In Uniform und mit einem AR-15-Sturmgewehr ermordete Michał O. (24) aus Ostrowiec Świętokrzyski gestern sechs Menschen in Krakau: Vor den Todesschüssen hat der Täter auch seine Eltern und seine Schwester getötet. Polen trauert – und dankt dem Polizisten Jakub Kulib, der den Mörder gestoppt hat.
Screenshot Video X
In nur drei Minuten tötete Michał O. am Samstagnachmittag auf dem belebten Rynek Główny in Krakau sechs Menschen – tichyseinblick.de hat berichtet. Er hatte zuvor seine Eltern und seine Schwester in ihrem Haus erschossen, war dann mit einem schwarzen Subaru nach Krakau gefahren und eröffnete gegen 15 Uhr aus dem fahrenden Auto heraus wahllos das Feuer auf Passanten und Touristen. Vier Frauen und zwei Männer wurden getötet, mindestens 15 bis 16 weitere Menschen verletzt, darunter auch Touristen aus Deutschland, Österreich, Portugal, Russland und Großbritannien. Viele der Verletzten schweben noch in Lebensgefahr.
Der Täter trug militärische Kleidung, eine schusssichere Weste und einen Helm und führte eine zivile Variante eines AR-15-Sturmgewehrs sowie weitere Waffen und Munition mit sich. Er durchquerte anschließend die Innenstadt, schoss unter anderem auf eine Straßenbahn und floh in Richtung Wawel.
Die Polizei reagierte in Rekordzeit: Bereits drei Minuten nach der ersten Alarmierung eröffneten Polizeibeamte das Feuer auf den Täter. Der Fluchtwagen kollidierte an der Kreuzung Stradomska/Dietla mit einem anderen Fahrzeug. Dort kam es zum entscheidenden Schusswechsel: Zwei Polizisten, die Wachtmeister Jakub Kulik und Artur Morański, stellten den schwer bewaffneten Angreifer – ohne Deckung und trotz akuter Lebensgefahr.
Jakub Kulik, ein ehemaliger Soldat der 6. Luftlandebrigade (18. Bielski-Bataillon), der erst kürzlich zur Polizei gewechselt war, geriet in den direkten Nahkampf. Videos, die von Zeugen und Überwachungskameras stammen und international verbreitet wurden, zeigen, wie der bereits verletzte Beamte auf den am Boden liegenden Täter mehrfach aus kurzer Distanz schoss, bevor er selbst zusammenbrach. Die beiden neutralisierten den Angreifer und verhinderten so ein noch weit größeres Blutbad.
Beide Polizisten wurden schwer verletzt: Kulik erlitt drei Schusswunden, kämpft um sein Leben, er hat einen schwer verletzten Lungenflügel. Morański wurde ebenfalls angeschossen; sein Zustand ist ernst, aber stabiler. Polens Ministerpräsident Donald Tusk nannte sie ausdrücklich „wahre Helden“, die „viele Menschenleben gerettet“ hätten, „ohne Rücksicht auf die Gefahr, selbst ihr Leben zu verlieren“.
Eltern und Schwester ermordet
Die volle Dimension der Tat wurde kurz nach den Schüssen in Krakau aufgedeckt: Im Wohnhaus des Täters in Ostrowiec Świętokrzyski, 200 Kilometer von Krakau entfernt, entdeckten Einsatzkräfte weitere drei Opfer des Mörders: die Eltern und die Schwester von Michał O. Er hatte sie offenbar noch vor der Fahrt nach Krakau erschossen. Damit stieg die Zahl der Toten auf neun.
Der Vater des Täters, Janusz O., besaß legal elf Waffen, der Sohn selbst war Sportschütze im Klub Świt in Starachowice, hatte eine Waffenerlaubnis für zwei Waffen und arbeitete als Dreher. Er war kein Soldat und nicht vorbestraft, soll jedoch „sehr radikale Ansichten“ vertreten und von rechtsextremen sowie ultranationalistischen Ideologien fasziniert gewesen sein, wie Innenminister Marcin Kierwiński mitteilte. Nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich um einen Einzeltäter. Polens Verteidigungsminister dementierte Spekulationen, dass der Täter ein Soldat oder Ex-Soldat gewesen sei.
Internationale Kondolenzbekundungen kamen auch von Bundeskanzler Friedrich Merz, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas und dem britischen Außenministerium, das Solidarität mit Polen bekundete.
Während der Täter mehrfach operiert wurde und die Schussverletzungen überleben dürfte, steht das ganze Land unter Schock. Die schnelle und mutige Reaktion der beiden Polizisten, insbesondere die von Jakub Kulik, hat noch eine weit höhere Zahl an Todesopfer verhindert.



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