Sicherheits-Skandal: Spionin arbeitete im NATO-Hauptquartier

Die NATO hat ein Sicherheitsproblem: Eine kanadische Praktikantin chinesischer Herkunft spionierte im Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE), im strategischen Militärhauptquartier der NATO nahe Mons in Belgien. Am Freitag wurde sie festgenommen.

picture alliance / dpa | Virginie Lefour
Shape (Supreme Headquarters Allied Powers), Mons, Belgien

Sicherheitskräfte von SHAPE bemerkten verdächtige Aktivitäten der Frau: Diese reichten offenbar über ihre eigentlichen Praktikumsaufgaben hinaus, möglicherweise kam es zu Zugriffen auf sensible Systeme oder in nicht autorisierte Dossiers. Die NATO-Einrichtung meldete den Vorfall umgehend an den belgischen Militärgeheimdienst (SGRS/ADIV). Am vergangenen Donnerstag durchsuchten Spezialkräfte – darunter Experten für Computerkriminalität und Forensik – die Wohnung der Verdächtigen sowie ihren Arbeitsplatz am NATO-Gelände. Am Folgetag erließ eine Untersuchungsrichterin des Gerichts von Hennegau (Mons) den Haftbefehl.

Die belgischen Behörden meinten in einer Erklärung, dass die Frau kanadische Staatsbürgerin mit chinesischen Wurzeln sei. Der Name der Verdächtigen sowie das mutmaßlich begünstigte Land wurden aus ermittlungstaktischen Gründen bisher noch nicht genannt. Aufgrund des Täter-Profils und früherer Fälle dürfte aber von einer Spionagetätigkeit im Interesse der chinesischen Volksrepublik auszugehen sein.

SHAPE ist das zentrale militärische Kommandozentrum der NATO, in dem Strategien entwickelt, Operationen geplant und Reaktionen auf globale Bedrohungen koordiniert werden. Von hier aus steuert das Bündnis seine weltweiten Einsätze. Ein Sprecher der Einrichtung, Martin O’Donnell, versicherte jedoch laut Financial Times, dass es derzeit keine Hinweise darauf gebe, dass die operative Einsatzbereitschaft, die Kommando- und Kontrollstrukturen oder laufende Aufgaben beeinträchtigt seien. „SHAPE erfüllt weiterhin uneingeschränkt seine Verantwortlichkeiten“, hieß es in einer Stellungnahme. Die NATO betont, dass der Vorfall isoliert zu betrachten sei.

Erst im vergangenen Jahr wurde ein Cyberangriff chinesischer Täter auf belgische Geheimdienste aufgedeckt. Zudem wurde ein belgischer Polizist festgenommen, der mutmaßlich für China und Russland spioniert haben soll. Solche Fälle belegen die Strategie einiger Staaten, Spione in die Strukturen der NATO oder der EU zu platzieren.

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