Britisches Innenministerium erklärt Asylbewerbern: Vergewaltigung ist illegal

Das wird's richten: Das britische Innenministerium hält es inzwischen für notwendig, Asylbewerbern schriftlich zu erklären, dass Vergewaltigung und Sex mit Kindern Straftaten sind. Neue Leitfäden erläutern außerdem, dass sexuelle Belästigung verboten ist.

Es gibt staatliche Veröffentlichungen, deren bloße Existenz mehr über die Lage eines Landes verrät, als diesem lieb sein kann. Das britische Innenministerium hat jetzt eine Reihe von Leitfäden und Plakaten für Asylbewerber herausgegeben. Darin erklärt die Regierung Neuankömmlingen unter anderem, dass Sex ohne Zustimmung Vergewaltigung ist, dass Sex mit unter 16-Jährigen verboten ist und Frauen nicht die Erlaubnis eines Mannes benötigen, um arbeiten oder reisen zu dürfen.

Die neunseitige Broschüre trägt den Titel „Verhaltensweisen und Erwartungen im Vereinigten Königreich verstehen: ein Leitfaden für Asylbewerber“ und wurde am 19. August veröffentlicht. Schon die Themenwahl wirkt wie ein staatlich beglaubigtes Dokument über jene kulturellen Unterschiede, die in der öffentlichen Migrationsdebatte jahrelang möglichst nicht benannt werden sollten.

Beim Thema Vergewaltigung lässt das Innenministerium keinen Interpretationsspielraum: „Wenn Sie Sex mit jemandem ohne dessen Zustimmung haben, wird dies Vergewaltigung genannt. Vergewaltigung ist im Vereinigten Königreich eine schwere Straftat.“ Wer dagegen verstößt, könne ins Gefängnis kommen, staatliche Unterstützung und Unterkunft verlieren; außerdem könne sich die Tat auf den Asylantrag auswirken. Wer’s glaubt, wird selig.

Der Leitfaden macht da nicht halt: Sex mit einer Person unter 16 Jahren sei im Vereinigten Königreich eine schwere Straftat. „Es gibt keine Ausnahmen von dieser Regel. Selbst wenn sie Ja sagt, ist es dennoch illegal“, heißt es dort. Ein eigener Abschnitt widmet sich der Gleichberechtigung von Frauen. Das Innenministerium erklärt Asylbewerbern ausdrücklich: „Frauen benötigen keine Erlaubnis von einem Ehemann, Vater, Bruder oder irgendeinem anderen Mann.“ Auch häusliche Gewalt wird behandelt.

Daneben erläutert die Regierung Verhaltensregeln, von denen man bislang hätte annehmen können, dass sie keiner behördlichen Einführungsschrift bedürfen: Sexuelle Bemerkungen gegenüber Menschen in der Öffentlichkeit sind ebenso unerwünscht wie das Verfolgen anderer Personen. Auch das Anfertigen sexueller Bilder ohne Zustimmung wird ausdrücklich untersagt. Selbst Hinterherpfeifen und Kussgeräusche gegenüber Fremden werden in den Materialien thematisiert.

— Louise Green (@GreenLouis1840) August 19, 2026

Das Innenministerium liefert die Begründung gleich mit. „Die Gesetze und Gepflogenheiten hier können sich von denen in Ihrem Heimatland unterscheiden“, heißt es in der Broschüre. Damit formuliert die britische Regierung ausgesprochen nüchtern, was jede Debatte über Migration und Integration berührt: Menschen bringen nicht nur einen Koffer über die Grenze, sondern auch Vorstellungen von Frauen, Sexualität, Familie, Gewalt und gesellschaftlichem Verhalten.

Die Broschüre steht nicht allein. Begleitende Plakate beschäftigen sich mit Zustimmung zu sexuellen Handlungen, Kindesmissbrauch, dem Schutzalter, häuslicher Gewalt, Belästigung und Gleichstellung der Geschlechter. Die Materialien gehören zu einer größeren Informationssammlung der Regierung für Asylbewerber in Großbritannien.

Die Veröffentlichung löste entsprechend heftige Reaktionen aus. Zia Yusuf, innenpolitischer Sprecher von Reform UK, bezeichnete die Broschüren als „eines der verrücktesten Dinge, die ich je gesehen habe“. Die Regierung gestehe durch solche Einführungspakete selbst ein, wie groß die kulturelle Kluft sei, wenn Neuankömmlingen grundlegende Verbote von Vergewaltigung und sexuellem Kindesmissbrauch erst erläutert werden müssten.
Chris Philp, Schatteninnenminister der konservativen Opposition, ging noch weiter. Auf X erklärte er, das Innenministerium solle die überwiegend jungen männlichen Ankommenden abschieben, anstatt zu versuchen, sie entsprechend zu schulen.

Das Innenministerium verteidigt seine Materialien. Von jedem Menschen, der nach Großbritannien komme, werde erwartet, dass er britisches Recht einhalte, erklärte ein Sprecher. Wer das nicht tue, müsse mit Konsequenzen rechnen, „einschließlich der Ablehnung seines Asylantrags und der Abschiebung aus dem Vereinigten Königreich“.

