„Anti-europäische Lepra“: Quelle élégance, Monsieur le Président

Eigentlich zahlte Merkel bei Macron mit dem Eurozonen-Budget für ihre Rettung aus Populistenhand, nun torpediert Macron nach Trump-Art den Merkel-Gipfel vor dem EU-Rat mit einem unsäglichen Wort zu den EU-Kritikern.

LUDOVIC MARIN/AFP/Getty Images
French President Emmanuel Macron gives a speech on June 21, 2018, during his visit at the French western France of Quimper.

Wer war da käuflich? Emmanual Macron oder Angela Merkel? Oder war es am Ende eine Win-Win-Situation, wenn Merkel dem Euro-Zonen-Budget des Franzosen zustimmt und Macron dafür die Kartoffeln Seehofers und Söders aus dem Feuer zu holen verspricht, die Merkel so fürchtet? Die Interessen Macrons sind ebenso deutlich wie die Merkels. Sie will ihren Hals aus der Schlinge ziehen, er möchte Frankreich zeigen, wer der Herr im europäischen Haus ist, indem er der Deutschen die letzten bissfesten Zähne zieht: direkt aus dem Portemonaie.

Irgendwann hat es sich ausgemogelt
Vermischtes aus den Chaostagen mit Merkel
Aber würde Emmanuel Macron liefern, was er Merkel als Gegenleistung versprochen hatte? Selbstverständlich. Und er machte es in einem atemberaubenden Tempo und mit einer Tonalität, die aus historischen Gründen jeden deutschen Politiker an den Rand des ultimativen Skandals geführt hätte, wenn Macron „anti-europäische Stimmungen in Europa als „Lepra“ bezeichnete. Womit er „Populisten” zu Aussätzigen erklärt. Auf die Antworten aus EU-kritischen Mitgliedsländern darf man gespannt sein.

Der französische Präsident nahm sich satte eineinhalb Stunden Zeit, den Auftakt zum Merkel-Auftrag zu erfüllen. In der berechtigten Hoffnung, die Presse würde es schon gebührend verbreiten, würde seine „Lepra“ schon dankbar aufnehmen, wählte er eine heimische Bühne, als er in der Bretagne mehr für die Bundeskanzlerin ablieferte, als Merkel zu hoffen gewagt haben wird.

Aber Macron geht noch einen Schritt weiter, wenn er umschreibt, wie er sich die Gestaltung der EU-europäischen Demokratie von morgen vorstellt: Als einen von den Medienmachern, den Wirtschafts- und politischen Eliten organisierten wie kontrollierten Selbstbedienungsladen:

„Unsere wirtschaftlichen, politischen, journalistischen Eliten haben eine immense Verantwortung.“ Eine Verantwortung, die er sicher gerne bereit sein wird, mit den entsprechenden Sonderbefugnissen auszustatten.

Geschäftsmodell "Seenotrettung"
EU-Operation Sophia bekämpft keine Schleuser, sondern hilft ihnen
Für den von Angela Merkel aufgerufenen EU-Sondergipfel in Brüssel sollen nun laut Emmanuel Macron mehrere EU-Länder „europäische Lösungen“ für die Fragen Asyl und Migration erarbeiten. Er hätte sicher noch ein „gefälligst“ einfügen können, aber er verstieg sich in welcher politisch-geistigen Stimmungslage auch immer zu der Äußerung: «die Verachtung für die europäische Idee mache sich „wie die Lepra fast überall in Europa breit, selbst in Ländern, in denen wir dachten, dass ihr Wiederauftreten unmöglich ist“.» Damit erklärt er die Verhinderer des Merkel-Macron-Deals und die anderen EU-Skeptiker zu Aussätzigen. Also die Achse Österreich, Italien und Bayern. Die Visegrád-Gruppe sowieso. Dänemark, die Niederlande und so weiter.

Monsieur le Président, quelle élégance.

Vielleicht ist es ja schon die Reaktion auf die Reaktion, von der wir sicher noch öffentlich hören werden, was auf Twitter steht:

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Kommentare ( 96 )

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Solches oder Ähnliches hätte mal einer von der blauen Partei vom Stapel lassen sollen, der mediale Aufschrei hierzulande wäre bis in die nächste Galaxie zu vernehmen gewesen!
Der wahre Charakter eines Menschen zeigt sich halt, wie so oft, wenn er Macht über andere hat oder wenn er in Bedrängnis gerät!
Voilà monsieur Präsident!

Dass ausgerechnet der smarte französische Jungstar so schnell die Contenance verliert, wenn ihm die Felle wegschwimmen, hat mich allerdings schon überrascht. Ein böser Fauxpas! Und das auch noch in Verbindung mit seiner Faselei über politische „Eliten“ …

Monsieur,
ich zitiere die Marseillaise:
„Tremblez, tyrans, et vous perfides
L’opprobre de tous les partis,
Tremblez! vos projets parricides
Vont enfin recevoir leurs prix! (2×)
Tout est soldat pour vous combattre,
S’ils tombent, nos jeunes héros,
La terre en produit de nouveaux,
Contre vous tout prêts à se battre“

Ich hoffe die Zeit wird kommen, in Kürze und unwiderruflich!

