Dritte Welle an Bombendrohungen gegen Fluglinien

Eine dritte Welle von Bombendrohungen hat am Freitag den europäischen Luftverkehr erneut empfindlich belastet: Nach ersten Fällen am Dienstag und einer noch größeren Serie am Donnerstag meldeten die Behörden in zahlreichen Ländern weitere Drohungen.

Dutzende Alarmmeldungen auf den europäischen Flughäfen. picture alliance / Anadolu | Merve Goettl
Dutzende Alarmmeldungen auf den europäischen Flughäfen.

Das Rätselraten geht weiter: Wer kann hinter diesen perfiden Angriffen gegen die europäische Luftfahrt stecken? Auch der bekannte Terror-Experte Peter R. Neumann – tichyseinblick.de berichtete – warnt vor zu schnellen Schlüssen: Eine Beteiligung Russlands sei derzeit nicht belegbar.

Am Freitag setzte sich die Serie der Attentats-Drohungen gegen Airlines jedenfalls fort: Allein gestern wurden mindestens sieben zusätzliche Maschinen identifiziert, darunter die TAROM-Maschine RO226 von Prag nach Bukarest (bestätigt durch den rumänischen Nachrichtendienst, erzwungene Landung mit 102 Passagieren), der Ryanair-Flug FR8196 von Rom nach Lissabon sowie der KLM-Flug KL1353 von Amsterdam nach Prag, bei dem die Besatzung laut ACARS-Nachrichten von der Flugsicherung über die Drohung informiert wurde.

Psychoterror – bisher ohne Erpressung

Alle erwiesen sich als leere Drohungen, doch dieser Psychoterror zwang die Fluglinien zu sofortigen Notfallmaßnahmen. Dazu zählen eine militärische Begleitung der betroffenen Flugzeuge durch Kampfjets, Umleitungen, sowie Durchsuchungen nach der Landung und in Einzelfällen sogar Notlandungen.

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Besonders dramatisch war der Fall eines Aer-Lingus-Flugs von Dublin nach Rom, der nach einer Drohung auf einem französischen Militärflugplatz landen musste, weil der Treibstoff nicht mehr für den ursprünglichen Zielort reichte. Auch Ungarn setzte am Freitag mehrfach Kampfjets ein, um Flugzeuge in seinem Luftraum zu begleiten, darunter einen Wizz-Air-Flug von Brüssel nach Sofia. In Prag waren nach Angaben des Flughafens bis zu neun Flüge betroffen, in Frankreich meldete das Büro von Premierminister Sébastien Lecornu vier weitere Drohungen gegen Maschinen über französischem Territorium.

Die International Civil Aviation Organization (ICAO) teilte mit, dass mindestens 16 Staaten als Abflug-, Ziel- oder Zwischenlandeorte involviert waren. Der Anteil an den täglichen europäischen Flügen blieb gering – Eurocontrol registrierte am Freitag 26.700 geplante Flüge –, doch die Belastung für die Sicherheitskräfte, die Flughafen-Sicherungsteams und für die Airlines war groß.

Einige E-Mails, die an Flughäfen in Rom und Sofia gingen, waren im Namen der „Fighters of the Male State“ unterzeichnet, einer russischen ultranationalistischen und misogynen Gruppierung. Deren Gründer bestritt jedoch jede Beteiligung und erklärte, die Gruppe existiere seit 2021 nicht mehr.

In anderen Nachrichten an Medien hieß es „dies ist erst der Anfang“, und die Täter drohten mit weiteren Angriffen auf den europäischen Verkehr. Spanische Behörden berichteten von drei E-Mails innerhalb von 20 Minuten, was auf eine koordinierte oder automatisierte Kampagne hindeutet. Irische Stellen bezeichneten die Vorfälle als „wahrscheinlich koordinierte Störungskampagne“. Sicherheitsexperten sehen Merkmale hybrider Kriegsführung, ohne dass bisher ein klarer staatlicher Urheber identifiziert werden konnte.

Die Drohungen weiteten sich am Freitag auch auf Medienhäuser aus: RTÉ in Irland evakuierte Büros, weitere Sender in Großbritannien und Bulgarien meldeten ähnliche Angriffe.

Für die Airlines bedeutet die Serie eine zusätzliche Belastung der ohnehin angespannten Sicherheitsprotokolle: Jede Drohung muss ernst genommen werden. Die Kosten und der organisatorische Aufwand für Umleitungen, Begleitungen und Durchsuchungen summieren sich, auch wenn die unmittelbaren finanziellen Schäden im Vergleich zu Wetter- oder technischen Ausfällen begrenzt bleiben.

Die britische Regierung sprach von „malicious hoax threats“ und verwies auf die strengen Strafen nach dem Aviation Security Act 1982, die bis zu lebenslanger Haft vorsehen können.

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