Auch Bildungsministerin Lucy Powell stellte sich hinter die Leitlinien. Beim Radiosender LBC sagte sie, es sei richtig, dass Menschen „die Erwartungen und die Konsequenzen verstehen, wenn sie gegen das Gesetz verstoßen“. Damit steht nun auf einer offiziellen britischen Regierungswebsite schwarz auf weiß, was der Staat einem Teil der Asylbewerber offenbar ausdrücklich beibringen zu müssen glaubt: Eine Frau darf ohne männliche Erlaubnis arbeiten und reisen, ein Nein zum Sex bedeutet Nein, und bei Kindern gibt es auch bei einem vermeintlichen Ja keine Ausnahme. Nein, keine Polemik eines migrationskritischen Politikers. Es ist ein Integrationsleitfaden des britischen Innenministeriums.

Die Broschüre zog in Zeiten von KI gleich den Spott der Menschen nach sich:

Deutschland kennt diese Form staatlich organisierter Kindergartenpädagogik längst. Schon auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015/16 begann man, erwachsene Menschen nicht wie Erwachsene anzusprechen, sondern ihnen die elementaren Regeln des Zusammenlebens mit Zeichnungen, Bildchen und möglichst einfacher Sprache nahezubringen. Der „Refugee Guide“, den auch die Bundeszentrale für politische Bildung als Orientierungshilfe vorstellte, erklärte Neuankömmlingen unter anderem, dass Männer und Frauen dieselben Rechte besitzen, dass man jemanden in Ruhe lassen muss, wenn er darum bittet, dass Belästigung nicht erlaubt ist, dass jeder seinen Partner selbst wählen darf und Homosexualität in Deutschland normal ist.

Nach den Kölner Silvesterübergriffen wurde es noch grotesker: In Berliner Schwimmbädern sollten Comics und Hinweise in sechs Sprachen vermitteln, dass Frauen unabhängig von ihrer Badebekleidung zu respektieren seien. Eine durchgestrichene Hand vor einer Frau im Bikini bedeutete allen Ernstes: „Grabschen verboten“. Dazu kamen Bildanweisungen zum Duschen und der Hinweis, dass auch weiblichen Bademeistern Folge zu leisten sei.

Andere deutsche Schwimmbäder arbeiteten ebenfalls mit international verständlichen „Grabschen verboten“-Piktogrammen, wobei fast ausnahmslos Rollen vertauscht werden so zB dass ein weißer Mann dunkelhäutige Mädchen begrapscht – oder Stichwort „Tiki“ eine übergewichtige weiße Oger-Frau einen armen dunkelhäutigen Flüchtlingsjungen im Pool begraptscht.

Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt wiederum ließ für Flüchtlingsunterkünfte eine eigene Piktogrammserie zur Toilettenbenutzung entwickeln: nicht mit den Füßen auf die Toilette steigen, nicht das Waschbecken zweckentfremden, sondern sich auf die Toilette setzen. Die Bildchen wurden bundesweit Gesundheitsämtern zur Verfügung gestellt. Ein Staat, der gleichzeitig jede Diskussion über kulturell bedingte Integrationsprobleme unter Generalverdacht stellte, produzierte damit selbst eine immer größere Bilderfibel darüber, welche Selbstverständlichkeiten alle offenbar keineswegs selbstverständlich waren.

Besonders bizarr geriet 2016 „Zanzu – Mein Körper in Wort und Bild“, einem von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gemeinsam mit der belgischen Organisation Sensoa entwickelten und von einem internationalen Beratungsgremium unter Beteiligung der WHO begleiteten Sexualkundeportal. Es richtete sich ausdrücklich an Migranten und neu angekommene Flüchtlinge und bot seine Inhalte in 13 Sprachen an. Dort wurde mit Piktogrammen und Illustrationen erklärt, wie ein Penis aussieht, wo sich das Jungfernhäutchen befindet, wie ein Kondom benutzt wird, was Masturbation ist und in welchen Positionen Menschen Geschlechtsverkehr haben können; selbst die linke Zeit machte sich damals unter der Überschrift „Auch hockend möglich“ über die amtlich unterstützte Sex-Nachhilfe lustig, während die Süddeutsche Zeitung die teilweise unfreiwillig komischen Piktogramme beschrieb – etwa ein übereinanderliegendes Paar mit erhobenem Daumen als Symbol für „guten Sex“.

So entstand seit 2015 eine eigentümliche deutsche Integrationspädagogik: Auf der einen Seite wurde gebetsmühlenartig versichert, die überwältigende Mehrheit der Zugewanderten teile selbstverständlich die elementaren Normen einer westlichen Gesellschaft; auf der anderen Seite sahen Behörden und öffentlich finanzierte Einrichtungen offenkundig Anlass, genau diese Normen in immer neuen irren Comics, Piktogrammen, mehrsprachigen Gebrauchsanweisungen und Sexualkundezeichnungen zu erklären.

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