys anrücken.👮 👷 💂