Mit der feministischen Außenpolitik zur Gast-Professur an der traditionsreichen Columbia University in New York: Ex-Außenministerin Annalena Baerbock hat einen neuen Job, sobald im September ihre Amtszeit als Präsidentin der UN-Generalversammlung endet.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Lev Radin
Die Grünen-Politikerin, die in den vergangenen Wochen erneut für zahlreiche negative Schlagzeilen gesorgt hat, wird laut dpa als Professorin für Global Leadership und Co-Direktorin des Masterprogramms „Master of Public Administration in Global Leadership“ an der School of International and Public Affairs (SIPA) tätig sein. Die praxisorientierte Vollzeitstelle ist auf drei Jahre angelegt und trägt den Titel „Professor of Professional Practice“ – eine Position, die erfahrene Praktiker aus Politik und Diplomatie für herausragende berufliche Leistungen außerhalb der klassischen Wissenschaft ehren soll.
Baerbocks einjähriges Amt an der Spitze der UN-Generalversammlung endet offiziell am 8. September 2026. Ihr Nachfolger wird Khalilur Rahman aus Bangladesch. Die ehemalige Ministerin hatte bereits mehrfach betont, sich in der Vielfalt New Yorks wohlzufühlen – und dort „unterzugehen“ sei für sie „befreiend“. Ein politisches Comeback in Deutschland scheint damit vorerst ausgeschlossen. Die Karenzzeit für ehemalige Bundesminister endet im Herbst, sodass keine Genehmigung der Bundesregierung mehr erforderlich ist. Auch als Rednerin will Baerbock künftig Geld verdienen.
Das zehnmonatige MPA-Programm richtet sich gezielt an Führungskräfte mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung, die ihre Kompetenzen in globaler Führung ausbauen wollen. „Lernen Sie von globalen Führungskräften“ wirbt die Universität. Baerbock bringe als ehemalige Außenministerin und UN-Präsidentin praktische Erfahrung aus internationalen Krisen, der feministischen Außenpolitik und multilateralen Verhandlungen mit.
Die Columbia University steht seit 2024 unter massiver Kritik: Propalästinensische Studenten und Aktivisten errichteten Protestlager auf dem Campus, stürmten Hörsäle und lösten Polizeieinsätze aus. Die damalige Rektorin Nemat „Minouche“ Shafik trat im August 2024 zurück. Später strich die US-Regierung unter Präsident Donald Trump Fördergelder in Höhe von 400 Millionen Dollar, weil die Hochschule „angesichts der anhaltenden Belästigung jüdischer Studenten untätig geblieben“ sei. Die Unruhen haben die Elite-Uni schwer belastet und zu Entlassungen sowie anhaltenden Debatten über Antisemitismus und Meinungsfreiheit geführt.
Trotz Plagiatsvorwürfen zur Uni-Gastprofessur
Die zweifache Mutter – ihre Töchter sind elf und 14 Jahre alt – wird nun also trotz ihrer Skandale und zahlloser Pannen Außenministerin Uni-Professorin. Legendär sind ihre sprachlichen Aussetzer: Statt von „Kobalt“ sprach sie von „Kobold“, sorgte für Fragezeichen, was wohl ein „präsidenzloser“ Angriff sei und forderte eine „360-Grad-Wende“ von Putin (was mathematisch zurück zum Ausgangspunkt führt). Trotz des Studiums an einer britischen Hochschule blieb auch die englische Sprache nicht verschont. Unvergessen: ihre Rede vom „Bacon of Hope“ (Schinkenspeck der Hoffnung) – gemeint war freilich „Beacon of Hope“ (Leuchtfeuer der Hoffnung).
Ernster sind Kontroversen um ihren Lebenslauf, in dem Mitgliedschaften und Ausbildungsstationen übertrieben oder falsch dargestellt wurden, sowie Plagiatsvorwürfe zu ihrem Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“. Die Visa-Affäre um die Einreise afghanischer Staatsangehöriger sowie Aussagen wie „Egal, was meine deutschen Wähler denken“ lösten wiederholt Kritik aus.




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