Der Absturz geht weiter: CDU nur noch knapp vor der Linken

Die CDU von Ministerpräsident Mario Voigt hat in Thüringen ein massives Problem: In einer neuen INSA-Umfrage (1000 Wahlberechtigte) kommt die Partei auf nur noch bei 18 Prozent. Damit liegt sie nur noch einen einzigen Prozentpunkt vor der Linken.

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt. IMAGO / Bild13
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt.

Im Gegensatz zur CDU bleibt die AfD in Thüringen sehr stark auf 40 Prozent. Die längerfristige Beobachtung der Umfragedaten zeigt auch das ganze Ausmaß des Abstiegs der CDU: Bei der Landtagswahl am 1. September 2024 hatte die CDU noch 23,6 Prozent erreicht und lag damit klar vor der Linken (13,1 Prozent) und hinter der AfD (32,8 Prozent). In den Monaten danach stabilisierte sie sich in INSA-Erhebungen zunächst um die 24 bis 25 Prozent: Im November und Dezember 2024 lag sie bei 25 Prozent, im Februar und September 2025 ebenfalls bei 25 Prozent, im Mai 2025, Dezember 2025, Februar und April 2026 bei 24 Prozent. Erst im Juli 2026 sackte sie auf 22 Prozent ab – und jetzt um weitere vier Punkte auf 18 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit Jahren und ein klarer Absturz gegenüber dem Wahlergebnis 2024 um 5,6 Prozentpunkte.

Zeitgleich dazu hat die AfD ihren Vorsprung massiv ausgebaut: Von 32,8 Prozent bei der Wahl stieg sie kontinuierlich und hält nun bei 40 Prozent – ein Plus von 7,2 Punkten. Die Linke gewann von 13,1 auf 17 Prozent. Das BSW, einst mit 15,8 Prozent drittstärkste Kraft, liegt nur noch bei 5 Prozent. Die SPD kommt auf 8 Prozent (+2), die Grünen bleiben bei 4 Prozent und verfehlen den Landtagseinzug. Die Abspaltung „Thüringen gerecht“ (mitgegründet von Vizeministerpräsidentin Katja Wolf) erreicht 2 Prozent; die Sonstigen insgesamt 8 Prozent (inkl. dieser Abspaltung).

Zusammen kommen CDU, SPD und „Thüringen gerecht“ in der neuen Umfrage auf nur 28 Prozent – zwölf Punkte hinter der AfD. Die drei eigentlichen Regierungsparteien (CDU + BSW + SPD) erreichen etwa 31 Prozent. Nach Berechnungen auf Basis der Umfrage könnte die AfD 45 Prozent der Mandate im 88-Sitze-Landtag erreichen, ohne jedoch eine absolute Mehrheit zu erzielen. Die Regierungsparteien kämen zusammen auf deutlich unter 40 Prozent der Sitze.

Für Voigt ist das ein deutliches Warnsignal: Die Koalition bleibt weit von einer stabilen Mehrheit entfernt und ist auf Tolerierung oder punktuelle Unterstützung angewiesen.

SPD minus 4,5 – Linke plus 3,8 – AfD plus 6,5
Umfrage: CDU in Hamburg stürzt von 19,5 auf 12 Prozent
Die aktuellen Daten bestätigen die anhaltende Schwäche der Mitte-Rechts-Regierung in Thüringen und die feste Verankerung der AfD als mit Abstand stärkste Kraft. Ob sich der Absturz der CDU fortsetzt oder eine Gegenbewegung einsetzt, hängt von der weiteren Regierungsarbeit und natürlich auch von bundespolitischen Entwicklungen ab.

Vertrauenskrise nach Plagiatsvorwürfen?

Und den Ministerpräsidenten belastet seit dem Landtagswahlkampf 2024 die Affäre um seine Dissertation aus dem Jahr 2008 („Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf. George W. Bush gegen John F. Kerry“, TU Chemnitz). Erste Vorwürfe tauchten im Sommer 2024 auf. Nach langer Prüfung erkannte die TU Chemnitz Voigt im Januar 2026 den Doktortitel ab. Sein Widerspruch wurde zurückgewiesen.

Ein von der AfD in Auftrag gegebenes weiteres Gutachten listete insgesamt 265 problematische Stellen auf, darunter Vorwürfe der Empirie-Verfälschung (angeblich geführte Experteninterviews, deren Inhalte nahezu wortgleich in Sekundärliteratur stehen) sowie zahlreiche Übersetzungsplagiate und fehlende Quellenangaben. Die AfD startete daraufhin mehrere (gescheiterte) Misstrauensvoten und einen Auflösungsantrag im Landtag. Auch die BSW-Bundesspitze forderte zeitweise Voigts Rücktritt und ein Ende der Koalition. Die CDU sprach von einer „Schmutzkampagne“; Voigt betonte, der wissenschaftliche Kern seiner Arbeit sei nicht betroffen und beanstandete Verfahrensänderungen der Universität.

Die INSA-Umfrage wurde im Auftrag der Thüringer Allgemeinen, der Ostthüringer Zeitung und der Thüringischen Landeszeitung durchgeführt.

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