Lieber Grenzland-Bewohner,

die Nähe zu den frankophonen Nachbarländern ist vermutlich – im Gegensatz zu Ihnen -den wenigsten Lesern eigen, deshalb erlaube ich mir, zum besseren Verständnis des obigen Auszugs aus der französischen Nationalhymne, die deutsche Übersetzung anzufügen :
Zittert, Tyrannen und Ihr Niederträchtigen
Schande aller Parteien,
Zittert! Eure verruchten Pläne
Werden Euch endlich heimgezahlt! (2×)
Jeder ist Soldat, um Euch zu bekämpfen,
Wenn sie fallen, unsere jungen Helden,
Zeugt die Erde neue,
Die bereit sind, gegen Euch zu kämpfen
https://www.laenderservice.de/hymnen/europa/frankreich.aspx

Macrons verbale Entgleisungen zeigen nur sehr deutlich wie sehr er – nicht nur auf europäischer Ebene – unter Druck ist „liefern“ zu müssen.
In Frankreich machen ihm sowohl die Gewerkschaften und Alt-Linken um Melenchon als auch die rechte um Marine le Pen die Hölle heiß.
Die übrigen europäischen Staaten, die er für seine ruinösen fiskalpolitischen Pläne benötigt, werden sicher hocherfreut sein von „Monsieur Napoleon“ mit diesen freundlichen Begriffen maltraitiert zu werden.
En Marche, Monsieur le Presidente …!

Werter Herr Macron,
Kein Mensch hat etwas gegen Europa. Aber die Anzahl derer, die etwas gegen DIESE Europäische Union, die sich durch Bevormundung, Ausplünderung und letztlich sogar durch den Austausch ihrer Bürger, sowie eine an völlige Debilität grenzende Außenpolitik hervortut, steigt unaufhaltsam.
Und Schuld daran ist genau der Typus Politiker, den Sie repräsentieren.

Der Schöne und das Biest haben sich also getroffen, um über die „Anti-europäische Lepra“ zu beraten. Asselborn sprach vom Krebsgeschwür – die restlichen Kosenamen anderer Mau-Mau-Spieler sind obsolet. Der „Möchtegern-EU-Napoleon“ hat in der Rothschildbank offenbar eine ganz neue Sichtweise auf den Begriff Investmentbanking gelernt. Dass er die EU-Kasse unter sein edles Kopflissen legen will, könnte man wohlwollend unter gierig-verständlich abbuchen, aber dass er aus Steuerzahler’s Sparstrumpf in den ersten 3 Monaten seiner Amtszeit 26 .000 Euronen für seine Visage herausgenommen hat, ist selbst für einen Schönling atemberaubend.

Tja, die wirkliche Fratze zu verbergen, kostet halt………..

Herr Wallasch,es wird dem kleinen Gernegroß aus Frankreich noch sehr unschön aufstoßen was er so von sich gibt. Er zielte auf Italien mit der „Lepra“,aber traf damit eigentlich sich und die Franzosen! Wer bitteschön wird sich denn von diesem Politwicht bevormunden lassen? Nicht die Italiener,nicht die Österreicher,kein Visegrad-Staat,sogar die Niederlande gehen auf Distanz! Wenn wir hier in Deutschland diesem Merkel-Grün-Linken Spuk erst einmal beendet haben,was schneller kommen wird wie es diesen Gestalten lieb sein wird,dann wird der „große Franzose“ wieder auf die Größe gestutzt,die ihm in Europa zukommt!! Die Franzosen hatten ja unter einem solchen „Scheinriesen“ schon einmal einen Anflug… Mehr

Ich habe mir vorgenommen mich Menschen, die in der EU in Führungspositionen sind und die sich für wichtig halten, nicht beleidigen zu lassen. Wenn Herr Macron meint, dass er viele von uns als Aussätzige bezeichnen muss, dann zeigt das nur eines: in seiner Inkompetenz und Hinterhältigkeit schreckt er vor nichts und niemandem zurück.

Damit ist er selbst zum Aussätzigen geworden. Mehr gibt zu diesem Scheinriesen nicht zu sagen…

Früher konnte man zwischen „Pest und Cholera“ wählen. Heute bekommt man Lepra an den Kopf geworfen, wenn man nicht auf Merkel-Linie ist.

Mit solchen Beleidigungen landet man früher oder später im Abseits.

Schätzen Sie die Mitbürger so vernünftig ein? Ich will niemanden beleidigen, aber das, was hier geschieht, hat mit Vernunft doch überhaupt nichts zu tun! Sicher haben viele der Unterstützer und Bärchenwerfer/-innen zu einem anständigen Teil umgelernt, machen halt im System mit, weil es ihnen Lohn und Brot bringt. Aber auch das hat mit Weitsicht nichts zu tun, sondern oft mit dem verzweifelten Hier und Jetzt. Aber es gibt noch immer eine Grundüberzeugung des Mainstreams, und die besagt, dass wir aufnehmen und – verlogen – „integrieren“ müssten. Es ist mal wieder die gelebte deutsche Ideologiehörigkeit.

Die „europäische Idee“ ist bei den meisten Mitgliedern der deutschen Polit-Elite zum Fetisch, zum sakrosankten Religionsersatz, verkommen. In Frankreich und den meisten anderen Ländern Europas dient sie als Transmissionsriemen nationaler Interessen (genau als das ist sie auch sinnvoll und legitim). Es ist beschämend, dass die deutschen Eliten intellektuell ausserstande sind, diese offensichtliche Tatsache wahrzunehmen. Sie müssten dabei eigentlich nur in ein paar Zeitgeschichtsbücher schauen. Etwa zur Geschichte der Euro-Einführung (z.B. von David Marsh – es gibt aber auch einige hoch aufschlussreiche Memoiren von beteiligten Akteuren zu den Motiven der einzelnen Länder). Aber das ist wohl zu viel verlangt heute. Man… Mehr

„Die europäische Idee“ – welche ist das?
Die Verächter von irgendwas, nicht genau definiertem zu beschimpfen, ist einfach nur Geschwafel.